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Immanuel Kant
Kritik der reinen Vernunft (1781)
IntraText CT - Text
I. Transzendentale Elementarlehre
Zweiter Teil Die transzendentale Logik
Zweite Abteilung Die transzendentale Dialektik
Zweites Buch Von den dialektischen Schlüssen der reinen Vernunft
Erstes Hauptstück Von den Paralogismen der reinen Vernunft
Betrachtung über die Summe der reinen Seelenlehre, zufolge diesen Paralogismen
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Betrachtung
über die
Summe
der
reinen
Seelenlehre
,
zufolge
diesen
Paralogismen
Wenn wir die
Seelenlehre
, als die
Physiologie
der
inneren
Sinnes
mit der
Körperlehre
, als einer
Physiologie
der
Gegenstände
äußerer
Sinne
vergleichen
: so
finden
wir,
außer
dem, daß in
beiden
vieles
empirisch
erkannt
werden kann, doch diesen
merkwürdigen
Unterschied
, daß in der
letzteren
Wissenschaft
doch
vieles
a
priori
, aus dem
bloßen
Begriffe
eines
ausgedehnten
undurchdringlichen
Wesens
, in der
ersteren
aber, aus dem
Begriffe
eines
denkenden
Wesens
,
gar
nichts
a
priori
synthetisch
erkannt
werden kann. Die
Ursache
ist diese. Obgleich
beides
Erscheinungen
sind, so hat doch die
Erscheinung
vor
dem
äußeren
Sinne
etwas
Stehendes
, oder
Bleibendes
,
welches
ein, den
wandelbaren
Bestimmungen
zum
Grunde
liegendes
Substratum
und
mithin
einen
synthetischen
Begriff
,
nämlich
den vom
Raume
und einer
Erscheinung
in demselben, an die
Hand
gibt
,
anstatt
daß die
Zeit
,
welche
die
einzige
Form
unserer
inneren
Anschauung
ist, nichts
Bleibendes
hat,
mithin
nur den
Wechsel
der
Bestimmungen
, nicht aber den
bestimmbaren
Gegenstand
zu
erkennen
gibt
.
Denn
, in dem was wir
Seele
nennen
, ist alles im
kontinuierlichen
Flusse
und nichts
Bleibendes
,
außer
etwa (wenn man es
durchaus
will) das darum so
einfache
Ich, weil diese
Vorstellung
keinen
Inhalt
,
mithin
kein
Mannigfaltiges
hat,
weswegen
sie auch
scheint
ein
einfaches
Objekt
vorzustellen
, oder
besser
gesagt
, zu
bezeichnen
. Dieses Ich
müßte
eine
Anschauung
sein
,
welche
,
da
sie beim
Denken
überhaupt
(
vor
aller
Erfahrung
)
vorausgesetzt
würde
, als
Anschauung
a
priori
synthetische
Sätze
lieferte
, wenn es
möglich
sein
sollte
, eine
reine
Vernunfterkenntnis
von der
Natur
eines
denkenden
Wesens
überhaupt
zustande
zu
bringen
. Allein dieses Ich ist
sowenig
Anschauung
, als
Begriff
von
irgendeinem
Gegenstande
,
sondern
die
bloße
Form
des
Bewußtseins
,
welches
beiderlei
Vorstellungen
begleiten
, und sie
dadurch
zu
Erkenntnissen
erheben
kann,
sofern
nämlich
dazu noch
irgend
etwas
anderes
in der
Anschauung
gegeben
wird,
welches
zu einer
Vorstellung
von einem
Gegenstande
Stoff
darreicht
. Also
fällt
die
ganze
rationale
Psychologie
, als eine, alle
Kräfte
der
menschlichen
Vernunft
übersteigende
Wissenschaft
, und es
bleibt
uns nichts
übrig
, als
unsere
Seele
an dem
Leitfaden
der
Erfahrung
zu
studieren
und uns in den
Schranken
der
Fragen
zu
halten
, die nicht weiter
gehen
, als
mögliche
innere
Erfahrung
ihren
Inhalt
darlegen
kann.
Ob sie nun aber
gleich
als
erweiternde
Erkenntnis
keinen
Nutzen
hat,
sondern
als solche aus
lauter
Paralogismen
zusammengesetzt
ist, so kann man ihr doch, wenn es
für
nichts mehr, als eine
kritische
Behandlung
unserer
dialektischer
Schlüsse
, und zwar der
gemeinen
und
natürlichen
Vernunft
gelten
soll
, einen
wichtigen
negativen
Nutzen
nicht
absprechen
.
Wozu haben wir
wohl
eine
bloß
auf
reine
Vernunftprinzipien
gegründete
Seelenlehre
nötig
? Ohne
Zweifel
vorzüglich
in der
Absicht
, um unser
denkendes
Selbst wider die
Gefahr
des
Materialismus
zu
sichern
. Dieses
leistet
aber der
Vernunftbegriff
von unserem
denkenden
Selbst, den wir
gegeben
haben.
Denn
weit
gefehlt
, daß nach demselben einige
Furcht
übrig
bliebe
, daß, wenn man die
Materie
wegnähme
,
dadurch
alles
Denken
und selbst die
Existenz
denkender
Wesen
aufgehoben
werden
würde
, so wird
vielmehr
klar
gezeigt
: daß, wenn ich das
denkende
Subjekt
wegnähme
, die
ganze
Körperwelt
wegfallen
muß
, als die nichts ist, als die
Erscheinung
in der
Sinnlichkeit
unseres
Subjekts
und eine
Art
Vorstellungen
desselben
.
