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Immanuel Kant
Kritik der reinen Vernunft (1781)
IntraText CT - Text
I. Transzendentale Elementarlehre
Zweiter Teil Die transzendentale Logik
Erste Abteilung Die transzendentale Analytik
Zweites Buch Die Analytik der Grundsätze
Einleitung Von der transzendentalen Urteilskraft überhaupt
Zweites Hauptstück System aller Grundsätze des reinen Verstandes
Dritter Abschnitt Systematische Vorstellung aller synthetischen Grundsätze desselben
4. Die Postulate des empirischen Denkens überhaupt
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4.
Die
Postulate
des
empirischen
Denkens
überhaupt
l
. Was mit den
formalen
Bedingungen
der
Erfahrung
(der
Anschauung
und den
Begriffen
nach)
übereinkommt
, ist
möglich
.
2. Was mit den
materialen
Bedingungen
der
Erfahrung
(der
Empfindung
)
zusammenhängt
, ist
wirklich
.
3. Dessen
Zusammenhang
mit dem
Wirklichen
nach
allgemeinen
Bedingungen
der
Erfahrung
bestimmt
ist, ist (
existiert
)
notwendig
.
Erläuterung
Die
Kategorien
der
Modalität
haben das
Besondere
an sich: daß sie den
Begriff
, dem sie als
Prädikate
beigefügt
werden, als
Bestimmung
des
Objekts
nicht im
mindesten
vermehren
,
sondern
nur das
Verhältnis
zum
Erkenntnisvermögen
ausdrücken
. Wenn der
Begriff
eines
Dinges
schon
ganz
vollständig
ist, so kann ich doch noch von diesem
Gegenstande
fragen
, ob er
bloß
möglich
, oder auch
wirklich
, oder, wenn er das
letztere
ist, ob er
gar
auch
notwendig
sei
?
Hierdurch
werden keine
Bestimmungen
mehr im
Objekte
selbst
gedacht
,
sondern
es
frägt
sich nur, wie es sich (
samt
allen
seinen
Bestimmungen
) zum
Verstande
und dessen
empirischen
Gebrauche
, zur
empirischen
Urteilskraft
, und zur
Vernunft
(in ihrer
Anwendung
auf
Erfahrung
)
verhalte
?
Eben
um
deswillen
sind auch die
Grundsätze
der
Modalität
nichts weiter, als
Erklärungen
der
Begriffe
der
Möglichkeit
,
Wirklichkeit
und
Notwendigkeit
in ihrem
empirischen
Gebrauche
, und hiermit
zugleich
Restriktionen
aller
Kategorien
auf den
bloß
empirischen
Gebrauch
, ohne den
transzendentalen
zuzulassen
und zu
erlauben
.
Denn
, wenn diese nicht eine
bloß
logische
Bedeutung
haben, und die
Form
des
Denkens
analytisch
ausdrücken
sollen
,
sondern
Dinge
und deren
Möglichkeit
,
Wirklichkeit
oder
Notwendigkeit
betreffen
sollen
, so
müssen
sie auf die
mögliche
Erfahrung
und deren
synthetische
Einheit
gehen
, in
welcher
allein
Gegenstände
der
Erkenntnis
gegeben
werden.
Das
Postulat
der
Möglichkeit
der
Dinge
fordert
also, daß der
Begriff
derselben
mit den
formalen
Bedingungen
einer
Erfahrung
überhaupt
zusammenstimme
. Diese,
nämlich
die
objektive
Form
der
Erfahrung
überhaupt
,
enthält
aber alle
Synthesis
,
welche
zur
Erkenntnis
der
Objekte
erfordert
wird. Ein
Begriff
, der eine
Synthesis
in sich
faßt
, ist
für
leer
zu
halten
, und
bezieht
sich auf
keinen
Gegenstand
, wenn diese
Synthesis
nicht zur
Erfahrung
gehört
, entweder als von ihr
erborgt
, und dann
heißt
er ein
empirischer
Begriff
, oder als eine solche, auf der, als
Bedingung
a
priori
,
Erfahrung
überhaupt
(die
Form
derselben
)
beruht
, und dann ist es ein
reiner
Begriff
, der
dennoch
zur
Erfahrung
gehört
, weil
sein
Objekt
nur in dieser
angetroffen
werden kann.
