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Immanuel Kant
Kritik der reinen Vernunft (1781)
IntraText CT - Text
I. Transzendentale Elementarlehre
Zweiter Teil Die transzendentale Logik
Zweite Abteilung Die transzendentale Dialektik
Zweites Buch Von den dialektischen Schlüssen der reinen Vernunft
Zweites Hauptstück Die Antinomie der reinen Vernunft
Neunter Abschnitt Von dem empirischen Gebrauche des regulativen Prinzips der Vernunft, in Ansehung aller kosmologischen Ideen
Erläuterung der kosmologischen Idee einer Freiheit in Verbindung mit der allgemeinen Naturnotwendigkeit
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Erläuterung
der
kosmologischen
Idee
einer
Freiheit
in
Verbindung
mit der
allgemeinen
Naturnotwendigkeit
Ich habe
gut
gefunden
,
zuerst
den
Schattenriß
der
Auflösung
unseres
transzendentalen
Problems
zu
entwerfen
, damit man den
Gang
der
Vernunft
in
Auflösung
desselben
dadurch
besser
übersehen
möge
. Jetzt
wollen
wir die
Momente
ihrer
Entscheidung
, auf die es
eigentlich
ankommt
,
auseinander
setzen
, und jedes
besonders
in
Erwägung
ziehen
.
Das
Naturgesetz
, daß alles, was
geschieht
, eine
Ursache
habe, daß die
Kausalität
dieser
Ursache
,
d.i.
die
Handlung
,
da
sie in der
Zeit
vorhergeht
und in
Betracht
einer
Wirkung
, die
da
entstanden
, selbst nicht immer
gewesen
sein
kann,
sondern
geschehen
sein
muß
, auch ihre
Ursache
unter den
Erscheinungen
habe,
dadurch
sie
bestimmt
wird, und daß
folglich
alle
Begebenheiten
in einer
Naturordnung
empirisch
bestimmt
sind; dieses
Gesetz
, durch
welches
Erscheinungen
allererst
eine
Natur
ausmachen
und
Gegenstände
einer
Erfahrung
abgeben
können
, ist ein
Verstandesgesetz
, von
welchem
es unter
keinem
Vorwande
erlaubt
ist
abzugehen
, oder
irgend
eine
Erscheinung
davon
auszunehmen
; weil man sie sonst
außerhalb
aller
möglichen
Erfahrung
setzen
,
dadurch
aber von
allen
Gegenständen
möglicher
Erfahrung
unterscheiden
und sie zum
bloßen
Gedankendinge
und einem
Hirngespinst
machen
würde
.
Ob es aber
gleich
hierbei
lediglich
nach einer
Kette
von
Ursachen
aussieht
, die im
Regressus
zu ihren
Bedingungen
gar
keine
absolute
Totalität
verstattet
, so
hält
uns diese
Bedenklichkeit
doch
gar
nicht auf;
denn
sie ist schon in der
allgemeinen
Beurteilung
der
Antinomie
der
Vernunft
, wenn sie in der
Reihe
der
Erscheinungen
aufs
Unbedingte
ausgeht
,
gehoben
worden
. Wenn wir der
Täuschung
des
transzendentalen
Realismus
nachgeben
wollen
: so
bleibt
weder
Natur
, noch
Freiheit
übrig
. Hier ist nur die
Frage
: ob, wenn man in der
ganzen
Reihe
aller
Begebenheiten
lauter
Naturnotwendigkeit
anerkennt
, es doch
möglich
sei
,
eben
dieselbe
, die
einerseits
bloße
Naturwirkung
ist, doch
andererseits
als
Wirkung
aus
Freiheit
anzusehen
, oder ob zwischen diesen zwei
Arten
von
Kausalität
ein
gerader
Widerspruch
angetroffen
werde
.
Unter den
Ursachen
in der
Erscheinung
kann
sicherlich
nichts
sein
,
welches
eine
Reihe
schlechthin
und von selbst
anfangen
könnte
. Jede
Handlung
, als
Erscheinung
,
sofern
sie eine
Begebenheit
hervorbringt
, ist selbst
Begebenheit
, oder
Ereignis
,
welche
einen
anderen
Zustand
voraussetzt
, darin die
Ursache
angetroffen
werde
, und so ist alles, was
geschieht
, nur eine
Fortsetzung
der
Reihe
, und kein
Anfang
, der sich von selbst
zutrüge
, in
derselben
möglich
. Also sind alle
Handlungen
der
Naturursachen
in der
Zeitfolge
selbst
wiederum
Wirkungen
, die ihre
Ursachen
ebensowohl
in der
Zeitreihe
voraussetzen
. Eine
ursprüngliche
Handlung
,
wodurch
etwas
geschieht
, was
vorher
nicht war, ist von der
Kausalverknüpfung
der
Erscheinungen
nicht zu
erwarten
.
