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Immanuel Kant
Kritik der reinen Vernunft (1781)
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Vorrede
Die
menschliche
Vernunft
hat das
besondere
Schicksal
in einer
Gattung
ihrer
Erkenntnisse
: daß sie durch
Fragen
belästigt
wird, die sie nicht
abweisen
kann;
denn
sie sind ihr durch die
Natur
der
Vernunft
selbst
aufgegeben
, die sie aber auch nicht
beantworten
kann;
denn
sie
übersteigen
alles
Vermögen
der
menschlichen
Vernunft
.
In diese
Verlegenheit
gerät
sie ohne ihre
Schuld
. Sie
fängt
von
Grundsätzen
an, deren
Gebrauch
im
Laufe
der
Erfahrung
unvermeidlich
und
zugleich
durch diese
hinreichend
bewährt
ist. Mit diesem
steigt
sie (wie es auch ihre
Natur
mit sich
bringt
) immer
höher
, zu
entfernteren
Bedingungen
.
Da
sie aber
gewahr
wird, daß auf diese
Art
ihr
Geschäft
jederzeit
unvollendet
bleiben
müsse
, weil die
Fragen
niemals
aufhören
, so
sieht
sie sich
genötigt
, zu
Grundsätzen
ihre
Zuflucht
zu
nehmen
, die
allen
möglichen
Erfahrungsgebrauch
überschreiten
und
gleichwohl
so
unverdächtig
scheinen
, daß auch die
gemeine
Menschenvernunft
damit im
Einverständnisse
steht
.
Dadurch
aber
stürzt
sie sich in
Dunkelheit
und
Widersprüche
, aus
welchen
sie zwar
abnehmen
kann, daß irgendwo
verborgene
Irrtümer
zum
Grunde
liegen
müssen
, die sie aber nicht
entdecken
kann, weil die
Grundsätze
, deren die sich
bedient
,
da
sie über die
Grenze
aller
Erfahrung
hinausgehen
,
keinen
Probierstein
der
Erfahrung
mehr
anerkennen
. Der
Kampfplatz
dieser
endlosen
Streitigkeiten
heißt
nun
Metaphysik
.
Es war eine
Zeit
, in
welcher
sie die
Königin
aller
Wissenschaften
genannt
wurde
, und wenn man den
Willen
für
die
Tat
nimmt
, so
verdiente
sie, wegen der
vorzüglichen
Wichtigkeit
ihres
Gegenstandes
,
allerdings
diesen
Ehrennamen
. Jetzt
bringt
es der
Modeton
des
Zeitalters
so mit sich, ihre alle
Verachtung
zu
beweisen
und die
Matrone
klagt
,
verstoßen
und
verlassen
, wie
Hecuba
:
modo
maxima
rerum
,
tot
generis
natisque
potens
-
nunc
trahor
exul
,
inops
-
Ovid
.
Metam
.
Anfänglich
war ihre
Herrschaft
unter der
Verwaltung
der
Dogmatiker
,
despotisch
. Allein, weil die
Gesetzgebung
noch die
Spur
der
alten
Barbarei
an sich hatte, so
artete
sie durch
innere
Kriege
nach und nach in
völlige
Anarchie
aus und die
Skeptiker
, eine
Art
Nomaden
, die
allen
beständigen
Anbau
des
Bodens
verabscheuen
,
zertrennten
von
Zeit
zu
Zeit
die
bürgerliche
Vereinigung
.
Da
ihrer aber zum
Glück
nur wenige
waren
, so
konnten
sie nicht
hindern
, daß
jene
sie nicht immer aufs
neue
, obgleich nach
keinem
unter sich
einstimmigen
Plane
, wieder
anzubauen
versuchten
. In
neueren
Zeiten
schien
es zwar
einmal
, als
sollte
allen
diesen
Streitigkeiten
durch eine
gewisse
Physiologie
des
menschlichen
Verstandes
(von dem
berühmten
Locke
) ein
Ende
gemacht
und die
Rechtmäßigkeit
jener
Ansprüche
völlig
entschieden
werden; es
fand
sich aber, daß, obgleich die
Geburt
jener
vorgegebenen
Königin
aus dem
Pöbel
der
gemeinen
Erfahrung
abgeleitet
wurde
und
dadurch
ihre
Anmaßung
mit
Recht
hätte
verdächtig
werden
müssen
,
dennoch
, weil diese
Genealogie
ihr in der
Tat
fälschlich
angedichtet
war, sie ihre
Ansprüche
noch immer
behauptete
,
wodurch
alles
wiederum
in den
veralteten
wurmstichigen
Dogmatismus
und daraus in die
Geringschätzung
verfiel
, daraus man die
Wissenschaft
hatte
ziehen
wollen
. Jetzt, nachdem alle
Wege
(wie man sich
überredet
)
vergeblich
versucht
sind,
herrscht
Überdruß
und
gänzlicher
Indifferentismus
, die
Mutter
des
Chaos
und der
Nacht
, in
Wissenschaften
, aber doch
zugleich
der
Ursprung
,
wenigstens
das
Vorspiel
einer
nahen
Umschaffung
und
Aufklärung
derselben
, wenn sie durch
übel
angebrachten
Fleiß
dunkel
,
verwirrt
und
unbrauchbar
geworden
.
