Die Sakramente
27.
Das zweite Mittel, das von Gott gestiftet und von der Kirche der Pastoral der Buße
und Versöhnung angeboten wird, sind die Sakramente.
In
der geheimnisvollen Dynamik der Sakramente, die so reich an Symbolen und
Inhalten ist, kann man einen Aspekt erkennen, der nicht immer deutlich
hervorgehoben wird: Jedes von ihnen ist über die ihm eigene Gnade hinaus
auch Zeichen der Buße und Versöhnung. Deshalb ist es möglich,
in jedem von ihnen auch diese Dimensionen des Geistes zu leben.
Die
Taufe ist gewiß ein heiligendes Bad, das, wie der hl. Petrus sagt, »nicht
dazu dient, den Körper von Schmutz zu reinigen, sondern eine Bitte an Gott
um ein gutes Gewissen ist«.(151) Sie ist Tod, Bestattung und
Auferstehung mit Christus, der gestorben, begraben worden und auferstanden
ist.(152) Es ist Geschenk des Heiligen Geistes durch Christus.(153)
Diese wesentliche und grundlegende Eigenschaft der christlichen Taufe hebt aber
das in ihr schon vorhandene Bußelement keineswegs auf, sondern bereichert
es. Jesus selbst hat von Johannes die Taufe empfangen, um »die Gerechtigkeit ganz
zu erfüllen«.(154) Sie ist nämlich ein Akt der Bekehrung und
der Eingliederung in die rechte Ordnung der Beziehungen zu Gott, der
Versöhnung mit Gott, wobei die Erbsünde getilgt und der Mensch in die
große Familie der Versöhnten aufgenommen wird.
Gleichermaßen
bedeutet und verwirklicht die Firmung, auch als Bekräftigung der Taufe und
zusammen mit ihr als Initiationssakrament, indem sie die Fülle des
Heiligen Geistes mitteilt und das christliche Leben zum Vollalter führt,
eine tiefere Bekehrung des Herzens und eine innigere und wirksamere
Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Versöhnten, welche die Kirche
Christi ist.
Die
Definition, die der hl. Augustinus von der Eucharistie als Sakrament des
Glaubens, Zeichen der Einheit und Band der Liebe(155) gibt, stellt
deutlich die Wirkungen der persönlichen Heiligung (pietas) und der
gemeinschaftlichen Versöhnung (unitas und caritas) heraus,
die sich aus dem Wesen des eucharistischen Geheimnisses selbst als unblutige
Erneuerung des Kreuzesopfers und Quelle des Heiles und der Versöhnung
für alle herleiten. Es ist jedoch notwendig, daran zu erinnern, daß
die Kirche, geleitet vom Glauben an dieses erhabene Sakrament, lehrt, daß
kein Christ, der sich einer schweren Sünde bewußt ist, die
Eucharistie empfangen darf, bevor er von Gott Vergebung erlangt hat. So lesen
wir in der Instruktion Eucharisticum mysterium, die, von Papst Paul VI.
ordnungsgemäß approbiert, die Lehre des Tridentinischen Konzils voll
bestätigt: »Die Eucharistie soll den Gläubigen auch vorgestellt
werden 'als Gegengift, durch das wir von den täglichen Vergehen befreit
und vor den schweren Sünden bewahrt' werden; auch werde ihnen gezeigt, wie
sie in angemessener Weise vom Bußritus der Meßliturgie Gebrauch
machen können. Wer kommunizieren will, soll an das Gebot erinnert werden: Jeder
soll sich selbst prüfen (1 Kor 11, 28). Die Praxis der Kirche
zeigt, daß eine solche Prüfung notwendig ist, damit niemand, der
sich einer schweren Sünde bewußt ist, zur Heiligen Kommunion
hinzutrete, ohne daß er vorher das Bußsakrament empfangen hat,
selbst wenn er bereits die vollkommene Reue erweckt hätte. Wenn jemand
sich in einer Notlage befindet und keinen Beichtvater erreichen kann, so
muß er zuvor 'einen Akt vollkommener Reue erwecken'«.(156)
Das
Weihesakrament ist dazu bestimmt, der Kirche die Hirten zu geben, die als
Lehrer und Vorsteher auch dazu berufen sind, Zeugen und Vermittler der Einheit,
Erbauer der Familie Gottes, Verteidiger und Beschützer der Gemeinschaft
dieser Familie gegen die Einwirkungen von Spaltung und Zersplitterung zu sein.
Das
Ehesakrament, Erhöhung der menschlichen Liebe unter dem Wirken der Gnade,
ist gewiß Zeichen der Liebe Christi zur Kirche, aber auch des Sieges, den
er den Eheleuten über jene Kräfte gewährt, die die Liebe
entstellen und zerstören, so daß die Familie, die aus diesem
Sakrament entsteht, auch zum Zeichen der versöhnten und versöhnenden
Kirche wird für eine in allen ihren Strukturen und Institutionen
versöhnte Welt.
Die
Krankensalbung schließlich ist in der Prüfung durch Krankheit und
Alter, besonders in der letzten Stunde des Christen, ein Zeichen der
endgültigen Bekehrung zum Herrn sowie der vollen Annahme von Leid und Tod
als Buße für die Sünden. Und darin vollzieht sich die tiefste
Versöhnung mit dem Vater.
Doch
gibt es unter den Sakramenten eines, das, wenn auch oft wegen des darin
erfolgenden Sündenbekenntnisses Beichte genannt, im eigentlichen
Sinn als das Sakrament der Buße angesehen werden kann, wie es denn
auch tatsächlich heißt. Es ist das Sakrament der Bekehrung und
der Versöhnung. Wegen seiner Bedeutung für die
Versöhnung hat sich die letzte Versammlung der Synode mit diesem Sakrament
besonders befaßt.
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