Dadurch
erkenne
ich zwar
freilich
dieses
denkende
Selbst seinen
Eigenschaften
nach nicht
besser
, noch kann ich seine
Beharrlichkeit
, ja selbst nicht
einmal
die
Unabhängigkeit
seiner
Existenz
, von dem
etwaigen
transzendentalen
Substratum
äußerer
Erscheinungen
einsehen
,
denn
dieses ist mir,
ebensowohl
als
jenes
,
unbekannt
. Weil es aber
gleichwohl
möglich
ist, daß ich
anderswoher
, als aus
bloß
spekulativen
Gründen
Ursache
hernähme
, eine
selbständige
und bei allem
möglichen
Wechsel
meines
Zustandes
beharrliche
Existenz
meiner
denkenden
Natur
zu
hoffen
, so ist
dadurch
schon viel
gewonnen
, bei dem
freien
Geständnis
meiner
eigenen
Unwissenheit
,
dennoch
die
dogmatischen
Angriffe
eines
spekulativen
Gegners
abtreiben
zu
können
, und
ihm
zu
zeigen
: daß er
niemals
mehr von der
Natur
meines
Subjekts
wissen
könne
, um meinen
Erwartungen
die
Möglichkeit
abzusprechen
, als ich, um mich an ihnen zu
halten
.
Auf diesen
transzendentalen
Schein
unserer
psychologischen
Begriffe
gründen
sich dann noch drei
dialektische
Fragen
,
welche
das
eigentliche
Ziel
der
rationalen
Psychologie
ausmachen
, und nirgends anders, als durch
obige
Untersuchungen
entschieden
werden
können
:
nämlich
1)von der
Möglichkeit
der
Gemeinschaft
der
Seele
mit einem
organischen
Körper
,
d.i.
der
Animalität
und dem
Zustande
der
Seele
im
Leben
des
Menschen
, 2)vom
Anfange
dieser
Gemeinschaft
,
d.i.
der
Seele
in und
vor
der
Geburt
des
Menschen
, 3)dem
Ende
dieser
Gemeinschaft
,
d.i.
der
Seele
im und nach dem
Tode
des
Menschen
(
Frage
wegen der
Unsterblichkeit
).
Ich
behaupte
nun: daß alle
Schwierigkeiten
, die man bei diesen
Fragen
vorzufinden
glaubt
, und mit denen, als
dogmatischen
Einwürfen
, man sich das
Ansehen
einer
tieferen
Einsicht
in die
Natur
der
Dinge
, als der
gemeine
Verstand
wohl
haben kann, zu
geben
sucht
, auf einem
bloßen
Blendwerke
beruhe
, nach
welchem
man das, was
bloß
in
Gedanken
existiert
,
hypostasiert
, und in
ebenderselben
Qualität
, als einen
wirklichen
Gegenstand
außerhalb
dem
denkenden
Subjekte
annimmt
,
nämlich
Ausdehnung
, die nichts als
Erscheinung
ist,
für
eine, auch ohne
unsere
Sinnlichkeit
,
subsistierende
Eigenschaft
äußerer
Dinge
, und
Bewegung
für
deren
Wirkung
,
welche
auch
außer
unseren
Sinnen
an sich
wirklich
vorgeht
, zu
halten
.
Denn
die
Materie
, deren
Gemeinschaft
mit der
Seele
so
großes
Bedenken
erregt
, ist nichts
anderes
als eine
bloße
Form
, oder eine
gewisse
Vorstellungsart
eines
unbekannten
Gegenstandes
, durch
diejenige
Anschauung
,
welche
man den
äußeren
Sinn
nennt
. Es
mag
also
wohl
etwas
außer
uns
sein
, dem diese
Erscheinung
,
welche
wir
Materie
nennen
,
korrespondiert
; aber, in
derselben
Qualität
als
Erscheinung
ist es nicht
außer
uns,
sondern
lediglich
als ein
Gedanke
in uns,
wiewohl
dieser
Gedanke
durch
genannten
Sinn
, es als
außer
uns
befindlich
vorstellt
.
Materie
bedeutet
also nicht eine von dem
Gegenstande
des
inneren
Sinnes
(
Seele
) so
ganz
unterschiedene
und
heterogene
Art
von
Substanzen
,
sondern
nur die
Ungleichartigkeit
der
Erscheinungen
von
Gegenständen
(die uns an sich selbst
unbekannt
sind), deren
Vorstellungen
wir
äußere
nennen
, in
Vergleichung
mit denen, die wir zum
inneren
Sinne
zählen
, ob sie
gleich
ebensowohl
bloß
zum
denkenden
Subjekte
, ab alle
übrigen
Gedanken
,
gehören
, nur daß sie dieses
Täuschende
an sich haben: daß,
da
sie
Gegenstände
im
Raume
vorstellen
, sich
gleichsam
von der
Seele
ablösen
und
außer
ihr zu
schweben
scheinen
,
da
doch selbst der
Raum
, darin sie
angeschaut
werden, nichts als eine
Vorstellung
ist, deren
Gegenbild
in
derselben
Qualität
außer
der
Seele
gar
nicht
angetroffen
werden kann. Nun ist die
Frage
nicht mehr: von der
Gemeinschaft
der
Seele
mit
anderen
bekannten
und
fremdartigen
Substanzen
außer
um,
sondern
bloß
von der
Verknüpfung
der
Vorstellungen
des
inneren
Sinnes
mit den
Modifikationen
unserer
äußeren
Sinnlichkeit
, und wie diese
untereinander
nach
beständigen
Gesetzen
verknüpft
sein
mögen
, so daß sie in einer
Erfahrung
zusammenhängen
.
Solange
wir
innere
und
äußere
Erscheinungen
, als
bloße
Vorstellungen
in der
Erfahrung
,
miteinander
zusammenhalten
, so
finden
wir nichts
Widersinnisches
und
welches
die
Gemeinschaft
beider
Art
Sinne
befremdlich
machte
.
Sobald
wir aber die
äußeren
Erscheinungen
hypostasieren
, sie nicht mehr als
Vorstellungen
,
sondern
in
derselben
Qualität
, wie sie in uns sind, auch als
außer
uns
für
sich
bestehende
Dinge
, ihre
Handlungen
aber, die sie als
Erscheinungen
gegeneinander
im
Verhältnis
zeigen
, auf unser
denkendes
Subjekts
beziehen
, so haben wir einen
Charakter
der
wirkenden
Ursachen
außer
uns, der sich mit ihren
Wirkungen
in uns nicht
zusammenreimen
will, weil
jener
sich
bloß
auf
äußere
Sinne
, diese aber auf den
inneren
Sinn
beziehen
,
welche
, ob sie zwar in einem
Subjekte
vereinigt
,
dennoch
höchst
ungleichartig
sind.
