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Immanuel Kant
Kritik der reinen Vernunft (1781)
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Einleitung
Von dem Unterschiede analytischer und synthetischer Urteile
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Von dem
Unterschiede
analytischer
und
synthetischer
Urteile
In
allen
Urteilen
,
worinnen
das
Verhältnis
eines
Subjekts
zum
Prädikat
gedacht
wird, (wenn ich nur die
bejahenden
erwäge
:
denn
auf die
verneinenden
ist die
Anwendung
leicht
) ist dieses
Verhältnis
auf
zweierlei
Art
möglich
. Entweder das
PrädikatB
gehört
zum
SubjektA
als etwas, was in diesem
BegriffeA
(
versteckterweise
)
enthalten
ist; oder
B
liegt
ganz
außer
dem
BegriffA
, ob es zwar mit demselben in
Verknüpfung
steht
. Im
ersten
Fall
nenne
ich das
Urteil
analytisch
, im
andern
synthetisch
.
Analytische
Urteile
(die
bejahenden
) sind also
diejenigen
, in
welchen
die
Verknüpfung
des
Prädikats
mit dem
Subjekt
durch
Identität
,
diejenigen
aber, in denen diese
Verknüpfung
ohne
Identität
gedacht
wird,
sollen
synthetische
Urteile
heißen
. Die
ersteren
könnte
man auch
Erläuterungs-
, die
anderen
Erweiterungs-Urteile
heißen
, weil
jene
durch das
Prädikat
nichts zum
Begriff
des
Subjekts
hinzutun
,
sondern
diesen nur durch
Zergliederung
in seine
Teilbegriffe
zerfällen
, die in
selbigen
schon, (
obschon
verworren
)
gedacht
waren
:
dahingegen
die
letzteren
zu dem
Begriffe
des
Subjekts
ein
Prädikat
hinzutun
,
welches
in jenem
gar
nicht
gedacht
war, und durch keine
Zergliederung
desselben
hätte
können
herausgezogen
werden,
z
.
B
. wenn ich
sage
: alle
Körper
sind
ausgedehnt
, so ist dies ein
analytisch
Urteil
.
Denn
ich
darf
nicht aus dem
Begriffe
, den ich mit dem
Wort
Körper
verbinde
,
hinausgehen
, um die
Ausdehnung
als mit demselben
verknüpft
zu
finden
,
sondern
jenen
Begriff
nur
zergliedern
,
d.i.
des
Mannigfaltigen
,
welches
ich
jederzeit
in
ihm
denke
, nur
bewußt
werden, um dieses
Prädikat
darin
anzutreffen
; es ist also ein
analytisches
Urteil
.
Dagegen
, wenn ich
sage
: alle
Körper
sind
schwer
, so ist das
Prädikat
etwas
ganz
anderes
, als das, was ich in dem
bloßen
Begriff
eines
Körpers
überhaupt
denke
. Die
Hinzufügung
eines
solchen
Prädikats
gibt
also ein
synthetisch
Urteil
.
Nun ist
hieraus
klar
:
l
.daß durch
analytische
Urteile
unsere
Erkenntnis
gar
nicht
erweitert
werde
,
sondern
der
Begriff
, den ich schon habe,
auseinandergesetzt
, und mir selbst
verständlich
gemacht
werde
; 2.daß bei
synthetischen
Urteilen
ich
außer
dem
Begriffe
des
Subjekts
noch etwas
anderes
(X) haben
müsse
,
worauf
sich der
Verstand
stützt
, um ein
Prädikat
, das in jenem
Begriffe
nicht
liegt
, doch als dazu
gehörig
zu
erkennen
.
Bei
empirischen
oder
Erfahrungsurteilen
hat es hiermit
gar
keine
Schwierigkeit
.
Denn
diesesX
ist die
vollständige
Erfahrung
von dem
Gegenstande
, den ich durch einen
BegriffA
denke
,
welcher
nur einen
Teil
dieser
Erfahrung
ausmacht
.
Denn
ob ich schon in dem
Begriff
eines
Körpers
überhaupt
das
Prädikat
der
Schwere
gar
nicht
einschließe
, so
bezeichnet
er doch die
vollständige
Erfahrung
durch einen
Teil
derselben
, zu
welchem
also ich noch
andere
Teile
eben
derselben
Erfahrung
, als zu dem
ersteren
gehörig
,
hinzufügen
kann. Ich kann den
Begriff
des
Körpers
vorher
analytisch
durch die
Merkmale
der
Ausdehnung
, der
Undurchdringlichkeit
, der
Gestalt
usw
., die alle in diesem
Begriff
gedacht
werden,
erkennen
. Nun
erweitere
ich aber meine
Erkenntnis
, und,
indem
ich auf die
Erfahrung
zurücksehe
, von
welcher
ich diesen
Begriff
des
Körpers
abgezogen
hatte, so
finde
ich mit
obigen
Merkmalen
auch die
Schwere
jederzeit
verknüpft
. Es ist also die
Erfahrung
jenesX
, was
außer
dem
BegriffeA
liegt
, und
worauf
sich die
Möglichkeit
der
Synthesis
des
Prädikats
der
SchwereB
mit dem
BegriffeA
gründet
.
