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Immanuel Kant
Kritik der reinen Vernunft (1781)
IntraText CT - Text
I. Transzendentale Elementarlehre
Zweiter Teil Die transzendentale Logik
Erste Abteilung Die transzendentale Analytik
Zweites Buch Die Analytik der Grundsätze
Einleitung Von der transzendentalen Urteilskraft überhaupt
Drittes Hauptstück Von dem Grunde der Unterscheidung aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena und Noumena
zurück
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Drittes
Hauptstück
Von dem
Grunde
der
Unterscheidung
aller
Gegenstände
überhaupt
in
Phaenomena
und
Noumena
Wir haben jetzt das
Land
des
reinen
Verstandes
nicht allein
durchreist
, und
jeden
Teil
davon
sorgfältig
in
Augenschein
genommen
,
sondern
es auch
durchmessen
, und jedem
Dinge
auf demselben seine
Stelle
bestimmt
. Dieses
Land
aber ist eine
Insel
, und durch die
Natur
selbst in
unveränderliche
Grenzen
eingeschlossen
. Es ist das
Land
der
Wahrheit
(ein
reizender
Name
),
umgeben
von einem
weiten
und
stürmischen
Ozeane
, dem
eigentlichen
Sitze
des
Scheins
, wo
manche
Nebelbank
, und
manches
bald
wegschmelzende
Eis
neue
Länder
lügt
, und
indem
es den auf
Entdeckungen
herumschwärmenden
Seefahrer
unaufhörlich
mit
leeren
Hoffnungen
täuscht
,
ihn
in
Abenteuer
verflicht
, von denen er
niemals
ablassen
und sie doch auch
niemals
zu
Ende
bringen
kann.
Ehe
wir uns aber auf dieses
Meer
wagen
, um es nach
allen
Breiten
zu
durchsuchen
, und
gewiß
zu werden, ob etwas in ihnen zu
hoffen
sei
, so wird es
nützlich
sein
, zuvor noch einen
Blick
auf die
Karte
des
Landes
zu
werfen
, das wir
eben
verlassen
wollen
, und
erstlich
zu
fragen
, ob wir mit dem, was es in sich
enthält
, nicht
allenfalls
zufrieden
sein
könnten
, oder auch aus
Not
zufrieden
sein
müssen
, wenn es sonst
überall
keinen
Boden
gibt
, auf dem wir uns
anbauen
könnten
;
zweitens
, unter
welchem
Titel
wir
denn
selbst dieses
Land
besitzen
, und uns wider alle
feindseligen
Ansprüche
gesichert
halten
können
.
Obschon
wir diese
Fragen
in dem
Lauf
der
Analytik
schon
hinreichend
beantwortet
haben, so kann doch ein
summarischer
Überschlag
ihrer
Auflösungen
die
Überzeugung
dadurch
verstärken
, daß er die
Momente
derselben
in einem
Punkt
vereinigt
.
Wir haben
nämlich
gesehen
: daß alles, was der
Verstand
aus sich selbst
schöpft
, ohne es von der
Erfahrung
zu
borgen
, das habe er
dennoch
zu
keinem
anderen
Behuf
, als
lediglich
zum
Erfahrungsgebrauch
. Die
Grundsätze
des
reinen
Verstandes
, sie
mögen
nun
a
priori
konstitutiv
sein
(wie die
mathematischen
), oder
bloß
regulativ
(wie die
dynamischen
),
enthalten
nichts als
gleichsam
nur das
reine
Schema
zur
möglichen
Erfahrung
;
denn
diese hat ihre
Einheit
nur von der
synthetischen
Einheit
,
welche
der
Verstand
der
Synthesis
der
Einbildungskraft
in
Beziehung
auf die
Apperzeption
ursprünglich
und von selbst
erteilt
, und auf
welche
die
Erscheinungen
, als
data
zu einem
möglichen
Erkenntnisse
, schon
a
priori
in
Beziehung
und
Einstimmung
stehen
müssen
. Ob nun aber
gleich
diese
Verstandesregeln
nicht allein
a
priori
wahr
sind,
sondern
sogar der
Quell
aller
Wahrheit
,
d.i.
der
Übereinstimmung
unserer
Erkenntnis
mit
Objekten
,
dadurch
, daß sie den
Grund
der
Möglichkeit
der
Erfahrung
, als des
Inbegriffes
aller
Erkenntnis
, darin uns
Objekte
gegeben
werden
mögen
, in sich
enthalten
, so
scheint
es uns doch nicht genug, sich
bloß
dasjenige
vortragen
zu
lassen
, was
wahr
ist,
sondern
, was man zu
wissen
begehrt
. Wenn wir also durch diese
kritische
Untersuchung
nichts
Mehreres
lernen
, als was wir im
bloß
empirischen
Gebrauche
des
Verstandes
, auch ohne so
subtile
Nachforschung
, von selbst
wohl
würden
ausgeübt
haben, so
scheint
es,
sei
der
Vorteil
, den man aus ihr
zieht
, den
Aufwand
und die
Zurüstung
nicht
wert
. Nun kann man zwar hierauf
antworten
: daß kein
Vorwitz
der
Erweiterung
unserer
Erkenntnis
nachteiliger
sei
, als der, so den
Nutzen
jederzeit
zum
voraus
wissen
will,
ehe
man sich auf
Nachforschungen
einläßt
, und
ehe
man noch sich den
mindesten
Begriff
von diesem
Nutzen
machen
könnte
, wenn
derselbe
auch
vor
Augen
gestellt
würde
. Allein es
gibt
doch einen
Vorteil
, der auch dem
schwierigsten
und
unlustigsten
Lehrlinge
solcher
transzendentalen
Nachforschung
begreiflich
, und
zugleich
angelegen
gemacht
werden kann,
nämlich
dieser: daß der
bloß
mit seinem
empirischen
Gebrauche
beschäftigte
Verstand
, der über die
Quellen
seiner
eigenen
Erkenntnis
nicht
nachsinnt
, zwar sehr
gut
fortkommen
, eines aber
gar
nicht
leisten
könne
,
nämlich
, sich selbst die
Grenzen
seines
Gebrauchs
zu
bestimmen
, und zu
wissen
, was
innerhalb
oder
außerhalb
seiner
ganzen
Sphäre
liegen
mag
;
denn
dazu werden
eben
die
tiefen
Untersuchungen
erfordert
, die wir
angestellt
haben. Kann er aber nicht
unterscheiden
, ob
gewisse
Fragen
in seinem
Horizonte
liegen
, oder nicht, so ist er
niemals
seiner
Ansprüche
und seines
Besitzes
sicher
,
sondern
darf
sich nur auf
vielfältige
beschämende
Zurechtweisungen
Rechnung
machen
, wenn er die
Grenzen
seines
Gebiets
(wie es
unvermeidlich
ist)
unaufhörlich
überschreitet
, und sich in
Wahn
und
Blendwerke
verirrt
.