Da
haben wir
denn
keine
anderen
äußere
Wirkungen
, als
Veränderungen
des
Ortes
, und keine
Kräfte
, als
bloß
Bestrebungen
,
welche
auf
Verhältnisse
im
Raume
, als ihre
Wirkungen
,
auslaufen
. In uns aber sind die
Wirkungen
Gedanken
, unter denen kein
Verhältnis
des
Ortes
,
Bewegung
,
Gestalt
, oder
Raumesbestimmung
überhaupt
stattfindet
, und wir
verlieren
den
Leitfaden
der
Ursachen
gänzlich
an den
Wirkungen
, die sich davon in dem
inneren
Sinne
zeigen
sollten
. Aber wir
sollten
bedenken
: daß nicht die
Körper
Gegenstände
an sich sind, die uns
gegenwärtig
sind,
sondern
eine
bloße
Erscheinung
, wer
weiß
,
welches
unbekannten
Gegenstandes
, daß die
Bewegung
nicht die
Wirkung
dieser
unbekannten
Ursache
,
sondern
bloß
die
Erscheinung
ihres
Einflusses
auf
unsere
Sinne
sei
, daß
folglich
beide
nicht etwas
außer
uns,
sondern
bloß
Vorstellungen
in uns sind,
mithin
daß nicht die
Bewegung
der
Materie
in uns
Vorstellungen
wirke
,
sondern
daß sie selbst (
mithin
auch die
Materie
, die sich
dadurch
kennbar
macht
)
bloße
Vorstellung
sei
und
endlich
die
ganze
selbstgemachte
Schwierigkeit
darauf
hinauslaufe
: wie und durch
welche
Ursache
die
Vorstellungen
unserer
Sinnlichkeit
so
untereinander
in
Verbindung
stehen
, daß
diejenige
,
welche
wir
äußere
Anschauungen
nennen
, nach
empirischen
Gesetzen
, als
Gegenstände
außer
uns,
vorgestellt
werden
können
,
welche
Frage
nun
ganz
und
gar
nicht die
vermeinte
Schwierigkeit
enthält
, den
Ursprung
der
Vorstellungen
von
außer
uns
befindlichen
ganz
fremdartigen
wirkenden
Ursachen
zu
erklären
,
indem
wir die
Erscheinungen
einer
unbekannten
Ursache
für
die
Ursache
außer
uns
nehmen
,
welches
nichts als
Verwirrung
veranlassen
kann. In
Urteilen
, in denen eine durch
lange
Gewohnheit
eingewurzelte
Mißdeutung
vorkommt
, ist es
unmöglich
, die
Berichtigung
sofort
zu
derjenigen
Faßlichkeit
zu
bringen
,
welche
in
anderen
Fällen
gefordert
werden kann, wo keine
dergleichen
unvermeidliche
Illusion
den
Begriff
verwirrt
. Daher wird diese
unsere
Befreiung
der
Vernunft
von
sophistischen
Theorien
schwerlich
schon die
Deutlichkeit
haben, die ihr zur
völligen
Befriedigung
nötig
ist.
Ich
glaube
, diese auf
folgende
Weise
befördern
zu
können
.
Alle
Einwürfe
können
in
dogmatische
,
kritische
und
skeptische
eingeteilt
werden. Der
dogmatische
Einwurf
ist, der wider einen
Satz
, der
kritische
, der wider den
Beweis
eines
Satzes
gerichtet
ist. Der
erstere
bedarf
einer
Einsicht
in die
Beschaffenheit
der
Natur
des
Gegenstandes
, um das
Gegenteil
von
demjenigen
behaupten
zu
können
, was der
Satz
von diesem
Gegenstande
vorgibt
, er ist daher selbst
dogmatisch
und
gibt
vor
, die
Beschaffenheit
, von der die
Rede
, ist,
besser
zu
kennen
, als der
Gegenteil
. Der
kritische
Einwurf
, weil er den
Satz
in seinem
Werte
oder
Unwerte
unangetastet
läßt
, und nur den
Beweis
anficht
,
bedarf
gar
nicht den
Gegenstand
besser
zu
kennen
, oder sich einer
besseren
Kenntnis
desselben
anzumaßen
; er
zeigt
nur, daß die
Behauptung
grundlos
, nicht, daß sie
unrichtig
sei
. Der
skeptische
stellt
Satz
und
Gegensatz
wechselseitig
gegeneinander
, als
Einwürfe
von
gleicher
Erheblichkeit
, einen
jeden
derselben
wechselweise
als
Dogma
und den
anderen
als dessen
Einwurf
, ist also auf zwei
entgegengesetzten
Seiten
dem
Scheine
nach
dogmatisch
, um alles
Urteil
über den
Gegenstand
gänzlich
zu
vernichten
. Der
dogmatische
also sowohl, als
skeptische
Einwurf
,
müssen
beide
so viel
Einsicht
ihres
Gegenstandes
vorgeben
, als
nötig
ist, etwas von
ihm
bejahend
oder
verneinend
zu
behaupten
. Der
kritische
ist allein von der
Art
, daß,
indem
er
bloß
zeigt
, man
nehme
zum
Behuf
seiner
Behauptung
etwas an, was
nichtig
und
bloß
eingebildet
ist, die
Theorie
stürzt
,
dadurch
, daß sie ihr die
angemaßte
Grundlage
entzieht
, ohne sonst etwas über die
Beschaffenheit
des
Gegenstandes
ausmachen
zu
wollen
.
Nun sind wir nach den
gemeinen
Begriffen
unserer
Vernunft
in
Ansehung
der
Gemeinschaft
, darin unser
denkendes
Subjekt
mit den
Dingen
außer
uns
steht
,
dogmatisch
und
sehen
diese als
wahrhafte
unabhängig
von uns
bestehende
Gegenstände
an, nach einem
gewissen
transzendentalen
Dualism
, der
jene
äußeren
Erscheinungen
nicht als
Vorstellungen
zum
Subjekte
zählt
,
sondern
sie, so wie
sinnliche
Anschauung
sie uns
liefert
,
außer
uns als
Objekte
versetzt
und sie von dem
denkenden
Subjekte
gänzlich
abtrennt
. Diese
Subreption
ist nun die
Grundlage
aller
Theorien
über die
Gemeinschaft
zwischen
Seele
und
Körper
, und es wird
niemals
gefragt
: ob
denn
diese
objektive
Realität
der
Erscheinungen
so
ganz
richtig
sei
,
sondern
diese wird als
zugestanden
vorausgesetzt
und nur über die
Art
vernünftelt
, wie sie
erklärt
und
begriffen
werden
müsse
. Die
gewöhnlichen
drei
hierüber
erdachten
und
wirklich
einzig
möglichen
Systeme
sind die, des
physischen
Einflusses
, der
vorher
bestimmten
Harmonie
und der
übernatürlichen
Assistenz
.