Es ist
nämlich
umsonst
,
Gleichgültigkeit
in
Ansehung
solcher
Nachforschungen
erkünsteln
zu
wollen
, deren
Gegenstand
der
menschlichen
Natur
nicht
gleichgültig
sein
kann. Auch
fallen
jene
vorgeblichen
Indifferentisten
, so sehr sie sich auch durch die
Veränderung
der
Schulsprache
in einem
populären
Tone
unkenntlich
zu
machen
gedenken
,
wofern
sie nur
überall
etwas
denken
, in
metaphysische
Behauptungen
unvermeidlich
zurück
, gegen die sie doch so viel
Verachtung
vorgaben
.
Indessen
ist diese
Gleichgültigkeit
, die sich
mitten
in dem
Flor
aller
Wissenschaften
ereignet
und
gerade
diejenigen
trifft
, auf deren
Kenntnisse
, wenn
dergleichen
zu haben
wären
, man unter
allen
am
wenigsten
Verzicht
tun
würde
, doch ein
Phänomen
, das
Aufmerksamkeit
und
Nachsinnen
verdient
. Sie ist
offenbar
die
Wirkung
nicht des
Leichtsinns
,
sondern
der
gereiften
Urteilskraft
1
des
Zeitalters
,
welches
sich nicht
länger
durch
Scheinwissen
hinhalten
läßt
und eine
Aufforderung
an die
Vernunft
, das
beschwerlichste
aller ihrer
Geschäfte
,
nämlich
das der
Selbsterkenntnis
aufs
neue
zu
übernehmen
und einen
Gerichtshof
einzusetzen
, der sie bei ihren
gerechten
Ansprüchen
sichere
,
dagegen
aber alle
grundlosen
Anmaßungen
, nicht durch
Machtsprüche
,
sondern
nach ihren
ewigen
und
unwandelbaren
Gesetzen
,
abfertigen
könne
, und dieser ist kein anderer als die
Kritik
der
reinen
Vernunft
selbst.
Ich
verstehe
aber
hierunter
nicht eine
Kritik
der
Bücher
und
Systeme
,
sondern
die des
Vernunftvermögens
überhaupt
, in
Ansehung
aller
Erkenntnisse
, zu denen sie,
unabhängig
von aller
Erfahrung
,
streben
mag
,
mithin
die
Entscheidung
der
Möglichkeit
oder
Unmöglichkeit
einer
Metaphysik
überhaupt
und die
Bestimmung
sowohl der
Quellen
, als des
Umfanges
und der
Grenzen
derselben
, alles aber aus
Prinzipien
.