Daß also der
Verstand
von
allen
seinen
Grundsätzen
a
priori
, ja von
allen
seinen
Begriffen
keinen
anderen
als
empirischen
,
niemals
aber einen
transzendentalen
Gebrauch
machen
könne
, ist ein
Satz
, der, wenn er mit
Überzeugung
erkannt
werden kann, in
wichtige
Folgen
hinaussieht
. Der
transzendentale
Gebrauch
eines
Begriffs
in
irgendeinem
Grundsatze
ist dieser: daß er auf
Dinge
überhaupt
und an sich selbst, der
empirische
aber, wenn er
bloß
auf
Erscheinungen
,
d.i.
Gegenstände
einer
möglichen
Erfahrung
,
bezogen
wird. Daß aber
überall
nur der
letztere
stattfinden
könne
,
ersieht
man daraus. Zu jedem
Begriff
wird
erstlich
die
logische
Form
eines
Begriffs
(des
Denkens
)
überhaupt
, und dann
zweitens
auch die
Möglichkeit
,
ihm
einen
Gegenstand
zu
geben
, darauf er sich
beziehe
,
erfordert
. Ohne diesen
letzteren
hat er
keinen
Sinn
, und ist
völlig
leer
an
Inhalt
, ob er
gleich
noch immer die
logische
Funktion
enthalten
mag
, aus
etwaigen
datis
einen
Begriff
zu
machen
. Nun kann der
Gegenstand
einem
Begriffe
nicht anders
gegeben
werden, als in der
Anschauung
, und, wenn eine
reine
Anschauung
noch
vor
dem
Gegenstande
a
priori
möglich
ist, so kann doch auch diese selbst ihren
Gegenstand
,
mithin
die
objektive
Gültigkeit
, nur durch die
empirische
Anschauung
bekommen
,
wovon
sie die
bloße
Form
ist. Also
beziehen
sich alle
Begriffe
und mit ihnen alle
Grundsätze
, so sehr sie auch
a
priori
möglich
sein
mögen
,
dennoch
auf
empirische
Anschauungen
,
d.i.
auf
data
zur
möglichen
Erfahrung
. Ohne dieses haben sie
gar
keine
objektive
Gültigkeit
,
sondern
sind ein
bloßes
Spiel
, es
sei
der
Einbildungskraft
, oder des
Verstandes
,
respektive
mit ihren
Vorstellungen
. Man
nehme
nur die
Begriffe
der
Mathematik
zum
Beispiele
, und zwar
erstlich
in ihren
reinen
Anschauungen
. Der
Raum
hat drei
Abmessungen
, zwischen zwei
Punkten
kann nur eine
gerade
Linie
sein
,
usw
. Obgleich alle diese
Grundsätze
, und die
Vorstellung
des
Gegenstandes
, womit sich
jene
Wissenschaft
beschäftigt
,
völlig
a
priori
im
Gemüt
erzeugt
werden, so
würden
sie doch
gar
nichts
bedeuten
,
könnten
wir nicht immer an
Erscheinungen
(
empirischen
Gegenständen
) ihre
Bedeutung
darlegen
. Daher
erfordert
man auch, einen
abgesonderten
Begriff
sinnlich
zu
machen
,
d.i.
das
ihm
korrespondierende
Objekt
in der
Anschauung
darzulegen
, weil, ohne dieses, der
Begriff
(wie man
sagt
) ohne
Sinn
,
d.i.
ohne
Bedeutung
bleiben
würde
. Die
Mathematik
erfüllt
diese
Forderung
durch die
Konstruktion
der
Gestalt
,
welche
eine den
Sinnen
gegenwärtige
(
obzwar
a
priori
zustande
gebrachte
)
Erscheinung
ist. Der
Begriff
der
Größe
sucht
in
eben
der
Wissenschaft
seine
Haltung
und
Sinn
in der
Zahl
, diese aber an den
Fingern
, den
Korallen
des
Rechenbretts
, oder den
Strichen
und
Punkten
, die
vor
Augen
gestellt
werden. Der
Begriff
bleibt
immer
a
priori
erzeugt
,
samt
den
synthetischen
Grundsätzen
oder
Formeln
aus
solchen
Begriffen
; aber der
Gebrauch
derselben
, und
Beziehung
auf
angebliche
Gegenstände
kann am
Ende
doch
nirgend
, als in der
Erfahrung
gesucht
werden, deren
Möglichkeit
(der
Form
nach)
jene
a
priori
enthalten
.
Daß dieses aber auch der
Fall
mit
allen
Kategorien
, und den daraus
gesponnenen
Grundsätzen
sei
,
erhellt
auch daraus: daß wir so
gar
keine
einzige
derselben
definieren
, ohne uns
sofort
zu
Bedingungen
der
Sinnlichkeit
,
mithin
der
Form
der
Erscheinungen
,
herabzulassen
, als auf
welche
, als ihre
einzigen
Gegenstände
, sie
folglich
eingeschränkt
sein
müssen
, weil, wenn man diese
Bedingung
wegnimmt
, alle
Bedeutung
,
d.i.