Die zwei
letzteren
Erklärungsarten
der
Gemeinschaft
der
Seele
mit der
Materie
sind auf
Einwürfe
gegen die
erstere
,
welche
die
Vorstellung
des
gemeinen
Verstandes
ist,
gegründet
, daß
nämlich
dasjenige
, was als
Materie
erscheint
, durch seinen
unmittelbaren
Einfluß
nicht die
Ursache
von
Vorstellungen
, als einer
ganz
heterogenen
Art
von
Wirkungen
,
sein
könne
. Sie
können
aber
alsdann
mit dem, was sie unter dem
Gegenstande
äußerer
Sinne
verstehen
, nicht den
Begriff
einer
Materie
verbinden
,
welche
nichts als
Erscheinung
,
mithin
schon an sich selbst
bloße
Vorstellung
, die durch
irgendwelche
äußeren
Gegenstände
gewirkt
worden
,
denn
sonst
würden
sie
sagen
; daß die
Vorstellungen
äußerer
Gegenstände
(die
Erscheinungen
) nicht
äußere
Ursachen
der
Vorstellungen
in unserem
Gemüte
sein
können
,
welches
ein
ganz
sinnleerer
Einwurf
sein
würde
, weil es
niemanden
einfallen
wird, das, was er
einmal
als
bloße
Vorstellung
anerkannt
hat,
für
eine
äußere
Ursache
zu
halten
. Sie
müssen
also nach
unseren
Grundsätzen
ihre
Theorie
darauf
richten
: daß
dasjenige
, was der
wahre
(
transzendentale
)
Gegenstand
unsrer
äußeren
Sinne
ist, nicht die
Ursache
derjenigen
Vorstellungen
(
Erscheinungen
)
sein
könne
, die wir unter dem
Namen
Materie
verstehen
.
Da
nun niemand mit
Grund
vorgeben
kann, etwas von der
transzendentalen
Ursache
unserer
Vorstellungen
äußerer
Sinne
zu
kennen
, so ist ihre
Behauptung
ganz
grundlos
.
Wollten
aber die
vermeinten
Verbesserer
der
Lehre
vom
physischen
Einflusse
, nach der
gemeinen
Vorstellungsart
eines
transzendentalen
Dualism
, die
Materie
, als solche,
für
ein
Ding
an sich selbst (und nicht als
bloße
Erscheinung
eines
unbekannten
Dinges
)
ansehen
und ihren
Einwurf
dahin
richten
, zu
zeigen
: daß ein
solcher
äußerer
Gegenstand
,
welcher
keine
andere
Kausalität
als die der
Bewegungen
an sich
zeigt
,
nimmermehr
die
wirkende
Ursache
von
Vorstellungen
sein
könne
,
sondern
daß sich ein
drittes
Wesen
deshalb
ins
Mittel
schlagen
müsse
, um, wo nicht
Wechselwirkung
, doch
wenigstens
Korrespondenz
und
Harmonie
zwischen
beiden
zu
stiften
: so
würden
sie ihre
Widerlegung
davon
anfangen
, das ????????????? des
physischen
Einflusses
in ihrem
Dualismus
anzunehmen
, und also durch ihren
Einwurf
nicht sowohl den
natürlichen
Einfluß
,
sondern
ihre eigene
dualistische
Voraussetzung
widerlegen
.
Denn
alle
Schwierigkeiten
,
welche
die
Verbindung
der
denkenden
Natur
mit der
Materie
treffen
,
entspringen
ohne
Ausnahme
lediglich
aus
jener
erschlichenen
dualistischen
Vorstellung
: daß
Materie
, als solche, nicht
Erscheinung
,
d.i.
bloße
Vorstellung
des
Gemüts
, der ein
unbekannter
Gegenstand
entspricht
,
sondern
der
Gegenstand
an sich selbst
sei
, so wie er
außer
uns und
unabhängig
von aller
Sinnlichkeit
existiert
.
Es kann also wider den
gemein
angenommenen
physischen
Einfluß
kein
dogmatischer
Einwurf
gemacht
werden.
Denn
nimmt
der
Gegner
an: daß
Materie
und ihre
Bewegung
bloße
Erscheinungen
und also selbst nur
Vorstellungen
seien
, so kann er nur darin die
Schwierigkeit
setzen
: daß der
unbekannte
Gegenstand
unserer
Sinnlichkeit
nicht die
Ursache
der
Vorstellungen
in uns
sein
könne
,
welches
aber
vorzugeben
ihn
nicht das
mindeste
berechtigt
, weil niemand von einem
unbekannten
Gegenstande
ausmachen
kann, was er tun oder nicht tun
könne
. Er
muß
aber, nach
unseren
obigen
Beweisen
, diesen
transzendentalen
Idealism
notwendig
einräumen
,
wofern
er nicht
offenbar
Vorstellungen
hypostasieren
und sie, als
wahre
Dinge
,
außer
sich
versetzen
will.
Gleichwohl
kann wider die
gemeine
Lehrmeinung
des
physischen
Einflusses
ein
gegründeter
kritischer
Einwurf
gemacht
werden. Eine solche
vorgegebene
Gemeinschaft
zwischen zwei
Arten
von
Substanzen
, der
denkenden
und der
ausgedehnten
,
legt
einen
groben
Dualism
zum
Grunde
und
macht
die
letztere
, die doch nichts als
bloße
Vorstellungen
des
denkenden
Subjekts
sind, zu
Dingen
, die
für
sich
bestehen
. Also kann der
mißverstandene
physische
Einfluß
dadurch
völlig
vereitelt
werden, daß man den
Beweisgrund
desselben
als
nichtig
und
erschlichen
aufdeckt
.