Diesen
Weg
, den
einzigen
, der
übrig
gelassen
war, bin ich nun
eingeschlagen
und
schmeichle
mir, auf demselben die
Abstellung
aller
Irrungen
angetroffen
zu haben, die
bisher
die
Vernunft
im
erfahrungsfreien
Gebrauche
mit sich selbst
entzweit
hatten. Ich bin ihren
Fragen
nicht
dadurch
etwa
ausgewichen
, daß ich mich mit dem
Unvermögen
der
menschlichen
Vernunft
entschuldigte
;
sondern
ich habe sie nach
Prinzipien
vollständig
spezifiziert
und, nachdem ich den
Punkt
des
Mißverstandes
der
Vernunft
mit ihr selbst
entdeckt
hatte, sie zu ihrer
völligen
Befriedigung
aufgelöst
. Zwar ist die
Beantwortung
jener
Fragen
gar
nicht so
ausgefallen
, als
dogmatisch
schwärmende
Wißbegierde
erwarten
mochte
;
denn
die
könnte
nicht anders als durch
Zauberkräfte
, darauf ich mich nicht
verstehe
,
befriedigt
werden. Allein, das war auch
wohl
nicht die
Absicht
der
Naturbestimmung
unserer
Vernunft
; und die
Pflicht
der
Philosophie
war: das
Blendwerk
, das aus
Mißdeutung
entsprang
,
aufzuheben
,
sollte
auch noch soviel
gepriesener
und
beliebter
Wahn
dabei zu
nichte
gehen
. In dieser
Beschäftigung
habe ich
Ausführlichkeit
mein
großes
Augenmerk
sein
lassen
und ich
erkühne
mich zu
sagen
, daß nicht eine
einzige
metaphysische
Aufgabe
sein
müsse
, die hier nicht
aufgelöst
, oder zu deren
Auflösung
nicht
wenigstens
der
Schlüssel
dargereicht
worden
. In der
Tat
ist auch
reine
Vernunft
eine so
vollkommene
Einheit
: daß, wenn das
Prinzip
derselben
auch nur zu einer
einzigen
aller der
Fragen
, die ihr durch ihre eigene
Natur
aufgegeben
sind,
unzureichend
wäre
, man dieses
immerhin
nur
wegwerfen
könnte
, weil es
alsdann
auch keiner der
übrigen
mit
völliger
Zuverlässigkeit
gewachsen
sein
würde
.
Ich
glaube
,
indem
ich dieses
sage
, in dem
Gesichte
des
Lesers
einen mit
Verachtung
gemischten
Unwillen
über, dem
Anscheine
nach, so
ruhmredige
und
unbescheidene
Ansprüche
wahrzunehmen
, und
gleichwohl
sind sie ohne
Vergleichung
gemäßigter
, als die, eines
jeden
Verfassers
des
gemeinsten
Programms
, der darin etwa die
einfache
Natur
der
Seele
, oder die
Notwendigkeit
eines
ersten
Weltanfanges
zu
beweisen
vorgibt
.
Denn
dieser
macht
sich
anheischig
, die
menschliche
Erkenntnis
über alle
Grenzen
möglicher
Erfahrung
hinaus zu
erweitern
,
wovon
ich
demütig
gestehe
: daß dieses mein
Vermögen
gänzlich
übersteige
, an dessen Statt ich es
lediglich
mit der
Vernunft
selbst und ihrem
reinen
Denken
zu tun habe, nach deren
ausführlicher
Kenntnis
ich nicht
weit
um mich
suchen
darf
, weil ich sie in mir selbst
antreffe
und
wovon
mir auch schon die
gemeine
Logik
ein
Beispiel
gibt
, daß sich alle ihre
einfachen
Handlungen
völlig
und
systematisch
aufzählen
lassen
; nur daß hier die
Frage
aufgeworfen
wird, wieviel ich mit
derselben
, wenn mir aller
Stoff
und
Beistand
der
Erfahrung
genommen
wird, etwa
auszurichten
hoffen
dürfe
.
So viel von der
Vollständigkeit
in
Erreichung
eines
jeden
, und der
Ausführlichkeit
in
Erreichung
aller
Zwecke
zusammen
, die nicht ein
beliebiger
Vorsatz
,
sondern
die
Natur
der
Erkenntnis
selbst uns
aufgibt
, als der
Materie
unserer
kritischen
Untersuchung
.
Noch sind
Gewißheit
und
Deutlichkeit
zwei
Stücke
, die die
Form
derselben
betreffen
, als
wesentliche
Forderungen
anzusehen
, die man an den
Verfasser
, der sich an eine so
schlüpfrige
Unternehmung
wagt
, mit
Recht
tun kann.
Was nun die
Gewißheit
betrifft
, so habe ich mir selbst das
Urteil
gesprochen
: daß es in dieser
Art
von
Betrachtungen
auf keine
Weise
erlaubt
sei
, zu meinen und daß alles, was darin einer
Hypothese
nur
ähnlich
sieht
,
verbotene
Ware
sei
, die auch nicht
für
den
geringsten
Preis
feil
stehen
darf
,
sondern
sobald
sie
entdeckt
wird,
beschlagen
werden
muß
.