Beziehung
aufs
Objekt
,
wegfällt
, und man durch kein
Beispiel
sich selbst
faßlich
machen
kann, was unter
dergleichen
Begriffe
denn
eigentlich
für
ein
Ding
gemeint
sei
. Oben bei
Darstellung
der
Tafel
der
Kategorien
,
überhoben
wir uns der
Definitionen
einer
jeden
derselben
dadurch
: daß
unsere
Absicht
, die
lediglich
auf den
synthetischen
Gebrauch
derselben
geht
, sie nicht
nötig
mache
, und man sich mit
unnötigen
Unternehmungen
keiner
Verantwortung
aussetzen
müsse
, deren man
überhoben
sein
kann. Das war keine
Ausrede
,
sondern
eine nicht
unerhebliche
Klugheitsregel
, sich nicht
sofort
ans
definieren
zu
wagen
, und
Vollständigkeit
oder
Präzision
in der
Bestimmung
des
Begriffs
zu
versuchen
oder
vorzugeben
, wenn man mit
irgend
einem oder
anderen
Merkmale
desselben
auslangen
kann, ohne
eben
dazu eine
vollständige
Herzählung
aller
derselben
, die den
ganzen
Begriff
ausmachen
, zu
bedürfen
. Jetzt aber
zeigt
sich: daß der
Grund
dieser
Vorsicht
noch
tiefer
liege
,
nämlich
, daß wir sie nicht
definieren
konnten
, wenn wir auch
wollten
12
,
sondern
, wenn man alle
Bedingungen
der
Sinnlichkeit
wegschafft
, die sie als
Begriffe
eines
möglichen
empirischen
Gebrauchs
auszeichnen
, und sie
für
Begriffe
von
Dingen
überhaupt
(
mithin
vom
transzendentalen
Gebrauch
)
nehmen
, bei ihnen
gar
nichts weiter zu tun
sei
, als die
logische
Funktion
in
Urteilen
, als die
Bedingung
der
Möglichkeit
der
Sachen
selbst
anzusehen
, ohne doch im
mindesten
anzeigen
zu
können
, wo sie
denn
ihre
Anwendung
und ihr
Objekt
,
mithin
wie sie im
reinen
Verstande
ohne
Sinnlichkeit
irgendeine
Bedeutung
und
objektive
Gültigkeit
haben
könne
. Den
Begriff
der
Größe
überhaupt
kann niemand
erklären
, als etwa so: daß sie die
Bestimmung
eines
Dinges
sei
,
dadurch
, wie
vielmal
Eines in
ihm
gesetzt
ist,
gedacht
werden kann. Allein dieses
Wievielmal
gründet
sich auf die
sukzessive
Wiederholung
,
mithin
auf die
Zeit
und die
Synthesis
(des
gleichartigen
) in
derselben
.
Realität
kann man im
Gegensatze
mit der
Negation
nur
alsdann
erklären
, wenn man sich eine
Zeit
(als den
Inbegriff
von allem
Sein
)
gedenkt
, die entweder womit
erfüllt
, oder
leer
ist.
Lasse
ich die
Beharrlichkeit
(
welche
ein
Dasein
zu aller
Zeit
ist)
weg
, so
bleibt
mir zum
Begriffe
der
Substanz
nichts
übrig
, als die
logische
Vorstellung
vom
Subjekt
,
welche
ich
dadurch
zu
realisieren
vermeine
, daß ich mir Etwas
vorstelle
,
welches
bloß
als
Subjekt
(ohne
wovon
ein
Prädikat
zu
sein
)
stattfinden
kann. Aber nicht allein, daß ich
gar
keine
Bedingungen
weiß
, unter
welchen
denn
dieser
logische
Vorzug
irgendeinem
Dinge
eigen
sein
werde
: so ist auch
gar
nichts weiter daraus zu
machen
, und nicht die
mindeste
Folgerung
zu
ziehen
, weil
dadurch
gar
kein
Objekts
des
Gebrauchs
dieses
Begriffs
bestimmt
wird, und man also
gar
nicht
weiß
, ob dieser
überall
irgend
etwas
bedeute
. Vom
Begriffe
der
Ursache
würde
ich (wenn ich die
Zeit
weglasse
, in der etwas auf etwas
anderem
nach einer
Regel
folgt
,) in der
reinen
Kategorie
nichts weiter
finden
, als daß es so etwas
sei
,
woraus
sich auf das
Dasein
eines
anderen
schließen
läßt
, und es
würde
dadurch
nicht allein
Ursache
und
Wirkung
gar
nicht
voneinander
unterschieden
werden
können
,
sondern
weil dieses
Schließenkönnen
doch
bald
Bedingungen
erfordert
, von denen ich nichts
weiß
, so
würde
der
Begriff
gar
keine
Bestimmung
haben, wie er auf irgendein
Objekt
passe
. Der
vermeinte
Grundsatz
: alles
Zufällige
hat eine
Ursache
,
tritt
zwar
ziemlich
gravitätisch
auf, als habe er seine eigene
Würde
in sich selbst. Allein,
frage
ich: was
versteht
ihr unter
Zufällig
? und ihr
antwortet
, dessen
Nichtsein
möglich
ist, so
möchte
ich
gern
wissen
,
woran
ihr diese
Möglichkeit
des
Nichtsein
erkennen
wollt
, wenn ihr
euch
nicht in der
Reihe
der
Erscheinungen
eine
Sukzession
und in dieser ein
Dasein
,
welches
auf das
Nichtsein
folgt
, (oder
umgekehrt
,)
mithin
einen
Wechsel
vorstellt
;
denn
, daß das
Nichtsein
eines
Dinges
sich selbst nicht
widerspreche
, ist eine
lahme
Berufung
auf eine
logische
Bedingung
, die zwar zum
Begriffe
notwendig
, aber zur
realen
Möglichkeit
bei
weitem
nicht
hinreichend
ist; wie ich
denn
eine jede
existierende
Substanz
in
Gedanken
aufheben
kann, ohne mir selbst zu
widersprechen
, daraus aber auf die
objektive
Zufälligkeit
derselben
in ihrem
Dasein
,
d.i.
die
Möglichkeit
seines
Nichtseins
an sich selbst,
gar
nicht
schließen
kann. Was dem
Begriff
der
Gemeinschaft
betrifft
, so ist
leicht
zu
ermessen
: daß,
da
die
reinen
Kategorien
der
Substanz
sowohl, als
Kausalität
, keine das
Objekt
bestimmende
Erklärung
zulassen
, die
wechselseitige
Kausalität
in der
Beziehung
der
Substanzen
aufeinander
(
commercium
)
ebensowenig
derselben
fähig
sei
.
Möglichkeit
,
Dasein
und
Notwendigkeit
hat noch niemand anders als durch
offenbare
Tautologie
erklären
können
, wenn man ihre
Definition
lediglich
aus dem
reinen
Verstande
schöpfen
wollte
.
Denn
das
Blendwerk
, die
logische
Möglichkeit
des
Begriffs
(
da
er sich selbst nicht
widerspricht
) der
transzendentalen
Möglichkeit
der
Dinge
(
da
dem
Begriff
ein
Gegenstand
korrespondiert
) zu
unterschieben
, kann nur
Unversuchte
hintergehen
und
zufrieden
stellen
.