Ist es
denn
aber auch
notwendig
, daß, wenn die
Wirkungen
Erscheinungen
sind, die
Kausalität
ihrer
Ursache
, die (
nämlich
Ursache
) selbst auch
Erscheinung
ist,
lediglich
empirisch
sein
müsse
? und ist es nicht
vielmehr
möglich
, daß, obgleich zu jeder
Wirkung
in der
Erscheinung
eine
Verknüpfung
mit ihrer
Ursache
, nach
Gesetzen
der
empirischen
Kausalität
,
allerdings
erfordert
wird,
dennoch
diese
empirische
Kausalität
selbst, ohne ihren
Zusammenhang
mit den
Naturursachen
im
mindestens
zu
unterbrechen
, doch einer
Wirkung
einer
nichtempirischen
,
sondern
intelligiblen
Kausalität
sein
könne
?
d.i.
einer, in
Ansehung
der
Erscheinungen
,
ursprünglichen
Handlung
einer
Ursache
, die also
insofern
nicht
Erscheinung
,
sondern
diesem
Vermögen
nach
intelligibel
ist, ob sie
gleich
übrigens
gänzlich
, als ein
Glied
der
Naturkette
, mit zu der
Sinnenwelt
gezählt
werden
muß
.
Wir
bedürfen
des
Satzes
der
Kausalität
der
Erscheinungen
untereinander
, um von
Naturbegebenheiten
Naturbedingungen
,
d.i.
Ursachen
in der
Erscheinung
, zu
suchen
und
angeben
zu
können
. Wenn dieses
eingeräumt
und durch keine
Ausnahme
geschwächt
wird, so hat der
Verstand
, der bei seinem
empirischen
Gebrauche
in
allen
Ereignissen
nichts als
Natur
sieht
, und dazu auch
berechtigt
ist, alles, was er
fordern
kann, und die
physischen
Erklärungen
gehen
ihren
ungehinderten
Gang
fort
. Nun tut
ihm
das nicht den
mindesten
Abbruch
,
gesetzt
daß es
übrigens
auch
bloß
erdichtet
sein
sollte
, wenn man
annimmt
, daß unter den
Naturursachen
es auch
welche
gebe
, die ein
Vermögen
haben,
welches
nur
intelligibel
ist,
indem
die
Bestimmung
desselben
zur
Handlung
niemals
auf
empirischen
Bedingungen
,
sondern
auf
bloßen
Gründen
des
Verstandes
beruht
, so doch, daß die
Handlung
in der
Erscheinung
von dieser
Ursache
allen
Gesetzen
der
empirischen
Kausalität
gemäß
sei
.
Denn
auf diese
Art
würde
das
handelnde
Subjekt
, als
causa
phaenomenon
, mit der
Natur
in
unzertrennter
Abhängigkeit
aller ihrer
Handlungen
verkettet
sein
, und nur das
phaenomenon
, dieses
Subjekts
(mit aller
Kausalität
desselben
in der
Erscheinung
)
würde
gewisse
Bedingungen
enthalten
, die, wenn man von dem
empirischen
Gegenstande
zu dem
transzendentalen
aufsteigen
will, als
bloß
intelligibel
müßten
angesehen
werden.
Denn
wenn wir nur in dem, was unter den
Erscheinungen
die
Ursache
sein
mag
, der
Naturregel
folgen
: so
können
wir
darüber
unbekümmert
sein
, was in dem
transzendentalen
Subjekt
,
welches
uns
empirisch
unbekannt
ist,
für
ein
Grund
von diesen
Erscheinungen
und deren
Zusammenhange
gedacht
werde
. Dieser
intelligible
Grund
ficht
gar
nicht die
empirischen
Fragen
an,
sondern
betrifft
etwa
bloß
das
Denken
im
reinen
Verstande
und, obgleich die
Wirkungen
dieses
Denkens
und
Handelns
des
reinen
Verstandes
in den
Erscheinungen
angetroffen
werden, so
müssen
diese doch nichts
desto
minder
aus ihrer
Ursache
in der
Erscheinung
nach
Naturgesetzen
vollkommen
erklärt
werden
können
,
indem
man den
bloß
empirischen
Charakter
derselben
, als den
obersten
Erklärungsgrund
,
befolgt
, und den
intelligiblen
Charakter
, der die
transzendentale
Ursache
von jenem ist,
gänzlich
als
unbekannt
vorbeigeht
,
außer
sofern
er nur durch den
empirischen
als das
sinnliche
Zeichen
desselben
angegeben
wird.
