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Immanuel Kant
Kritik der reinen Vernunft (1781)
IntraText CT - Text
I. Transzendentale Elementarlehre
Zweiter Teil Die transzendentale Logik
Zweite Abteilung Die transzendentale Dialektik
Zweites Buch Von den dialektischen Schlüssen der reinen Vernunft
Erstes Hauptstück Von den Paralogismen der reinen Vernunft
Der vierte Paralogism der Idealität ] (des äußeren Verhältnisses)
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Der
vierte
Paralogism
der
Idealität
] (des
äußeren
Verhältnisses
)
Dasjenige
, auf dessen
Dasein
, nur als einer
Ursache
zu
gegebenen
Wahrnehmungen
,
geschlossen
werden kann, hat eine nur
zweifelhafte
Existenz
:
Nun sind alle
äußeren
Erscheinungen
von der
Art
: daß ihr
Dasein
nicht
unmittelbar
wahrgenommen
,
sondern
auf sie, als die
Ursache
gegebener
Wahrnehmungen
, allein
geschlossen
werden kann:
Also ist das
Dasein
aller
Gegenstände
äußerer
Sinne
zweifelhaft
. Diese
Ungewißheit
nenne
ich die
Idealität
äußerer
Erscheinungen
und die
Lehre
dieser
Idealität
heißt
der
Idealism
, in
Vergleichung
mit
welchem
die
Behauptung
einer
möglichen
Gewißheit
von
Gegenständen
äußerer
Sinne
, der
Dualism
genannt
wird.
Kritik
des
vierten
Paralogisms
der
transzendentalen
Psychologie
Zuerst
wollen
wir die
Prämissen
der
Prüfung
unterwerfen
. Wir
kennen
mit
Recht
behaupten
, daß nur
dasjenige
, was in uns selbst ist,
unmittelbar
wahrgenommen
werden
könne
, und daß meine eigene
Existenz
allein der
Gegenstand
einer
bloßen
Wahrnehmung
sein
könne
. Also ist das
Dasein
eines
wirklichen
Gegenstandes
außer
mir (wenn dieses
Wort
in
intellektueller
Bedeutung
genommen
wird)
niemals
geradezu
in der
Wahrnehmung
gegeben
,
sondern
kann nur zu dieser,
welche
eine
Modifikation
des
inneren
Sinnes
ist, als
äußere
Ursache
derselben
hinzugedacht
und
mithin
geschlossen
werden. Daher auch
Cartesius
mit
Recht
alle
Wahrnehmung
in der
engsten
Bedeutung
auf den
Satz
einschränkte
: Ich (als ein
denkend
Wesen
) bin. Es ist
nämlich
klar
: daß,
da
das
Äußere
nicht in mir ist, ich es nicht in meiner
Apperzeption
,
mithin
auch in keiner
Wahrnehmung
,
welche
eigentlich
nur die
Bestimmung
der
Apperzeption
ist,
antreffen
könne
.
Ich kann also
äußere
Dinge
eigentlich
nicht
wahrnehmen
,
sondern
nur aus meiner
inneren
Wahrnehmung
auf ihr
Dasein
schließen
,
indem
ich diese als die
Wirkung
ansehe
, wozu etwas
Äußeres
die
nächste
Ursache
ist. Nun ist aber der
Schluß
von einer
gegebenen
Wirkung
auf eine
bestimmte
Ursache
jederzeit
unsicher
; weil die
Wirkung
aus mehr all einer
Ursache
entsprungen
sein
kann.
Demnach
bleibt
es in der
Beziehung
der
Wahrnehmung
auf ihre
Ursache
jederzeit
zweifelhaft
: ob diese
innerlich
, oder
äußerlich
sei
, ob also alle
sogenannten
äußeren
Wahrnehmungen
nicht ein
bloßes
Spiel
unseres
inneren
Sinnes
sind, oder ob sie sich auf
äußere
wirkliche
Gegenstände
, als ihre
Ursache
beziehen
.
Wenigstens
ist das
Dasein
der
letzteren
nur
geschlossen
, und
läuft
die
Gefahr
aller
Schlüsse
,
dahingegen
der
Gegenstand
des
inneren
Sinnes
(Ich selbst mit
allen
meinen
Vorstellungen
)
unmittelbar
wahrgenommen
wird, und die
Existenz
desselben
gar
keinen
Zweifel
leidet
.
