5.
Das Geschehene vor Augen, fühlen wir uns verpflichtet, alle Gläubigen
auf einige Gesichtspunkte aufmerksam zu machen, die durch dieses traurige
Geschehen besonders deutlich werden.
a) Der Ausgang, den die
Bewegung Erzbischof Lefebvres nunmehr genommen hat, kann und muß für
alle katholischen Gläubigen ein Anlaß zu einer gründlichen
Besinnung über die eigene Treue zur Tradition der Kirche sein, wie sie, durch
das ordentliche und des außerordentliche kirchliche Lehramt, authentisch
dargelegt wird, besonders durch die Konsilien, angefangen vom Konzil von
Nizäa bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Diese Besinnung muß alle
erneut und wirksam von der Notwendigkeit überzeugen, daß die Treue
noch vertieft und gefestigt werden muß und irrige Interpretationen sowie
willkürliche und ungerechtfertigte Erweiterungen in Dingen der
Glaubenslehre, der Liturgie und der Disziplin vollständig
zurückzuweisen sind.
Besonders die
Bischöfe haben aufgrund ihres Hirtenamtes die schwere Pflicht, mit klarem
Blick, mit Liebe und Unerschrockenheit darüber zu wachen, daß diese
Treue überall gewahrt wird(7).
Es ist aber
auch erforderlich, daß alle Hirten und übrigen Gläubigen aufs
neue sich bewußt werden, daß die Vielfalt der Charismen sowie der
Traditionen der Spiritualität und des Apostolates nicht nur legitim sind,
sondern für die Kirche einen Schatz darstellen; so wird die Einheit in der
Vielfalt zur Schönheit, - zu jener Harmonie, die die irdische Kirche, vom
Heiligen Geist angeregt, zum Himmel emporsteigen läßt.
b) Wir möchten
ferner auch die Theologen und Fachgelehrten der anderen kirchlichen
Wissenschaften darauf aufmerksam machen, daß auch sie von den
augenblicklichen Umständen herausgefordert sind. Die Breite und Tiefe der
Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils machen nämlich neue und vertiefte
Untersuchungen notwendig, in denen die Kontinuität des Konzils mit der
Tradition klar hervorgehoben wird, vornehmlich in jenen Bereichen der Lehre, die,
weil sie vielleicht neu sind, von einigen Teilgruppen der Kirche noch nicht
recht verstanden wurden.
c) Vor allem
möchten wir unter den vorliegenden Umständen einen zugleich
feierlichen und tief empfundenen, väterlichen und brüderlichen Aufruf
an all jene richten, die bisher in irgendeiner Weise mit der Bewegung des
Erzbischofs Lefebvre in Verbindung standen: daß sie ihre ernste Pflicht
erfüllen, mit dem Stellvertreter Christi in der Einheit der katholischen
Kirche verbunden zu bleiben und in keiner Weise jene Bewegung weiter zu
unterstützen. Alle müssen wissen, daß die formale Zustimmung zu
einem Schisma eine schwere Beleidigung Gottes ist und die Exkommunikation mit
sich bringt, wie im Kirchenrecht festgesetzt ist(8).
All jenen
katholischen Gläubigen, die sich an einige frühere Formen der
Liturgie und Disziplin der lateinischen Tradition gebunden fühlen,
möchte ich auch meinen Willen kundtun - und wir bitten, daß sich der
Wille der Bischöfe und all jener, die in der Kirche das Hirtenamt
ausüben, dem meinen anschließen möge -, ihnen die kirchliche
Gemeinschaft leicht zu machen, durch Maßnahmen, die notwendig sind, um
die Berücksichtigung ihrer Wünsche sicherzustellen.
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