Laßt
uns dieses auf
Erfahrung
anwenden
. Der
Mensch
ist eine von den
Erscheinungen
der
Sinnenwelt
, und
insofern
auch eine der
Naturursachen
, deren
Kausalität
unter
empirischen
Gesetzen
stehen
muß
. Als eine solche
muß
er
demnach
auch einen
empirischen
Charakter
haben, so wie alle
anderen
Naturdinge
. Wir
bemerken
denselben
durch
Kräfte
und
Vermögen
, die es in seinen
Wirkungen
äußert
. Bei der
leblosen
, oder
bloß
tierischbelebten
Natur
,
finden
wir
keinen
Grund
, irgendein
Vermögen
uns anders als
bloß
sinnlich
bedingt
zu
denken
. Allein der
Mensch
, der die
ganze
Natur
sonst
lediglich
nur durch
Sinne
kennt
,
erkennt
sich selbst auch durch
bloße
Apperzeption
, und zwar in
Handlungen
und
inneren
Bestimmungen
, die er
gar
nicht zum
Eindrucke
der
Sinne
zählen
kann, und ist sich selbst
freilich
einesteils
Phänomen
,
anderenteils
aber,
nämlich
in
Ansehung
gewisser
Vermögen
, ein
bloß
intelligibler
Gegenstand
, weil die
Handlung
desselben
gar
nicht zur
Rezeptivität
der
Sinnlichkeit
gezählt
werden kann. Wir
nennen
diese
Vermögen
Verstand
und
Vernunft
,
vornehmlich
wird die
letztere
ganz
eigentlich
und
vorzüglicherweise
von
allen
empirischbedingten
Kräften
unterschieden
,
da
sie ihre
Gegenstände
bloß
nach
Ideen
erwägt
und den
Verstand
darnach
bestimmt
, der dann von seinen (zwar auch
reinen
)
Begriffen
einen
empirischen
Gebrauch
macht
.
Daß diese
Vernunft
nun
Kausalität
habe,
wenigstens
wir uns eine
dergleichen
an ihr
vorstellen
, ist aus den
Imperativen
klar
,
welche
wir in allem
Praktischen
den
ausübenden
Kräften
als
Regeln
aufgeben
. Das
Sollen
drückt
eine
Art
von
Notwendigkeit
und
Verknüpfung
mit
Gründen
aus, die in der
ganzen
Natur
sonst nicht
vorkommt
. Der
Verstand
kann von dieser nur
erkennen
, was
da
ist, oder
gewesen
ist, oder
sein
wird. Es ist
unmöglich
, daß etwas darin anders
sein
soll
, als es in
allen
diesen
Zeitverhältnissen
in der
Tat
ist, ja das
Sollen
, wenn man
bloß
den
Lauf
der
Natur
vor
Augen
hat, hat
ganz
und
gar
keine
Bedeutung
. Wir
können
gar
nicht
fragen
: was in der
Natur
geschehen
soll
;
ebensowenig
, als: was
für
Eigenschaften
ein
Zirkel
haben
soll
,
sondern
, was darin
geschieht
, oder
welche
Eigenschaften
der
letztere
hat.