Denn
wo will man den
Charakter
der
Möglichkeit
eines
Gegenstandes
, der durch einen
synthetischen
Begriff
a
priori
gedacht
worden
,
hernehmen
, wenn es nicht von der
Synthesis
geschieht
,
welche
die
Form
der
empirischen
Erkenntnis
der
Objekte
ausmacht
? Daß in einem
solchen
Begriffe
kein
Widerspruch
enthalten
sein
müsse
, ist zwar eine
notwendige
logische
Bedingung
; aber zur
objektiven
Realität
des
Begriffs
,
d.i.
der
Möglichkeit
eines
solchen
Gegenstandes
, als durch den
Begriff
gedacht
wird, bei
weitem
nicht genug. So ist in dem
Begriffe
einer
Figur
, die in zwei
geraden
Linien
eingeschlossen
ist, kein
Widerspruch
,
denn
die
Begriffe
von zwei
geraden
Linien
und deren
Zusammenstoßung
enthalten
keine
Verneinung
einer
Figur
;
sondern
die
Unmöglichkeit
beruht
nicht auf dem
Begriffe
an sich selbst,
sondern
der
Konstruktion
desselben
im
Raume
,
d.i.
den
Bedingungen
des
Raumes
und der
Bestimmung
desselben
, diese haben aber
wiederum
ihre
objektive
Realität
,
d.i.
sie
gehen
auf
mögliche
Dinge
, weil sie die
Form
der
Erfahrung
überhaupt
a
priori
in sich
enthalten
.
Und nun
wollen
wir den
ausgebreiteten
Nutzen
und
Einfluß
dieses
Postulats
der
Möglichkeit
vor
Augen
legen
. Wenn ich mir ein
Ding
vorstelle
, das
beharrlich
ist, so, daß alles, was
da
wechselt
,
bloß
zu seinem
Zustande
gehört
, so kann ich
niemals
aus einem
solchen
Begriffe
allein
erkennen
, daß ein
dergleichen
Ding
möglich
sei
. Oder, ich
stelle
mir etwas
vor
,
welches
so
beschaffen
sein
soll
, daß, wenn es
gesetzt
wird,
jederzeit
und
unausbleiblich
etwas
anderes
darauf
erfolgt
, so
mag
dieses
allerdings
ohne
Widerspruch
so
gedacht
werden
können
; ob aber
dergleichen
Eigenschaft
(als
Kausalität
) an
irgendeinem
möglichen
Dinge
angetroffen
werde
, kann
dadurch
nicht
geurteilt
werden.
Endlich
kann ich mir
verschiedene
Dinge
(
Substanzen
)
vorstellen
, die so
beschaffen
sind, daß der
Zustand
des einen eine
Folge
im
Zustande
des
anderen
nach sich
zieht
, und so
wechselweise
; aber, ob
dergleichen
Verhältnis
irgend
Dingen
zukommen
könne
, kann aus diesen
Begriffen
,
welche
eine
bloß
willkürliche
Synthesis
enthalten
,
gar
nicht
abgenommen
werden. Nur daran also, daß diese
Begriffe
die
Verhältnisse
der
Wahrnehmungen
in jeder
Erfahrung
a
priori
ausdrücken
,
erkennt
man ihre
objektive
Realität
,
d.i.
ihre
transzendentale
Wahrheit
, und zwar
freilich
unabhängig
von der
Erfahrung
, aber doch nicht
unabhängig
von aller
Beziehung
auf die
Form
einer
Erfahrung
überhaupt
, und die
synthetische
Einheit
, in der allein
Gegenstände
empirisch
können
erkannt
werden.
Wenn man sich aber
gar
neue
Begriffe
von
Substanzen
, von
Kräften
, von
Wechselwirkungen
, aus dem
Stoffe
, den uns die
Wahrnehmung
darbietet
,
machen
wollte
, ohne von der
Erfahrung
selbst das
Beispiel
ihrer
Verknüpfung
zu
entlehnen
, so
würde
man in
lauter
Hirngespinste
geraten
, deren
Möglichkeit
ganz
und
gar
kein
Kennzeichen
für
sich hat, weil man bei ihnen nicht
Erfahrung
zur
Lehrerin
annimmt
, noch diese
Begriffe
von ihr
entlehnt
.