Die
berüchtigte
Frage
, wegen der
Gemeinschaft
des
Denkenden
und
Ausgedehnten
,
würde
also, wenn man alles
Eingebildete
absondert
,
lediglich
darauf
hinauslaufen
: wie in einem
denkenden
Subjekt
überhaupt
,
äußere
Anschauung
,
nämlich
die des
Raumes
(einer
Erfüllung
desselben
Gestalt
und
Bewegung
)
möglich
sei
. Auf diese
Frage
aber ist es
keinem
Menschen
möglich
, eine
Antwort
zu
finden
, und man kann diese
Lücke
unseres
Wissens
niemals
ausfüllen
,
sondern
nur
dadurch
bezeichnen
, daß man die
äußeren
Erscheinungen
einem
transzendentalen
Gegenstande
zuschreibt
,
welcher
die
Ursache
dieser
Art
Vorstellungen
ist, den wir aber
gar
nicht
kennen
, noch
jemals
einigen
Begriff
von
ihm
bekommen
werden. In
allen
Aufgaben
, die im
Felde
der
Erfahrung
vorkommen
mögen
,
behandeln
wir
jene
Erscheinungen
als
Gegenstände
an sich selbst, ohne uns um den
ersten
Grund
ihrer
Möglichkeit
(als
Erscheinungen
) zu
bekümmern
.
Gehen
wir aber über deren
Grenze
hinaus, so wird der
Begriff
eines
transzendentalen
Gegenstandes
notwendig
.
Von diesen
Erinnerungen
, über die
Gemeinschaft
zwischen dem
denkenden
und den
ausgedehnten
Wesen
, ist die
Entscheidung
aller
Streitigkeiten
oder
Einwürfe
,
welche
den
Zustand
der
denkenden
Natur
vor
dieser
Gemeinschaft
(dem
Leben
), oder nach
aufgehobener
solchen
Gemeinschaft
(im
Tode
)
betreffen
, eine
unmittelbare
Folge
. Die
Meinung
, daß das
denkende
Subjekt
vor
aller
Gemeinschaft
mit
Körpern
habe
denken
können
,
würde
sich so
ausdrücken
: daß
vor
dem
Anfange
dieser
Art
der
Sinnlichkeit
,
wodurch
uns etwas im
Raume
erscheint
,
dieselben
transzendentalen
Gegenstände
,
welche
im
gegenwärtigen
Zustande
als
Körper
erscheinen
, auf
ganz
andere
Art
haben
angeschaut
werden
können
. Die
Meinung
aber, daß die
Seele
, nach
Aufhebung
aller
Gemeinschaft
mit der
körperlichen
Welt
, noch
fortfahren
könne
zu
denken
,
würde
sich in dieser
Form
ankündigen
: daß, wenn die
Art
der
Sinnlichkeit
,
wodurch
uns
transzendentale
und
für
jetzt
ganz
unbekannte
Gegenstände
als
materielle
Welt
erscheinen
,
aufhören
sollte
: so
sei
darum noch nicht alle
Anschauung
derselben
aufgehoben
und es
sei
ganz
wohl
möglich
, daß
ebendieselben
unbekannten
Gegenstände
fortführen
,
obzwar
freilich
nicht mehr in der
Qualität
der
Körper
, von dem
denkenden
Subjekt
erkannt
zu werden.
Nun kann zwar niemand den
mindesten
Grund
zu einer
solchen
Behauptung
aus
spekulativen
Prinzipien
anführen
, ja nicht
einmal
die
Möglichkeit
davon
dartun
,
sondern
nur
voraussetzen
; aber
ebensowenig
kann auch
jemand
irgendeinen
gültigen
dogmatischen
Einwurf
dagegen
machen
.
Denn
, wer er auch
sei
, so
weiß
er
ebensowenig
von der
absoluten
und
inneren
Ursache
äußerer
und
körperlicher
Erscheinungen
, wie ich, oder
jemand
anders. Er kann also auch nicht mit
Grund
vorgeben
, zu
wissen
,
worauf
die
Wirklichkeit
der
äußeren
Erscheinungen
im
jetzigen
Zustande
(im
Leben
)
beruhe
,
mithin
auch nicht: daß die
Bedingung
aller
äußeren
Anschauung
, oder auch das
denkende
Subjekt
selbst, nach demselben (im
Tode
)
aufhören
werde
.
So ist
denn
also aller
Streit
über die
Natur
unseres
denkenden
Wesens
und der
Verknüpfung
desselben
mit der
Körperwelt
lediglich
eine
Folge
davon, daß man in
Ansehung
dessen,
wovon
man nichts
weiß
, die
Lücke
durch
Paralogismen
der
Vernunft
ausfüllt
,
da
man seine
Gedanken
zu
Sachen
macht
und sie
hypostasiert
,
woraus
eingebildete
Wissenschaft
, sowohl in
Ansehung
dessen, der
bejahend
, als dessen, der
verneinend
behauptet
,
entspringt
,
indem
ein jeder entweder von
Gegenständen
etwas zu
wissen
vermeint
, davon kein
Mensch
einigen
Begriff
hat, oder seine
eigenen
Vorstellungen
zu
Gegenständen
macht
, und sich so in einem
ewigen
Zirkel
von
Zweideutigkeiten
und
Widersprüchen
herumdreht
. Nichts, als die
Nüchternheit
einer
strengen
, aber
gerechten
Kritik
, kann von diesem
dogmatischen
Blendwerke
, der so viele durch
eingebildete
Glückseligkeit
, unter
Theorien
und
Systemen
hinhält
,
befreien
, und alle
unsere
spekulativen
Ansprüche
bloß
auf das
Feld
möglicher
Erfahrung
einschränken
, nicht etwa durch
schalen
Spott
über so
oft
fehlgeschlagene
Versuche
, oder
fromme
Seufzer
über die
Schranken
unserer
Vernunft
,
sondern
vermittels
einer nach
sicheren
Grundsätzen
vollzogenen
Grenzbestimmung
derselben
,
welche
ihr
nihil
ulterius
mit
größter
Zuverlässigkeit
an die
herkulischen
Säulen
heftet
, die die
Natur
selbst
aufgestellt
hat, um die
Fahrt
unserer
Vernunft
nur so
weit
, als die
stetig
fortlaufenden
Küsten
der
Erfahrung
reichen
,
fortzusetzen
, die wir nicht
verlassen
können
, ohne uns auf einen
uferlosen
Ozean
zu
wagen
, der uns unter immer
trüglichen
Aussichten
, am
Ende
nötigt
, alle
beschwerliche
und
langwierige
Bemühung
, als
hoffnungslos
aufzugeben
.