Unter einem
Idealisten
muß
man also nicht
denjenigen
verstehen
, der das
Dasein
äußerer
Gegenstände
der
Sinne
leugnet
,
sondern
der nur nicht
einräumt
: daß es durch
unmittelbare
Wahrnehmung
erkannt
werde
, daraus aber
schließt
, daß wir ihrer
Wirklichkeit
durch alle
mögliche
Erfahrung
niemals
völlig
gewiß
werden
können
.
Ehe
ich nun
unseren
Paralogismus
seinem
trüglichen
Scheine
nach
darstelle
,
muß
ich zuvor
bemerken
, daß man
notwendig
einen
zweifachen
Idealism
unterscheiden
müsse
, den
transzendentalen
und den
empirischen
. Ich
verstehe
aber unter dem
transzendentalen
Idealism
aller
Erscheinungen
den
Lehrbegriff
, nach
welchem
wir sie
insgesamt
als
bloße
Vorstellungen
, und nicht als
Dinge
an sich selbst,
ansehen
, und
demgemäß
Zeit
und
Raum
nur
sinnliche
Formen
unserer
Anschauung
, nicht aber
für
sich
gegebene
Bestimmungen
, oder
Bedingungen
der
Objekte
, als
Dinge
an sich selbst sind. Diesem
Idealism
ist ein
transzendentaler
Realism
entgegengesetzt
, der
Zeit
und
Raum
als etwas an sich (
unabhängig
von unserer
Sinnlichkeit
)
Gegebenes
ansieht
. Der
transzendentale
Realist
stellt
sich also
äußere
Erscheinungen
(wenn man ihre
Wirklichkeit
einräumt
) als
Dinge
an sich selbst
vor
, die
unabhängig
von uns und unserer
Sinnlichkeit
existieren
, also auch nach
reinen
Verstandesbegriffen
außer
uns
wären
. Dieser
transzendentale
Realist
ist es
eigentlich
,
welcher
nachher den
empirischen
Idealisten
spielt
, und nachdem er
fälschlich
von
Gegenständen
der
Sinne
vorausgesetzt
hat, daß, wenn sie
äußere
sein
sollen
, sie an sich selbst auch ohne
Sinne
ihre
Existenz
haben
müßten
, in diesem
Gesichtspunkte
alle
unsere
Vorstellungen
der
Sinne
unzureichend
findet
, die
Wirklichkeit
derselben
gewiß
zu
machen
.
Der
transzendentale
Idealist
kann
hingegen
ein
empirischer
Realist
,
mithin
, wie man
ihn
nennt
, ein
Dualist
sein
,
d.i.
die
Existenz
der
Materie
einräumen
, ohne aus dem
bloßen
Selbstbewußtsein
hinauszugehen
, und etwas mehr, als die
Gewißheit
der
Vorstellungen
in mir,
mithin
das
cogito
,
ergo
sum
,
anzunehmen
.
Denn
weil er diese
Materie
und sogar deren
innere
Möglichkeit
bloß
für
Erscheinung
gelten
läßt
, die, von unserer
Sinnlichkeit
abgetrennt
, nichts ist: so ist sie bei
ihm
nur eine
Art
Vorstellungen
(
Anschauung
),
welche
äußerlich
heißen
, nicht, als ob sie sich auf an sich selbst
äußere
Gegenstände
bezögen
,
sondern
weil sie
Wahrnehmungen
auf den
Raum
beziehen
, in
welchem
alles
außereinander
, er selbst der
Raum
aber in uns ist.
Für
diesen
transzendentalen
Idealism
haben wir uns nun schon im
Anfange
erklärt
. Also
fällt
bei unserem
Lehrbegriff
alle
Bedenklichkeit
weg
, das
Dasein
der
Materie
ebenso
auf das
Zeugnis
unseres
bloßen
Selbstbewußtseins
anzunehmen
und
dadurch
für
bewiesen
zu
erklären
, wie das
Dasein
meiner selbst als eines
denkenden
Wesens
.