Dergleichen
gedichtete
Begriffe
können
den
Charakter
ihrer
Möglichkeit
nicht so, wie die
Kategorien
,
a
priori
, als
Bedingungen
, von denen alle
Erfahrung
abhängt
,
sondern
nur
a
posteriori
, als solche, die durch die
Erfahrung
selbst
gegeben
werden,
bekommen
, und ihre
Möglichkeit
muß
entweder
a
posteriori
und
empirisch
, oder sie kann
gar
nicht
erkannt
werden. Eine
Substanz
,
welche
beharrlich
im
Raume
gegenwärtig
wäre
, doch ohne
ihn
zu
erfüllen
, (wie
dasjenige
Mittelding
zwischen
Materie
und
denkenden
Wesen
,
welches
einige haben
einführen
wollen
,) oder eine
besondere
Grundkraft
unseres
Gemüts
, das
Künftige
zum
voraus
anzuschauen
(nicht etwa
bloß
zu
folgern
), oder
endlich
ein
Vermögen
desselben
, mit
anderen
Menschen
in
Gemeinschaft
der
Gedanken
zu
stehen
(so
entfernt
sie auch
sein
mögen
), das sind
Begriffe
, deren
Möglichkeit
ganz
grundlos
ist, weil sie nicht auf
Erfahrung
und deren
bekannte
Gesetze
gegründet
werden kann, und ohne sie eine
willkürliche
Gedankenverbindung
ist, die, ob sie zwar
keinen
Widerspruch
enthält
, doch
keinen
Anspruch
auf
objektive
Realität
,
mithin
auf die
Möglichkeit
eines
solchen
Gegenstandes
, als man sich hier
denken
will,
machen
kann. Was
Realität
betrifft
, so
verbietet
es sich
wohl
von selbst, sich eine solche in
concreto
zu
denken
, ohne die
Erfahrung
zu
Hilfe
zu
nehmen
, weil sie nur auf
Empfindung
, als
Materie
der
Erfahrung
,
gehen
kann, und nicht die
Form
des
Verhältnisses
betrifft
, mit der man
allenfalls
in
Erdichtungen
spielen
könnte
.
Aber ich
lasse
alles
vorbei
, dessen
Möglichkeit
nur aus der
Wirklichkeit
in der
Erfahrung
kann
abgenommen
werden, und
erwäge
hier nur die
Möglichkeit
der
Dinge
durch
Begriffe
a
priori
, von denen ich
fortfahre
zu
behaupten
, daß sie
niemals
aus
solchen
Begriffen
für
sich allein,
sondern
jederzeit
nur als
formale
und
objektive
Bedingungen
einer
Erfahrung
überhaupt
stattfinden
können
.
Es hat zwar den
Anschein
, als wenn die
Möglichkeit
eines
Triangels
aus seinem
Begriffe
an sich selbst
könne
erkannt
werden (von der
Erfahrung
ist er
gewiß
unabhängig
);
denn
in der
Tat
können
wir
ihm
gänzlich
a
priori
einen
Gegenstand
geben
,
d.i.
ihn
konstruieren
. Weil dieses aber nur die
Form
von einem
Gegenstande
ist, so
würde
er doch immer nur ein
Produkt
der
Einbildung
bleiben
, von dessen
Gegenstand
die
Möglichkeit
noch
zweifelhaft
bliebe
, als wozu noch etwas mehr
erfordert
wird,
nämlich
daß eine solche
Figur
unter
lauter
Bedingungen
, auf denen alle
Gegenstände
der
Erfahrung
beruhen
,
gedacht
sei
. Daß nun der
Raum
eine
formale
Bedingung
a
priori
von
äußeren
Erfahrungen
ist, daß
eben
dieselbe
bildende
Synthesis
,
wodurch
wir in der
Einbildungskraft
einen
Triangel
konstruieren
, mit
derjenigen
gänzlich
einerlei
sei
,
welche
wir in der
Apprehension
einer
Erscheinung
ausüben
, um uns davon einen
Erfahrungsbegriff
zu
machen
, das ist es allein, was mit diesem
Begriffe
die
Vorstellung
von der
Möglichkeit
eines
solchen
Dinges
verknüpft
. Und so ist die
Möglichkeit
kontinuierlicher
Größen
, ja sogar der
Größen
überhaupt
, weil die
Begriffe
davon
insgesamt
synthetisch
sind,
niemals
aus den
Begriffen
selbst,
sondern
aus ihnen, als
formalen
Bedingungen
der
Bestimmung
der
Gegenstände
in der
Erfahrung
überhaupt
allererst
klar
; und wo
sollte
man auch
Gegenstände
suchen
wollen
, die den
Begriffen
korrespondierten
,
wäre
es nicht in der
Erfahrung
, durch die uns allein
Gegenstände
gegeben
werden?
wiewohl
wir, ohne
eben
Erfahrung
selbst
voranzuschicken
,
bloß
in
Beziehung
auf die
formalen
Bedingungen
, unter
welchen
in ihr
überhaupt
etwas als
Gegenstand
bestimmt
wird,
mithin
völlig
a
priori
, aber doch nur in
Beziehung
auf sie, und
innerhalb
ihren
Grenzen
, die
Möglichkeit
der
Dinge
erkennen
und
charakterisieren
können
.