Wir sind noch eine
deutliche
und
allgemeine
Erörterung
des
transzendentalen
und doch
natürlichen
Scheins
in den
Paralogismen
der
reinen
Vernunft
,
imgleichen
die
Rechtfertigung
der
systematischen
und der
Tafel
der
Kategorien
parallel
laufenden
Anordnungen
derselben
,
bisher
schuldig
geblieben
. Wir
hätten
sie im
Anfange
dieses
Abschnittes
nicht
übernehmen
können
, ohne in
Gefahr
der
Dunkelheit
zu
geraten
, oder uns
unschicklicherweise
selbst
vorzugreifen
. Jetzt
wollen
wir diese
Obliegenheit
zu
erfüllen
suchen
.
Man kann
allen
Schein
darin
setzen
. daß die
subjektive
Bedingung
des
Denkens
für
die
Erkenntnis
des
Objekts
gehalten
wird. Ferner haben wir in der
Einleitung
in die
transzendentale
Dialektik
gezeigt
: daß
reine
Vernunft
sich
lediglich
mit der
Totalität
der
Synthesis
der
Bedingungen
, zu einem
gegebenen
Bedingten
,
beschäftige
.
Da
nun der
dialektische
Schein
der
reinen
Vernunft
kein
empirischer
Schein
sein
kann, der sich beim
bestimmten
empirischen
Erkenntnisse
vorfindet
: so wird er das
Allgemeine
der
Bedingungen
des
Denkens
betreffen
, und es wird nur drei
Fälle
des
dialektischen
Gebrauches
der
reinen
Vernunft
geben
:
1. Die
Synthesis
der
Bedingungen
eines
Gedankens
überhaupt
.
2. Die
Synthesis
der
Bedingungen
des
empirischen
Denkens
.
3. Die
Synthesis
der
Bedingungen
des
reinen
Denkens
.
In
allen
diesen
dreien
Fällen
beschäftigt
sich die
reine
Vernunft
bloß
mit der
absoluten
Totalität
dieser
Synthesis
,
d.i.
mit
derjenigen
Bedingung
, die selbst
unbedingt
ist. Auf diese
Einteilung
gründet
sich auch der
dreifache
transzendentale
Schein
, der zu drei
Abschnitten
der
Dialektik
Anlaß
gibt
, und zu
ebensoviel
scheinbaren
Wissenschaften
aus
reiner
Vernunft
, der
transzendentalen
Psychologie
,
Kosmologie
und
Theologie
, die
Idee
an die
Hand
gibt
. Wir haben es hier nur mit der
ersteren
zu tun.
Weil wir beim
Denken
überhaupt
von aller
Beziehung
des
Gedankens
auf irgendein
Objekt
(es
sei
der
Sinne
oder des
reinen
Verstandes
)
abstrahieren
: so ist die
Synthesis
der
Bedingungen
eines
Gedankens
überhaupt
(
no
.1)
gar
nicht
objektiv
,
sondern
bloß
eine
Synthesis
des
Gedankens
mit dem
Subjekt
, die aber
fälschlich
für
eine
synthetische
Vorstellung
eines
Objekts
gehalten
wird.
Es
folgt
aber auch
hieraus
: daß der
dialektische
Schluß
auf die
Bedingungen
alles
Denkens
überhaupt
, die selbst
unbedingt
ist, nicht einen
Fehler
im
Inhalte
begehe
, (
denn
er
abstrahiert
von allem
Inhalte
oder
Objekte
)
sondern
, daß er allein in der
Form
fehle
und
Paralogism
genannt
werden
müsse
.
Weil ferner die
einzige
Bedingung
, die alles
Denken
begleitet
, das Ich, in dem
allgemeinen
Satze
Ich
denke
, ist, so hat die
Vernunft
es mit dieser
Bedingung
,
sofern
sie selbst
unbedingt
ist, zu tun. Sie ist aber nur die
formale
Bedingung
,
nämlich
die
logische
Einheit
eines
jeden
Gedankens
, bei dem ich von allem
Gegenstande
abstrahiere
, und wird
gleichwohl
als ein
Gegenstand
, den ich
denke
,
nämlich
: Ich selbst und die
unbedingte
Einheit
desselben
vorgestellt
.
Wenn mir
jemand
überhaupt
die
Frage
aufwürfe
: von
welcher
Beschaffenheit
ist ein
Ding
,
welches
denkt
? so
weiß
ich darauf
a
priori
nicht das
mindeste
zu
antworten
, weil die
Antwort
synthetisch
sein
soll
(
denn
eine
analytische
erklärt
vielleicht
wohl
das
Denken
, aber
gibt
keine
erweiterte
Erkenntnis
von
demjenigen
,
worauf
dieses
Denken
seiner
Möglichkeit
nach
beruht
). Zu jeder
synthetischen
Auflösung
aber wird
Anschauung
erfordert
, die in der so
allgemeinen
Aufgabe
gänzlich
weggelassen
worden
.
Ebenso
kann niemand die
Frage
in ihrer
Allgemeinheit
beantworten
: was
wohl
das
für
ein
Ding
sein
müsse
,
welches
beweglich
ist?
Denn
die
undurchdringliche
Ausdehnung
(
Materie
) ist
alsdann
nicht
gegeben
. Ob ich nun zwar
allgemein
auf
jene
Frage
keine
Antwort
weiß
: so
scheint
es mir doch, daß ich sie im
einzelnen
Falle
, in dem
Satze
, der das
Selbstbewußtsein
ausdrückt
: Ich
denke
,
geben
könne
.
Denn
dieses Ich ist das
erste
Subjekt
,
d.i.
