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Ioannes Paulus PP. II
Reconciliatio et Paenitentia

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Die Trennung zwischen den Brüdern

15. In den oben erwähnten biblischen Erzählungen mündet der Bruch mit Gott dramatisch ein in eine Trennung zwischen den Brüdern.

In der Beschreibung der »ersten Sünde« löst der Bruch mit Jahwe zugleich die Freundschaft auf, die die Menschheitsfamilie verband, so daß uns die folgenden Seiten der Genesis den Mann und die Frau zeigen, wie sie gleichsam gegeneinander den Anklagefinger erheben,(70) und dann den Sohn, der in seiner Feindschaft zum Bruder so weit kommt, daß er ihm das Leben nimmt.(71)

Nach der Erzählung des Geschehens von Babel ist die Folge der Sünde die Zersplitterung der Menschheitsfamilie, die schon mit der ersten Sünde begonnen hatte und nun im gesellschaftlichen Bereich ihren Höhepunkt erreicht.

Wer das Geheimnis der Sünde erforschen will, muß diese Verkettung von Ursache und Wirkung beachten. Als Bruch mit Gott ist die Sünde der Akt des Ungehorsams eines Geschöpfes, das wenigstens einschlußweise den zurückweist, dem es seinen Ursprung verdankt und der es am Leben hält; Sünde ist daher ein selbstmörderischer Akt. Weil der Mensch in der Sünde sich weigert, sich Gott zu unterstellen, zerbricht auch sein inneres Gleichgewicht, und in seinem Herzen brechen Widerspruch und Streit auf. Innerlich zerrissen, erzeugt der Mensch fast unvermeidlich einen Riß auch im Geflecht seiner Beziehungen mit den anderen Menschen und mit der geschaffenen Welt. Das ist ein Gesetz und ein objektiver Tatbestand, die sich in vielen Momenten der menschlichen Psychologie und des geistigen Lebens bestätigen wie auch in der Wirklichkeit des gesellschaftlichen Lebens, wo man die Auswirkungen und Zeichen innerer Unordnung leicht beobachten kann.

Das Geheimnis der Sünde besteht in dieser doppelten Verwundung, die der Sünder sich selbst und seiner Beziehung zum Nächsten zufügt. Deshalb kann man von personaler und von sozialer Sünde sprechen: Jede Sünde ist in einer Hinsicht personal; in anderer Hinsicht aber ist sie sozial, insofern sie auch soziale Folgen hat.




70 Vgl. Gen 3, 12.



71 Vgl. Gen 4, 2-16.






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