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Ioannes Paulus PP. II
Reconciliatio et Paenitentia

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Er ist Christus selber

20. Es ist von tiefer Bedeutung, daß Paulus zur Beschreibung dieses »Geheimnisses des Glaubens«, ohne eine grammatikalische Verbindung mit dem vorhergehenden Text herzustellen,(105) drei Verse eines Christushymnus wörtlich zitiert, der nach der Meinung von Fachleuten in den hellenistisch-christlichen Gemeinden in Gebrauch war.

Mit den Worten jenes Hymnus, der reich an theologischem Inhalt und voll edler Schönheit ist, bekannten die Gläubigen des ersten Jahrhunderts ihren Glauben an das Geheimnis Christi:

    daß er sich in der Wirklichkeit des menschlichen Fleisches geoffenbart hat und vom Heiligen Geist zum Gerechten bestellt worden ist, der sich für die Ungerechten hingibt; daß er den Engeln erschienen ist, größer als sie, und den Heiden als Vermittler des Heils verkündet worden ist; daß er in der Welt als Gesandter des Vaters geglaubt und vom Vater selbst als der Herr in den Himmel aufgenommen worden ist.(106)

Das Geheimnis oder Sakrament des Glaubens ist deshalb das Geheimnis Christi selber. Es ist in einer gedrängten Synthese das Geheimnis der Menschwerdung und der Erlösung, des vollen Ostergeschehens Jesu, des Sohnes Gottes und des Sohnes Marias: Geheimnis seines Leidens und Sterbens, seiner Auferstehung und Verherrlichung. Was der hl. Paulus durch die Zitation dieser Sätze des Hymnus hat unterstreichen wollen, ist dies, daß dieses Geheimnis das verborgene Lebensprinzip ist, das die Kirche zum Hauswesen Gottes, zur Säule und zum Fundament der Wahrheit macht. In der Linie der paulinischen Unterweisung können wir sagen, daß dieses Geheimnis des unendlichen Erbarmens Gottes uns gegenüber imstande ist, bis zu den verborgensten Wurzeln unserer Bosheit vorzudringen, um die Seele zur Bekehrung zu bewegen, um sie zu erlösen und zur Versöhnung zu führen.

Indem sich der hl. Johannes ohne Zweifel auf dieses Geheimnis bezog, konnte auch er in der ihm charakteristischen Sprache, die von der des hl. Paulus verschieden ist, schreiben: »Wer von Gott stammt, sündigt nicht, sondern der von Gott Gezeugte bewahrt ihn, und der Böse tastet ihn nicht an«.(107) In dieser Aussage des Johannes liegt ein Zeichen von Hoffnung, die auf den göttlichen Verheißungen gründet: Der Christ hat die Zusicherung und die notwendigen Kräfte erhalten, nicht zu sündigen. Es handelt sich hier also nicht um eine durch eigene Tugend erworbene Sündenlosigkeit oder gar um eine solche, die dem Menschen angeboren wäre, wie die Gnostiker meinten. Sie ist ein Ergebnis des Handelns Gottes. Um nicht zu sündigen, verfügt der Christ über die Kenntnis Gottes, erinnert der hl. Johannes an derselben Stelle. Kurz vorher aber hatte er geschrieben: »Jeder, der von Gott stammt, tut keine Sünde, weil Gottes Same in ihm bleibt«.(108) Wenn wir unter diesem »Samen Gottes«, wie einige Kommentatoren vorschlagen, Jesus, den Sohn Gottes, verstehen, können wir also sagen, daß der Christ, um nicht zu sündigen - oder sich von der Sünde zu befreien - über die innere Gegenwart von Christus selbst und vom Geheimnis Christi verfügt, das Geheimnis des Glaubens ist.




105 Der Text bereitet darum der Interpretation eine gewisse Schwierigkeit: Das Relativpronomen, das das wörtliche Zitat eröffnet, stimmt nicht mit dem Neutrum mysterion überein. Einige späte Manuskripte haben den Text verändert, um ihn grammatikalisch zu verbessern; Paulus aber ging es lediglich darum, seinem Text einen anderen, angesehenen, zur Seite zu stellen, der für ihn vollkommen klar war.



106 Die Urkirche glaubt an den verherrlichten Gekreuzigten, den die Engel anbeten und der Herr ist. Das erregende Moment dieser Botschaft bleibt aber, daß er sich »im Fleisch offenbart« hat: Das »große Geheimnis« besteht dann, daß der ewige Sohn Gottes Mensch geworden ist.



107 1 Joh 5, 18.



108 1 Joh 3, 9.






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