27. Eine wichtige Hilfe im Hinblick
auf dieses Geheimnis können wir neben der theologischen Forschung von
jenem großartigen Erbe erhalten, das die »gelebte Theologie« der
Heiligen darstellt. Sie bieten uns wertvolle Hinweise, die die Annahme der
Intuition des Glaubens erleichtern, und zwar kraft der besonderen Erleuchtungen,
die manche von ihnen vom Heiligen Geist empfangen haben oder sogar durch die
Erfahrung, die sie selbst von jenen schrecklichen Stadien der Prüfung
gemacht haben, welche die mystische Tradition als »finstere Nacht« beschreibt.
Nicht selten haben die Heiligen etwas erlebt, das in der paradoxen Verflechtung
von Seligkeit und Schmerz der Erfahrung Jesu am Kreuz ähnlich ist.
Im Dialog der Göttlichen Vorsehung zeigt Gott-Vater der Katharina
von Siena, daß es in den heiligen Seelen die Freude zusammen mit dem
Leiden geben kann: »Die Seele ist selig und leidet Schmerz: sie leidet wegen
der Sünden des Nächsten, sie ist selig über die Eintracht und
die Zuneigung der Liebe, die sie in sich empfangen hat. Seligkeit und Schmerz
ahmen das unbefleckte Lamm nach, meinen eingeborenen Sohn, der am Kreuz selig
war und Schmerz litt«.13 In gleicher Weise erlebt Theresia von
Lisieux ihren Todeskampf in Gemeinschaft mit dem Todeskampf Jesu, als sie
bei sich gerade das Paradoxon des seligen und angstvollen Jesus feststellte:
»Unser Herr im Garten Getsemani erfreute sich aller Freuden der Dreifaltigkeit,
doch sein Todeskampf war nicht weniger grausam. Es ist ein Geheimnis, doch ich
versichere Ihnen, daß ich aus dem, was ich selbst erlebe, etwas davon
begreife«.14 Ein erleuchtendes Zeugnis! Im übrigen bildet die
Erzählung der Evangelisten selbst die Grundlage für diese kirchliche
Wahrnehmung des Bewußtseins Christi, wenn sie daran erinnern, daß
er selbst im Abgrund seines Schmerzes in der Todesstunde um Vergebung für
seine Peiniger fleht (vgl. Lk 23,34) und dem Vater seine
äußerste Entäußerung als Sohn zum Ausdruck bringt:
»Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist« (Lk 23,46).
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