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Ioannes Paulus PP. II
Reconciliatio et Paenitentia

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  • ERSTER TEIL
    • DRITTES KAPITEL
      • 12
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Andere Wege der Versöhnung

12. Die versöhnende Sendung kommt der ganzen Kirche zu, auch und vor allem jenem Teil, der schon endgültig an der göttlichen Herrlichkeit teilhaben darf, zusammen mit der Jungfrau Maria, mit den Engeln und Heiligen, die den dreimalheiligen Gott schauen und anbeten. Die Kirche im Himmel, die Kirche auf Erden, die Kirche im Fegfeuer, sie wirken in geheimnisvoller Einheit mit Christus zusammen, um die Welt mit Gott zu versöhnen.

Der erste Weg dieses Heilswirkens ist das Gebet. Ohne Zweifel unterstützen die heilige Jungfrau Maria, Mutter Christi und der Kirche,(53) und die Heiligen, die das Ende ihrer irdischen Pilgerschaft erreicht haben und nun in der Herrlichkeit Gottes leben, fürbittend ihre Brüder, die noch Pilger auf dieser Erde sind, in deren Bemühen, sich ständig zu bekehren, den Glauben zu vertiefen, nach jedem Fall sich wieder aufzurichten und so zu handeln, daß Gemeinsamkeit und Frieden in Kirche und Welt wachsen. Im Geheimnis der Gemeinschaft der Heiligen verwirklicht sich die universale Versöhnung in ihrer tiefsten und für das gemeinsame Heil fruchtbarsten Form.

Ein zweiter Weg ist die Verkündigung. Als Schülerin des einzigen Meisters Jesus Christus wird die Kirche ihrerseits als Mutter und Lehrerin nicht müde, den Menschen die Versöhnung anzubieten; unbeirrt weist sie auf die Bosheit der Sünde hin, verkündigt sie die Notwendigkeit der Bekehrung, lädt sie die Menschen ein und fordert sie auf, sich versöhnen zu lassen. Ja, das ist ihre prophetische Sendung in der Welt von heute wie von gestern: Es ist dieselbe Sendung ihres Herrn und Meisters Jesus Christus. Wie er, so wird auch die Kirche diese ihre Sendung stets mit dem Gefühl barmherziger Liebe erfüllen und allen die Worte der Vergebung und der Ermutigung zu neuer Hoffnung, die vom Kreuz kommen, überbringen.

Weiter gibt es dann den oft so schwierigen und harten Weg der Pastoral, die versucht, jeden Menschen - wer auch immer er sei oder wo auch immer er lebe - auf den zuweilen langen Weg der Rückkehr zum Vater in der Gemeinschaft mit allen Brüdern zu führen.

Schließlich gibt es den Weg des Zeugnisses, meist ohne Worte, das aus einer zweifachen Überzeugung der Kirche hervorgeht: aus der Überzeugung, von ihrem Wesen her »unzerstörbar heilig«(54) zu sein, zugleich es aber auch nötig zu haben, »sich Tag für Tag zu reinigen, bis daß Christus sie in all ihrer Schönheit, ohne Flecken und Runzeln, vor sich erscheinen läßt«; denn wegen unserer Sünden leuchtet ihr Antlitz vor den Augen derer, die sie betrachten, nicht recht auf.(55) Dieses Zeugnis muß also zwei grundlegende Formen annehmen: Zeichen sein für jene umfassende Liebe, die Jesus Christus seinen Jüngern als Erweis ihrer Zugehörigkeit zu seinem Reich als Erbe hinterlassen hat; und immer wieder neue Umkehr und Versöhnung bewirken, innerhalb wie außerhalb der Kirche, und Spannungen überwinden, sich gegenseitig vergeben sowie im Geist der Brüderlichkeit und des Friedens wachsen und diese Haltung in der ganzen Welt verbreiten. Auf diesem Wege kann die Kirche mit Erfolg dafür wirken, daß die von meinem Vorgänger Paul VI. so genannte »Zivilisation der Liebe« allmählich entsteht.




53 Vgl. PAUL VI., Ansprache zum Abschluß der 3. Sitzungsperiode des II. Vatikanischen Konzils (21. November 1964): AAS 56 (1964) 1015-1018.



54 II. VATIKANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, 39.



55 Vgl. II. VATIKANISCHES KONZIL, Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio, 4.






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