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Immanuel Kant
Kritik der reinen Vernunft (1781)
IntraText CT - Text
II. Transzendentale Methodenlehre
Erstes Hauptstück Die Disziplin der reinen Vernunft
Zweiter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihres polemischen Gebrauchs
Von der Unmöglichkeit einer skeptischen Befriedigung der mit sich selbst veruneinigten reinen Vernunft
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Von der
Unmöglichkeit
einer
skeptischen
Befriedigung
der mit sich selbst
veruneinigten
reinen
Vernunft
Das
Bewußtsein
meiner
Unwissenheit
, (wenn diese nicht
zugleich
als
notwendig
erkannt
wird,) statt daß sie meine
Untersuchungen
endigen
sollte
, ist
vielmehr
die
eigentliche
Ursache
, sie zu
erwecken
. Alle
Unwissenheit
ist entweder die der
Sachen
, oder der
Bestimmung
und
Grenzen
meiner
Erkenntnis
. Wenn die
Unwissenheit
nun
zufällig
ist, so
muß
sie mich
antreiben
, im
ersteren
Falle
den
Sachen
(
Gegenständen
)
dogmatisch
, im
zweiten
den
Grenzen
meiner
möglichen
Erkenntnis
kritisch
nachzuforschen
. Daß aber meine
Unwissenheit
schlechthin
notwendig
sei
, und mich daher von aller
weiteren
Nachforschung
freispreche
,
läßt
sich nicht
empirisch
, aus
Beobachtung
,
sondern
allein
kritisch
, durch
Ergründung
der
ersten
Quellen
unserer
Erkenntnis
ausmachen
. Also kann die
Grenzbestimmung
unserer
Vernunft
nur nach
Gründen
a
priori
geschehen
; die
Einschränkung
derselben
aber,
welche
eine obgleich nur
unbestimmte
Erkenntnis
einer
nie
völlig
zu
hebenden
Unwissenheit
ist, kann auch
a
posteriori
, durch das, was uns bei allem
Wissen
immer noch zu
wissen
übrigbleibt
,
erkannt
werden.
Jene
durch
Kritik
der
Vernunft
selbst allein
mögliche
Erkenntnis
seiner
Unwissenheit
ist also
Wissenschaft
, diese ist nichts als
Wahrnehmung
, von der man nicht
sagen
kann, wie
weit
der
Schluß
aus
selbiger
reichen
möge
. Wenn ich mir die
Erdfläche
(dem
sinnlichen
Scheine
gemäß
) als einen
Teller
vorstelle
, so kann ich nicht
wissen
, wie
weit
sie sich
erstrecke
. Aber das
lehrt
mich die
Erfahrung
: daß,
wohin
ich nur
komme
, ich immer einen
Raum
um mich
sehe
,
dahin
ich weiter
fortgehen
könnte
;
mithin
erkenne
ich
Schranken
meiner
jedesmal
wirklichen
Erdkunde
, aber nicht die
Grenzen
aller
möglichen
Erdbeschreibung
. Bin ich aber doch so
weit
gekommen
, zu
wissen
, daß die
Erde
eine
Kugel
und ihre
Fläche
eine
Kugelfläche
sei
, so kann ich auch aus einem
kleinen
Teil
derselben
,
z
.
B
. der
Größe
eines
Grades
, den
Durchmesser
, und, durch diesen, die
völlige
Begrenzung
der
Erde
,
d.i.
ihre
Oberfläche
,
bestimmt
und nach
Prinzipien
a
priori
erkennen
; und ob ich
gleich
in
Ansehung
der
Gegenstände
, die diese
Fläche
enthalten
mag
,
unwissend
bin, so bin ich es doch nicht in
Ansehung
des
Umfanges
, der sie
enthält
, der
Größe
und
Schranken
derselben
.
Der
Inbegriff
aller
möglichen
Gegenstände
für
unsere
Erkenntnis
scheint
uns eine
ebene
Fläche
zu
sein
, die ihren
scheinbaren
Horizont
hat,
nämlich
das, was den
ganzen
Umfang
derselben
befaßt
und von uns der
Vernunftbegriff
der
unbedingten
Totalität
genannt
worden
.