Denn
ich bin mir doch meiner
Vorstellungen
bewußt
; also
existieren
diese und ich selbst, der ich diese
Vorstellungen
habe. Nun sind aber
äußere
Gegenstände
(die
Körper
)
bloß
Erscheinungen
,
mithin
auch nichts
anderes
, als eine
Art
meiner
Vorstellungen
, deren
Gegenstände
nur durch diese
Vorstellungen
etwas sind, von ihnen
abgesondert
aber nichts sind. Also
existieren
ebensowohl
äußere
Dinge
, als ich Selbst
existiere
, und zwar
beide
auf das
unmittelbare
Zeugnis
meines
Selbstbewußtseins
, nur mit dem
Unterschiede
: daß die
Vorstellung
meiner Selbst, als des
denkenden
Subjekts
,
bloß
auf den
innern
, die
Vorstellungen
aber,
welche
ausgedehnte
Wesen
bezeichnen
, auch auf den
äußeren
Sinn
bezogen
werden. Ich habe in
Absicht
auf die
Wirklichkeit
äußerer
Gegenstände
ebensowenig
nötig
zu
schließen
, als in
Ansehung
der
Wirklichkeit
des
Gegenstandes
meines
inneren
Sinnes
, (meiner
Gedanken
),
denn
sie sind
beiderseitig
nichts als
Vorstellungen
, deren
unmittelbare
Wahrnehmung
(
Bewußtsein
)
zugleich
ein
genügsamer
Beweis
ihrer
Wirklichkeit
ist.
Also ist der
transzendentale
Idealist
ein
empirischer
Realist
und
gesteht
der
Materie
, als
Erscheinung
, eine
Wirklichkeit
zu, die nicht
geschlossen
werden
darf
,
sondern
unmittelbar
wahrgenommen
wird.
Dagegen
kommt
der
transzendentale
Realismus
notwendig
in
Verlegenheit
, und
sieht
sich
genötigt
, dem
empirischen
Idealismus
Platz
einzuräumen
, weil er die
Gegenstände
äußerer
Sinne
für
etwas von den
Sinnen
selbst
Unterschiedenes
und
bloße
Erscheinungen
für
selbständige
Wesen
ansieht
, die sich
außer
uns
befinden
;
da
denn
freilich
, bei unserem
besten
Bewußtsein
unserer
Vorstellung
von diesen
Dingen
, noch
lange
nicht
gewiß
ist, daß, wenn die
Vorstellung
existiert
, auch der ihr
korrespondierende
Gegenstand
existiere
;
dahingegen
in unserem
System
diese
äußeren
Dinge
, die
Materie
nämlich
, in
allen
ihren
Gestalten
und
Veränderungen
, nichts als
bloße
Erscheinungen
,
d.i.
Vorstellungen
in uns sind, deren
Wirklichkeit
wir uns
unmittelbar
bewußt
werden.
Da
nun, soviel ich
weiß
, alle dem
empirischen
Idealismus
anhängenden
Psychologen
transzendentale
Realisten
sind, so haben sie
freilich
ganz
konsequent
verfahren
, dem
empirischen
Idealism
große
Wichtigkeit
zuzugestehen
, als einem von den
Problemen
, daraus die
menschliche
Vernunft
sich
schwerlich
zu
helfen
wisse
.
Denn
in der
Tat
, wenn man
äußere
Erscheinungen
als
Vorstellungen
ansieht
, die von ihren
Gegenständen
, als an sich
außer
uns
befindlichen
Dingen
, in uns
gewirkt
werden, so ist nicht
abzusehen
, wie man dieser ihr
Dasein
anders, als durch den
Schluß
von der
Wirkung
auf die
Ursache
,
erkennen
könne
, bei
welchem
es immer
zweifelhaft
bleiben
muß
, ob die
letztere
in uns, oder
außer
uns
sei
. Nun kann man zwar
einräumen
: daß von
unseren
äußeren
Anschauungen
etwas, was im
transzendentalen
Verstande
außer
uns
sein
mag
, die
Ursache
sei
, aber dieses ist nicht der
Gegenstand
, den wir unter den
Vorstellungen
der
Materie
und
körperlicher
Dinge
verstehen
;
denn
diese sind
lediglich
Erscheinungen
,
d.i.
