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Ioannes Paulus PP. II
Reconciliatio et Paenitentia

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  • ABSCHLIESSENDER WUNSCH.
      • 35
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ABSCHLIESSENDER WUNSCH.

35. Zum Abschluß dieses Dokumentes höre ich wie ein Echo in mir die Ermahnung, die der erste Bischof von Rom in einem kritischen Augenblick am Anfang der Kirche an die Gläubigen »in der Zerstreuung, ... von Gott von jeher ausersehen«, gerichtet hat. Ich möchte sie für euch alle wiederholen: »Seid alle eines Sinnes, voll Mitgefühl und brüderlicher Liebe, seid barmherzig und demütig!«(200) Der Apostel mahnt: »Seid alle eines Sinnes...«; gleich darauf weist er auf die Sünden gegen die Eintracht und den Frieden hin, die es zu vermeiden gilt: »Vergeltet nicht Böses mit Bösem noch Kränkung mit Kränkung! Statt dessen segnet; denn ihr seid dazu berufen, Segen zu erlangen«. Er schließt mit einem Wort der Ermutigung und der Hoffnung: »Wer wird euch Böses zufügen, wenn ihr euch voll Eifer um das Gute bemüht?«(201)

In einer nicht weniger kritischen Stunde der Geschichte wage ich es, mich mit meinem Schreiben der Ermahnung jenes Apostelfürsten anzuschließen, der als erster diesen römischen Bischofssitz als Zeuge Christi und Hirte der Kirche innehatte und gegenüber der ganzen Welt den »Vorsitz in der Liebe« führte. Auch ich habe in Gemeinschaft mit den Bischöfen, den Nachfolgern der Apostel, und unterstützt durch die kollegiale Beratung, die viele von ihnen im Rahmen der Synode den Themen und Problemen der Versöhnung gewidmet haben, im selben Geist des Fischers von Galiläa euch zurufen wollen, was er unseren Glaubensbrüdern, die uns zeitlich zwar fern, aber unserem Herzen so nahe sind, gesagt hat: »Seid alle eines Sinnes, ... vergeltet nicht Böses mit Bösem ..., bemüht euch voll Eifer um das Gute«.(202) Und er fügt hinzu: »Es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse«.(203)

Diese Weisung ist zutiefst geprägt von den Worten, die Petrus von Jesus selbst gehört hat, und von Inhalten, die zur »Frohen Botschaft« gehören: das neue Gebot gegenseitiger Liebe; Streben und Einsatz für Einheit; die Seligpreisung der Barmherzigkeit und der Geduld in der Verfolgung um der Gerechtigkeit willen; die Vergeltung des Bösen mit Gutem; die Vergebung der Beleidigungen und die Feindesliebe. In diesen Worten und Themen findet sich die ursprüngliche und alles Vorläufige übersteigende Zusammenfassung der christlichen Ethik, oder besser und treffender, der Spiritualität des Neuen Bundes in Jesus Christus.

Ich empfehle Gott dem Vater, der reich an Erbarmen ist, dem Sohn Gottes, der Mensch wurde und uns erlöst und versöhnt hat, und dem Heiligen Geist, der Quelle der Einheit und des Friedens, diesen meinen Aufruf als Vater und Hirte zu Buße und Versöhnung. Möge die allerheiligste und anbetungswürdige Dreifaltigkeit in der Kirche und in der Welt das kleine Samenkorn aufkeimen lassen, das ich in dieser Stunde dem fruchtbaren Erdreich so vieler Menschenherzen anvertraue.

Auf daß daraus an einem nicht allzu fernen Tag reiche Früchte erwachsen, lade ich euch alle ein, euch zusammen mit mir an das Herz Jesu zu wenden, Zeichen und Ausdruck des göttlichen Erbarmens, »Sühne für unsere Sünden«, »unser Friede und unsere Versöhnung«,(204) um von dorther den inneren Antrieb zu erhalten, die Sünde zu verabscheuen und zu Gott umzukehren, und um dort die göttliche Güte zu erfahren, die auf menschliche Reue in Liebe antwortet.

Ebenso lade ich euch ein, euch gemeinsam mit mir an das Unbefleckte Herz Marias, der Mutter Jesu, zu wenden, in der »die Versöhnung Gottes mit der Menschheit gewirkt worden ist... und sich das Werk der Versöhnung erfüllte, da sie von Gott aus der Kraft des erlösenden Opfers Christi die Fülle der Gnade empfangen hat«.(205) Dank ihrer göttlichen Mutterschaft ist sie in Wahrheit zur »Verbündeten Gottes« im Werk der Versöhnung geworden.(206)

Der Hand dieser Mutter, deren »Fiat« den Anfang jener »Fülle der Zeit« anzeigt, in welcher Christus die Versöhnung des Menschen mit Gott erwirkt hat, und ihrem Unbefleckten Herzen - dem wir wiederholt die ganze Menschheit, die von der Sünde bedrängt und von Spannungen und Konflikten zerrissen ist, anvertraut haben - empfehle ich heute in besonderer Weise meinen Wunsch: Möge auf ihre Fürsprache hin die ganze Menschheit den Weg der Buße entdecken und beschreiten, der sie allein zur vollen Versöhnung führen kann.

Euch allen, die ihr im Geist kirchlicher Gemeinschaft in Gehorsam und Glauben(207) die in diesem Dokument enthaltenen Hinweise, Empfehlungen und Weisungen annehmt und euch bemüht, sie in eine lebendige pastorale Praxis zu übertragen, erteile ich von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 2. Dezember, dem 1. Adventssonntag 1984, im siebten Jahr meines Pontifikates.

 




200 1 Petr 1, 1 f. und 3, 8.



201 1 Petr 3, 9. 13.



202 1

Petr 3, 8. 9. 13.



203 1 Petr 3, 17.



204 Litanei vom Heiligsten Herzen Jesu; vgl. 1 Joh 2, 2; Eph 2, 14; Röm 3, 25; 5, 11.



205 JOHANNES PAUL II., Ansprache zur Generalaudienz vom 7. Dezember 1983, 2: Insegnamenti, VI, 2 (1983) 1264.



206 JOHANENS PAUL II., Ansprache zur Generalaudienz vom 4. Januar 1984: Insegnamenti, VII, 1 (1984) 16-18.



207 Vgl. Röm 1, 5; 16, 26.




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