Empirisch
denselben
zu
erreichen
, ist
unmöglich
, und nach einem
gewissen
Prinzip
ihn
a
priori
zu
bestimmen
, dazu sind alle
Versuche
vergeblich
gewesen
.
Indessen
gehen
doch alle
Fragen
unserer
reinen
Vernunft
auf das, was
außerhalb
diesem
Horizonte
, oder
allenfalls
auch in seiner
Grenzlinie
liegen
möge
.
Der
berühmte
David
Hume
war einer dieser
Geographen
der
menschlichen
Vernunft
,
welcher
jene
Fragen
insgesamt
dadurch
hinreichend
abgefertigt
zu haben
vermeinte
, daß er sie
außerhalb
den
Horizont
derselben
verwies
, den er doch nicht
bestimmen
konnte. Er
hielt
sich
vornehmlich
bei dem
Grundsatze
der
Kausalität
auf, und
bemerkte
von
ihm
ganz
richtig, daß man seine
Wahrheit
(ja nicht
einmal
die
objektive
Gültigkeit
des
Begriffs
einer
wirkenden
Ursache
überhaupt
) auf
gar
keine
Einsicht
,
d.i.
Erkenntnis
a
priori
,
fuße
, daß daher auch nicht im
mindesten
die
Notwendigkeit
dieses
Gesetzes
,
sondern
eine
bloße
allgemeine
Brauchbarkeit
desselben
in dem
Laufe
der
Erfahrung
und eine daher
entspringende
subjektive
Notwendigkeit
, die er
Gewohnheit
nennt
,
sein
ganzes
Ansehen
ausmache
. Aus dem
Unvermögen
unserer
Vernunft
nun, von diesem
Grundsatze
einen über alle
Erfahrung
hinausgehenden
Gebrauch
zu
machen
,
schloß
er die
Nichtigkeit
aller
Anmaßungen
der
Vernunft
überhaupt
über das
Empirische
hinauszugehen
.
Man kann ein
Verfahren
dieser
Art
, die
Fakta
der
Vernunft
der
Prüfung
und nach
Befinden
dem
Tadel
zu
unterwerfen
, die
Zensur
der
Vernunft
nennen
. Es ist
außer
Zweifel
, daß diese
Zensur
unausbleiblich
auf
Zweifel
gegen
allen
transzendenten
Gebrauch
der
Grundsätze
führe
. Allein dies ist nur der
zweite
Schritt
, der noch
lange
nicht das
Werk
vollendet
. Der
erste
Schritt
in
Sachen
der
reinen
Vernunft
, der das
Kindesalter
derselben
auszeichnet
ist
dogmatisch
. Der
obengenannte
zweite
Schritt
ist
skeptisch
, und
zeigt
von
Vorsichtigkeit
der durch
Erfahrung
gewitzigten
Urteilskraft
. Nun ist aber noch ein
dritter
Schritt
nötig
, der nur der
gereiften
und
männlichen
Urteilskraft
,
welche
feste
und ihrer
Allgemeinheit
nach
bewährte
Maximen
zum
Grunde
hat;
nämlich
, nicht die
Fakta
der
Vernunft
,
sondern
die
Vernunft
selbst, nach ihrem
ganzen
Vermögen
und
Tauglichkeit
zu
reinen
Erkenntnissen
a
priori
, der
Schätzung
zu
unterwerfen
;
welches
nicht die
Zensur
,
sondern
Kritik
der
Vernunft
ist,
wodurch
nicht
bloß
Schranken
,
sondern
die
bestimmten
Grenzen
derselben
, nicht
bloß
Unwissenheit
an einem oder
anderen
Teil
,
sondern
in
Ansehung
aller
möglichen
Fragen
von einer
gewissen
Art
, und zwar nicht etwa nur
vermutet
,
sondern
aus
Prinzipien
bewiesen
wird. So ist der
Skeptizismus
ein
Ruheplatz
für
die
menschliche
Vernunft
,
da
sie sich über ihre
dogmatische
Wanderung
besinnen
und den
Entwurf
von der
Gegend
machen
kann, wo sie sich
befindet
, um ihren
Weg
fernerhin
mit
mehrerer
Sicherheit
wählen
zu
können
, aber nicht ein
Wohnplatz
zum
beständigen
Aufenthalte
;
denn
dieser kann nur in einer
völligen
Gewißheit
angetroffen
werden, es
sei
nun der
Erkenntnis
der
Gegenstände
selbst, oder der
Grenzen
,
innerhalb
denen alle
unsere
Erkenntnis
von
Gegenständen
eingeschlossen
ist.