Es hat etwas
Befremdliches
und sogar
Widersinniges
an sich, daß ein
Begriff
sein
soll
, dem doch eine
Bedeutung
zukommen
muß
, der aber keiner
Erklärung
fähig
wäre
. Allein hier hat es mit den
Kategorien
diese
besondere
Bewandtnis
, daß sie nur
vermittelst
der
allgemeinen
sinnlichen
Bedingung
eine
bestimmte
Bedeutung
und
Beziehung
auf
irgend
einen
Gegenstand
haben
kennen
, diese
Bedingung
aber aus der
reinen
Kategorie
weggelassen
worden
,
da
diese dann nichts, als die
logische
Funktion
enthalten
kann, das
Mannigfaltige
unter einen
Begriff
zu
bringen
. Aus dieser
Funktion
,
d.i.
der
Form
des
Begriffs
allein kann aber
gar
nichts
erkannt
und
unterschieden
werden,
welches
Objekt
darunter
gehöre
, weil
eben
von der
sinnlichen
Bedingung
, unter der
überhaupt
Gegenstände
unter sie
gehören
können
,
abstrahiert
worden
. Daher
bedürfen
die
Kategorien
, noch über den
reinen
Verstandesbegriff
,
Bestimmungen
ihrer
Anwendung
auf
Sinnlichkeit
überhaupt
(
Schema
) und sind ohne diese keine
Begriffe
,
wodurch
ein
Gegenstand
erkannt
, und von
anderen
unterschieden
würde
,
sondern
nur viel
Arten
, einen
Gegenstand
zu
möglichen
Anschauungen
zu
denken
, und
ihm
nach
irgend
einer
Funktion
des
Verstandes
seine
Bedeutung
(unter noch
erforderlichen
Bedingungen
) zu
geben
,
d.i.
ihn
zu
definieren
: selbst
können
sie also nicht
definiert
werden. Die
logischen
Funktionen
der
Urteile
überhaupt
:
Einheit
und
Vielheit
,
Bejahung
und
Verneinung
,
Subjekt
und
Prädikat
können
, ohne einen
Zirkel
zu
begehen
, nicht
definiert
werden, weil die
Definition
doch selbst ein
Urteil
sein
, und also diese
Funktionen
schon
enthalten
müßte
. Die
reinen
Kategorien
sind aber nichts
anderes
, als
Vorstellungen
der
Dinge
überhaupt
,
sofern
das
Mannigfaltige
ihrer
Anschauung
durch eine oder
andere
dieser
logischen
Funktionen
gedacht
werden
muß
:
Größe
ist die
Bestimmung
,
welche
nur durch ein
Urteil
, das
Quantität
hat, (
judicium
commune
)
Realität
diejenige
, die nur durch ein
bejahend
Urteil
gedacht
werden kann,
Substanz
, was, in
Beziehung
auf die
Anschauung
, das
letzte
Subjekt
aller
anderen
Bestimmungen
sein
muß
. Was das nun aber
für
Dinge
sind, in
Ansehung
deren man sich dieser
Funktion
vielmehr
, als einer
anderen
bedienen
müsse
,
bleibt
hierbei
ganz
unbestimmt
:
mithin
haben die
Kategorien
ohne die
Bedingung
der
sinnlichen
Anschauung
, dazu sie die
Synthesis
enthalten
,
gar
keine
Beziehung
auf
irgend
ein
bestimmtes
Objekt
,
können
also
keines
definieren
, und haben
folglich
an sich selbst keine
Gültigkeit
objektiver
Begriffe
.
Hierzu
fließt
nun
unwidersprechlich
: daß die
reinen
Verstandesbegriffe
niemals
von
transzendentalem
,
sondern
jederzeit
nur von
empirischem
Gebrauche
sein
können
, und daß die
Grundsätze
des
reinen
Verstandes
nur in
Beziehung
auf die
allgemeinen
Bedingungen
einer
möglichen
Erfahrung
, auf
Gegenstände
der
Sinne
,
niemals
aber auf
Dinge
überhaupt
, (ohne
Rücksicht
auf die
Art
zu
nehmen
, wie wir sie
anschauen
mögen
,)
bezogen
werden
können
.
Die
transzendentale
Analytik
hat
demnach
dieses
wichtige
Resultat
: daß der
Verstand
a
priori
niemals
mehr
leisten
könne
, als die
Form
einer
möglichen
Erfahrung
überhaupt
zu
antizipieren
, und,
da
dasjenige
, was nicht
Erscheinung
ist, kein
Gegenstand
der
Erfahrung
sein
kann, daß er die
Schranken
der
Sinnlichkeit
,
innerhalb
denen uns allein
Gegenstände
gegeben
werden,
niemals
überschreiten
könne
. Seine
Grundsätze
sind
bloß
Prinzipien
der
Exposition
der
Erscheinungen
, und der
stolze
Name
einer
Ontologie
,
welche
sich
anmaßt
, von
Dingen
überhaupt
synthetische
Erkenntnisse
a
priori
in einer
systematischen
Doktrin
zu
geben
(
z
.
E
. den
Grundsatz
der
Kausalität
)
muß
dem
bescheidenen
, einer
bloßen
Analytik
des
reinen
Verstandes
,
Platz
machen
.
Das
Denken
ist die
Handlung
,
gegebene
Anschauung
auf einen
Gegenstand
zu
beziehen
. Ist die
Art
dieser
Anschauung
auf
keinerlei
Weise
gegeben
, so ist der
Gegenstand
bloß
transzendental
, und der
Verstandesbegriff
hat
keinen
anderen
, als
transzendentalen
Gebrauch
,
nämlich
die
Einheit
des
Denkens
eines
Mannigfaltigen
überhaupt
. Durch eine
reine
Kategorie
nun, in
welcher
von aller
Bedingung
der
sinnlichen
Anschauung
, als der
einzigen
, die uns
möglich
ist,
abstrahiert
wird, wird also kein
Objekt
bestimmt
,
sondern
nur das
Denken
eines
Objekts
überhaupt
, nach
verschiedenen
modis
,
ausgedrückt
. Nun
gehört
zum
Gebrauche
eines
Begriffs
noch eine
Funktion
der
Urteilskraft
,
worauf
ein
Gegenstand
unter
ihm
subsumiert
wird,
mithin
die
wenigstens
formale
Bedingung
, unter der etwas in der
Anschauung
gegeben
werden kann.