Dieses
Sollen
nun
drückt
eine
mögliche
Handlung
aus, davon der
Grund
nichts
anderes
, als ein
bloßer
Begriff
ist;
da
hingegen
von einer
bloßen
Naturhandlung
der
Grund
jederzeit
eine
Erscheinung
sein
muß
. Nun
muß
die
Handlung
allerdings
unter
Naturbedingungen
möglich
sein
, wenn auf sie das
Sollen
gerichtet
ist; aber diese
Naturbedingungen
betreffen
nicht die
Bestimmung
der
Willkür
selbst,
sondern
nur die
Wirkung
und den
Erfolg
derselben
in der
Erscheinung
. Es
mögen
noch so viel
Naturgründe
sein
, die mich zum
Wollen
antreiben
, noch so viel
sinnliche
Anreize
, so
können
sie nicht das
Sollen
hervorbringen
,
sondern
nur ein noch
lange
nicht
notwendiges
,
sondern
jederzeit
bedingtes
Wollen
, dem
dagegen
das
Sollen
, das die
Vernunft
ausspricht
,
Maß
und
Ziel
, ja
Verbot
und
Ansehen
entgegen
setzt
. Es
mag
ein
Gegenstand
der
bloßen
Sinnlichkeit
(das
Angenehme
) oder auch der
reinen
Vernunft
(das
Gute
)
sein
: so
gibt
die
Vernunft
nicht
demjenigen
Grunde
, der
empirisch
gegeben
ist, nach, und
folgt
nicht der
Ordnung
der
Dinge
, so wie sie sich in der
Erscheinung
darstellen
,
sondern
macht
sich mit
völliger
Spontaneität
eine eigene
Ordnung
nach
Ideen
, in die sie die
empirischen
Bedingungen
hinein
paßt
, und nach denen sie sogar
Handlungen
für
notwendig
erklärt
, die doch nicht
geschehen
sind und vielleicht nicht
geschehen
werden, von
allen
aber
gleichwohl
voraussetzt
, daß die
Vernunft
in
Beziehung
auf sie
Kausalität
haben
könne
;
denn
, ohne das,
würde
sie nicht von ihren
Ideen
Wirkungen
in der
Erfahrung
erwarten
.
Nun
laßt
uns
hierbei
stehenbleiben
und es
wenigstens
als
möglich
annehmen
: die
Vernunft
habe
wirklich
Kausalität
in
Ansehung
der
Erscheinungen
: so
muß
sie, so sehr sie auch
Vernunft
ist,
dennoch
einen
empirischen
Charakter
von sich
zeigen
, weil jede
Ursache
eine
Regel
voraussetzt
,
darnach
gewisse
Erscheinungen
als
Wirkungen
folgen
, und jede
Regel
eine
Gleichförmigkeit
der
Wirkungen
erfordert
, die den
Begriff
der
Ursache
(als eines
Vermögens
)
gründet
,
welchen
wir,
sofern
er aus
bloßen
Erscheinungen
erhellen
muß
, seinen
empirischen
Charakter
heißen
können
, der
beständig
ist,
indessen
die
Wirkungen
, nach
Verschiedenheit
der
begleitenden
und zum
Teil
einschränkenden
Bedingungen
, in
veränderlichen
Gestalten
erscheinen
.
So hat
denn
jeder
Mensch
einen
empirischen
Charakter
seiner
Willkür
,
welcher
nichts
anderes
ist, als eine
gewisse
Kausalität
seiner
Vernunft
,
sofern
diese an ihren
Wirkungen
in der
Erscheinung
eine
Regel
zeigt
,
darnach
man die
Vernunftgründe
und die
Handlungen
derselben
nach ihrer
Art
und ihren
Graden
abnehmen
, und die
subjektiven
Prinzipien
seiner
Willkür
beurteilen
kann. Weil dieser
empirische
Charakter
selbst aus den
Erscheinungen
als
Wirkung
und aus der
Regel
derselben
,
welche
Erfahrung
an die
Hand
gibt
,
gezogen
werden
muß
: so sind alle
Handlungen
des
Menschen
in der
Erscheinung
aus seinem
empirischen
Charakter
und den
mitwirkenden
anderen
Ursachen
nach der
Ordnung
der
Natur
bestimmt
, und wenn wir alle
Erscheinungen
seiner
Willkür
bis auf den
Grund
erforschen
könnten
, so
würde
es keine
einzige
menschliche
Handlung
geben
, die wir nicht mit
Gewißheit
vorhersagen
und aus ihren
vorhergehenden
Bedingungen
als
notwendig
erkennen
könnten
. In
Ansehung
dieses
empirischen
Charakters
gibt
es also keine
Freiheit
, und nach diesem
können
wir doch allein den
Menschen
betrachten
, wenn wir
lediglich
beobachten
, und, wie es in der
Anthropologie
geschieht
, von seinen
Handlungen
die
bewegenden
Ursachen
physiologisch
erforschen
wollen
.
