Die
pilgernde Kirche
8. Zahllose Söhne und Töchter der Kirche haben sich gleichsam in
die Fußstapfen der Heiligen begeben und lösten hier in Rom an den
Gräbern der Apostel einander ab, erfüllt von dem Wunsch, ihren
Glauben zu bekennen, ihre Sünden zu beichten und das rettende Erbarmen zu
empfangen. Mein Blick war dieses Jahr nicht nur beeindruckt von den
Menschenmassen, die während vieler Gottesdienste den Petersplatz
füllten. Nicht selten verweilte ich, um die langen Pilgerschlangen zu beobachten,
die geduldig warteten, bis sie durch die Heilige Pforte gehen konnten. Bei
jedem dieser Pilger versuchte ich mir eine Lebensgeschichte vorzustellen, die
sich aus Freuden, Ängsten und Schmerzen zusammensetzt; eine Geschichte,
die mit Christus in Berührung gekommen ist und im Dialog mit ihm ihren
hoffnungsvollen Weg wieder aufnahm.
Wenn ich dann die ständig vorüberströmenden Gruppen
beobachtete, gewann ich daraus ein plastisches Bild der pilgernden Kirche,
jener Kirche, die — wie der heilige Augustinus sagt — »zwischen den
Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes« 5 angesiedelt
ist. Wir können nur die mehr äußere Seite dieses einzigartigen
Ereignisses beobachten. Wer vermag die Gnadenwunder zu ermessen, die sich in
den Herzen ereignet haben? Es ist der Mühe wert, zu schweigen und
anzubeten, indem man demütig auf das geheimnisvolle Wirken Gottes vertraut
und seine grenzenlose Liebe besingt: »Misericordias Domini in aeternum
cantabo!«.
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