Das
Postulat
, die
Wirklichkeit
der
Dinge
zu
erkennen
,
fordert
Wahrnehmung
,
mithin
Empfindung
, deren man sich
bewußt
ist, zwar nicht
eben
unmittelbar
, von dem
Gegenstande
selbst, dessen
Dasein
erkannt
werden
soll
, aber doch
Zusammenhang
desselben
mit irgendeiner
wirklichen
Wahrnehmung
, nach den
Analogien
der
Erfahrung
,
welche
alle
reale
Verknüpfung
in einer
Erfahrung
überhaupt
darlegen
.
In dem
bloßen
Begriffe
eines
Dinges
kann
gar
kein
Charakter
seines
Daseins
angetroffen
werden.
Denn
ob
derselbe
gleich
noch so
vollständig
sei
, daß nicht das
mindeste
ermangle
, um ein
Ding
mit
allen
seinen
inneren
Bestimmungen
zu
denken
, so hat das
Dasein
mit allem diesen doch
gar
nichts zu tun,
sondern
nur mit der
Frage
: ob ein
solches
Ding
uns
gegeben
sei
, so, daß die
Wahrnehmung
desselben
vor
dem
Begriffe
allenfalls
vorhergehen
könne
.
Denn
, daß der
Begriff
vor
der
Wahrnehmung
vorhergeht
,
bedeutet
dessen
bloße
Möglichkeit
; die
Wahrnehmung
aber, die den
Stoff
zum
Begriff
hergibt
, ist der
einzige
Charakter
der
Wirklichkeit
. Man kann aber auch
vor
der
Wahrnehmung
des
Dinges
, und also
komparative
a
priori
das
Dasein
desselben
erkennen
, wenn es nur mit
einigen
Wahrnehmungen
, nach den
Grundsätzen
der
empirischen
Verknüpfung
derselben
(den
Analogien
),
zusammenhängt
.
Denn
alsdann
hängt
doch das
Dasein
des
Dinges
mit
unseren
Wahrnehmungen
in einer
möglichen
Erfahrung
zusammen
, und wir
können
nach dem
Leitfaden
jener
Analogien
, von unserer
wirklichen
Wahrnehmung
zu dem
Dinge
in der
Reihe
möglicher
Wahrnehmungen
gelangen
. So
erkennen
wir das
Dasein
einer alle
Körper
durchdringenden
magnetischen
Materie
aus der
Wahrnehmung
des
gezogenen
Eisenfeiligs
,
obzwar
eine
unmittelbare
Wahrnehmung
dieses
Stoffs
uns nach der
Beschaffenheit
unserer
Organe
unmöglich
ist.
Denn
überhaupt
würden
wir, nach
Gesetzen
der
Sinnlichkeit
und dem
Kontext
unserer
Wahrnehmungen
, in einer
Erfahrung
auch auf die
unmittelbare
empirische
Anschauung
derselben
stoßen
, wenn
unsere
Sinne
feiner
wären
, deren
Grobheit
die
Form
möglicher
Erfahrung
überhaupt
nichts
angeht
. Wo also
Wahrnehmung
und deren
Anhang
nach
empirischen
Gesetzen
hinreicht
,
dahin
reicht
auch
unsere
Erkenntnis
vom
Dasein
der
Dinge
.
Fangen
wir nicht von
Erfahrung
an, oder
gehen
wir nicht nach
Gesetzen
des
empirischen
Zusammenhanges
der
Erscheinungen
fort
, so
machen
wir uns
vergeblich
Staat
, das
Dasein
irgendeines
Dinges
erraten
oder
erforschen
zu
wollen
.
Was
endlich
das
dritte
Postulat
betrifft
, so
geht
es auf die
materiale
Notwendigkeit
im
Dasein
, und nicht die
bloß
formale
und
logische
in
Verknüpfung
der
Begriffe
.