Aber bei
synthetischen
Urteilen
a
priori
fehlt
dieses
Hilfsmittel
ganz
und
gar
. Wenn ich
außer
dem
BegriffeA
hinausgehen
soll
, um einen
andernB
, als damit
verbunden
zu
erkennen
, was ist das,
worauf
ich mich
stütze
, und
wodurch
die
Synthesis
möglich
wird,
da
ich hier den
Vorteil
nicht habe, mich im
Felde
der
Erfahrung
danach
umzusehen
? Man
nehme
den
Satz
: Alles, was
geschieht
, hat seine
Ursache
. In dem
Begriff
von etwas, das
geschieht
,
denke
ich zwar ein
Dasein
,
vor
welchem
eine
Zeit
vorhergeht
usw
. und daraus
lassen
sich
analytische
Urteile
ziehen
. Aber der
Begriff
einer
Ursache
zeigt
etwas von dem, was
geschieht
,
Verschiedenes
an, und ist in dieser
letzteren
Vorstellung
gar
nicht mit
enthalten
. Wie
komme
ich
denn
dazu, von dem, was
überhaupt
geschieht
, etwas davon
ganz
Verschiedenes
zu
sagen
, und den
Begriff
der
Ursachen
,
obzwar
in
jenen
nicht
enthalten
,
dennoch
, als dazu
gehörig
, zu
erkennen
. Was ist hier
dasX
,
worauf
sich der
Verstand
stützt
, wenn er
außer
dem
Begriff
vonA
ein demselben
fremdes
Prädikat
aufzufinden
glaubt
, das
gleichwohl
damit
verknüpft
sei
.
Erfahrung
kann es nicht
sein
, weil der
angeführte
Grundsatz
nicht allein mit
größerer
Allgemeinheit
, als die
Erfahrung
verschaffen
kann,
sondern
auch mit dem
Ausdruck
der
Notwendigkeit
,
mithin
gänzlich
a
priori
und aus
bloßen
Begriffen
diese
zweite
Vorstellungen
zu der
ersteren
hinzufügt
. Nun
beruht
auf
solchen
synthetischen
d.i.
Erweiterungs-Grundsätzen
die
ganze
Endabsicht
unserer
spekulativen
Erkenntnis
a
priori
;
denn
die
analytischen
sind zwar
höchst
wichtig
und
nötig
, aber nur um zu
derjenigen
Deutlichkeit
der
Begriffe
zu
gelangen
, die zu einer
sicheren
und
ausgebreiteten
Synthesis
, als zu einem
wirklich
neuen
Anbau
,
erforderlich
ist.
Es
liegt
also hier ein
gewisses
Geheimnis
verborgen
2
, dessen
Aufschluß
allein den
Fortschritt
in dem
grenzenlosen
Felde
der
reinen
Verstandeserkenntnis
sicher
und
zuverlässig
machen
kann:
nämlich
mit
gehöriger
Allgemeinheit
den
Grund
der
Möglichkeit
synthetischer
Urteile
a
priori
aufzudecken
, die
Bedingungen
, die eine jede
Art
derselben
möglich
machen
,
einzusehen
, und diese
ganze
Erkenntnis
(die ihre eigene
Gattung
ausmacht
) in einem
System
nach ihren
ursprünglichen
Quellen
,
Abteilungen
,
Umfang
und
Grenzen
, nicht durch einen
flüchtigen
Umkreis
zu
bezeichnen
,
sondern
vollständig
und zu jedem
Gebrauch
hinreichend
zu
bestimmen
. Soviel
vorläufig
von dem
Eigentümlichen
, was die
synthetischen
Urteile
an sich haben.
Aus diesem
allen
ergibt
sich nun die
Idee
einer
besondern
Wissenschaft
, die zur
Kritik
der
reinen
Vernunft
dienen
könne
. Es
heißt
aber jede
Erkenntnis
rein
, die mit nichts
Fremdartigen
vermischt
ist.
