9. Meine
Aufmerksamkeit ist jetzt auf die »Mutter des Lichtes, Maria, die heilige
Jungfrau« gerichtet, die »dem Fleisch nach das Licht geboren hat, das vom
Vater ausgeht, und die Morgenröte der Sonne der Gerechtigkeit geworden
ist«10. Sie wird mit tiefer Liebe unter dem Titel »Astvazazin«
[Mutter Gottes] verehrt und ist zu allen Zeiten in der Leidensgeschichte dieses
Volkes gegenwärtig. Vor allem die Liturgie und Homiletik sind reich an
Texten der Marienverehrung, die die kindliche Anhänglichkeit der Armenier
an die Magd des großen Geheimnisses der Erlösung verGöttlichen
Liturgie und im göttlichen Stundengebet, sondern auch an vielen Festtagen
des Jahres gedenkt die Kirche des Marienlebens und seiner großen
Geheimnisse. Die Gläubigen wenden sich vertrauensvoll an sie und bitten um
ihre Fürsprache bei dem Sohn: »Tempel des Lichtes ohne Schatten, erhabene
Wohnstatt des Wortes, du hast den schweren Fluch der Mutter Eva aufgehoben,
bitte deinen eingeborenen Sohn, der uns mit dem Vater versöhnt hat, daß
er uns vor jeder Verwirrung bewahre und uns den Frieden des Herzens schenke.« 11
Maria, die Jungfrau und Helferin, wird als die Königin Armeniens
verehrt.
In der himmlischen Herrlichkeit ragt aus der Schar der armenischen Heiligen
zweifellos der Vardapet [Kirchenlehrer] der armenischen Kirche, hervor,
den ich auch in der Enzyklika Redemptoris Mater erwähnt habe12.
Er grüßt die heilige Jungfrau als »nach dem Willen der
ungeschaffenen Gottheit auserwählten Sitz«13. Durch seine Worte
steige das Bittgebet der Kirche empor, damit dieses Jubiläum der Taufe
Armeniens Grund zur Wiedergeburt und Freude werde:
»Nimm an den Lobgesang unserer Lippen und würdige dich, dieser Kirche
die Gaben und Gnaden von Zion und Betlehem zu gewähren, damit wir
würdig werden, an der Erlösung teilzuhaben an dem Tag, an dem dein
eingeborener Sohn, der unsterbliche Erlöser, in der unzerstörbaren
Herrlichkeit erscheint.« 14
Ich rufe auf das ganze armenische Volk und die kommenden Feierlichkeiten die
Fülle der göttlichen Gnaden herab und mache mir die Worte des
Historikers Agathangelos zu eigen: »Zum Schöpfer sollen sie sagen: ›Du
bist unser Herr und Gott.‹ Und er soll zu ihnen sagen: ›Ihr seid mein Volk‹«15,
zur Ehre der Heiligsten Dreifaltigkeit, des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geistes. Amen.
Aus dem Vatikan, am 2. Februar 2001
IOANNES PAULUS II
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