Wenn wir aber
eben
dieselben
Handlungen
in
Beziehung
auf die
Vernunft
erwägen
, und zwar nicht die
spekulative
, um
jene
ihrem
Ursprunge
nach zu
erklären
,
sondern
ganz
allein,
sofern
Vernunft
die
Ursache
ist, sie selbst zu
erzeugen
; mit einem
Worte
,
vergleichen
wir sie mit dieser in
praktischer
Absicht
, so
finden
wir eine
ganz
andere
Regel
und
Ordnung
, als die
Naturordnung
ist.
Denn
da
sollte
vielleicht alles das nicht
geschehen
sein
, was doch nach dem
Naturlaufe
geschehen
ist, und nach seinen
empirischen
Gründen
unausbleiblich
geschehen
mußte
.
Bisweilen
aber
finden
wir, oder
glauben
wenigstens
zu
finden
, daß die
Ideen
der
Vernunft
wirklich
Kausalität
in
Ansehung
der
Handlungen
des
Menschen
, als
Erscheinungen
,
bewiesen
haben, und daß sie darum
geschehen
sind, nicht weil sie durch
empirische
Ursachen
, nein,
sondern
weil sie durch
Gründe
der
Vernunft
bestimmt
waren
.
Gesetzt
nun, man
könnte
sagen
: die
Vernunft
habe
Kausalität
in
Ansehung
der
Erscheinung
;
könnte
da
wohl
die
Handlung
derselben
frei
heißen
,
da
sie im
empirischen
Charakter
derselben
(der
Sinnesart
)
ganz
genau
bestimmt
und
notwendig
ist? Dieser ist
wiederum
im
intelligiblen
Charakter
(der
Denkungsart
)
bestimmt
. Die
letztere
kennen
wir aber nicht,
sondern
bezeichnen
sie durch
Erscheinungen
,
welche
eigentlich
nur die
Sinnesart
(
empirischen
Charakter
)
unmittelbar
zu
erkennen
geben
36
. Die
Handlung
nun,
sofern
sie der
Denkungsart
, als ihrer
Ursache
,
beizumessen
ist,
erfolgt
dennoch
daraus
gar
nicht nach
empirischen
Gesetzen
,
d.i.
so, daß die
Bedingungen
der
reinen
Vernunft
,
sondern
nur so, daß deren
Wirkungen
in der
Erscheinung
des
inneren
Sinnes
vorhergehen
. Die
reine
Vernunft
, als ein
bloß
intelligibles
Vermögen
, ist der
Zeitform
, und
mithin
auch den
Bedingungen
der
Zeitfolge
, nicht
unterworfen
. Die
Kausalität
der
Vernunft
im
intelligiblen
Charakter
entsteht
nicht, oder
hebt
nicht etwa zu einer
gewissen
Zeit
an, um eine
Wirkung
hervorzubringen
.
Denn
sonst
würde
sie selbst dem
Naturgesetz
der
Erscheinungen
,
sofern
es
Kausalreihen
der
Zeit
nach
bestimmt
,
unterworfen
sein
, und die
Kausalität
wäre
alsdann
Natur
, und nicht
Freiheit
. Also werden wir
sagen
können
: wenn
Vernunft
Kausalität
in
Ansehung
der
Erscheinungen
haben kann; so ist sie ein
Vermögen
, durch
welches
die
sinnliche
Bedingung
einer
empirischen
Reihe
von
Wirkungen
zuerst
anfängt
.
Denn
die
Bedingung
, die in der
Vernunft
liegt
, ist nicht
sinnlich
, und
fängt
also selbst nicht an.
Demnach
findet
alsdann
dasjenige
statt, was wir in
allen
empirischen
Reihen
vermißten
: daß die
Bedingung
einer
sukzessiven
Reihe
von
Begebenheiten
selbst
empirischunbedingt
sein
konnte.
Denn
hier ist die
Bedingung
außer
der
Reihe
der
Erscheinungen
(im
Intelligiblen
) und
mithin
keiner
sinnlichen
Bedingung
und keiner
Zeitbestimmung
durch
vorbeigehende
Ursache
unterworfen
.