Unsere
Vernunft
ist nicht etwa eine
unbestimmbar
weit
ausgebreitete
Ebene
, deren
Schranken
man nur so
überhaupt
erkennt
,
sondern
muß
vielmehr
mit einer
Sphäre
verglichen
werden, deren
Halbmesser
sich aus der
Krümmung
des
Bogens
auf ihrer
Oberfläche
(der
Natur
synthetischer
Sätze
a
priori
)
finden
, daraus aber auch der
Inhalt
und die
Begrenzung
derselben
mit
Sicherheit
angeben
läßt
.
Außer
dieser
Sphäre
(
Feld
der
Erfahrung
) ist nichts von ihr
Objekt
, ja selbst
Fragen
über
dergleichen
vermeintliche
Gegenstände
betreffen
nur
subjektive
Prinzipien
einer
durchgängigen
Bestimmung
der
Verhältnisse
,
welche
unter den
Verstandesbegriffen
innerhalb
dieser
Sphäre
vorkommen
können
.
Wir sind
wirklich
im
Besitz
synthetischer
Erkenntnis
a
priori
, wie dieses die
Verstandesgrundsätze
,
welche
die
Erfahrung
antizipieren
,
dartun
. Kann
jemand
nun die
Möglichkeit
derselben
sich
gar
nicht
begreiflich
machen
, so
mag
er zwar
anfangs
zweifeln
, ob sie uns auch
wirklich
a
priori
beiwohnen
; er kann dieses aber noch nicht
für
eine
Unmöglichkeit
derselben
, durch
bloße
Kräfte
des
Verstandes
, und alle
Schritte
, die die
Vernunft
nach der
Richtschnur
derselben
tut,
für
nichtig
ausgeben
. Er kann nur
sagen
: wenn wir ihren
Ursprung
und
Echtheit
einsähen
, so
würden
wir den
Umfang
und die
Grenzen
unserer
Vernunft
bestimmen
können
;
ehe
aber dieses
geschehen
ist, sind alle
Behauptungen
der
letzten
blindlings
gewagt
. Und auf solche
Weise
wäre
ein
durchgängiger
Zweifel
an alle
dogmatischen
Philosophie
, die ohne
Kritik
der
Vernunft
selbst ihren
Gang
geht
,
ganz
wohl
gegründet
; allein darum
könnte
doch der
Vernunft
nicht ein
solcher
Fortgang
, wenn er durch
bessere
Grundlegung
vorbereitet
und
gesichert
würde
,
gänzlich
abgesprochen
werden.
Denn
,
einmal
liegen
alle
Begriffe
, ja alle
Fragen
,
welche
uns die
reine
Vernunft
vorlegt
, nicht etwa in der
Erfahrung
,
sondern
selbst
wiederum
nur in der
Vernunft
, und
müssen
daher
können
aufgelöst
und ihrer
Gültigkeit
oder
Nichtigkeit
nach
begriffen
werden. Wir sind auch nicht
berechtigt
, diese
Aufgaben
, als
läge
ihre
Auflösung
wirklich
in der
Natur
der
Dinge
, doch unter dem
Vorwande
unseres
Unvermögens
abzuweisen
, und uns ihrer
weiteren
Nachforschung
zu
weigern
,
da
die
Vernunft
in ihrem
Schoße
allein diese
Ideen
selbst
erzeugt
hat, von deren
Gültigkeit
oder
dialektischen
Scheine
sie also
Rechenschaft
zu
geben
gehalten
ist.