Da
nun keine
Existenz
der
Gegenstände
der
Sinne
völlig
a
priori
erkannt
werden kann, aber doch
komparative
a
priori
relativisch
auf ein
anderes
schon
gegebenes
Dasein
,
gleichwohl
aber auch
alsdann
nur auf
diejenige
Existenz
kommen
kann, die irgendwo in dem
Zusammenhange
der
Erfahrung
, davon die
gegebene
Wahrnehmung
ein
Teil
ist,
enthalten
sein
muß
: so kann die
Notwendigkeit
der
Existenz
,
niemals
aus
Begriffen
,
sondern
jederzeit
nur aus der
Verknüpfung
mit
demjenigen
, was
wahrgenommen
wird, nach
allgemeinen
Gesetzen
der
Erfahrung
erkannt
werden
können
.
Da
ist nun kein
Dasein
, was unter der
Bedingung
anderer
gegebener
Erscheinungen
, als
notwendig
erkannt
werden
könnte
, als das
Dasein
der
Wirkungen
aus
gegebenen
Ursachen
nach
Gesetzen
der
Kausalität
. Also ist es nicht das
Dasein
der
Dinge
(
Substanzen
),
sondern
ihres
Zustandes
,
wovon
wir allein die
Notwendigkeit
erkennen
können
, und zwar aus
anderen
Zuständen
, die in der
Wahrnehmung
gegeben
sind, nach
empirischen
Gesetzen
der
Kausalität
.
Hieraus
folgt
: daß das
Kriterium
der
Notwendigkeit
lediglich
in dem
Gesetze
der
möglichen
Erfahrung
liege
: daß alles, was
geschieht
, durch ihre
Ursache
in der
Erscheinung
a
priori
bestimmt
sei
. Daher
erkennen
wir nur die
Notwendigkeit
der
Wirkungen
in der
Natur
, deren
Ursachen
uns
gegeben
sind, und das
Merkmal
der
Notwendigkeit
im
Dasein
reicht
nicht weiter, als das
Feld
möglicher
Erfahrung
, und selbst in diesem
gilt
es nicht von der
Existenz
der
Dinge
, als
Substanzen
, weil diese
niemals
, als
empirische
Wirkungen
, oder etwas, das
geschieht
und
entsteht
,
können
angesehen
werden. Die
Notwendigkeit
betrifft
also nur die
Verhältnisse
der
Erscheinungen
nach dem
dynamischen
Gesetze
der
Kausalität
, und die darauf sich
gründende
Möglichkeit
, aus
irgendeinem
gegebenen
Dasein
(einer
Ursache
)
a
priori
auf ein
anderes
Dasein
(der
Wirkung
) zu
schließen
. Alles, was
geschieht
, ist
hypothetisch
notwendig
; das ist ein
Grundsatz
,
welcher
die
Veränderung
in der
Welt
einem
Gesetze
unterwirft
,
d.i.
einer
Regel
des
notwendigen
Daseins
, ohne
welche
gar
nicht
einmal
Natur
stattfinden
würde
. Daher ist der
Satz
: nichts
geschieht
durch ein
blindes
Ohngefähr
(in
mundo
non
datur
casus
) ein
Naturgesetz
a
priori
;
imgleichen
: keine
Notwendigkeit
in der
Natur
ist
blinde
,
sondern
bedingte
,
mithin
verständliche
Notwendigkeit
(
non
datur
fatum
).
Beide
sind solche
Gesetze
, durch
welche
das
Spiel
der
Veränderungen
einer
Natur
der
Dinge
(als
Erscheinungen
)
unterworfen
wird, oder,
welches
einerlei
ist, der
Einheit
des
Verstandes
, in
welchem
sie allein zu einer
Erfahrung
, als der
synthetischen
Einheit
der
Erscheinungen
,
gehören
können
. Diese
beiden
Grundsätze
gehören
zu den
dynamischen
. Der
erstere
ist
eigentlich
eine
Folge
des
Grundsatzes
von der
Kausalität
(unter den
Analogien
der
Erfahrung
). Der
zweite
gehört
zu den
Grundsätzen
der
Modalität
,
welche
zu der
Kausalbestimmung
noch den
Begriff
der
Notwendigkeit
, die aber unter einer
Regel
des
Verstandes
steht
,
hinzutut
. Das
Prinzip
der
Kontinuität
verbot
in der
Reihe
der
Erscheinungen
(
Veränderungen
)
allen
Absprung
(in
mundo
non
datur
saltus
), aber auch in dem
Inbegriff
aller
empirischen
Anschauungen
im
Raume
alle
Lücke
oder
Kluft
zwischen zwei
Erscheinungen
(
non
datur
hiatus
);
denn
so kann man den
Satz
ausdrücken
: das in die
Erfahrung
nichts
hineinkommen
kann, was ein
Vakuum
bewiese
, oder auch nur als einen
Teil
der
empirischen
Synthesis
zuließe
.
