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Ioannes Paulus PP. II
Novo Millennio

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  • II
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26. Liebe Brüder und Schwestern, der Schrei Jesu am Kreuz verrät nicht die Angst eines Verzweifelten, sondern das Gebet des Sohnes, der sein Leben dem Vater in Liebe darbringt, um allen das Heil zu bringen. Während er sich mit unserer Sünde identifiziert, überläßt der vom Vater Verlassene sich den Händen des Vaters. Sein Blick bleibt auf den Vater gerichtet. Eben wegen der Kenntnis und Erfahrung, die nur er von Gott hat, sieht er auch in diesem Augenblick der Finsternis klar die Schwere der Sünde und leidet dafür. Nur er, der den Vater sieht und darüber Freude in Fülle empfindet, ermißt bis zum Letzten, was es heißt, mit der Sünde seiner Liebe zu widerstehen. Vor allem und viel mehr als in körperlicher Hinsicht ist seine Passion schreckliches Leiden der Seele. Die theologische Tradition ist der Frage nicht ausgewichen, wie Jesus zugleich die tiefe Verbindung mit dem Vater, die ihrer Natur nach Quelle der Freude und Seligkeit ist, und den Todeskampf bis zum Schrei der Verlassenheit leben konnte. Daß diese beiden scheinbar unvereinbaren Dimensionen nebeneinander stehen, ist tatsächlich in der unergründlichen Tiefsinnigkeit der hypostatischen Union verwurzelt.




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