Fehlt
diese
Bedingung
der
Urteilskraft
, (
Schema
) so
fällt
alle
Subsumtion
weg
;
denn
es wird nichts
gegeben
, was unter den
Begriff
subsumiert
werden
könne
. Der
bloß
transzendentale
Gebrauch
also der
Kategorien
ist in der
Tat
gar
kein
Gebrauch
, und hat
keinen
bestimmten
, oder auch nur, der
Form
nach,
bestimmbaren
Gegenstand
.
Hieraus
folgt
, daß die
reine
Kategorie
auch zu
keinem
synthetischen
Grundsatze
a
priori
zulange
, und daß die
Grundsätze
des
reinen
Verstandes
nur von
empirischem
,
niemals
aber von
transzendentalem
Gebrauche
sind, über das
Feld
möglicher
Erfahrung
hinaus aber es
überall
keine
synthetischen
Grundsätze
a
priori
geben
könne
.
Es kann daher
ratsam
sein
, sich also
auszudrücken
: die
reinen
Kategorien
, ohne
formale
Bedingungen
der
Sinnlichkeit
, haben
bloß
transzendentale
Bedeutung
, sind aber von
keinem
transzendentalen
Gebrauch
, weil dieser an sich selbst
unmöglich
ist,
indem
ihnen alle
Bedingungen
irgendeines
Gebrauchs
(in
Urteilen
)
abgehen
,
nämlich
die
formalen
Bedingungen
der
Subsumtion
irgendeines
angeblichen
Gegenstandes
unter diese
Begriffe
.
Da
sie also (als
bloß
reine
Kategorien
) nicht von
empirischem
Gebrauche
sein
sollen
, und von
transzendentalem
nicht
sein
können
, so sind sie von
gar
keinem
Gebrauche
, wenn man sie von aller
Sinnlichkeit
absondert
,
d.i.
sie
können
auf
gar
keinen
angeblichen
Gegenstand
angewandt
werden;
vielmehr
sind sie
bloß
die
reine
Form
des
Verstandesgebrauchs
in
Ansehung
der
Gegenstände
überhaupt
und des
Denkens
, ohne doch durch sie allein irgendein
Objekt
denken
oder
bestimmen
zu
können
.
Erscheinungen
,
sofern
sie als
Gegenstände
nach der
Einheit
der
Kategorien
gedacht
werden,
heißen
Phaenomena
. Wenn ich aber
Dinge
annehme
, die
bloß
Gegenstände
des
Verstandes
sind, und
gleichwohl
, als solche, einer
Anschauung
, obgleich nicht der
sinnlichen
(als
coram
intuitu
intellectuali
),
gegeben
werden
können
; so
würden
dergleichen
Dinge
Noumena
(
Intelligibilia
)
heißen
.
Nun
sollte
man
denken
, daß der durch die
transz
.
Ästhetik
eingeschränkte
Begriff
der
Erscheinungen
schon von selbst die
objektive
Realität
der
Noumenorum
an die
Hand
gebe
, und die
Einteilung
der
Gegenstände
in
Phaenomena
und
Noumena
,
mithin
auch der
Welt
, in eine
Sinnen-
und eine
Verstandeswelt
(
mundus
sensibilis
et
intelligibilis
)
berechtige
, und zwar so: daß der
Unterschied
hier nicht
bloß
die
logische
Form
der
undeutlichen
oder
deutlichen
Erkenntnis
eines und
desselben
Dinges
,
sondern
die
Verschiedenheit
treffe
, wie sie unserer
Erkenntnis
ursprünglich
gegeben
werden
können
, und nach
welcher
sie an sich selbst, der
Gattung
nach,
voneinander
unterschieden
sind.
Denn
wenn uns die
Sinne
etwas
bloß
vorstellen
, wie es
erscheint
, so
muß
dieses Etwas doch auch an sich selbst ein
Ding
, und ein
Gegenstand
einer nicht
sinnlichen
Anschauung
,
d.i.
des
Verstandes
sein
,
d.i.
es
muß
eine
Erkenntnis
möglich
sein
, darin keine
Sinnlichkeit
angetroffen
wird, und
welche
allein
schlechthin
objektive
Realität
hat,
dadurch
uns
nämlich
Gegenstände
vorgestellt
werden, wie sie sind,
dahingegen
im
empirischen
Gebrauche
unseres
Verstandes
Dinge
nur
erkannt
werden, wie sie
erscheinen
. Also
würde
es,
außer
dem
empirischen
Gebrauch
der
Kategorien
(
welcher
auf
sinnliche
Bedingungen
eingeschränkt
ist) noch einen
reinen
und doch
objektivgültigen
geben
, und wir
könnten
nicht
behaupten
, was wir
bisher
vorgegeben
haben: daß
unsere
reinen
Verstandeserkenntnisse
überall
nichts weiter
wären
, als
Prinzipien
der
Exposition
der
Erscheinung
, die auch
a
priori
nicht weiter, als auf die
formale
Möglichkeit
der
Erfahrung
gingen
,
denn
hier
stände
ein
ganz
anderes
Feld
vor
uns
offen
,
gleichsam
eine
Welt
im
Geiste
gedacht
, (vielleicht auch
gar
angeschaut
) die nicht
minder
, ja noch
weit
edler
unseren
reinen
Verstand
beschäftigen
konnte.
Alle
unsere
Vorstellungen
werden in der
Tat
durch den
Verstand
auf irgendein
Objekt
bezogen
, und,
da
Erscheinungen
nichts als
Vorstellungen
sind, so
bezieht
sich der
Verstand
auf ein Etwas, als den
Gegenstand
der
sinnlichen
Anschauung
: aber dieses Etwas ist
insofern
nur das
transzendentale
Objekt
. Dieses
bedeutet
aber ein Etwas=x,
wovon
wir
gar
nichts
wissen
, noch
überhaupt
(nach der
jetzigen
Einrichtung
unseres
Verstandes
)
wissen
können
,
sondern
,
welcher
nur als ein
Correlatum
der
Einheit
der
Apperzeption
zur
Einheit
des
Mannigfaltigen
in der
sinnlichen
Anschauung
dienen
kann,
vermittelst
deren der
Verstand
dasselbe
in den
Begriff
eines
Gegenstandes
vereinigt
. Dieses
transzendentale
Objekt
läßt
sich
gar
nicht von den
sinnlichen
Datis
absondern
, weil
alsdann
nichts
übrig
bleibt
,
wodurch
es
gedacht
würde
. Es ist also kein
Gegenstand
der
Erkenntnis
an sich selbst,
sondern
nur die
Vorstellung
der
Erscheinungen
, unter dem
Begriffe
eines
Gegenstandes
überhaupt
, der durch das
Mannigfaltige
derselben
bestimmbar
ist.