Gleichwohl
gehört
doch
eben
dieselbe
Ursache
in einer
anderen
Beziehung
auch zur
Reihe
der
Erscheinungen
. Der
Mensch
ist selbst
Erscheinung
. Seine
Willkür
hat einen
empirischen
Charakter
, der die (
empirische
)
Ursache
aller seiner
Handlungen
ist. Es ist keine der
Bedingungen
, die den
Menschen
diesem
Charakter
gemäß
bestimmen
,
welche
nicht in der
Reihe
der
Naturwirkungen
enthalten
wäre
und dem
Gesetze
derselben
gehorchte
, nach
welchem
gar
keine
empirischunbedingte
Kausalität
von dem, was in der
Zeit
geschieht
,
angetroffen
wird. Daher kann keine
gegebene
Handlung
(weil sie nur als
Erscheinung
wahrgenommen
werden kann)
schlechthin
von selbst
anfangen
. Aber von der
Vernunft
kann man nicht
sagen
, daß
vor
demjenigen
Zustande
, darin sie die
Willkür
bestimmt
, ein anderer
vorhergehe
, darin dieser
Zustand
selbst
bestimmt
wird.
Denn
da
Vernunft
selbst keine
Erscheinung
und
gar
keinen
Bedingungen
der
Sinnlichkeit
unterworfen
ist, so
findet
in ihr, selbst in
Betreff
ihrer
Kausalität
, keine
Zeitfolge
statt, und auf sie kann also das
dynamische
Gesetz
der
Natur
, was die
Zeitfolge
nach
Regeln
bestimmt
, nicht
angewandt
werden.
Die
Vernunft
ist also die
beharrliche
Bedingung
aller
willkürlichen
Handlungen
, unter denen der
Mensch
erscheint
. Jede
derselben
ist im
empirischen
Charakter
des
Menschen
vorher
bestimmt
,
ehe
noch als sie
geschieht
. In
Ansehung
des
intelligiblen
Charakters
,
wovon
jener
nur das
sinnliche
Schema
ist,
gilt
kein
Vorher
, oder Nachher, und jede
Handlung
,
unangesehen
des
Zeitverhältnisses
, darin sie mit
anderen
Erscheinungen
steht
, ist die
unmittelbare
Wirkung
des
intelligiblen
Charakters
der
reinen
Vernunft
,
welche
mithin
frei
handelt
, ohne in der
Kette
der
Naturursachen
, durch
äußere
oder
innere
, aber der
Zeit
nach
vorhergehende
Gründe
,
dynamisch
bestimmt
zu
sein
, und diese ihre
Freiheit
kann man nicht allein
negativ
als
Unabhängigkeit
von
empirischen
Bedingungen
ansehen
, (
denn
dadurch
würde
das
Vernunftvermögen
aufhören
, eine
Ursache
der
Erscheinungen
zu
sein
,)
sondern
auch
positiv
durch ein
Vermögen
bezeichnen
, eine
Reihe
von
Begebenheiten
von selbst
anzufangen
, so, daß in ihr selbst nichts
anfängt
,
sondern
sie, als
unbedingte
Bedingung
jeder
willkürlichen
Handlung
, über sich keine der
Zeit
nach
vorhergehende
Bedingungen
verstattet
,
indessen
daß doch ihre
Wirkung
in der
Reihe
der
Erscheinungen
anfängt
, aber darin
niemals
einen
schlechthin
ersten
Anfang
ausmachen
kann.
Um das
regulative
Prinzip
der
Vernunft
durch ein
Beispiel
aus dem
empirischen
Gebrauche
desselben
zu
erläutern
, nicht um es zu
bestätigen
(
denn
dergleichen
Beweise
sind zu
transzendentalen
Behauptungen
untauglich
), so
nehme
man eine
willkürliche
Handlung
,
z
.