Alles
skeptische
Polemisieren
ist
eigentlich
nur wider den
Dogmatiker
gekehrt
, der, ohne ein
Mißtrauen
auf seine
ursprünglichen
objektiven
Prinzipien
zu
setzen
,
d.i.
ohne
Kritik
,
gravitätisch
seinen
Gang
fortsetzt
,
bloß
um
ihm
das
Konzept
zu
verrücken
und
ihn
zur
Selbsterkenntnis
zu
bringen
. An sich
macht
sie in
Ansehung
dessen, was wir
wissen
und was wir
dagegen
nicht
wissen
können
,
ganz
und
gar
nichts aus. Alle
fehlgeschlagenen
dogmatischen
Versuche
der
Vernunft
sind
Fakta
, die der
Zensur
zu
unterwerfen
immer
nützlich
ist. Dieses aber kann nichts über die
Erwartungen
der
Vernunft
entscheiden
, einen
besseren
Erfolg
ihrer
künftigen
Bemühungen
zu
hoffen
und darauf
Ansprüche
zu
machen
; die
bloße
Zensur
kann also die
Streitigkeit
über die
Rechtsame
der
menschlichen
Vernunft
niemals
zu
Ende
bringen
.
Da
Hume
vielleicht der
geistreichste
unter
allen
Skeptikern
, und ohne
Widerrede
der
vorzüglichste
in
Ansehung
des
Einflusses
ist, den das
skeptische
Verfahren
auf die
Erweckung
einer
gründlichen
Vernunftprüfung
haben kann, so
verlohnt
es
wohl
der
Mühe
, den
Gang
seiner
Schlüsse
und die
Verirrungen
eines
einsehenden
und
schätzbaren
Mannes
, die doch auf der
Spur
der
Wahrheit
angefangen
haben, so
weit
es zu meiner
Absicht
schicklich
ist,
vorstellig
zu
machen
.
Hume
hatte es vielleicht in
Gedanken
,
wiewohl
er es
niemals
völlig
entwickelte
, daß wir in
Urteilen
von
gewisser
Art
, über
unseren
Begriff
vom
Gegenstande
hinausgehen
. Ich habe diese
Art
von
Urteilen
synthetisch
genannt
. Wie ich aus
meinem
Begriffe
, den ich bis
dahin
habe,
vermittelst
der
Erfahrung
hinausgehen
könne
, ist keiner
Bedenklichkeit
unterworfen
.
Erfahrung
ist selbst eine solche
Synthesis
der
Wahrnehmungen
,
welche
meinen
Begriff
, den ich
vermittelst
einer
Wahrnehmung
habe, durch
andere
hinzukommende
vermehrt
. Allein wir
glauben
auch
a
priori
aus unserem
Begriffe
hinausgehen
und
unsere
Erkenntnis
erweitern
zu
können
. Dieses
versuchen
wir entweder durch den
reinen
Verstand
, in
Ansehung
desjenigen
, was
wenigstens
ein
Objekt
der
Erfahrung
sein
kann, oder sogar durch
reine
Vernunft
, in
Ansehung
solcher
Eigenschaften
der
Dinge
, oder auch
wohl
des
Daseins
solcher
Gegenstände
, die in der
Erfahrung
niemals
vorkommen
können
. Unser
Skeptiker
unterschied
diese
beiden
Arten
der
Urteile
nicht, wie er es doch hätte tun
sollen
, und
hielt
geradezu
diese
Vermehrung
der
Begriffe
aus sich selbst, und,
sozusagen
, die
Selbstgebärung
unseres
Verstandes
(
samt
der
Vernunft
), ohne durch
Erfahrung
geschwängert
zu
sein
,
für
unmöglich
,
mithin
alle
vermeintlichen
Prinzipien
derselben
a
priori
für
eingebildet
, und
fand
, daß sie nichts als eine aus
Erfahrung
und deren
Gesetzen
entspringende
Gewohnheit
,
mithin
bloß
empirische
d.i.
an sich
zufällige
Regeln
sind, denen wir eine
vermeinte
Notwendigkeit
und
Allgemeinheit
beimessen
. Er
bezog
sich aber zu
Behauptung
dieses
befremdlichen
Satzes
auf den
allgemein
anerkannten
Grundsatz
von dem
Verhältnis
der
Ursache
zur
Wirkung
.