Eben
um
deswillen
stellen
nun auch die
Kategorien
kein
besonderes
, dem
Verstande
allein
gegebenes
Objekt
vor
,
sondern
dienen
nur dazu, das
transzendentale
Objekt
(den
Begriff
von etwas
überhaupt
) durch das, was in der
Sinnlichkeit
gegeben
wird, zu
bestimmen
, um
dadurch
Erscheinungen
unter
Begriffen
von
Gegenständen
empirisch
zu
erkennen
.
Was aber die
Ursache
betrifft
,
weswegen
man, durch das
Substratum
der
Sinnlichkeit
noch nicht
befriedigt
, den
Phaenomenis
noch
Noumena
zugegeben
hat, die nur der
reine
Verstand
denken
kann, so
beruht
sie
lediglich
darauf. Die
Sinnlichkeit
, und ihr
Feld
,
nämlich
das der
Erscheinungen
, wird selbst durch den
Verstand
dahin
eingeschränkt
: daß sie nicht auf
Dinge
an sich selbst,
sondern
nur auf die
Art
gehe
, wie uns,
vermöge
unserer
subjektiven
Beschaffenheit
,
Dinge
erscheinen
. Dies war das
Resultat
der
ganzen
transzendentalen
Ästhetik
, und es
folgt
auch
natürlicherweise
aus dem
Begriffe
einer
Erscheinung
überhaupt
: daß ihr etwas
entsprechen
müsse
, was an sich nicht
Erscheinung
ist, weil
Erscheinung
nichts
für
sich selbst, und
außer
unserer
Vorstellungsart
sein
kann,
mithin
, wo nicht ein
beständiger
Zirkel
herauskommen
soll
, das
Wort
Erscheinung
schon eine
Beziehung
auf etwas
anzeigt
, dessen
unmittelbare
Vorstellung
zwar
sinnlich
ist, was aber an sich selbst, auch ohne diese
Beschaffenheit
unserer
Sinnlichkeit
, (
worauf
sich die
Form
unserer
Anschauung
gründet
), Etwas,
d.i.
ein von der
Sinnlichkeit
unabhängiger
Gegenstand
sein
muß
.
Hieraus
entspringt
nun der
Begriff
von einem
Noumenon
, der aber
gar
nicht
positiv
, und eine
bestimmte
Erkenntnis
von
irgendeinem
Dinge
,
sondern
nur das
Denken
von Etwas
überhaupt
bedeutet
, bei
welchem
ich von aller
Form
der
sinnlichen
Anschauung
abstrahiere
. Damit aber ein
Noumenon
einen
wahren
, von
allen
Phänomenen
zu
unterscheidenden
Gegenstand
bedeute
, so ist es nicht genug: daß ich meinen
Gedanken
von
allen
Bedingungen
sinnlicher
Anschauung
befreie
, ich
muß
noch
überdem
Grund
dazu haben, eine
andere
Art
der
Anschauung
, als diese
sinnliche
ist,
anzunehmen
, unter der ein
solcher
Gegenstand
gegeben
werden
könne
;
denn
sonst ist mein
Gedanke
doch
leer
,
obzwar
ohne
Widerspruch
. Wir haben zwar oben nicht
beweisen
können
: daß die
sinnliche
Anschauung
die
einzige
mögliche
Anschauung
überhaupt
,
sondern
daß sie es nur
für
uns
sei
; wir
konnten
aber auch nicht
beweisen
: daß noch eine
andere
Art
der
Anschauung
möglich
sei
, und, obgleich unser
Denken
von
jener
Sinnlichkeit
abstrahieren
kann, so
bleibt
doch die
Frage
, ob es
alsdann
nicht eine
bloße
Form
eines
Begriffs
sei
, und ob bei dieser
Abtrennung
überhaupt
ein
Objekt
übrigbleibe
.
Das
Objekt
,
worauf
ich die
Erscheinung
überhaupt
beziehe
, ist der
transzendentale
Gegenstand
,
d.i.
der
gänzlich
unbestimmte
Gedanke
von Etwas
überhaupt
. Dieser kann nicht das
Noumenon
heißen
;
denn
ich
weiß
von
ihm
nicht, was er an sich selbst
sei
, und habe
gar
keinen
Begriff
von
ihm
, als
bloß
von dem
Gegenstande
einer
sinnlichen
Anschauung
überhaupt
, der also
für
alle
Erscheinungen
einerlei
ist. Ich kann
ihn
durch keine
Kategorien
denken
;
denn
diese
gilt
von der
empirischen
Anschauung
, um sie unter einen
Begriff
vom
Gegenstand
überhaupt
zu
bringen
. Ein
reiner
Gebrauch
der
Kategorie
ist zwar
möglich
,
d.i.
ohne
Widerspruch
, aber hat
gar
keine
objektive
Gültigkeit
, weil sie auf keine
Anschauung
geht
, die
dadurch
Einheit
des
Objekts
bekommen
sollte
;
denn
die
Kategorie
ist doch eine
bloße
Funktion
des
Denkens
,
wodurch
mir kein
Gegenstand
gegeben
,
sondern
nur, was in der
Anschauung
gegeben
werden
mag
,
gedacht
wird.
Wenn ich alles
Denken
(durch
Kategorien
) aus einer
empirischen
Erkenntnis
wegnehme
, so
bleibt
gar
keine
Erkenntnis
irgendeines
Gegenstandes
übrig
;
denn
durch
bloße
Anschauung
wird
gar
nichts
gedacht
, und, daß diese
Affektion
der
Sinnlichkeit
in mir ist,
macht
gar
keine
Beziehung
von
dergleichen
Vorstellung
auf
irgend
ein
Objekt
aus.
Lasse
ich aber
hingegen
alle
Anschauung
weg
, so
bleibt
doch noch die
Form
des
Denkens
,
d.i.
die
Art
, dem
Mannigfaltigen
einer
möglichen
Anschauung
einen
Gegenstand
zu
bestimmen
. Daher
erstrecken
sich die
Kategorien
sofern
weiter, als die
sinnliche
Anschauung
, weil sie
Objekte
überhaupt
denken
, ohne noch auf die
besondere
Art
(der
Sinnlichkeit
) zu
sehen
, in der sie
gegeben
werden
mögen
. Sie
bestimmen
aber
dadurch
nicht eine
größere
Sphäre
von
Gegenständen
, weil, daß solche
gegeben
werden
können
, man nicht
annehmen
kann, ohne daß man eine
andere
als
sinnliche
Art
der
Anschauung
als
möglich
voraussetzt
, wozu wir aber
keineswegs
berechtigt
sind.
