Auf die Liebe setzen
49. Aus der innerkirchlichen Gemeinschaft öffnet sich die Liebe, wie es
ihrer Natur entspricht, auf den universalen Dienst hin und stellt uns in den
Einsatz einer tätigen, konkreten Liebe zu jedem Menschen. Das ist ein
Bereich, der das christliche Leben, den kirchlichen Stil und die pastorale
Planung gleichermaßen bestimmt und kennzeichnet. Das Jahrhundert und das
Jahrtausend, die im Anbruch begriffen sind, werden noch sehen müssen — und
es ist wünschenswert, daß sie das mit größerem Nachdruck
tun —, zu welcher Hingabe die Liebe zu den Ärmsten fähig ist. Wenn
wir wirklich von der Betrachtung Christi ausgegangen sind, werden wir in der
Lage sein, ihn vor allem im Antlitz derer zu erkennen, mit denen er sich selbst
gern identifiziert hat: »Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben;
ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und
obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir
Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im
Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen« (Mt 25,35-36). Diese
Aussage ist nicht nur eine Aufforderung zur Nächstenliebe; sie ist ein
Stück Christologie, das einen Lichtstrahl auf das Geheimnis Christi wirft.
Daran mißt die Kirche ihre Treue als Braut Christi nicht weniger, als
wenn es um die Rechtgläubigkeit geht.
Es ist sicher nicht zu vergessen, daß niemand von unserer Liebe
ausgeschlossen werden darf. Denn »der Sohn Gottes hat sich in seiner
Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt«.35 Wenn
wir uns aber an die unmißverständlichen Worte des Evangeliums
halten, dann ist in den Armen Christus in besonderer Weise gegenwärtig,
was der Kirche eine vorrangige Option für sie auferlegt. Durch diese
Option wird die Art der Liebe Gottes, seine Fürsorge und sein Erbarmen,
bezeugt. Außerdem werden in die Geschichte gewissermaßen jene
Samenkörner des Gottesreiches ausgesät, die Jesus selbst in das
Erdreich seines Lebens gelegt hat, indem er denen entgegenkam, die sich wegen
aller möglichen geistigen und materiellen Nöte an ihn wandten.
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