Substanz
, es ist
einfach
usw
. Dieses
müßten
aber
alsdann
lauter
Erfahrungssätze
sein
, die
gleichwohl
ohne eine
allgemeine
Regel
,
welche
die
Bedingungen
der
Möglichkeit
zu
denken
überhaupt
und
a
priori
aussagte
, keine
dergleichen
Prädikate
(
welche
nicht
empirisch
sind)
enthalten
könnte
. Auf solche
Weise
wird mir meine
anfänglich
so
scheinbare
Einsicht
, über der
Natur
eines
denkenden
Wesens
, und zwar aus
lauter
Begriffen
zu
urteilen
,
verdächtig
, ob ich
gleich
den
Fehler
derselben
noch nicht
entdeckt
habe.
Allein, das
weitere
Nachforschen
hinter den
Ursprung
dieser
Attribute
, die ich Mir, als einem
denkenden
Wesen
überhaupt
,
beilege
, kann diesen
Fehler
aufdecken
. Sie sind nichts mehr als
reine
Kategorien
,
wodurch
ich
niemals
einen
bestimmten
Gegenstand
,
sondern
nur die
Einheit
der
Vorstellungen
, um einen
Gegenstand
derselben
zu
bestimmen
,
denke
. Ohne eine zum
Grunde
liegende
Anschauung
kann die
Kategorie
allein mir
keinen
Begriff
von einem
Gegenstande
verschaffen
,
denn
nur durch
Anschauung
wird der
Gegenstand
gegeben
, der
hernach
der
Kategorie
gemäß
gedacht
wird. Wenn ich ein
Ding
für
eine
Substanz
in der
Erscheinung
erkläre
, so
müssen
mir
vorher
Prädikate
seiner
Anschauung
gegeben
sein
, an denen ich das
Beharrliche
vom
Wandelbaren
und das
Substratum
(
Ding
selbst) von
demjenigen
, was
ihm
bloß
anhängt
,
unterscheide
. Wenn ich ein
Ding
einfach
in der
Erscheinung
nenne
, so
verstehe
ich darunter, daß die
Anschauung
desselben
zwar ein
Teil
der
Erscheinung
sei
, selbst aber nicht
geteilt
werden
könne
usw
. Ist aber etwas nur
für
einfach
im
Begriffe
und nicht in der
Erscheinung
erkannt
, so habe ich
dadurch
wirklich
gar
keine
Erkenntnis
von dem
Gegenstande
,
sondern
nur von
meinem
Begriffe
, den ich mir von etwas
überhaupt
mache
, daß keiner
eigentlichen
Anschauung
fähig
ist. Ich
sage
nur, daß ich etwas
ganz
einfach
denke
, weil ich
wirklich
nichts weiter, als
bloß
, daß es etwas
sei
, zu
sagen
weiß
.
Nun ist die
bloße
Apperzeption
(Ich)
Substanz
im
Begriffe
,
einfach
im
Begriffe
usw
. und so haben alle
jene
psychologischen
Lehrsätze
ihre
unstreitige
Richtigkeit
.
Gleichwohl
wird
dadurch
doch
dasjenige
keineswegs
von der
Seele
erkannt
, was man
eigentlich
wissen
will,
denn
alle diese
Prädikate
gelten
gar
nicht von der
Anschauung
, und
können
daher auch keine
Folgen
haben, die auf
Gegenstände
der
Erfahrung
angewandt
würden
,
mithin
sind sie
völlig
leer
.
Denn
jener
Begriff
der
Substanz
lehrt
mich nicht: daß die
Seele
für
sich selbst
fortdaure
, nicht, daß sie von den
äußeren
Anschauungen
ein
Teil
sei
, der selbst nicht mehr
geteilt
werden
könne
, und der also durch keine
Veränderungen
der
Natur
entstehen
, oder
vergehen
könne
;
lauter
Eigenschaften
, die mir die
Seele
im
Zusammenhange
der
Erfahrung
kennbar
machen
, und, in
Ansehung
ihres
Ursprungs
und
künftigen
Zustandes
,
Eröffnung
geben
könnten
. Wenn ich nun aber durch
bloße
Kategorie
sage
: die
Seele
ist eine
einfache
Substanz
, so ist
klar
, daß,
da
der
nackte
Verstandesbegriff
von
Substanz
nichts weiter
enthält
, als daß ein
Ding
, als
Subjekt
an sich, ohne
wiederum
Prädikat
von einem
andern
zu
sein
,
vorgestellt
werden
solle
, daraus nichts von
Beharrlichkeit
folge
, und das
Attribut
des
Einfachen
diese
Beharrlichkeit
gewiß
nicht
hinzusetzen
könne
,
mithin
man
dadurch
über das, was die
Seele
bei den
Weltveränderungen
treffen
könne
, nicht im
mindesten
unterrichtet
werde
.
Würde
man uns
sagen
können
, sie ist ein
einfacher
Teil
der
Materie
,
würden
wir von dieser, aus dem, was
Erfahrung
von ihr
lehrt
, die
Beharrlichkeit
und, mit der
einfachen
Natur
zusammen
, die
Unzerstörlichkeit
derselben
ableiten
können
. Davon
sagt
uns aber der
Begriff
des Ich, in dem
psychologischen
Grundsatze
(Ich
denke
), nicht ein
Wort
.
Daß aber das
Wesen
,
welches
in uns
denkt
, durch
reine
Kategorien
, und zwar
diejenigen
,
welche
die
absolute
Einheit
unter jedem
Titel
derselben
ausdrücken
, sich selbst zu
erkennen
vermeine
,
rührt
daher. Die
Apperzeption
ist selbst der
Grund
der
Möglichkeit
der
Kategorien
,
welche
ihrerseits
nichts
anderes
vorstellen
, als die
Synthesis
des
Mannigfaltigen
der
Anschauung
,
sofern
dasselbe
in der
Apperzeption
Einheit
hat. Daher ist das
Selbstbewußtsein
überhaupt
die
Vorstellung
desjenigen
, was die
Bedingung
aller
Einheit
, und doch selbst
unbedingt
ist. Man kann daher von dem
denkenden
Ich (
Seele
), das sich als
Substanz
,
einfach
,
numerisch
identisch
in aller
Zeit
, und das
Korrelatum
alles
Daseins
, aus
welchem
alles
andere
Dasein
geschlossen
werden
muß
,
sagen
: daß es nicht sowohl sich selbst durch die
Kategorien
,
sondern
die
Kategorien
, und durch sie alle
Gegenstände
, in der
absoluten
Einheit
der
Apperzeption
,
mithin
durch sich selbst
erkennt
. Nun ist zwar sehr
einleuchtend
: daß ich
dasjenige
, was ich
voraussetzen
muß
, um
überhaupt
ein
Objekt
zu
erkennen
, nicht selbst als
Objekt
erkennen
könne
, und daß das
bestimmende
Selbst, (das
Denken
) von dem
bestimmbaren
Selbst (dem
denkenden
Subjekt
), wie
Erkenntnis
vom
Gegenstande
unterschieden
sei
.