Ich
nenne
einen
Begriff
problematisch
, der
keinen
Widerspruch
enthält
, der auch als eine
Begrenzung
gegebener
Begriffe
mit
anderen
Erkenntnissen
zusammenhängt
, dessen
objektive
Realität
aber auf keine
Weise
erkannt
werden kann. Der
Begriff
eines
Noumenon
,
d.i.
eines
Dinges
,
welches
gar
nicht als
Gegenstand
der
Sinne
,
sondern
als ein
Ding
an sich selbst, (
lediglich
durch einen
reinen
Verstand
)
gedacht
werden
soll
, ist
gar
nicht
widersprechend
;
denn
man kann von der
Sinnlichkeit
doch nicht
behaupten
, daß sie die
einzige
mögliche
Art
der
Anschauung
sei
. Ferner ist dieser
Begriff
notwendig
, um die
sinnliche
Anschauung
nicht bis über die
Dinge
an sich selbst
auszudehnen
, und also, um die
objektive
Gültigkeit
der
sinnlichen
Erkenntnis
einzuschränken
, (
denn
das
übrige
,
worauf
jene
nicht
reicht
,
heißen
eben
darum
Noumena
, damit man
dadurch
anzeige
,
jene
Erkenntnisse
können
ihr
Gebiet
nicht über alles, was der
Verstand
denkt
,
erstrecken
). Am
Ende
aber ist doch die
Möglichkeit
solcher
Noumenorum
gar
nicht
einzusehen
, und der
Umfang
außer
der
Sphäre
der
Erscheinungen
ist (
für
uns)
leer
,
d.i.
wir haben einen
Verstand
, der sich
problematisch
weiter
erstreckt
, als
jene
, aber keine
Anschauung
, ja auch nicht
einmal
den
Begriff
von einer
möglichen
Anschauung
,
wodurch
uns
außer
dem
Felde
der
Sinnlichkeit
Gegenstände
gegeben
, und der
Verstand
über
dieselbe
hinaus
assertorisch
gebraucht
werden
könne
. Der
Begriff
eines
Noumenon
ist also
bloß
ein
Grenzbegriff
, um die
Anmaßung
der
Sinnlichkeit
einzuschränken
, und also nur von
negativem
Gebrauche
. Er ist aber
gleichwohl
nicht
willkürlich
erdichtet
,
sondern
hängt
mit der
Einschränkung
der
Sinnlichkeit
zusammen
, ohne doch etwas
Positives
außer
dem
Umfange
derselben
setzen
zu
können
.
Die
Einteilung
der
Gegenstände
in
Phaenomena
und
Noumena
, und der
Welt
in eine
Sinnen-
und
Verstandeswelt
, kann daher
gar
nicht
zugelassen
werden, obgleich
Begriffe
allerdings
die
Einteilung
in
sinnliche
und
intellektuelle
zulassen
;
denn
man kann den
letzteren
keinen
Gegenstand
bestimmen
, und sie also auch nicht
für
objektiv
gültig
ausgeben
. Wenn man von den
Sinnen
abgeht
, wie will man
begreiflich
machen
, daß
unsere
Kategorien
(
welche
die
einzigen
übrigbleibenden
Begriffe
für
Noumena
sein
würden
) noch
überall
etwas
bedeuten
,
da
zu ihrer
Beziehung
auf
irgendeinen
Gegenstand
noch etwas mehr, als
bloß
die
Einheit
des
Denkens
,
nämlich
überdem
eine
mögliche
Anschauung
gegeben
sein
muß
, darauf
jene
angewandt
werden
können
? Der
Begriff
eines
Noumeni
,
bloß
problematisch
genommen
,
bleibt
demungeachtet
nicht allein
zulässig
,
sondern
, auch als ein die
Sinnlichkeit
in
Schranken
setzender
Begriff
,
unvermeidlich
. Aber
alsdann
ist das nicht ein
besonderer
intelligibler
Gegenstand
für
unseren
Verstand
,
sondern
ein
Verstand
,
für
den es
gehörte
, ist selbst ein
Problema
,
nämlich
, nicht
diskursiv
durch
Kategorien
,
sondern
intuitiv
in einer
nichtsinnlichen
Anschauung
seinen
Gegenstand
zu
erkennen
, als von
welchem
wir uns nicht die
geringste
Vorstellung
seiner
Möglichkeit
machen
können
. Unser
Verstand
bekommt
nun auf diese
Weise
eine
negative
Erweiterung
,
d.i.
er wird nicht durch die
Sinnlichkeit
eingeschränkt
,
sondern
schränkt
vielmehr
dieselbe
ein,
dadurch
, daß er
Dinge
an sich selbst (nicht als
Erscheinungen
betrachtet
)
Noumena
nennt
. Aber er
setzt
sich auch
sofort
selbst
Grenzen
, sie durch keine
Kategorien
zu
erkennen
,
mithin
sie nur unter dem
Namen
eines
unbekannten
Etwas zu
denken
.
Ich
finde
indessen
in den
Schriften
der
Neueren
einen
ganz
anderen
Gebrauch
der
Ausdrücke
eines
mundi
sensibilis
und
intelligibilis
, der von dem
Sinne
der
Alten
ganz
abweicht
, und
wobei
es
freilich
keine
Schwierigkeit
hat, aber auch nichts als
leere
Wortkrämerei
angetroffen
wird. Nach demselben hat es
einigen
beliebt
, den
Inbegriff
der
Erscheinungen
,
sofern
er
angeschaut
wird, die
Sinnenwelt
,
sofern
aber der
Zusammenhang
derselben
nach
allgemeinen
Verstandesgesetzen
gedacht
wird, die
Verstandeswelt
zu
nennen
. Die
theoretische
Astronomie
,
welche
die
bloße
Beobachtung
des
bestirnten
Himmels
vorträgt
,
würde
die
erstere
, die
kontemplative
dagegen
(etwa nach dem
kopernikanischen
Weltsystem
, oder
gar
nach
Newtons
Gravitationsgesetzen
erklärt
), die
zweite
,
nämlich
eine
intelligible
Welt
vorstellig
machen
. Aber eine solche
Wortverdrehung
ist eine
bloße
sophistische
Ausflucht
, um einer
beschwerlichen
Frage
auszuweichen
,
dadurch
, daß man ihren
Sinn
zu seiner
Gemächlichkeit
herabstimmt
. In
Ansehung
der
Erscheinungen
läßt
sich
allerdings
Verstand
und
Vernunft
brauchen
; aber es
fragt
sich, ob diese auch noch
einigen
Gebrauch
haben, wenn der
Gegenstand
nicht
Erscheinung
(
Noumenon
) ist, und in diesem
Sinne
nimmt
man
ihn
, wenn er an sich als
bloß
intelligibel
,
d.i.