bloße
Vorstellungsarten
, die sich
jederzeit
nur in uns
befinden
, und deren
Wirklichkeit
auf dem
unmittelbaren
Bewußtsein
ebenso
, wie das
Bewußtsein
meiner
eigenen
Gedanken
beruht
. Der
transzendentale
Gegenstand
ist, sowohl in
Ansehung
der
inneren
als
äußeren
Anschauung
,
gleich
unbekannt
. Von
ihm
aber ist auch nicht die
Rede
,
sondern
von dem
empirischen
,
welcher
alsdann
ein
äußerer
heißt
, wenn er im
Raume
, und ein
innerer
Gegenstand
, wenn er
lediglich
im
Zeitverhältnisse
vorgestellt
wird,
Raum
aber und
Zeit
sind
beide
nur in uns
anzutreffen
.
Weil
indessen
der
Ausdruck
:
außer
uns, eine nicht zu
vermeidende
Zweideutigkeit
bei sich
führt
,
indem
er
bald
etwas
bedeutet
, was als
Ding
an sich selbst von uns
unterschieden
existiert
,
bald
was
bloß
zur
äußeren
Erscheinung
gehört
, so
wollen
wir, um diesen
Begriff
in der
letzteren
Bedeutung
, als in
welcher
eigentlich
die
psychologische
Frage
, wegen der
Realität
unserer
äußeren
Anschauung
,
genommen
wird,
außer
Unsicherheit
zu
setzen
,
empirisch
äußerliche
Gegenstände
dadurch
von denen, die so im
transzendentalen
Sinne
heißen
möchten
,
unterscheiden
, daß wir sie
geradezu
Dinge
nennen
, die im
Raume
anzutreffen
sind.
Raum
und
Zeit
sind zwar
Vorstellungen
a
priori
,
welche
uns als
Formen
unserer
sinnlichen
Anschauung
beiwohnen
,
ehe
noch ein
wirklicher
Gegenstand
unseren
Sinn
durch
Empfindung
bestimmt
hat, um
ihn
unter
jenen
sinnlichen
Verhältnissen
vorzustellen
. Allein dieses
Materielle
oder
Reale
, dieses Etwas, was im
Raume
angeschaut
werden
soll
,
setzt
notwendig
Wahrnehmung
voraus
, und kann
unabhängig
von dieser,
welche
die
Wirklichkeit
von etwas im
Raume
anzeigt
, durch keine
Einbildungskraft
gedichtet
und
hervorgebracht
werden.
Empfindung
ist also
dasjenige
, was eine
Wirklichkeit
im
Raume
und der
Zeit
bezeichnet
, nachdem sie auf die eine, oder die
andere
Art
der
sinnlichen
Anschauung
bezogen
wird. Ist
Empfindung
einmal
gegeben
, (
welche
, wenn sie auf einen
Gegenstand
überhaupt
, ohne diesen zu
bestimmen
,
angewandt
wird,
Wahrnehmung
heißt
,) so kann durch die
Mannigfaltigkeit
derselben
mancher
Gegenstand
in der
Einbildung
gedichtet
werden, der
außer
der
Einbildung
im
Raume
oder der
Zeit
keine
empirische
Stelle
hat. Dieses ist
ungezweifelt
gewiß
, man
mag
nun die
Empfindungen
,
Lust
und
Schmerz
, oder auch der
äußeren
, als
Farben
,
Wärme
usw
.
nehmen
, so ist
Wahrnehmung
dasjenige
,
wodurch
der
Stoff
, um
Gegenstände
der
sinnlichen
Anschauung
zu
denken
,
zuerst
gegeben
werden
muß
. Diese
Wahrnehmung
stellt
also, (damit wir
diesmal
nur bei
äußeren
Anschauungen
bleiben
) etwas
Wirkliches
im
Raume
vor
.
Denn
erstlich
ist
Wahrnehmung
die
Vorstellung
einer
Wirklichkeit
, so wie
Raum
die
Vorstellung
einer
bloßen
Möglichkeit
des
Beisammenseins
.
Zweitens
wird diese
Wirklichkeit
vor
dem
äußeren
Sinn
,
d.i.
im
Raume
vorgestellt
.