E
. eine
boshafte
Lüge
, durch die ein
Mensch
eine
gewisse
Verwirrung
in die
Gesellschaft
gebracht
hat, und die man
zuerst
ihren
Bewegursachen
nach,
woraus
sie
entstanden
,
untersucht
, und darauf
beurteilt
, wie sie
samt
ihren
Folgen
ihm
zugerechnet
werden
können
. In der
ersten
Absicht
geht
man seinen
empirischen
Charakter
bis zu den
Quellen
desselben
durch, die man in der
schlechten
Erziehung
,
übler
Gesellschaft
, zum
Teil
auch in der
Bösartigkeit
eines
für
Beschämung
unempfindlichen
Naturells
,
aufsucht
, zum
Teil
auf den
Leichtsinn
und
Unbesonnenheit
schiebt
;
wobei
man
denn
die
veranlassenden
Gelegenheitsursachen
nicht aus der Acht
läßt
. In allem diesem
verfährt
man, wie
überhaupt
in
Untersuchung
der
Reihe
bestimmender
Ursachen
zu einer
gegebenen
Naturwirkung
. Ob man nun
gleich
die
Handlung
dadurch
bestimmt
zu
sein
glaubt
: so
tadelt
man
nichtsdestoweniger
den
Täter
, und zwar nicht wegen seines
unglücklichen
Naturells
, nicht wegen der auf
ihn
einfließenden
Umstände
, ja sogar nicht wegen seines
vorher
geführten
Lebenswandels
,
denn
man
setzt
voraus
, man
könne
es
gänzlich
beiseite
setzen
, wie dieser
beschaffen
gewesen
, und die
verflossene
Reihe
von
Bedingungen
als
ungeschehen
, diese
Tat
aber als
gänzlich
unbedingt
in
Ansehung
des
vorigen
Zustandes
ansehen
, als ob der
Täter
damit eine
Reihe
von
Folgen
ganz
von selbst
anhebe
. Dieser
Tadel
gründet
sich auf ein
Gesetz
der
Vernunft
,
wobei
man diese als eine
Ursache
ansieht
,
welche
das
Verhalten
des
Menschen
,
unangesehen
aller
genannten
empirischen
Bedingungen
, anders habe
bestimmen
können
und
sollen
. Und zwar
sieht
man die
Kausalität
der
Vernunft
nicht etwa
bloß
wie
Konkurrenz
,
sondern
an sich selbst als
vollständig
an,
wenngleich
die
sinnlichen
Triebfedern
gar
nicht dafür,
sondern
wohl
gar
dawider
wären
; die
Handlung
wird seinem
intelligiblen
Charakter
beigemessen
, er hat jetzt, in dem
Augenblicke
,
da
er
lügt
,
gänzlich
Schuld
;
mithin
war die
Vernunft
,
unerachtet
aller
empirischen
Bedingungen
der
Tat
,
völlig
frei
, und ihrer
Unterlassung
ist diese
gänzlich
beizumessen
.
Man
sieht
diesem
zurechnenden
Urteil
es
leicht
an, daß man dabei in
Gedanken
habe, die
Vernunft
werde
durch alle
jene
Sinnlichkeit
gar
nicht
affiziert
, sie
verändere
sich nicht (
wenngleich
ihre
Erscheinungen
,
nämlich
die
Art
, wie sie sich in ihren
Wirkungen
zeigt
,
verändern
,) in ihr
gehe
kein
Zustand
vorher
, der den
folgenden
bestimme
,
mithin
sie
gehöre
gar
nicht in die
Reihe
der
sinnlichen
Bedingungen
,
welche
die
Erscheinungen
nach
Naturgesetzen
notwendig
machen
. Sie, die
Vernunft
, ist
allen
Handlungen
des
Menschen
in
allen
Zeitumständen
gegenwärtig
und
einerlei
, selbst aber ist sie nicht in der
Zeit
, und
gerät
etwa in einen
neuen
Zustand
, darin sie
vorher
nicht war; sie ist
bestimmend
, aber nicht
bestimmbar
in
Ansehung
desselben
. Daher kann man nicht
fragen
: warum hat sich nicht die
Vernunft
anders
bestimmt
?
sondern
nur: warum hat sie die
Erscheinungen
durch ihre
Kausalität
nicht anders
bestimmt
? Darauf aber ist keine
Antwort
möglich
.
Denn
ein anderer
intelligibler
Charakter
würde
einen
anderen
empirischen
gegeben
haben, und wenn wir
sagen
, daß
unerachtet
seines
ganzen
, bis
dahin
geführten
,
Lebenswandels
, der
Täter
die
Lüge
doch hätte
unterlassen
können
, so
bedeutet
dieses nur, daß sie
unmittelbar
unter der
Macht
der
Vernunft
stehe
, und die
Vernunft
in ihrer
Kausalität
keinen
Bedingungen
der
Erscheinung
und des
Zeitlaufs
unterworfen
ist, der
Unterschied
der
Zeit
auch, zwar einen
Hauptunterschied
der
Erscheinungen
respektive
gegeneinander
,
da
diese aber keine
Sachen
,
mithin
auch nicht
Ursachen
an sich selbst sind,
keinen
Unterschied
der
Handlung
in
Beziehung
auf die
Vernunft
machen
könne
.