Gleichwohl
ist nichts
natürlicher
und
verführerischer
, als der
Schein
, die
Einheit
in der
Synthesis
der
Gedanken
für
eine
wahrgenommene
Einheit
im
Subjekte
dieser
Gedanken
zu
halten
. Man
könnte
ihn
die
Subreption
des
hypostasierten
Bewußtseins
(
apperceptiones
substantiatae
)
nennen
.
Wenn man den
Paralogism
in den
dialektischen
Vernunftschlüssen
der
rationalen
Seelenlehre
,
sofern
sie
gleichwohl
richtige
Prämissen
haben,
logisch
betiteln
will: so kann er
für
ein
sophisma
figurae
dictionis
gelten
, in
welchem
der
Obersatz
von der
Kategorie
, in
Ansehung
ihrer
Bedingung
, einen
bloß
transzendentalen
Gebrauch
, der
Untersatz
aber und der
Schlußsatz
in
Ansehung
der
Seele
, die unter diese
Bedingung
subsumiert
worden
, von
ebender
Kategorie
einen
empirischen
Gebrauch
macht
. So ist
z
.
B
. der
Begriff
der
Substanz
in dem
Paralogismus
der
Simplizität
ein
rein
intellektueller
Begriff
, der ohne
Bedingungen
der
sinnlichen
Anschauung
bloß
von
transzendentalen
,
d.i.
von
gar
keinem
Gebrauch
ist. Im
Untersatze
aber ist
ebenderselbe
Begriff
auf den
Gegenstand
aller
inneren
Erfahrung
angewandt
, ohne doch die
Bedingung
seiner
Anwendung
in
concreto
,
nämlich
die
Beharrlichkeit
desselben
,
voraus
festzusetzen
und zum
Grunde
zu
legen
, und daher ein
empirischer
,
obzwar
hier
unzulässiger
Gebrauch
davon
gemacht
worden
.
Um
endlich
den
systematischen
Zusammenhang
aller dieser
dialektischen
Behauptungen
, in einer
vernünftelnden
Seelenlehre
, in einem
Zusammenhange
der
reinen
Vernunft
,
mithin
die
Vollständigkeit
derselben
, zu
zeigen
, so
merke
man: daß die
Apperzeption
durch alle
Klassen
der
Kategorien
, aber nur auf
diejenigen
Verstandesbegriffe
durchgeführt
werde
,
welche
in jeder
derselben
den
übrigen
zum
Grunde
der
Einheit
in einer
möglichen
Wahrnehmung
liegen
,
folglich
:
Subsistenz
,
Realität
,
Einheit
(nicht
Vielheit
) und
Existenz
, nur daß die
Vernunft
sie hier alle als
Bedingungen
der
Möglichkeit
eines
denkenden
Wesens
, die selbst
unbedingt
sind,
vorstellt
. Also
erkennt
die
Seele
an sich selbst
1. Die
unbedingte
Einheit
des
Verhältnisses
d
.
i
.
sich selbst, nicht als
inhärierend
,
sondern
subsistierend
2. Die
unbedingte
Einheit
der
Qualität
d
.
i
.
nicht als
reales
Ganze
,
sondern
einfach
20
3. Die
unbedingte
Einheit
bei der
Vielheit
in der
Zeit
,
d
.
i
.
nicht in
verschiedenen
Zeiten
numerisch
verschieden,
sondern
als Eines und
eben
dasselbe
Subjekt
4. Die
unbedingte
Einheit
dem
Daseins
im
Raume
,
d
.
i
.
nicht als das
Bewußtsein
mehrerer
Dinge
außer
ihr,
sondern
nur des
Daseins
ihrer selbst,
anderer
Dinge
aber,
bloß
als ihrer
Vorstellungen
.
Vernunft
ist das
Vermögen
der
Prinzipien
. Die
Behauptungen
der
reinen
Psychologie
enthalten
nicht
empirische
Prädikte
von der
Seele
,
sondern
solche, die, wenn sie
stattfinden
, den
Gegenstand
an sich selbst
unabhängig
von der
Erfahrung
,
mithin
durch
bloße
Vernunft
bestimmen
sollen
. Sie
müßten
also
billig
auf
Prinzipien
und
allgemeine
Begriffe
von
denkenden
Naturen
überhaupt
gegründet
sein
. An dessen Statt
findet
sich: daß die
einzelne
Vorstellung
, Ich bin, sie
insgesamt
regiert
,
welche
eben
darum, weil sie die
reine
Formel
aller meiner
Erfahrung
(
unbestimmt
)
ausdrückt
, sich wie ein
allgemeiner
Satz
, der
für
alle
denkenden
Wesen
gelte
,
ankündigt
, und,
da
er
gleichwohl
in aller
Absicht
einzeln
ist, den
Schein
einer
absoluten
Einheit
der
Bedingungen
des
Denkens
überhaupt
bei sich
führt
, und
dadurch
sich weiter
ausbreitet
, als
mögliche
Erfahrung
reichen
könnte
.
20
Wie das
Einfache
hier
wiederum
der
Kategorie
der
Realität
entspreche
, kann ich jetzt noch nicht
zeigen
,
sondern
wird im
folgenden
Hauptstücke
, bei
Gelegenheit
eines
andern
Vernunftgebrauchs
ebendesselben
Begriffs
,
gewiesen
werden.
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