dem
Verstande
allein, und
gar
nicht den
Sinnen
gegeben
,
gedacht
wird. Es ist also die
Frage
: ob
außer
jenem
empirischen
Gebrauche
des
Verstandes
(selbst in der
Newtonischen
Vorstellung
des
Weltbaues
) noch ein
transzendentaler
möglich
sei
, der, auf das
Noumenon
als einen
Gegenstand
gehe
,
welche
Frage
wir
verneinend
beantwortet
haben.
Wenn wir
denn
also
sagen
: die
Sinne
stellen
uns die
Gegenstände
vor
, wie sie
erscheinen
, der
Verstand
aber, wie sie sind, so ist das
letztere
nicht in
transzendentaler
,
sondern
bloß
empirischer
Bedeutung
zu
nehmen
,
nämlich
wie sie als
Gegenstände
der
Erfahrung
, im
durchgängigen
Zusammenhange
der
Erscheinungen
,
müssen
vorgestellt
werden, und nicht nach dem, was sie,
außer
der
Beziehung
auf
mögliche
Erfahrung
, und
folglich
auf
Sinne
überhaupt
,
mithin
als
Gegenstände
des
reinen
Verstandes
sein
mögen
.
Denn
dieses wird uns immer
unbekannt
bleiben
, sogar, daß es auch
unbekannt
bleibt
, ob eine solche
transzendentale
(
außerordentliche
)
Erkenntnis
überall
möglich
sei
, zum
wenigsten
als eine solche, die unter
unseren
gewöhnlichen
Kategorien
steht
.
Verstand
und
Sinnlichkeit
können
bei uns nur in
Verbindung
Gegenstände
bestimmen
. Wenn wir sie
trennen
, so haben wir
Anschauungen
ohne
Begriffe
, oder
Begriffe
ohne
Anschauungen
, in
beiden
Fällen
aber
Vorstellungen
, die wir auf
keinen
bestimmten
Gegenstand
beziehen
können
.
Wenn
jemand
noch
Bedenken
trägt
, auf alle diese
Erörterungen
dem
bloß
transzendentalen
Gebrauche
der
Kategorien
zu
entsagen
, so
mache
er einen
Versuch
von ihnen in irgendeiner
synthetischen
Behauptung
.
Denn
eine
analytische
bringt
den
Verstand
nicht weiter, und
da
er nur mit dem
beschäftigt
ist, was in dem
Begriffe
schon
gedacht
wird, so
läßt
er es
unausgemacht
, ob dieser an sich selbst auf
Gegenstände
Beziehung
habe, oder nur die
Einheit
des
Denkens
überhaupt
bedeute
, (
welche
von der
Art
, wie ein
Gegenstand
gegeben
werden
mag
,
völlig
abstrahiert
.) es ist
ihm
genug zu
wissen
, was in seinem
Begriffe
liegt
;
worauf
der
Begriff
selber
gehen
möge
, ist
ihm
gleichgültig
. Er
versuche
es
demnach
mit
irgendeinem
synthetischen
und
vermeintlich
transzendentalen
Grundsatze
, als: alles, was
da
ist,
existiert
als
Substanz
, oder eine
derselben
anhängende
Bestimmung
: alles
Zufällige
existiert
als
Wirkung
eines
anderen
Dinges
,
nämlich
seiner
Ursache
,
usw
. Nun
frage
ich: woher will er diese
synthetischen
Sätze
nehmen
,
da
die
Begriffe
nicht
beziehungsweise
auf
mögliche
Erfahrung
,
sondern
von
Dingen
an sich selbst (
Noumena
)
gelten
sollen
? Wo ist hier das
Dritte
,
welches
jederzeit
zu einem
synthetischen
Satze
erfordert
wird, um in demselben
Begriffe
, die
gar
keine
logische
(
analytische
)
Verwandtschaft
haben,
miteinander
zu
verknüpfen
? Er wird seinen
Satz
niemals
beweisen
, ja was noch mehr ist, sich nicht
einmal
wegen der
Möglichkeit
einer
solchen
reinen
Behauptung
rechtfertigen
können
, ohne auf den
empirischen
Verstandesgebrauch
Rücksicht
zu
nehmen
, und
dadurch
dem
reinen
und
sinnenfreien
Urteile
völlig
zu
entsagen
. So ist
denn
der
Begriff
reiner
bloß
intelligibler
Gegenstände
gänzlich
leer
von
allen
Grundsätzen
ihrer
Anwendung
, weil man keine
Art
ersinnen
kann, wie sie
gegeben
werden
sollten
, und der
problematische
Gedanke
, der doch einen
Platz
für
sie
offen
läßt
,
dient
nur, wie ein
leerer
Raum
, die
empirischen
Grundsätze
einzuschränken
, ohne doch irgendein
anderes
Objekt
der
Erkenntnis
,
außer
der
Sphäre
der
letzteren
, in sich zu
enthalten
und
aufzuweisen
.
12
Ich
verstehe
hier die
Realdefinition
,
welche
nicht
bloß
dem
Namen
einer
Sache
andere
und
verständlichere
Wörter
unterlegt
,
sondern
die, so ein
klares
Merkmal
, daran der
Gegenstand
(
definitum
)
jederzeit
sicher
erkannt
werden kann und den
erklärten
Begriff
zur
Anwendung
brauchbar
macht
, in sich
enthält
Die
Realerklärung
würde
also
diejenige
sein
,
welche
nicht
bloß
einen
Begriff
,
sondern
zugleich
die
objektive
Realität
desselben
deutlich
macht
. Die
mathematischen
Erklärungen
,
welche
den
Gegenstand
dem
Begriffe
gemäß
in der
Anschauung
darstellen
, sind von der
letzteren
Art
.
zurück
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