Wir
können
also mit der
Beurteilung
freier
Handlungen
, in
Ansehung
ihrer
Kausalität
, nur bis an die
intelligible
Ursache
, aber nicht über
dieselbe
hinaus
kommen
; wir
können
erkennen
, daß sie
frei
,
d.i.
von der
Sinnlichkeit
unabhängig
bestimmt
, und, auf solche
Art
, die
sinnlichunbedingte
Bedingung
der
Erscheinungen
sein
könne
. Warum aber der
intelligible
Charakter
gerade
diese
Erscheinungen
und diesen
empirischen
Charakter
unter
vorliegenden
Umständen
gebe
, das
überschreitet
so
weit
alles
Vermögen
unserer
Vernunft
es zu
beantworten
, ja alle
Befugnis
derselben
nur zu
fragen
, als ob man
früge
: woher der
transzendentale
Gegenstand
unserer
äußeren
sinnlichen
Anschauung
gerade
nur
Anschauung
im
Raume
und nicht irgendeine
andere
gibt
. Allein die
Aufgabe
, die wir
aufzulösen
hatten,
verbindet
uns
hierzu
gar
nicht,
denn
sie war nur diese: ob
Freiheit
der
Naturnotwendigkeit
in einer und
derselben
Handlung
widerstreite
, und dieses haben wir
hinreichend
beantwortet
,
da
wir
zeigten
, daß,
da
bei
jener
eine
Beziehung
auf eine
ganz
andere
Art
von
Bedingungen
möglich
ist, als bei dieser, das
Gesetz
der
letzteren
die
erstere
nicht
affiziere
,
mithin
beide
voneinander
unabhängig
und
durcheinander
ungestört
stattfinden
können
.
Man
muß
wohl
bemerken
: daß wir
hierdurch
nicht die
Wirklichkeit
der
Freiheit
, als eines der
Vermögen
,
welche
die
Ursache
von den
Erscheinungen
unserer
Sinnenwelt
enthalten
, haben
dartun
wollen
Denn
,
außer
daß dieses
gar
keine
transzendentale
Betrachtung
, die
bloß
mit
Begriffen
zu tun hat,
gewesen
sein
würde
, so
könnte
es auch nicht
gelingen
,
indem
wir aus der
Erfahrung
niemals
auf etwas, was
gar
nicht nach
Erfahrungsgesetzen
gedacht
werden
muß
,
schließen
können
. Ferner haben wir auch
gar
nicht
einmal
die
Möglichkeit
der
Freiheit
beweisen
wollen
;
denn
dieses
wäre
auch nicht
gelungen
, weil wir
überhaupt
von
keinem
Realgrunde
und keiner
Kausalität
, aus
bloßen
Begriffen
a
priori
, die
Möglichkeit
erkennen
können
. Die
Freiheit
wird hier nur als
transzendentale
Idee
behandelt
,
wodurch
die
Vernunft
die
Reihe
der
Bedingungen
in der
Erscheinung
durch das
Sinnlichunbedingte
schlechthin
anzuheben
denkt
, dabei sich aber in eine
Antinomie
mit ihren
eigenen
Gesetzen
,
welche
sie dem
empirischen
Gebrauche
des
Verstandes
vorschreibt
,
verwickelt
. Daß nun diese
Antinomie
auf einem
bloßen
Scheine
beruhe
, und, daß
Natur
der
Kausalität
aus
Freiheit
wenigstens
nicht
widerstreite
, das war das
einzige
, was wir
leisten
konnten
, und
woran
es uns auch
einzig
und allein
gelegen
war.
36
Die
eigentliche
Moralität
der
Handlungen
(
Verdienst
und
Schuld
)
bleibt
uns daher, selbst die unseres
eigenen
Verhaltens
,
gänzlich
verborgen
.
Unsere
Zurechnungen
können
nur auf den
empirischen
Charakter
bezogen
werden. Wie viel aber davon
reine
Wirkung
der
Freiheit
, wie viel der
bloßen
Natur
und dem
unverschuldeten
Fehler
des
Temperaments
, oder dessen
glücklicher
Beschaffenheit
(
merito
fortunae
)
zuzuschreiben
sei
, kann niemand
ergründen
, und daher auch nicht nach
völliger
Gerechtigkeit
richten
.
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