Denn
was das
Leere
betrifft
,
welches
man sich
außerhalb
dem
Felde
möglicher
Erfahrung
(der
Welt
)
denken
mag
, so
gehört
dieses nicht
vor
die
Gerichtsbarkeit
des
bloßen
Verstandes
,
welcher
nur über die
Fragen
entscheidet
, die die
Nutzung
gegebener
Erscheinungen
zur
empirischen
Erkenntnis
betreffen
, und ist eine
Aufgabe
für
die
idealische
Vernunft
, die noch über die
Sphäre
einer
möglichen
Erfahrung
hinausgeht
, und von dem
urteilen
will, was diese selbst
umgibt
und
begrenzt
,
muß
daher in der
transszendentalen
Dialektik
erwogen
werden. Diese vier
Sätze
(in
mundo
non
datur
hiatus
,
non
datur
saltus
,
non
datur
casus
,
non
datur
fatum
)
könnten
wir
leicht
, so wie alle
Grundsätze
transzendentalen
Ursprungs
, nach ihrer
Ordnung
,
gemäß
der
Ordnung
der
Kategorien
vorstellig
machen
, und jedem seine
Stelle
beweisen
, allein der schon
geübte
Leser
wird dieses von selbst tun, oder den
Leitfaden
dazu
leicht
entdecken
. Sie
vereinigen
sich aber alle
lediglich
dahin
, um in der
empirischen
Synthesis
nichts
zuzulassen
, was dem
Verstande
und dem
kontinuierlichen
Zusammenhange
aller
Erscheinungen
,
d.i.
der
Einheit
seiner
Begriffe
,
Abbruch
oder
Eintrag
tun
könnte
.
Denn
er ist es allein,
worin
die
Einheit
der
Erfahrung
, in der alle
Wahrnehmungen
ihre
Stelle
haben
müssen
,
möglich
wird.
Ob das
Feld
der
Möglichkeit
größer
sei
, als das
Feld
, was alles
Wirkliche
enthält
, dieses aber
wiederum
größer
, als die
Menge
desjenigen
, was
notwendig
ist, das sind
artige
Fragen
, und zwar von
synthetischer
Auflösung
, die aber auch nur der
Gerichtsbarkeit
der
Vernunft
anheimfallen
;
denn
sie
wollen
ungefähr
soviel
sagen
, als, ob alle
Dinge
, als
Erscheinungen
,
insgesamt
in den
Inbegriff
und den
Kontext
einer
einzigen
Erfahrung
gehören
, von der jede
gegebene
Wahrnehmung
ein
Teil
ist, der also mit
keinen
anderen
Erscheinungen
könne
verbunden
werden, oder ob meine
Wahrnehmungen
zu mehr wie einer
möglichen
Erfahrung
(in ihrem
allgemeinen
Zusammenhange
)
gehören
können
. Der
Verstand
gibt
a
priori
der
Erfahrung
überhaupt
nur die
Regel
, nach den
subjektiven
und
formalen
Bedingungen
, sowohl der
Sinnlichkeit
als der
Apperzeption
,
welche
sie allein
möglich
machen
.