Denn
das
kündigt
eine jede
Erkenntnis
, die
a
priori
feststehen
soll
, selbst an, daß sie
für
schlechthin
notwendig
gehalten
werden will, und eine
Bestimmung
aller
reinen
Erkenntnisse
a
priori
noch
vielmehr
, die das
Richtmaß
,
mithin
selbst das
Beispiel
aller
apodiktischen
(
philosophischen
)
Gewißheit
sein
soll
. Ob ich nun das, wozu ich mich
anheischig
mache
in diesem
Stücke
geleistet
habe, das
bleibt
gänzlich
dem
Urteile
des
Lesers
anheimgestellt
, weil es dem
Verfasser
nur
geziemt
,
Gründe
vorzulegen
, nicht aber über die
Wirkung
derselben
bei seinen
Richtern
zu
urteilen
. Damit aber nicht etwas
unschuldigerweise
an der
Schwächung
derselben
Ursache
sei
, so
mag
es
ihm
wohl
erlaubt
sein
,
diejenigen
Stellen
, die zu
einigem
Mißtrauen
Anlaß
geben
könnten
, ob sie
gleich
nur den
Nebenzweck
angehen
, selbst
anzumerken
, um den
Einfluß
, den auch nur die
mindeste
Bedenklichkeit
des
Lesers
in diesem
Punkte
auf
sein
Urteil
, in
Ansehung
des
Hauptzwecks
, haben
möchte
,
beizeiten
abzuhalten
.
Ich
kenne
keine
Untersuchungen
, die zur
Ergründung
des
Vermögens
,
welches
wir
Verstand
nennen
, und
zugleich
zur
Bestimmung
der
Regeln
und
Grenzen
seines
Gebrauchs
,
wichtiger
wären
, als die,
welche
ich in dem
zweiten
Hauptstücke
der
transszendentalen
Analytik
, unter dem
Titel
der
Deduktion
der
reinen
Verstandesbegriffe
,
angestellt
habe; auch haben sie mir die
meiste
, aber, wie ich
hoffe
, nicht
unvergoltene
Mühe
,
gekostet
. Diese
Betrachtung
, die etwas
tief
angelegt
ist, hat aber zwei
Seiten
. Die eine
bezieht
sich auf die
Gegenstände
des
reinen
Verstandes
, und
soll
die
objektive
Gültigkeit
seiner
Begriffe
a
priori
dartun
und
begreiflich
machen
;
eben
darum ist sie auch
wesentlich
zu meinen
Zwecken
gehörig
. Die
andere
geht
darauf aus, den
reinen
Verstand
selbst, nach seiner
Möglichkeit
und den
Erkenntniskräften
, auf denen er selbst
beruht
,
mithin
ihn
in
subjektiver
Beziehung
zu
betrachten
und, obgleich diese
Erörterung
in
Ansehung
meiner
Hauptzwecks
von
großer
Wichtigkeit
ist, so
gehört
sie doch nicht
wesentlich
zu demselben; weil die
Hauptfrage
immer
bleibt
, was und wie viel kann
Verstand
und
Vernunft
,
frei
von aller
Erfahrung
,
erkennen
und nicht, wie ist das
Vermögen
zu
denken
selbst
möglich
?
Da
das
letztere
gleichsam
eine
Aufsuchung
der
Ursache
zu einer
gegebenen
Wirkung
ist, und
insofern
etwas einer
Hypothese
Ähnliches
an sich hat, (ob es
gleich
, wie ich bei anderer
Gelegenheit
zeigen
werde
, sich in der
Tat
nicht so
verhält
), so
scheint
es, als
sei
hier der
Fall
,
da
ich mir die
Erlaubnis
nehme
, zu meinen, und dem
Leser
also auch
freistehen
müsse
, anders zu meinen. In
Betracht
dessen
muß
ich dem
Leser
mit der
Erinnerung
zuvorkommen
; daß, im
Fall
meine
subjektive
Deduktion
nicht die
ganze
Überzeugung
, die ich
erwarte
, bei
ihm
gewirkt
hätte, doch die
objektive
, um die es mir hier
vornehmlich
zu tun ist, ihre
ganze
Stärke
bekomme
, wozu
allenfalls
dasjenige
, was
Seite92
bis93
gesagt
wird, allein
hinreichend
,
sein
kann.
Was
endlich
die
Deutlichkeit
betrifft
, so hat der
Leser
ein
Recht
,
zuerst
die
diskursive
(
logische
)
Deutlichkeit
, durch
Begriffe
, dann aber auch eine
intuitive
(
ästhetische
)
Deutlichkeit
, durch
Anschauungen
,
d.i.
Beispiele
oder
andere
Erläuterungen
in
concreto
zu
fordern
.
Für
die
erste
habe ich
hinreichend
gesorgt
. Das
betraf
das
Wesen
meines
Vorhabens
, war aber auch die
zufällige
Ursache
, daß ich der
zweiten
,
obzwar
nicht so
strengen
, aber doch
billigen
Forderung
nicht habe
Genüge
leisten
können
. Ich bin fast
beständig
im
Fortgange
meiner
Arbeit
unschlüssig
gewesen
, wie ich es hiermit
halten
sollte
.
