52. Das alles wird man
natürlich in einem spezifisch christlichen Stil realisieren müssen:
Bei diesen Aufgaben sollen vor allem die Laien in Erfüllung ihrer
eigenen Berufung auf den Plan treten, ohne aber jemals der Versuchung
nachzugeben, aus den christlichen Gemeinden Sozialagenturen zu machen.
Besonders das Verhältnis zur bürgerlichen Gesellschaft wird so
gestaltet werden müssen, daß man deren Autonomie und Kompetenzen
entsprechend den von der Soziallehre der Kirche aufgestellten
Richtlinien Rechnung trägt.
Die Anstrengung ist bekannt, die das kirchliche Lehramt vor allem im
zwanzigsten Jahrhundert unternommen hat, um die soziale Wirklichkeit im Licht
des Evangeliums zu deuten und auf immer treffendere und eingehendere Weise
ihren Beitrag zur Lösung der sozialen Frage, die inzwischen zu einem
weltweiten Problem geworden ist, anzubieten.
Diese ethisch-soziale Seite stellt sich als unabdingbare Dimension des
christlichen Zeugnisses dar. Es gilt, die Versuchung einer intimistischen und
individualistischen Spiritualität zurückzuweisen, die sich nicht nur
mit den Forderungen der Liebe, sondern auch mit der Logik der Inkarnation und
schließlich mit der eschatologischen Spannung des Christentums schlecht
in Einklang bringen ließe. Wenn uns diese letztere den relativen
Charakter der Geschichte bewußt macht, bedeutet das für uns
keineswegs die Entpflichtung von der Aufgabe, Geschichte aufzubauen. Hier
bleibt die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils aktueller denn je: »Es ist
klar, daß die christliche Botschaft die Menschen nicht vom Aufbau der
Welt ablenkt noch zur Vernachlässigung des Wohls ihrer Mitmenschen
hintreibt, sondern sie vielmehr strenger zur Bewältigung dieser Aufgaben
verpflichtet«.36
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