Andere
Formen
der
Anschauung
, (als
Raum
und
Zeit
,)
imgleichen
andere
Formen
des
Verstandes
, (als die
diskursive
des
Denkens
, oder der
Erkenntnis
durch
Begriffe
,) ob sie
gleich
möglich
wären
,
können
wir uns doch auf
keinerlei
Weise
erdenken
und
faßlich
machen
, aber, wenn wir es auch
könnten
, so
würden
sie doch nicht zur
Erfahrung
, als dem
einzigen
Erkenntnis
gehören
,
worin
uns
Gegenstände
gegeben
werden. Ob
andere
Wahrnehmungen
, als
überhaupt
, zu unserer
gesamten
möglichen
Erfahrung
gehören
, und also ein
ganz
anderes
Feld
der
Materie
noch
stattfinden
könne
, kann der
Verstand
nicht
entscheiden
, er hat es nur mit der
Synthesis
dessen zu tun, was
gegeben
ist. Sonst ist die
Armseligkeit
unserer
gewöhnlichen
Schlüsse
,
wodurch
wir ein
großes
Reich
der
Möglichkeit
herausbringen
, davon alles
Wirkliche
(aller
Gegenstand
der
Erfahrung
) nur ein
kleiner
Teil
sei
, sehr in die
Augen
fallend
. Alles
Wirkliche
ist
möglich
;
hieraus
folgt
natürlicherweise
, nach den
logischen
Regeln
der
Umkehrung
, der
bloß
partikulare
Satz
:
einiges
Mögliche
ist
wirklich
,
welches
denn
soviel zu
bedeuten
scheint
, als: es ist
vieles
möglich
, was nicht
wirklich
ist. Zwar hat es den
Anschein
, als
könne
man auch
geradezu
die
Zahl
des
Möglichen
über die des
Wirklichen
dadurch
hinaussetzen
, weil zu
jener
noch etwas
hinzukommen
muß
, um diese
auszumachen
. Allein dieses
Hinzukommen
zum
Möglichen
kenne
ich nicht.
Denn
was über
dasselbe
noch
zugesetzt
werden
sollte
,
wäre
unmöglich
. Es kann nur zu
meinem
Verstande
etwas über die
Zusammenstimmung
mit den
formalen
Bedingungen
der
Erfahrung
,
nämlich
die
Verknüpfung
mit irgendeiner
Wahrnehmung
,
hinzukommen
; was aber mit dieser nach
empirischen
Gesetzen
verknüpft
ist, ist
wirklich
, ob es
gleich
unmittelbar
nicht
wahrgenommen
wird. Daß aber im
durchgängigen
Zusammenhange
mit dem, was mir in der
Wahrnehmung
gegeben
ist, eine
andere
Reihe
von
Erscheinungen
,
mithin
mehr wie eine
einzige
alles
befassende
Erfahrung
möglich
sei
,
läßt
sich aus dem, was
gegeben
ist, nicht
schließen
, und, ohne daß
irgend
etwas
gegeben
ist, noch viel
weniger
; weil ohne
Stoff
sich
überall
nichts
denken
läßt
. Was unter
Bedingungen
, die selbst
bloß
möglich
sind, allein
möglich
ist, ist es nicht in aller
Absicht
. In dieser aber wird die
Frage
genommen
, wenn man
wissen
will, ob die
Möglichkeit
der
Dinge
sich weiter
erstrecke
, als
Erfahrung
reichen
kann.
Ich habe dieser
Fragen
nur
Erwähnung
getan
, um keine
Lücke
in
demjenigen
zu
lassen
, was, der
gemeinen
Meinung
nach, zu den
Verstandesbegriffen
gehört
. In der
Tat
ist aber die
absolute
Möglichkeit
(die in aller
Absicht
gültig
ist) kein
bloßer
Verstandesbegriff
, und kann auf
keinerlei
Weise
von
empirischem
Gebrauche
sein
,
sondern
er
gehört
allein der
Vernunft
zu, die über
allen
möglichen
empirischen
Verstandesgebrauch
hinausgeht
. Daher haben wir uns
hierbei
mit einer
bloß
kritischen
Anmerkung
begnügen
müssen
,
übrigens
aber die
Sache
bis zum
weiteren
künftigen
Verfahren
in der
Dunkelheit
gelassen
.