Beispiele
und
Erläuterungen
schienen
mir immer
nötig
und
flossen
daher auch
wirklich
im
ersten
Entwurfe
an ihren
Stellen
gehörig
ein. Ich
sah
aber die
Größe
meiner
Aufgabe
und die
Menge
der
Gegenstände
, womit ich es zu tun haben
würde
,
gar
bald
ein und,
da
ich
gewahr
ward
, daß diese
ganz
allein, im
trockenen
,
bloß
scholastischen
Vortrage
, das
Werk
schon genug
ausdehnen
würden
, so
fand
ich es
unratsam
, es durch
Beispiele
und
Erläuterungen
, die nur in
populärer
Absicht
notwendig
sind, noch mehr
anzuschwellen
,
zumal
diese
Arbeit
keineswegs
dem
populären
Gebrauche
angemessen
werden
könnte
und die
eigentlichen
Kenner
der
Wissenschaft
diese
Erleichterung
nicht so
nötig
haben, ob sie zwar
jederzeit
angenehm
ist, hier aber sogar etwas
Zweckwidriges
nach sich
ziehen
konnte.
Abt
Terrasson
sagt
zwar: wenn man die
Größe
eines
Buchs
nicht nach der
Zahl
der
Blätter
,
sondern
nach der
Zeit
mißt
, die man
nötig
hat, es zu
verstehen
, so
könne
man von
manchem
Buche
sagen
: daß es viel
kürzer
sein
würde
, wenn es nicht so
kurz
wäre
.
Andererseits
aber, wenn man auf die
Faßlichkeit
eines
weitläufigen
,
dennoch
aber in einem
Prinzip
zusammenhängenden
Ganzen
spekulativer
Erkenntnis
seine
Absicht
richtet
,
könnte
man mit
eben
so
gutem
Rechte
sagen
:
manches
Buch
wäre
viel
deutlicher
geworden
, wenn es nicht so
gar
deutlich
hätte werden
sollen
.
Denn
die
Hülfsmittel
der
Deutlichkeit
fehlen
zwar in
Teilen
,
zerstreuen
aber
öfters
im
Ganzen
,
indem
sie den
Leser
nicht
schnell
genug zur
Überschauung
des
Ganzen
gelangen
lassen
und durch alle ihre
hellen
Farben
gleichwohl
die
Artikulation
, oder den
Gliederbau
des
Systems
verkleben
und
unkenntlich
machen
, auf den es doch, um über die
Einheit
und
Tüchtigkeit
desselben
urteilen
zu
können
, am
meisten
ankommt
.
Es kann, wie mich
dünkt
, dem
Leser
zu nicht
geringer
Anlockung
dienen
, seine
Bemühung
mit der des
Verfassers
, zu
vereinigen
, wenn er die
Aussicht
hat, ein
großes
und
wichtiges
Werk
, nach dem
vorgelegten
Entwurfe
,
ganz
und doch
dauerhaft
zu
vollführen
. Nun ist
Metaphysik
, nach den
Begriffen
, die wir hier davon
geben
werden, die
einzige
aller
Wissenschaften
, die sich eine solche
Vollendung
und zwar in
kurzer
Zeit
, und mit nur
weniger
, aber
vereinigter
Bemühung
,
versprechen
darf
, so daß nichts
für
die
Nachkommenschaft
übrig
bleibt
, als in der
didaktischen
Manier
alles nach ihren
Absichten
einzurichten
, ohne darum den
Inhalt
im
mindesten
vermehren
zu
können
.
Denn
es ist nichts als das
Inventarium
aller unserer
Besitze
durch
reine
Vernunft
,
systematisch
geordnet
. Es kann uns hier nichts
entgehen
, weil, was
Vernunft
gänzlich
aus sich selbst
hervorbringt
, sich nicht
verstecken
kann,
sondern
selbst durch
Vernunft
ans
Licht
gebracht
wird,
sobald
man nur das
gemeinschaftliche
Prinzip
desselben
entdeckt
hat. Die
vollkommene
Einheit
dieser
Art
Erkenntnisse
, und zwar aus
lauter
reinen
Begriffen
, ohne daß
irgend
etwas von
Erfahrung
, oder auch nur
besondere
Anschauung
, die zur
bestimmten
Erfahrung
leiten
sollte
, auf sie
einigen
Einfluß
haben kann, sie zu
erweitern
und zu
vermehren
,
machen
diese
unbedingte
Vollständigkeit
nicht allein
tunlich
,
sondern
auch
notwendig
.