Denn
da
uns kein
Verstandesvermögen
von dem
Begriffe
eines
Dinges
zu dem
Dasein
von etwas
anderem
, was
dadurch
allgemein
und
notwendig
gegeben
sei
,
führen
kann: so
glaubte
er daraus
folgern
zu
können
, daß wir ohne
Erfahrung
nichts haben, was
unseren
Begriff
vermehren
und uns zu einem
solchen
a
priori
sich selbst
erweiternden
Urteile
berechtigen
könnte
. Daß das
Sonnenlicht
,
welches
das
Wachs
beleuchtet
, es
zugleich
schmelze
,
indessen
es den
Ton
härtet
,
könne
kein
Verstand
aus
Begriffen
, die wir
vorher
von diesen
Dingen
hatten,
erraten
, viel
weniger
gesetzmäßig
schließen
, und nur
Erfahrung
könne
uns ein
solches
Gesetz
lehren
.
Dagegen
haben wir in der
transzendentalen
Logik
gesehen
: daß, ob wir zwar
niemals
unmittelbar
über den
Inhalt
des
Begriffs
, der uns
gegeben
ist,
hinausgehen
können
, wir doch
völlig
a
priori
, aber in
Beziehung
auf ein
drittes
,
nämlich
mögliche
Erfahrung
, also doch
a
priori
, das
Gesetz
der
Verknüpfung
mit
anderen
Dingen
erkennen
können
. Wenn also
vorher
fest
gewesenes
Wachs
schmilzt
, so kann ich
a
priori
erkennen
, daß etwas
vorausgegangen
sein
müsse
, (
z
.
B
.
Sonnenwärme
,)
worauf
dieses nach einem
beständigen
Gesetze
gefolgt
ist, ob ich zwar, ohne
Erfahrung
, aus der
Wirkung
weder die
Ursache
noch aus der
Ursache
, die
Wirkung
,
a
priori
und ohne
Belehrung
der
Erfahrung
bestimmt
erkennen
könnte
. Er
schloß
also
fälschlich
aus der
Zufälligkeit
unserer
Bestimmung
nach dem
Gesetze
, auf die
Zufälligkeit
des
Gesetzes
selbst, und das
Herausgehen
aus dem
Begriffe
eines
Dinges
auf
mögliche
Erfahrung
(
welche
a
priori
geschieht
und die
objektive
Realität
desselben
ausmacht
,)
verwechselte
er mit der
Synthesis
der
Gegenstände
wirklicher
Erfahrung
,
welche
freilich
jederzeit
empirisch
ist;
dadurch
machte
er aber aus einem
Prinzip
der
Affinität
,
welches
im
Verstande
seinen
Sitz
hat, und
notwendige
Verknüpfung
aussagt
, eine
Regel
der
Assoziation
, die
bloß
in der
nachbildenden
Einbildungskraft
angetroffen
wird, und nur
zufällige
,
gar
nicht
objektive
Verbindungen
darstellen
kann.
Die
skeptischen
Verirrungen
aber dieses sonst
äußerst
scharfsinnigen
Mannes
entsprangen
vornehmlich
aus einem
Mangel
, den er doch mit
allen
Dogmatikern
gemein
hatte
nämlich
, daß er nicht alle
Arten
der
Synthesis
des
Verstandes
a
priori
systematisch
übersah
.
Denn
da
würde
er, ohne der
übrigen
hier
Erwähnung
zu tun,
z
.
B
. den
Grundsatz
der
Beharrlichkeit
als einen
solchen
gefunden
haben, der
ebensowohl
, als der der
Kausalität
, die
Erfahrung
antizipiert
.
Dadurch
würde
er auch dem
a
priori
sich
erweiternden
Verstande
und der
reinen
Vernunft
bestimmte
Grenzen
haben
vorzeichnen
können
.
