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Ioannes Paulus PP. II
Novo Millennio

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  • II
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Antlitz voller Schmerzen

25. Die Betrachtung des Angesichtes Christi bringt uns also dem paradoxesten Gesichtspunkt seines Geheimnisses näher, der in der letzten Stunde, der Stunde des Kreuzes, ins Blickfeld rückt. Geheimnis im Geheimnis, vor dem der Mensch nur in Anbetung das Knie beugen kann.

Vor unseren Augen stehen die Dichte und Schwere, die in der Szene des Todeskampfes im Garten Getsemani liegen. Von der ihn erwartenden Prüfung gedrückt und allein vor Gott, ruft Jesus ihn mit seinem gewohnten zärtlichen und vertraulichen Namen an: «Abba, Vater«. Er bittet ihn, wenn möglich den Kelch des Leidens an ihm vorübergehen zu lassen (vgl. Mk 14,36). Aber der Vater scheint die Stimme des Sohnes nicht hören zu wollen. Um dem Menschen das Angesicht des Vaters zurückzugeben, mußte Jesus nicht nur das Gesicht des Menschen annehmen, sondern sich sogar das »Gesicht« der Sünde aufladen. »Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden« (2 Kor 5,21).

Wir werden mit der Erforschung der abgründigen Tiefe dieses Geheimnisses nie zu Ende kommen. An diesem Paradoxon stößt man an. Es tritt in dem scheinbar verzweifelten Schmerzensschrei zutage, den Jesus am Kreuz ausstößt: »Eloì, Eloì, lema sabactani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Mk 15,34). Kann man sich eine größere Qual, eine undurchdringlichere Finsternis vorstellen? In Wirklichkeit wird das angstvolle »Warum?«, das er mit den Anfangsworten des 22. Psalms an den Vater richtet und das den vollen Realismus eines unsagbaren Schmerzes bewahrt, durch den Sinn des ganzen Gebetes erhellt. Darin verknüpft der Psalmist in einer ergreifenden Verflechtung der Gefühle das Leiden und das Vertrauen miteinander. Der Psalm fährt nämlich fort: »Dir haben unsere Väter vertraut, sie haben vertraut, und du hast sie gerettet... Sei mir nicht fern, denn die Not ist nahe, und niemand ist da, der hilft« (22,5.12).




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