12. Man wird verstehen, daß
es mir ein spontanes Anliegen ist, über das Jubiläum vor allem aus
dem Blick zu sprechen, wie er sich vom Sitz des Petrus aus ergibt. Dabei
vergesse ich freilich nicht: Ich selbst habe gewollt, daß die Feier des
Jubiläums auch in den Teilkirchen vollgültig stattfände, und
dort konnte ja auch der Großteil der Gläubigen die besonderen
Gnaden, besonders den mit dem Jubeljahr verbundenen Ablaß, erhalten.
Immerhin ist bemerkenswert, daß zahlreiche Diözesen den Wunsch
hatten, mit riesigen Gruppen von Gläubigen auch hier in Rom präsent
zu sein. Die Ewige Stadt hat so wieder einmal die ihr von der Vorsehung
zugedachte Rolle deutlich gemacht, nämlich ein Ort zu sein, wo die
Reichtümer und Gaben jeder einzelnen Kirche und sogar jeder einzelnen
Nation und Kultur in der »Katholizität« miteinander harmonieren, damit die
eine und einzige Kirche Christi auf immer eindrucksvollere Weise ihr Geheimnis
als Sakrament der Einheit 7 kundmache.
Besondere Beachtung hatte ich in der Programmplanung des Jubiläumsjahres
auch für die ökumenische Dimension verlangt. Welche
günstigere Gelegenheit als die gemeinsame Feier der Geburt Christi
könnte es geben, um für den Weg zur vollen Gemeinschaft Mut
auszusprechen? Zu diesem Ziel wurden viele Anstrengungen unternommen; die
ökumenische Begegnung am 18. Januar 2000 in der Basilika St. Paul vor den
Mauern strahlt weiter. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde eine Heilige
Pforte gemeinsam vom Nachfolger Petri, vom anglikanischen Primas und von einem
Metropoliten des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel in
Anwesenheit der Vertreter von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften aus der
ganzen Welt geöffnet. Auf dieser Linie bewegten sich auch einige
wichtige Begegnungen mit orthodoxen Patriarchen und Häuptern anderer christlicher
Konfessionen. Besonders erinnere ich an den kürzlichen Besuch Seiner
Heiligkeit Karekin II., des obersten Patriarchen und Katholikos aller Armenier.
Außerdem haben viele Gläubige anderer Kirchen und kirchlicher
Gemeinschaften an den verschiedenen Jubiläumsfeiern teilgenommen. Der
ökumenische Weg bleibt sicher mühsam, vielleicht ist er noch lang,
doch beseelt uns die Hoffnung, daß wir geleitet werden von der Gegenwart
des Auferstandenen und von der unerschöpflichen Kraft seines Geistes, die
zu immer neuen Überraschungen fähig ist.
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