Gemeinschaftliche Formen der
Teilhabe
29. Die communio der Kirche, die schon im Tun der
Einzelperson gegenwärtig und wirksam wird, findet einen besonderen Ausdruck im
gemeinschaftlichen Tun der Laien, das heißt in ihrem gemeinsamen Einsatz, wenn
sie mitverantwortlich am Leben und an der Sendung der Kirche teilnehmen.
In der letzten Zeit kennzeichnen besondere
Verschiedenheit, Lebendigkeit und Vielfalt das Phänomen des gemeinschaftlichen
Wirkens von Laien. Schon immer aber hat der Zusammenschluß von Laien eine
kontinuierliche Linie in der Kirchengeschichte dargestellt. Beweis dafür ist
bis heute die Existenz verschiedener Bruderschaften, der Drittorden und
zahlreicher Vereinigungen. In unseren Tagen aber fördern besondere Impulse die
Entwicklung dieses Phänomens. Die heutige Zeit kennt das Aufkommen und die
Verbreitung vielfältiger Formen von Laienzusammenschlüssen: Vereinigungen,
Gruppen, Gemeinschaften, Bewegungen, so daß heute von einer neuen Zeit der
Zusammenschlüsse von Laien die Rede sein kann. In der Tat sind »neben dem
traditionellen Vereinswesen und zuweilen gleichsam aus seinen Wurzeln neue
Bewegungen und Vereinigungen entstanden, die ein spezifisches Profil und eine
spezifische Zielsetzung haben. So groß ist der Reichtum und die Vielseitigkeit
der Gaben, die der Geist in der Kirche lebendig erhält, und derart auch der
Wille zur Initiative und die Hochherzigkeit unserer Laien«.(105)
Diese Zusammenschlüsse von Laien weisen unter zahlreichen
Gesichtspunkten, wie im äußeren Erscheinungsbild, in den pädagogischen
Prozessen und Methoden, in den Tätigkeitsfeldern untereinander große
Unterschiede auf. In ihren Zielsetzungen aber kommen sie weitgehend zu
einer tiefen Konvergenz. Die verantwortliche Teilhabe an der Sendung der
Kirche, das Evangelium Christi als Quelle der Hoffnung für die Menschen und der
Erneuerung für die Gesellschaft zu künden.
Der Zusammenschluß von Laien aus spirituellen und
apostolischen Motiven hat verschiedene Ursachen und will auf vielfältige
Bedürfnisse antworten. Er bringt die soziale Natur des Menschen zum Ausdruck
und antwortet auf die Notwendigkeit einer größeren und umfassenden gezielten
Wirksamkeit. Ein »kultureller« Einfluß, der Ursprung und Motivation, aber auch
Frucht und Zeichen anderer sozialen Veränderungen ist, kann nämlich nicht durch
das Tun eines einzelnen, sondern muß durch »ein soziales Subjekt«, das heißt
durch eine Gruppe, eine Gemeinschaft, eine Vereinigung, eine Bewegung
geschehen. Dies trifft auf besondere Weise im Kontext einer pluralistischen und
zersetzten Gesellschaft - wie sie sich heute in so vielen Teilen der Welt
darstellt - und angesichts überaus komplexer und schwerer gewordener Probleme
zu. Auf der anderen Seite können vor allem in einer säkularisierten Welt die
verschiedenen Formen der Zusammenschlüsse für viele eine wertvolle Hilfe darstellen,
um ein christliches und mit den Forderungen des Evangeliums kohärentes Leben zu
führen und ein missionarisches und apostolisches Engagement einzugehen.
Darüber hinaus ist es zutiefst eine theologische
Gegebenheit, die den Zusammenschluß der Laien rechtfertigt und fordert: es
handelt sich um ein ekklesiologisches Prinzip, das vom II. Vatikanischcn
Konzil ausdrücklich anerkannt wurde, wenn es im gemeinschaftlichen Apostolat
ein »Zeichen der Gemeinschaft und der Einheit der Kirche in Christus« sieht.(106)
Dieses »Zeichen« muß sich sowohl innerhalb der einzelnen
Formen der Zusammenschlüsse als auch in ihren Beziehungen nach außen, also im
weiteren Rahmen der christlichen Gemeinden, in gemeinschaftlichen Beziehungen
ausdrücken. Das angeführte ekklesiologische Prinzip erklärt einerseits das
»Recht« der Laien, sich zusammenzuschließen, und andererseits die Notwendigkeit
von »Kriterien« für die Unterscheidung der wahren Kirchlichkeit ihrer
Zusammenschlüsse.
Zunächst muß das freie Vereinsrecht der Laien in
der Kirche anerkannt werden. Diese Freiheit ist ein wirkliches und eigentliches
Recht, das sich nicht von einer Art »Zugeständnis« der Autorität ableitet,
sondern aus der Taufe als dem Sakrament, durch das die Laien berufen werden,
aktiv an der communio und an der Sendung der Kirche mitzuwirken, erwächst. Das
Konzil nimmt dazu eindeutig Stellung: »Unter Wahrung der erforderlichen
Verbundenheit mit der kirchlichen Autorität haben die Laien das Recht,
Vereinigungen zu gründen, zu leiten und den gegründeten beizutreten«.(107)
Und der neue Codex sagt wörtlich:
»Den Gläubigen ist es unbenommen, Vereinigungen für
Zwecke der Caritas oder der Frömmigkeit oder zur Förderung der christlichen
Berufung in der Welt frei zu gründen und zuleiten und Versammlungen abzuhalten,
um diese Zwecke gemeinsam zu verfolgen«.(108)
Es handelt sich um eine von der kirchlichen Autorität
anerkannten und gewährleisteten Freiheit, die immer und nur in der communio der
Kirche ausgeübt werden soll. Das Recht der Laien, sich zusammenzuschließen, ist
also wesentlich mit dem Leben der communio und mit der Sendung der Kirche
gegeben.
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