Tecum
habita
et
noris
,
quam
sit
tibi
curta
supellex
.
Persius
.
Ein
solches
System
der
reinen
(
spekulativen
)
Vernunft
hoffe
ich unter dem
Titel
:
Metaphysik
der
Natur
, selbst zu
liefern
,
welches
, bei noch nicht der
Hälfte
der
Weitläufigkeit
,
dennoch
ungleich
reicheren
Inhalt
haben
soll
, als hier die
Kritik
, die
zuvörderst
die
Qellen
und
Bedingungen
ihrer
Möglichkeit
darlegen
mußte
, und einen
ganz
verwachsenen
Boden
zu
reinigen
und zu
ebnen
nötig
hatte. Hier
erwarte
ich an
meinem
Leser
die
Geduld
und
Unparteilichkeit
eines
Richters
, dort aber die
Willfähigkeit
und den
Beistand
eines
Mithelfers
;
denn
, so
vollständig
auch alle
Prinzipien
zu dem
System
in der
Kritik
vorgetragen
sind, so
gehört
zur
Ausführlichkeit
des
Systems
selbst doch noch, daß es auch an
keinen
abgeleiteten
Begriffen
mangle
, die man
a
priori
nicht in
Überschlag
bringen
kann,
sondern
die nach und nach
aufgesucht
werden
müssen
,
imgleichen
,
da
dort die
ganze
Synthesis
der
Begriffe
erschöpft
wurde
, so wird
überdem
hier
gefordert
, daß
eben
dasselbe
auch in
Ansehung
der
Analysis
geschehe
,
welches
alles
leicht
und mehr
Unterhaltung
als
Arbeit
ist.
Ich habe nur noch
einiges
in
Ansehung
des
Drucks
anzumerken
.
Da
der
Anfang
desselben
etwas
verspätet
war, so konnte ich nur etwa die
Hälfte
der
Aushängebogen
zu
sehen
bekommen
, in denen ich zwar einige, den
Sinn
aber nicht
verwirrende
Druckfehler
antreffe
,
außer
demjenigen
, der
S
.
379
,
Zeile4
von
unten
vorkommt
,
da
spezifisch
anstatt
skeptisch
gelesen
werden
muß
. Die
Antinomie
der
reinen
Vernunft
, von
Seite425
bis461
, ist so, nach
Art
einer
Tafel
,
angestellt
, daß alles, was zur
Thesis
gehört
, auf der
linken
, was aber zur
Antithesis
gehört
, auf der
rechten
Seite
immer
fortläuft
,
welches
ich darum so
anordnete
, damit
Satz
und
Gegensatz
desto
leichter
miteinander
verglichen
werden
könnte
.
1
Man
hört
hin und wieder
Klagen
über
Seichtigkeit
der
Denkungsart
unserer
Zeit
und den
Verfall
gründlicher
Wissenschaft
. Allein ich
sehe
nicht, daß die, deren
Grund
gut
gelegt
ist, als
Mathematik
,
Naturlehre
usw
. diesen
Vorwurf
im
mindesten
verdienen
,
sondern
vielmehr
den
alten
Ruhm
der
Gründlichkeit
behaupten
, in der
letzteren
aber sogar
übertreffen
.
Eben
derselbe
Geist
würde
sich nun auch in
anderen
Arten
von
Erkenntnis
wirksam
beweisen
,
wäre
nur
allererst
für
die
Berichtigung
ihrer
Prinzipien
gesorgt
worden
. In
Ermanglung
derselben
sind
Gleichgültigkeit
und
Zweifel
und
endlich
,
strenge
Kritik
,
vielmehr
Beweise
einer
gründlichen
Denkungsart
. Unser
Zeitalter
ist das
eigentliche
Zeitalter
der
Kritik
, der sich alles
unterwerfen
muß
.
Religion
, durch ihre
Heiligkeit
, und
Gesetzgebung
durch ihre
Majestät
,
wollen
sich
gemeiniglich
derselben
entziehen
. Aber
alsdann
erregen
sie
gerechten
Verdacht
wider sich und
können
auf
unverstellte
Achtung
nicht
Anspruch
machen
, die die
Vernunft
nur
demjenigen
bewilligt
, was ihre
freie
und
öffentliche
Prüfung
hat
aushalten
können
.
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