Besonders
aber wird eine
Erkenntnis
schlechthin
rein
genannt
, in die sich
überhaupt
keine
Erfahrung
oder
Empfindung
einmischt
,
welche
mithin
völlig
a
priori
möglich
ist. Nun ist
Vernunft
das
Vermögen
,
welches
die
Prinzipien
der
Erkenntnis
a
priori
an die
Hand
gibt
. Daher ist
reine
Vernunft
diejenige
,
welche
die
Prinzipien
etwas
schlechthin
a
priori
zu
erkennen
,
enthält
. Ein
Organon
der
reinen
Vernunft
würde
ein
Inbegriff
derjenigen
Prinzipien
sein
, nach denen alle
reinen
Erkenntnisse
a
priori
können
erworben
und
wirklich
zustande
gebracht
werden. Die
ausführliche
Anwendung
eines
solchen
Organon
würde
ein
System
der
reinen
Vernunft
verschaffen
.
Da
dieses aber sehr viel
verlangt
ist, und es noch
dahin
steht
, ob auch
überhaupt
eine solche
Erweiterung
unserer
Erkenntnis
, und in
welchen
Fällen
sie
möglich
sei
; so
können
wir eine
Wissenschaft
der
bloßen
Beurteilung
der
reinen
Vernunft
, ihrer
Quellen
und
Grenzen
, als die
Propädeutik
zum
System
der
reinen
Vernunft
ansehen
. Eine solche
würde
nicht eine
Doktrin
,
sondern
nur
Kritik
der
reinen
Vernunft
heißen
müssen
, und ihr
Nutzen
würde
wirklich
nur
negativ
sein
, nicht zur
Erweiterung
,
sondern
nur zur
Läuterung
unserer
Vernunft
dienen
, und sie von
Irrtümern
frei
halten
,
welches
schon sehr viel
gewonnen
ist. Ich
nenne
alle
Erkenntnis
transzendental
, die sich nicht sowohl mit
Gegenständen
,
sondern
mit unsern
Begriffen
a
priori
von
Gegenständen
überhaupt
beschäftigt
. Ein
System
solcher
Begriffe
würde
Transzendental-Philosophie
heißen
. Diese ist aber
wiederum
für
den
Anfang
zu viel.
Denn
weil eine solche
Wissenschaft
sowohl die
analytische
Erkenntnis
, als die
synthetische
a
priori
vollständig
enthalten
müßte
, so ist sie,
insofern
es
unsere
Absicht
betrifft
, von zu
weitem
Umfange
,
indem
wir die
Analysis
nur so
weit
treiben
dürfen
, als sie
unentbehrlich
nötig
ist, um die
Prinzipien
der
Synthesis
a
priori
, als warum es uns nur zu tun ist, in ihrem
ganzen
Umfange
einzusehen
. Diese
Untersuchung
, die wir
eigentlich
nicht
Doktrin
,
sondern
nur
transzendentale
Kritik
nennen
können
, weil sie nicht die
Erweiterung
der
Erkenntnisse
selbst,
sondern
nur die
Berichtigung
derselben
zur
Absicht
hat, und den
Probierstein
des
Werts
oder
Unwerts
aller
Erkenntnisse
a
priori
abgeben
soll
, ist das, womit wir uns jetzt
beschäftigen
. Eine solche
Kritik
ist
demnach
eine
Vorbereitung
, wo
möglich
, zu einem
Organon
, und, wenn dieses nicht
gelingen
sollte
,
wenigstens
zu einem
Kanon
derselben
, nach
welchen
allenfalls
dereinst
das
vollständige
System
der
Philosophie
der
reinen
Vernunft
, es
mag
nun in
Erweiterung
oder
bloßer
Begrenzung
ihrer
Erkenntnis
bestehen
, sowohl
analytisch
, als
synthetisch
dargestellt
werden
könnte
.
Denn
daß dieses
möglich
sei
, ja daß ein
solches
System
von nicht
gar
großem
Umfange
sein
könne
, um zu
hoffen
, es
ganz
zu
vollenden
,
läßt
sich schon zum
voraus
daraus
ermessen
, daß hier nicht die
Natur
der
Dinge
,
welche
unerschöpflich
ist,
sondern
der
Verstand
, der über die
Natur
der
Dinge
urteilt
, und auch dieser
wiederum
nur in
Ansehung
seiner
Erkenntnis
a
priori
den
Gegenstand
ausmacht
, dessen
Vorrat
, weil wir
ihn
doch nicht
auswärtig
suchen
dürfen
, uns nicht
verborgen
bleiben
kann, und allem
Vermuten
nach
klein
genug ist, um
vollständig
aufgenommen
, nach seinem
Werte
oder
Unwerte
beurteilt
und unter
richtige
Schätzung
gebracht
zu werden.
2
Wäre
es einem von den
Alten
eingefallen
, auch nur diese
Frage
aufzuwerfen
, so
würde
diese allein
allen
Systemen
der
reinen
Vernunft
bis auf
unsere
Zeit
mächtig
widerstanden
haben, und hätte so viele
eitele
Versuche
erspart
, die, ohne zu
wissen
, womit man
eigentlich
zu tun hat,
blindlings
unternommen
worden
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