Die heutigen Herausforderungen
51. Wie könnten wir uns abseits halten angesichts eines
voraussichtlichen ökologischen Zusammenbruchs, der weite Gebiete
des Planeten unwirtlich und menschenfeindlich macht? Oder im Hinblick auf die Probleme
des Friedens, der immer wieder durch den Alptraum katastrophaler Kriege
bedroht ist? Oder angesichts der Verachtung der menschlichen Grundrechte gegenüber
so vielen Personen, besonders den Kindern? Es gibt so viele Dringlichkeiten,
die den Christen nicht kalt lassen dürfen.
Ein besonderes Engagement muß einigen Aspekten der Radikalität
des Evangeliums gelten, die oft so wenig verstanden werden, daß sie die
Intervention der Kirche unpopulär machen, die aber deshalb in der
kirchlichen Agenda der Liebe nicht weniger präsent sein dürfen. Ich
beziehe mich auf die Verpflichtung, sich für die Achtung des Lebens
eines jeden Menschen von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen
Hinscheiden einzusetzen. In gleicher Weise erlegt uns der Dienst am Menschen
auf, ob gelegen oder ungelegen auszurufen, daß alle, die von den neuen
Möglichkeiten der Wissenschaft, besonders auf dem Gebiet der
Biotechnologien, Gebrauch machen, niemals die grundlegenden Forderungen der
Ethik mißachten dürfen, selbst wenn dies unter Berufung auf eine
fragliche Solidarität geschehen sollte, die in Geringschätzung der
jedem Menschen eigenen Würde letztlich zwischen Leben und Leben
unterscheidet.
Um dem christlichen Zeugnis besonders auf jenen heiklen und umstrittenen
Gebieten Wirkkraft zu verleihen, ist es wichtig, sich mit Kraft dafür
einzusetzen, die Beweggründe des kirchlichen Standpunktes in angemessener
Weise zu erklären. Dabei muß man vor allem herausheben, daß es
nicht darum geht, den Nichtglaubenden eine Perspektive des Glaubens
aufzudrücken, sondern die Werte zu deuten und zu schützen, die in der
Natur des Menschen selbst verwurzelt sind. Die Liebe wird also notwendigerweise
zum Dienst an der Kultur, der Politik, der Wirtschaft und der Familie, damit
überall die Grundprinzipien geachtet werden, von denen das Schicksal des
Menschen und die Zukunft der Kultur abhängt.
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