Versöhnung
durch die Kirche
8.
Aber - so sagte Leo der Große, als er vom Leiden Christi sprach - »alles,
was der Sohn Gottes für die Aussöhnung der Welt getan und gelehrt
hat, kennen wir nicht nur aus der Geschichte seiner Handlungen, die vergangen
sind, sondern wir sehen es auch an den Wirkungen dessen, was er heute
vollbringt«.(32) So erfahren wir die Versöhnung, die er in seinem
Menschsein vollbracht hat, aus dem Wirken der heiligen Geheimnisse, die von
seiner Kirche gefeiert werden, für die sich Christus dahingegeben und die
er zum Zeichen und Werkzeug des Heils gemacht hat.
Das
versichert der hl. Paulus, wenn er schreibt, daß Gott die Apostel Christi
an seinem versöhnenden Werk teilnehmen läßt. »Gott«, so sagt
er, »hat uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen... und das Wort von der
Versöhnung anvertraut«.(33) In Hände und Mund der Apostel,
seiner Boten, hat der Vater voller Erbarmen den Dienst der Versöhnung
gelegt, den sie in einer einzigartigen Weise vollziehen, kraft der Vollmacht,
»in der Person Christi« zu handeln. Aber auch der gesamten Gemeinschaft der
Gläubigen, dem ganzen Leib der Kirche ist das »Wort von der
Versöhnung« anvertraut, das heißt der Auftrag, alles zu tun, um
Versöhnung zu bezeugen und in der Welt zu verwirklichen.
Man
kann sagen, daß auch das II. Vatikanische Konzil, indem es die Kirche
definiert hat als »das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für
die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen
Menschheit«, und indem es als ihre Aufgabe bezeichnet, »die volle Einheit in
Christus« für die Menschen zu erlangen, »die heute durch vielfältige...
Bande enger miteinander verbunden sind«,(34) damit anerkannt hat,
daß sich die Kirche vor allem dafür einsetzen muß, die
Menschen zu einer vollständigen Versöhnung zu führen.
Im
engen Zusammenhang mit der Sendung Christi kann man also die an sich reiche und
vielschichtige Sendung der Kirche zusammenfassen in der für sie zentralen
Aufgabe der Versöhnung des Menschen mit Gott, mit sich selbst, mit den
Brüdern, mit der ganzen Schöpfung; und dies fortwährend: denn - wie
ich schon bei anderer Gelegenheit gesagt habe - »die Kirche ist von Natur aus
immer versöhnend«.(35)
Versöhnend
ist die Kirche, weil sie die Frohe Botschaft von der Versöhnung
verkündet, wie sie es in ihrer Geschichte immer getan hat, angefangen vom
Apostelkonzil in Jerusalem(36) bis zur letzten Bischofssynode und zum
jüngsten Jubiläumsjahr der Erlösung. Das Besondere an dieser
Verkündigung liegt darin, daß die Versöhnung für die
Kirche eng mit der Bekehrung des Herzens verbunden ist: Diese ist der
notwendige Weg zu einer Verständigung zwischen den Menschen.
Versöhnend
ist die Kirche auch, weil sie dem Menschen die Wege zeigt und die Mittel
anbietet für die obengenannte vierfache Aussöhnung. Diese Wege sind
gerade die Bekehrung des Herzens und die Überwindung der Sünde, mag
diese in Egoismus oder Ungerechtigkeit, in Anmaßung oder Ausbeutung des
Nächsten, im Verfallensein an materielle Güter oder in hemmungsloser
Genußsucht bestehen. Die Mittel sind das treue und liebende Hören
des Wortes Gottes, das persönliche und das gemeinschaftliche Gebet und vor
allem die Sakramente als die wahren Zeichen und Mittel der Versöhnung, aus
denen gerade unter dieser Hinsicht jenes Sakrament hervorragt, das wir zu Recht
Sakrament der Versöhnung oder auch Bußsakrament zu nennen pflegen.
Hierauf werde ich im folgenden noch näher eingehen.
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