Da
ich
eben
diese
vierte
Nummer
, und mit ihr
zugleich
das
System
aller
Grundsätze
des
reinen
Verstandes
schließen
will, so
muß
ich noch
Grund
angeben
, warum ich die
Prinzipien
der
Modalität
gerade
Postulate
genannt
habe. Ich will diesen
Ausdruck
hier nicht in der
Bedeutung
nehmen
,
welche
ihm
einige
neuere
philosophische
Verfasser
, wider den
Sinn
der
Mathematiker
, denen er doch
eigentlich
angehört
,
gegeben
haben,
nämlich
: daß
Postulieren
so viel
heißen
solle
, als einen
Satz
für
unmittelbar
gewiß
, ohne
Rechtfertigung
, oder
Beweis
ausgeben
;
denn
, wenn wir das bei
synthetischen
Sätzen
, so
evident
sie auch
sein
mögen
,
einräumen
sollten
, daß man sie ohne
Deduktion
, auf das
Ansehen
ihres
eigenen
Ausspruchs
, dem
unbedingten
Beifalle
aufheften
dürfe
, so ist alle
Kritik
des
Verstandes
verloren
, und,
da
es an
dreisten
Anmaßungen
nicht
fehlt
, deren sich auch der
gemeine
Glaube
, (der aber kein
Kreditiv
ist) nicht
weigert
; so wird unser
Verstand
jedem
Wahne
offen
stehen
, ohne daß er seinen
Beifall
denen
Aussprüchen
versagen
kann, die, obgleich
unrechtmäßig
, doch in
eben
demselben
Tone
der
Zuversicht
, als
wirkliche
Axiome
eingelassen
zu werden
verlangen
. Wenn also zu dem
Begriffe
eines
Dinges
eine
Bestimmung
a
priori
synthetisch
hinzukommt
, so
muß
von einem
solchen
Satze
, wo nicht ein
Beweis
, doch
wenigstens
eine
Deduktion
der
Rechtmäßigkeit
seiner
Behauptung
unnachläßlich
hinzugefügt
werden.
Die
Grundsätze
der
Modalität
sind aber nicht
objektiv
synthetisch
, weil die
Prädikate
der
Möglichkeit
,
Wirklichkeit
und
Notwendigkeit
den
Begriff
, von dem sie
gesagt
werden, nicht im
mindesten
vermehren
,
dadurch
daß sie der
Vorstellung
des
Gegenstandes
noch etwas
hinzusetzten
.
Da
sie aber
gleichwohl
doch immer
synthetisch
sind, so sind sie es nur
subjektiv
,
d.i.
sie
fügen
zu dem
Begriffe
eines
Dinges
, (
realen
,) von dem sie sonst nichts
sagen
, die
Erkenntniskraft
hinzu,
worin
er
entspringt
und seinen
Sitz
hat, so, daß, wenn er
bloß
im
Verstande
mit den
formalen
Bedingungen
der
Erfahrung
in
Verknüpfung
ist,
sein
Gegenstand
möglich
heißt
; ist er mit der
Wahrnehmung
(
Empfindung
, als
Materie
der
Sinne
) im
Zusammenhange
, und durch
dieselben
vermittelst
des
Verstandes
bestimmt
, so ist das
Objekt
wirklich
; ist er durch den
Zusammenhang
der
Wahrnehmungen
nach
Begriffen
bestimmt
, so
heißt
der
Gegenstand
notwendig
. Die
Grundsätze
der
Modalität
also
sagen
von einem
Begriffe
nichts
anderes
, als die
Handlung
des
Erkenntnisvermögens
,
dadurch
er
erzeugt
wird. Nun
heißt
ein
Postulat
in der
Mathematik
der
praktische
Satz
, der nichts als die
Synthesis
enthält
,
wodurch
wir einen
Gegenstand
uns
zuerst
geben
, und dessen
Begriff
erzeugen
,
z
.
B
. mit einer
gegebenen
Linie
, aus einem
gegebenen
Punkt
auf einer
Ebene
einen
Zirkel
zu
beschreiben
, und ein
dergleichen
Satz
kann darum nicht
bewiesen
werden, weil das
Verfahren
, was er
fordert
,
gerade
das ist,
wodurch
wir den
Begriff
von einer
solchen
Figur
zuerst
erzeugen
. So
können
wir
demnach
mit
ebendemselben
Rechte
die
Grundsätze
der
Modalität
postulieren
, weil sie ihren
Begriff
von
Dingen
überhaupt
nicht
vermehren
11
,
sondern
nur die
Art
anzeigen
, wie er
überhaupt
mit der
Erkenntniskraft
verbunden
wird.
11
Durch die
Wirklichkeit
eines
Dinges
,
setze
ich
freilich
mehr, als die
Möglichkeit
, aber nicht in dem
Dinge
;
denn
das kann
niemals
mehr in der
Wirklichkeit
enthalten
, als was in dessen
vollständiger
Möglichkeit
enthalten
war.
Sondern
da
die
Möglichkeit
bloß
eine
Position
des
Dinges
in
Beziehung
auf den
Verstand
(dessen
empirischen
Gebrauch
) war, so ist die
Wirklichkeit
zugleich
eine
Verknüpfung
desselben
mit der
Wahrnehmung
.
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