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Ioannes Paulus PP. II
Reconciliatio et Paenitentia

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Eine zerrissene Welt

2. Diese Spaltungen zeigen sich in den Beziehungen zwischen Personen und Gruppen, aber auch bei den größten gesellschaftlichen Gebilden: Nationen gegen Nationen, gegeneinanderstehende Blöcke von Ländern, alle in atemlosem Streben nach Vorherrschaft. Es ist nicht schwer, an der Wurzel der Spaltungen Konflikte zu entdecken, die sich in Auseinandersetzung und Streit verschärfen, anstatt im Dialog eine Lösung zu finden.

Auf der Suche nach den Ursachen solcher Spaltung finden aufmerksame Beobachter die verschiedensten Elemente: von wachsender Ungleichheit zwischen den Gruppen, sozialen Klassen und Ländern bis zu noch keineswegs überwundenen ideologischen Gegensätzen; vom Gegensatz ökonomischer Interessen bis zu politischer Frontenbildung; von Stammeskonflikten bis zu gesellschaftlicher und religiöser Diskriminierung. Einige für alle sichtbare Tatsachen bilden gleichsam das traurige Antlitz solcher Spaltungen: Sie sind deren Frucht und zeigen ihre Schwere in unwiderlegbarer konkreter Deutlichkeit. Unter vielen anderen schmerzlichen sozialen Erscheinungen unserer Zeit kann man auf die folgenden hinweisen:

Der überwältigende Druck dieser Spaltungen macht aus der Welt, in der wir leben, eine bis in ihre Fundamente zerrissene Welt.(3)

Weil die Kirche andererseits, ohne sich mit der Welt gleichzusetzen oder von der Welt zu sein, doch in der Welt lebt und im Dialog mit der Welt steht,(4) darf es nicht verwundern, wenn man auch in der kirchlichen Gemeinschaft selbst Auswirkungen und Zeichen jener Zerrissenheit feststellen kann, die die ganze menschliche Gesellschaft verwundet. Außer den Spaltungen zwischen den christlichen Gemeinschaften, die sie seit Jahrhunderten bedrücken, erlebt die Kirche heute in ihrem Inneren Spaltungen zwischen ihren eigenen Mitgliedern, die durch unterschiedliche Auffassungen und Standpunkte im Bereich der Glaubenslehre und Pastoral verursacht werden.(5) Auch diese Spaltungen scheinen zuweilen unheilbar zu sein.

So beängstigend solche Wunden der Einheit bereits auf den ersten Blick erscheinen mögen, ihre Wurzel kann man erst entdecken, wenn man bis in die Tiefe schaut: Die Wurzel liegt in einer Wunde im Inneren des Menschen. Im Licht des Glaubens nennen wir sie Sünde: beginnend mit der Ursünde, die jeder von Geburt an wie ein von den Eltern empfangenes Erbe in sich trägt, bis hin zur Sünde, die ein jeder begeht, wenn er die eigene Freiheit gegen den Plan Gottes benutzt.




2 Vgl. JOHANNES PAUL II., Ansprache zur Eröffnung der III. Vollsammlung des lateinamerikanischen Episkopates, III, 1-7: AAS 71 (1979) 198-204.



3 Die Sicht einer »zerrissenen Welt« ist in den Werken nicht weniger Schriftsteller von heute, Christen und Nichtchristen, enthalten, die von der Lage des Menschen in dieser unserer geplagten Geschichtsepoche zeugen.



4 Vgl. Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 43-44; Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum Ordinis, 12; PAUL VI., Enzyklika Ecclesiam suam: AAS 56 (1964) 609-659.



5 Über die Spaltungen am Leibe der Kirche schrieb zu ihren Anfängen der Apostel Paulus mit flammenden Worten in jenem berühmten Abschnitt 1 Kor 1, 10-16. An dieselben Korinther wird sich Jahre danach der hl. Klemens von Rom wenden, um die Spaltungen im Schoß jener Gemeinde anzuprangern: vgl. Brief an die Korinther, III-VI; LVII: Patres Apostolici, ed. FUNK, I, 103-109; 171-173. Bekanntlich ist seit den ältesten Vätern der aus einem Stück gefertigte Rock Christi, den die Soldaten deshalb nicht zerteilt hatten, ein Bild für die Einheit der Kirche geworden: vgl. CYPRIAN, De Ecclesiae catholicae unitate, 7: CCL 3/1, 254 f.; AUGUSTINUS, In Ioannis Evangelium tractatus, 118, 4: CCL 36, 656 f.; BEDA VENERABILIS, In Marci Evangelium expositio, IV, 15: CCL 120, 630; In Lucae Evangelium expositio, VI, 23: CCL 120, 403; In S. Ioannis Evangelium expositio, 19: PL 92, 911 f.






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