Drittens
ist der
Raum
selbst nichts
anderes
, als
bloße
Vorstellung
,
mithin
kann in
ihm
nur das als
wirklich
gelten
, was in
ihm
vorgestellt
19
wird, und
umgekehrt
, was in
ihm
gegeben
,
d.i.
durch
Wahrnehmung
vorgestellt
wird, ist in
ihm
auch
wirklich
;
denn
wäre
es in
ihm
nicht
wirklich
,
d.i.
unmittelbar
durch
empirische
Anschauung
gegeben
, so
könnte
es auch nicht
erdichtet
werden, weil man das
Reale
der
Anschauungen
gar
nicht
a
priori
erdenken
kann.
Alle
äußere
Wahrnehmung
also
beweist
unmittelbar
etwas
Wirkliches
im
Raume
, oder ist
vielmehr
das
Wirkliche
selbst, und
insofern
ist also der
empirische
Realismus
außer
Zweifel
,
d.i.
es
korrespondiert
unseren
äußeren
Anschauungen
etwas
Wirkliches
im
Raume
.
Freilich
ist der
Raum
selbst, mit
allen
seinen
Erscheinungen
, als
Vorstellungen
, nur in mir, aber in diesem
Raume
ist doch
gleichwohl
das
Reale
, oder der
Stoff
aller
Gegenstände
äußerer
Anschauung
,
wirklich
und
unabhängig
von aller
Erdichtung
gegeben
, und es ist auch
unmöglich
: daß in diesem
Raume
irgend
etwas
außer
uns (im
transzendentalen
Sinne
)
gegeben
werden
sollte
, weil der
Raum
selbst
außer
unserer
Sinnlichkeit
nichts ist. Also kann der
strengste
Idealist
nicht
verlangen
, man
solle
beweisen
: daß unserer
Wahrnehmung
der
Gegenstand
außer
uns (in
strikter
Bedeutung
)
entspreche
.
Denn
wenn es
dergleichen
gäbe
, so
würde
es doch nicht als
außer
uns
vorgestellt
und
angeschaut
werden
können
, weil dieses den
Raum
voraussetzt
, und die
Wirklichkeit
im
Raume
, als einer
bloßen
Vorstellung
, nichts
anderes
als die
Wahrnehmung
selbst ist. Das
Reale
äußerer
Erscheinungen
ist also
wirklich
nur in der
Wahrnehmung
und kann auf keine
andere
Weise
wirklich
sein
.
Aus
Wahrnehmungen
kann nun, durch ein
bloßes
Spiel
der
Einbildung
, oder auch
vermittels
der
Erfahrung
,
Erkenntnis
der
Gegenstände
erzeugt
werden. Und
da
können
allerdings
trügliche
Vorstellungen
entspringen
, denen die
Gegenstände
nicht
entsprechen
und
wobei
die
Täuschung
bald
einem
Blendwerke
der
Einbildung
, (im
Traume
),
bald
einem
Fehltritte
der
Urteilskraft
(beim
sogenannten
Betruge
der
Sinne
)
beizumessen
ist. Um nun hierin dem
falschen
Scheine
zu
entgehen
,
verfährt
man nach der
Regel
: Was mit einer
Wahrnehmung
nach
empirischen
Gesetzen
zusammenhängt
, ist
wirklich
. Allein diese
Täuschung
sowohl, als die
Verwahrung
wider
dieselbe
,
trifft
ebensowohl
den
Idealismus
als den
Dualism
,
indem
es dabei nur um die
Form
der
Erfahrung
zu tun ist. Den
empirischen
Idealismus
, als eine
falsche
Bedenklichkeit
wegen der
objektiven
Realität
unserer
äußeren
Wahrnehmungen
, zu
widerlegen
, ist schon
hinreichend
: daß
äußere
Wahrnehmung
eine
Wirklichkeit
im
Raume
unmittelbar
beweise
,
welcher
Raum
, ob er zwar an sich nur
bloße
Form
der
Vorstellungen
ist,
dennoch
in
Ansehung
aller
äußeren
Erscheinungen
(die auch nichts
anderes
als
bloße
Vorstellungen
sind)
objektive
Realität
hat;
imgleichen
: daß ohne
Wahrnehmung
selbst die
Erdichtung
und der
Traum
nicht
möglich
sind,
unsere
äußeren
Sinne
also, den
datis
nach,
woraus
Erfahrung
entspringen
kann, ihre
wirklichen
korrespondierenden
Gegenstände
im
Raume
haben.
