1.
Von Versöhnung und Buße zu
sprechen bedeutet eine Einladung an die Männer und Frauen unserer Zeit, in
ihrer Sprache jene Worte wiederzuentdecken, mit denen unser Heiland und Meister
Jesus Christus seine Verkündigung beginnen wollte: »Kehrt um und glaubt an
das Evangelium!«,(1) das heißt, nehmt an die Frohe Botschaft der
Liebe, der Gotteskindschaft und so auch der Brüderlichkeit.
Warum legt die Kirche dieses Thema und diese
Einladung erneut vor?
Der brennende Wunsch, den heutigen Menschen
und seine Welt besser kennenzulernen und zu verstehen, seine Rätsel zu
lösen und sein Geheimnis zu enthüllen sowie die guten von den
schlechten Fermenten, die heute wirksam sind, zu unterscheiden, läßt
viele schon seit längerem mit fragenden Augen auf diesen Menschen und auf
diese Welt blicken. Dies tun der Historiker und der Soziologe, der Philosoph
und der Theologe, der Psychologe und der Humanist, der Dichter, der Mystiker:
vor allem aber tut dies - besorgt und doch auch voller Hoffnung - der
Seelsorger.
Ein solch fragender Blick ist besonders
deutlich auf jeder Seite der wichtigen Pastoralkonstitution Gaudium et spes des
II. Vatikanischen Konzils über die Kirche in der Welt von heute zu finden,
vor allem in der umfangreichen und tiefgehenden Einführung, ebenso
in einigen Dokumenten, die aus der Weisheit und Hirtenliebe meiner verehrten
Vorgänger hervorgegangen sind, deren herausragende Pontifikate vom
geschichtlichen und prophetischen Ereignis jenes Ökumenischen Konzils
geprägt sind.
Wie die anderen entdeckt auch das Auge des
Seelsorgers unter den verschiedenen charakteristischen Zügen der Welt und
der Menschheit unserer Tage leider die Existenz zahlreicher tiefer und
schmerzlicher Spaltungen.
|