Ein neuer Dynamismus
15. Das sind nur einige Züge, die aus dem Erlebnis des Jubiläums
herausragen. Es hinterläßt in uns so viele Erinnerungen. Wenn wir
aber das große Erbe, das uns das Jubiläumsjahr übergibt, auf
den wesentlichen Kern bringen wollten, würde ich ihn, ohne zu zögern,
mit der Betrachtung des Angesichtes Christi umschreiben: Jesus Christus
wurde in seinen historischen Zügen und in seinem Geheimnis angeschaut, in
seiner vielfältigen Gegenwart in der Kirche und in der Welt aufgenommen,
als Sinn der Geschichte und Licht auf unserem Weg bekannt.
Jetzt müssen wir nach vorn blicken, »hinausfahren auf den See«, getreu
dem Wort Christi: Duc in altum! Was wir in diesem Jahr getan haben, darf
nicht als Rechtfertigung für ein Gefühl der Selbstzufriedenheit
dienen. Noch weniger darf es uns uns dazu verleiten, die Hände in den
Schoß zu legen. Im Gegenteil: Die Erfahrungen, die wir machen durften,
sollen in uns einen neuen Dynamismus wecken, indem sie uns dazu
anspornen, den erlebten Enthusiasmus in konkrete Initiativen einzubringen.
Jesus selbst ermahnt uns: »Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und
nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes« (Lk 9,62).
Wenn es um das Himmelreich geht, ist keine Zeit dafür,
zurückzublicken und noch weniger sich in Faulheit zu betten. Vieles wartet
auf uns, und deshalb müssen wir anfangen, ein wirksames seelsorgliches
Programm für die Zeit nach dem Jubiläum aufzubauen.
Wichtig ist jedoch, daß alles, was wir uns mit Gottes Hilfe vornehmen,
tief in der Betrachtung und im Gebet verwurzelt ist. Unsere Zeit ist in
ständiger Bewegung, die oft den Zustand der Ruhelosigkeit erreicht, mit
der Gefahr des »Machens um des Machens willen«. Dieser Versuchung müssen
wir dadurch widerstehen, daß wir versuchen zu »sein«, bevor wir uns um
das »Machen« mühen. Wir denken in diesem Zusammenhang an den Vorwurf Jesu
gegenüber Marta: »Du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur
eines ist notwendig« (Lk 10,41-42). In diesem Geist möchte ich,
bevor ich euch einige praktische Leitlinien zur Überlegung vorlege, manche
Anregungen zur Meditation über das Geheimnis Christi geben. Er ist ja das
absolute Fundament unseres ganzen pastoralen Wirkens.
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