Da
er aber
unseren
Verstand
nur
einschränkt
, ohne
ihn
zu
begrenzen
, und, zwar ein
allgemeines
Mißtrauen
, aber keine
bestimmte
Kenntnis
der uns
unvermeidlichen
Unwissenheit
zustande
bringt
,
da
er einige
Grundsätze
des
Verstandes
unter
Zensur
bringt
, ohne diesen
Verstand
in
Ansehung
seines
ganzen
Vermögens
auf die
Probierwage
der
Kritik
zu
bringen
, und,
indem
er
ihm
dasjenige
abspricht
, was er
wirklich
nicht
leisten
kann, weiter
geht
, und
ihm
alles
Vermögen
, sich
a
priori
zu
erweitern
,
streitet
,
unerachtet
er dieses
ganze
Vermögen
nicht zur
Schätzung
gezogen
; so
widerfährt
ihm
das, was
jederzeit
den
Skeptizismus
niederschlägt
,
nämlich
, daß er selbst
bezweifelt
wird,
indem
seine
Einwürfe
nur auf
Faktis
,
welche
zufällig
sind, nicht aber auf
Prinzipien
beruhen
, die eine
notwendige
Entsagung
auf das
Recht
dogmatischer
Behauptungen
bewirken
könnten
.
Da
er auch zwischen den
gegründeten
Ansprüchen
des
Verstandes
und den
dialektischen
Anmaßungen
der
Vernunft
, wider
welche
doch
hauptsächlich
seine
Angriffe
gerichtet
sind,
keinen
Unterschied
kennt
: so
fühlt
die
Vernunft
, deren
ganz
eigentümlicher
Schwung
hierbei
nicht im
mindesten
gestört
,
sondern
nur
gehindert
worden
, den
Raum
zu ihrer
Ausbreitung
nicht
verschlossen
, und kann von ihren
Versuchen
,
unerachtet
sie hier oder
da
gezwackt
wird,
niemals
gänzlich
abgebracht
werden.
Denn
wider
Angriffe
rüstet
man sich zur
Gegenwehr
, und
setzt
noch um
desto
steifer
seinen
Kopf
darauf, um seine
Forderungen
durchzusetzen
. Ein
völliger
Überschlag
aber seines
ganzen
Vermögens
und die daraus
entspringende
Überzeugung
der
Gewißheit
eines
kleinen
Besitzes
, bei der
Eitelkeit
höherer
Ansprüche
,
hebt
allen
Streit
auf, und
bewegt
, sich in einem
eingeschränkten
, aber
unstrittigen
Eigentume
friedfertig
zu
begnügen
.
Wider den
unkritischen
Dogmatiker
, der die
Sphäre
seines
Verstandes
nicht
gemessen
,
mithin
die
Grenzen
seiner
möglichen
Erkenntnis
nicht nach
Prinzipien
bestimmt
hat, der also nicht schon zum
voraus
weiß
, wie viel er kann,
sondern
es durch
bloße
Versuche
ausfindig
zu
machen
denkt
, sind diese
skeptischen
Angriffe
nicht allein
gefährlich
,
sondern
ihm
sogar
verderblich
.
Denn
, wenn er auf einer
einzigen
Behauptung
betroffen
wird, die er nicht
rechtfertigen
, deren
Schein
er aber auch nicht aus
Prinzipien
entwickeln
kann, so
fällt
der
Verdacht
auf alle, so
überredend
sie auch sonst immer
sein
mögen
.
Und so ist der
Skeptiker
der
Zuchtmeister
des
dogmatischen
Vernünftlers
auf eine
gesunde
Kritik
des
Verstandes
und der
Vernunft
selbst. Wenn er
dahin
gelangt
ist, so hat er weiter keine
Anfechtung
zu
fürchten
;
denn
er
unterscheidet
alsdann
seinen
Besitz
von dem, was
gänzlich
außerhalb
demselben
liegt
,
worauf
er keine
Ansprüche
macht
und
darüber
auch nicht in
Streitigkeiten
verwickelt
werden kann. So ist das
skeptische
Verfahren
zwar an sich selbst
für
die
Vernunftfragen
nicht
befriedigend
, aber doch
vorübend
, um ihre
Vorsichtigkeit
zu
erwecken
und auf
gründliche
Mittel
zu
weisen
, die sie in ihren
rechtmäßigen
Besitzen
sichern
können
.
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