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Ioannes Paulus PP. II
Novo Millennio

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  • IV
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Auf die Liebe setzen

49. Aus der innerkirchlichen Gemeinschaft öffnet sich die Liebe, wie es ihrer Natur entspricht, auf den universalen Dienst hin und stellt uns in den Einsatz einer tätigen, konkreten Liebe zu jedem Menschen. Das ist ein Bereich, der das christliche Leben, den kirchlichen Stil und die pastorale Planung gleichermaßen bestimmt und kennzeichnet. Das Jahrhundert und das Jahrtausend, die im Anbruch begriffen sind, werden noch sehen müssen — und es ist wünschenswert, daß sie das mit größerem Nachdruck tun —, zu welcher Hingabe die Liebe zu den Ärmsten fähig ist. Wenn wir wirklich von der Betrachtung Christi ausgegangen sind, werden wir in der Lage sein, ihn vor allem im Antlitz derer zu erkennen, mit denen er sich selbst gern identifiziert hat: »Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen« (Mt 25,35-36). Diese Aussage ist nicht nur eine Aufforderung zur Nächstenliebe; sie ist ein Stück Christologie, das einen Lichtstrahl auf das Geheimnis Christi wirft. Daran mißt die Kirche ihre Treue als Braut Christi nicht weniger, als wenn es um die Rechtgläubigkeit geht.

Es ist sicher nicht zu vergessen, daß niemand von unserer Liebe ausgeschlossen werden darf. Denn »der Sohn Gottes hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt«.35 Wenn wir uns aber an die unmißverständlichen Worte des Evangeliums halten, dann ist in den Armen Christus in besonderer Weise gegenwärtig, was der Kirche eine vorrangige Option für sie auferlegt. Durch diese Option wird die Art der Liebe Gottes, seine Fürsorge und sein Erbarmen, bezeugt. Außerdem werden in die Geschichte gewissermaßen jene Samenkörner des Gottesreiches ausgesät, die Jesus selbst in das Erdreich seines Lebens gelegt hat, indem er denen entgegenkam, die sich wegen aller möglichen geistigen und materiellen Nöte an ihn wandten.




35) II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 22.






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