Der
dogmatische
Idealist
würde
derjenige
sein
, der das
Dasein
der
Materie
leugnet
, der
skeptische
, der sie
bezweifelt
, weil er sie
für
unerweislich
hält
. Der
erstere
kann es nur darum
sein
, weil er in der
Möglichkeit
einer
Materie
überhaupt
Widersprüche
zu
finden
glaubt
, und mit diesem haben wir es jetzt noch nicht zu tun. Der
folgende
Abschnitt
von
dialektischen
Schlüssen
, der die
Vernunft
in ihrem
inneren
Streite
in
Ansehung
der
Begriffe
, die sich von der
Möglichkeit
dessen, was in den
Zusammenhang
der
Erfahrung
gehört
,
vorstellt
, wird auch dieser
Schwierigkeit
abhelfen
. Der
skeptische
Idealist
aber, der
bloß
den
Grund
unserer
Behauptung
anficht
und
unsere
Überredung
von dem
Dasein
der
Materie
, die wir auf
unmittelbare
Wahrnehmung
zu
gründen
glauben
,
für
unzureichend
erklärt
, ist
sofern
ein
Wohltäter
der
menschlichen
Vernunft
, als er uns
nötigt
, selbst bei dem
kleinsten
Schritte
der
gemeinen
Erfahrung
, die
Augen
wohl
aufzutun
, und, was wir vielleicht nur
erschleichen
, nicht
sogleich
als
wohlerworben
in
unseren
Besitz
aufzunehmen
. Der
Nutzen
, den diese
idealistischen
Entwürfe
hier
schaffen
,
fällt
jetzt
klar
in die
Augen
. Sie
treiben
uns mit
Gewalt
dahin
, wenn wir uns nicht in
unseren
gemeinsten
Behauptungen
verwickeln
wollen
, alle
Wahrnehmungen
, sie
mögen
nun
innere
, oder
äußere
heißen
,
bloß
als ein
Bewußtsein
dessen, was unserer
Sinnlichkeit
anhängt
und die
äußeren
Gegenstände
derselben
nicht
für
Dinge
an sich selbst,
sondern
nur
für
Vorstellungen
anzusehen
, deren wir uns, wie jeder
anderen
Vorstellung
,
unmittelbar
bewußt
werden
können
, die aber darum
äußere
heißen
, weil sie
demjenigen
Sinne
anhängen
, den wir den
äußeren
Sinn
nennen
, dessen
Anschauung
der
Raum
ist, der aber doch selbst nichts anders, als eine
innere
Vorstellungsart
ist, in
welcher
sich
gewisse
Wahrnehmungen
miteinander
verknüpfen
.
Wenn wir
äußere
Gegenstände
für
Dinge
an sich
gelten
lassen
, so ist
schlechthin
unmöglich
zu
begreifen
, wie wir zur
Erkenntnis
ihrer
Wirklichkeit
außer
uns
kommen
sollten
,
indem
wir um
bloß
auf die
Vorstellung
stützen
, die in uns ist.
Denn
man kann doch
außer
sich nicht
empfinden
,
sondern
nur in sich selbst, und das
ganze
Selbstbewußtsein
liefert
daher nichts, als
lediglich
unsere
eigenen
Bestimmungen
. Also
nötigt
uns der
skeptische
Idealism
, die
einzige
Zuflucht
, die uns
übrig
bleibt
,
nämlich
zu der
Idealität
aller
Erscheinungen
zu
ergreifen
,
welche
wir in der
transzendentalen
Ästhetik
unabhängig
von diesen
Folgen
, die wir damals nicht
voraussehen
konnten
,
dargetan
haben.
