Die
Förderung von Buße und Versöhnung
23.
Es ist die wesentliche Aufgabe der Kirche, den Menschen im Herzen zu Umkehr und
Buße zu führen und ihm das Geschenk der Versöhnung anzubieten,
wodurch sie das Erlösungswerk ihres göttlichen Stifters fortsetzt.
Dies ist eine Sendung, die sich nicht in einigen theoretischen Aussagen und in
der Verkündigung eines ethischen Ideals erschöpft, welche von keinen
wirksamen Kräften begleitet ist. Sie zielt vielmehr darauf ab, sich
für eine konkrete Praxis der Buße und der Versöhnung in
bestimmten Amtshandlungen auszudrücken.
Diesen
amtlichen Dienst, der auf den oben dargelegten Glaubensprinzipien gründet
und von ihnen erleuchtet wird, der auf bestimmte Ziele ausgerichtet und durch
angemessene Mittel gestützt wird, können wir als eine Pastoral der
Buße und der Versöhnung bezeichnen. Ihr Ausgangspunkt ist die
Überzeugung der Kirche, daß der Mensch, an den sich jede Form der
Pastoral, hauptsächlich aber die Pastoral der Buße und der
Versöhnung richtet, der von der Sünde gezeichnete Mensch ist, dessen
typisches Bild wir im König David finden. Vom Propheten Nathan
zurechtgewiesen, ist er bereit, sich mit den eigenen ruchlosen Vergehen
auseinanderzusetzen, und bekennt: »Ich habe gegen den Herrn
gesündigt«.(115) Er ruft aus: »Ich erkenne meine bösen Taten,
meine Sünde steht mir immer vor Augen«;(116) aber er bittet auch:
»Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, dann bin ich
weißer als Schnee«,(117) und er erhält die Antwort der
göttlichen Barmherzigkeit: »Der Herr hat dir deine Sünde vergeben; du
wirst nicht sterben«.(118)
Die
Kirche findet also einen Menschen - eine ganze Welt des Menschen - vor, der von
der Sünde verwundet und von ihr in seinem innersten Sein getroffen ist,
der aber zugleich von einem unbändigen Wunsch nach Befreiung von der
Sünde erfüllt ist. Vor allem wenn er Christ ist, ist er sich auch
dessen bewußt, daß das Geheimnis der Barmherzigkeit,
Christus, der Herr, schon in ihm und in der Welt mit der Kraft der
Erlösung am Werk ist.
Die
versöhnende Funktion der Kirche muß somit jenen inneren Zusammenhang
beachten, der die Verzeihung und die Vergebung der Sünde jedes Menschen
eng mit der grundsätzlichen und vollen Versöhnung der Menschheit
verbindet, die mit der Erlösung geschehen ist. Dieser Zusammenhang
läßt uns verstehen, daß aufgrund der Tatsache, daß die
Sünde das aktive Prinzip der Entzweiung ist - Entzweiung zwischen dem
Menschen und dem Schöpfer, Entzweiung im Herzen und im Sein des Menschen,
Entzweiung zwischen den einzelnen Menschen und Gruppen, Entzweiung zwischen dem
Menschen und der von Gott geschaffenen Natur -, nur die Bekehrung von der
Sünde imstande ist, dort, wo eine solche Entzweiung eingetreten ist, eine
tiefe und dauerhafte Versöhnung zu bewirken.
Es
ist nicht nötig zu wiederholen, was ich schon über die Bedeutung des
»Dienstes der Versöhnung«(119) und der entsprechenden Pastoral
gesagt habe, die diesen Dienst im Bewußtsein und im Leben der Kirche
konkretisiert. Die Kirche würde in einem ihrer wesentlichen Aspekte und in
einer unentbehrlichen Funktion versagen, wenn sie nicht klar und entschlossen,
gelegen oder ungelegen, die »Botschaft der Versöhnung«(120)
verkündete und der Welt das Geschenk der Versöhnung nicht anbieten
würde. Es ist sinnvoll, daran zu erinnern, daß sich diese Bedeutung
des kirchlichen Dienstes der Versöhnung über die Grenzen der Kirche
hinaus auf die ganze Welt erstreckt.
Von
der Pastoral der Buße und der Versöhnung zu sprechen,
bedeutet also, auf die Gesamtheit der Aufgaben hinzuweisen, die der Kirche auf
allen Ebenen obliegen, um beides zu fördern. Noch konkreter, von dieser
Pastoral sprechen heißt, alle Handlungen in Erinnerung zu rufen, wodurch
die Kirche durch alle und jedes einzelne ihrer Glieder - Hirten und
Gläubige auf allen Ebenen und in allen Bereichen - und mit allen ihr zur
Verfügung stehenden Mitteln - Wort und Tat, Unterweisung und Gebet - die
Menschen, einzeln oder in Gruppen, zu wahrer Buße führt und sie so
auf den Weg zur vollen Versöhnung geleitet.
Die
Bischöfe der Synode haben sich als Vertreter ihrer Mitbrüder im
Bischofsamt, der Hirten des ihnen anvertrauten Volkes, mit dieser Pastoral in
ihren mehr praktischen und konkreten Elementen befaßt. Mit Freude
pflichte ich ihnen bei und teile ihre Sorgen und Hoffnungen. Ich nehme die
Frucht ihrer Untersuchungen und Erfahrungen entgegen und ermutige sie in ihren
Plänen und Initiativen. Mögen sie in diesem Teil des Apostolischen
Schreibens jenen Beitrag wiederfinden, den sie selber für die Synode
geleistet haben, einen Beitrag, dessen Nutzen ich durch diese Seiten der ganzen
Kirche zugänglich machen möchte.
Deshalb
möchte ich das Wesen der Pastoral der Buße und der
Versöhnung darlegen, indem ich mit der Synode die beiden folgenden
Punkte besonders behandle:
Die von der Kirche benutzten Mittel und Wege, um Buße und
Versöhnung zu fördern.
Das eigentliche Sakrament der Buße und Versöhnung.
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