Die Wallfahrt ins Heilige Land
13. Und sollte ich mich etwa nicht an mein persönliches
Jubiläum auf den Straßen des Heiligen Landes erinnern? Ich
hätte es gern in Ur in Chaldäa begonnen, um mich gleichsam
handgreiflich auf die Spuren Abrahams, unseres »Vaters im Glauben« (vgl. Röm
4,11-16) zu begeben. Doch mußte ich mich mit einer lediglich
geistlichen Etappe zufriedengeben. Es war die gehaltvolle »Wortgottesfeier«,
die am 23. Februar in der Aula Paul
VI. stattfand. Unmittelbar danach folgte eine wahre und eigentliche
Pilgerfahrt, die dem Ablauf der Heilsgeschichte nachging. So hatte ich die
Freude, am Berg Sinai innezuhalten — dem Schauplatz der Übergabe des
Dekalogs und des ersten Bundesschlusses. Einen Monat später nahm ich den
Weg wieder auf. Ich pilgerte zum Berg Nebo und begab mich daraufhin an
dieselben Orte, die der Erlöser bewohnt und geheiligt hat. Die
Ergriffenheit läßt sich kaum ausdrücken, die mich
überwältigte, als ich den Stätten der Geburt und des Lebens Jesu
Christi meine Verehrung erweisen, die Eucharistie im Abendmahlsaal, am Ort
ihrer Einsetzung, feiern, und auf Golgota, wo er sein Leben für uns
hingegeben hat, neu über das Geheimnis des Kreuzes nachdenken durfte. An
jenen Orten, die noch immer so geplagt sind und auch in jüngster Zeit von
Gewalt heimgesucht werden, habe ich nicht nur von seiten der Kinder der Kirche,
sondern auch von seiten der israelischen und palästinensischen
Gemeinschaften eine außergewöhnliche Aufnahme erfahren dürfen.
Tief ergriffen war ich, als ich an der Klagemauer betete und die
Gedenkstätte Yad Vaschem besuchte, eine grauenvolle Erinnerung an die
Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungslager. Jene Pilgerfahrt war ein
Augenblick der Brüderlichkeit und des Friedens, den ich als eine der
schönsten Gaben des Jubiläums bewahren möchte. Wenn ich an die
Atmosphäre zurückdenke, die ich in jenen Tagen erlebte, kann ich
nicht umhin, den aufrichtigen Wunsch auszusprechen für eine baldige und
gerechte Lösung der noch immer offenen Probleme an jenen heiligen
Stätten, die den Juden, den Christen als Jüngern Jesu und dem Islam
gleichermaßen teuer sind.
|