Fragt
man nun: ob
denn
diesem
zufolge
der
Dualism
allein in der
Seelenlehre
stattfinde
, so ist die
Antwort
:
Allerdings
! aber nur im
empirischen
Verstande
,
d.i.
in dem
Zusammenhange
der
Erfahrung
ist
wirklich
Materie
, als
Substanz
in der
Erscheinung
, dem
äußeren
Sinne
, so wie das
denkende
Ich,
gleichfalls
als
Substanz
in der
Erscheinung
,
vor
dem
inneren
Sinne
gegeben
und nach den
Regeln
,
welche
diese
Kategorie
in den
Zusammenhang
unserer
äußerer
sowohl als
innerer
Wahrnehmungen
zu einer
Erfahrung
hineinbringt
,
müssen
auch
beiderseits
Erscheinungen
unter sich
verknüpft
werden.
Wollte
man aber den
Begriff
des
Dualismus
, wie es
gewöhnlich
geschieht
,
erweitern
und
ihn
im
transzendentalen
Verstande
nehmen
, so
hätten
weder er, noch der
ihm
entgegengesetzte
Pneumatismus
einerseits
, oder der
Materialismus
andererseits
, nicht den
mindesten
Grund
,
indem
man
alsbald
die
Bestimmung
seiner
Begriffe
verfehlte
, und die
Verschiedenheit
der
Vorstellungsart
von
Gegenständen
, die uns nach dem, was sie an sich sind,
unbekannt
bleiben
,
für
eine
Verschiedenheit
dieser
Dinge
selbst
hält
. Ich, durch den
inneren
Sinn
in der
Zeit
vorgestellt
, und
Gegenstände
im
Raume
,
außer
mir, sind zwar
skeptisch
ganz
unterschiedene
Erscheinungen
, aber
dadurch
werden sie nicht als
verschiedene
Dinge
gedacht
. Das
transzendentale
Objekt
,
welches
den
äußeren
Erscheinungen
,
imgleichen
das, was der
inneren
Anschauung
zum
Grunde
liegt
, ist weder
Materie
, noch ein
denkend
Wesen
an sich selbst,
sondern
ein uns
unbekannter
Grund
der
Erscheinungen
, die den
empirischen
Begriff
von der
ersten
sowohl als
zweiten
Art
an die
Hand
geben
.
Wenn wir also, wie uns
denn
die
gegenwärtige
Kritik
augenscheinlich
dazu
nötigt
, der oben
festgesetzten
Regel
treu
bleiben
,
unsere
Fragen
nicht
weiterzutreiben
, als nur
soweit
mögliche
Erfahrung
uns das
Objekt
derselben
an die
Hand
geben
kann: so werden wir es uns nicht
einmal
einfallen
lassen
, über die
Gegenstände
unserer
Sinne
nach
demjenigen
, was sie an sich selbst,
d.i.
ohne alle
Beziehung
auf die
Sinne
sein
mögen
,
Erkundigung
anzustellen
Wenn aber der
Psycholog
Erscheinungen
für
Dinge
an sich selbst
nimmt
, so
mag
er als
Materialist
einzig
und allein
Materie
, oder als
Spiritualist
bloß
denkende
Wesen
(
nämlich
nach der
Form
unseres
inneren
Sinnes
) oder als
Dualist
beide
, als
für
sich
existierende
Dinge
, in seinen
Lehrbegriff
aufnehmen
, so ist er doch immer durch
Mißverstand
hingehalten
über die
Art
zu
vernünfteln
, wie
dasjenige
an sich selbst
existieren
möge
, was doch kein
Ding
an sich,
sondern
nur die
Erscheinung
eines
Dinges
überhaupt
ist.
19
Man
muß
diesen
paradoxen
, aber
richtigen
Satz
wohl
merken
: daß im
Raume
nichts
sei
, als was in
ihm
vorgestellt
wird.
Denn
der
Raum
ist selbst nichts
anderes
, als
Vorstellung
,
folglich
was in
ihm
ist,
muß
in der
Vorstellung
enthalten
sein
, und im
Raume
ist
gar
nichts,
außer
,
sofern
es in
ihm
wirklich
vorgestellt
wird. Ein
Satz
, der
allerdings
befremdlich
klingen
muß
: daß eine
Sache
nur in der
Vorstellung
von ihr
existieren
könne
, der aber hier das
Anstößige
verliert
, weil die
Sachen
, mit denen wir es zu tun haben, nicht
Dinge
an sich,
sondern
nur
Erscheinungen
,
d.i.
Vorstellungen
sind.
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