Index
|
Wörter
:
alphabetisch
-
Frequenz
-
rückläufig
-
Länge
-
Statistik
|
Hilfe
|
IntraText-Bibliothek
Immanuel Kant
Kritik der reinen Vernunft (1781)
IntraText CT - Text
I. Transzendentale Elementarlehre
Zweiter Teil Die transzendentale Logik
Erste Abteilung Die transzendentale Analytik
Erstes Buch Die Analytik der Begriffe
Erstes Hauptstück Von dem Leitfaden der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe
Dritter Abschnitt Von den reinen Verstandesbegriffen oder Kategorien
zurück
-
vor
Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen auszublenden
Dritter
Abschnitt
Von den
reinen
Verstandesbegriffen
oder
Kategorien
Die
allgemeine
Logik
abstrahiert
, wie
mehrmalen
schon
gesagt
worden
, von allem
Inhalt
der
Erkenntnis
, und
erwartet
, daß ihr
anderwärts
, woher es auch
sei
,
Vorstellungen
gegeben
werden, um diese
zuerst
in
Begriffe
zu
verwandeln
,
welches
analytisch
zugeht
.
Dagegen
hat die
transzendentale
Logik
ein
Mannigfaltiges
der
Sinnlichkeit
a
priori
vor
sich
liegen
,
welches
die
transzendentale
Ästhetik
ihr
darbietet
, um zu den
reinen
Verstandesbegriffen
einen
Stoff
zu
geben
, ohne den sie ohne
allen
Inhalt
,
mithin
völlig
leer
sein
würde
.
Raum
und
Zeit
enthalten
nun ein
Mannigfaltiges
der
reinen
Anschauung
a
priori
,
gehören
aber
gleichwohl
zu den
Bedingungen
der
Rezeptivität
unseres
Gemüts
, unter denen es allein
Vorstellungen
von
Gegenständen
empfangen
kann, die
mithin
auch den
Begriff
derselben
jederzeit
affizieren
müssen
. Allein die
Spontaneität
unseres
Denkens
erfordert
es, daß dieses
Mannigfaltige
zuerst
auf
gewisse
Weise
durchgegangen
,
aufgenommen
, und
verbunden
werde
, um daraus eine
Erkenntnis
zu
machen
. Diese
Handlung
nenne
ich
Synthesis
.
Ich
verstehe
aber unter
Synthesis
in der
allgemeinsten
Bedeutung
die
Handlung
,
verschiedene
Vorstellungen
zueinander
hinzuzutun
, und ihre
Mannigfaltigkeit
in einer
Erkenntnis
zu
begreifen
. Eine solche
Synthesis
ist
rein
, wenn das
Mannigfaltige
nicht
empirisch
,
sondern
a
priori
gegeben
ist (wie das im
Raum
und der
Zeit
).
Vor
aller
Analysis
unserer
Vorstellungen
müssen
diese zuvor
gegeben
sein
, und es
können
keine
Begriffe
dem
Inhalte
nach
analytisch
entspringen
. Die
Synthesis
eines
Mannigfaltigen
aber (es
sei
empirisch
oder
a
priori
gegeben
),
bringt
zuerst
eine
Erkenntnis
hervor
, die zwar
anfänglich
noch
roh
und
verworren
sein
kann, und also der
Analysis
bedarf
; allein die
Synthesis
ist doch
dasjenige
, was
eigentlich
die
Elemente
zu
Erkenntnissen
sammelt
, und zu einem
gewissen
Inhalte
vereinigt
; sie ist also das
erste
,
worauf
wir acht zu
geben
haben, wenn wir über den
ersten
Ursprung
unserer
Erkenntnis
urteilen
wollen
.
Die
Synthesis
überhaupt
ist, wie wir
künftig
sehen
werden, die
bloße
Wirkung
der
Einbildungskraft
, einer
blinden
, obgleich
unentbehrlichen
Funktion
der
Seele
, ohne die wir
überall
gar
keine
Erkenntnis
haben
würden
, der wir uns aber
selten
nur
einmal
bewußt
sind. Allein, diese
Synthesis
auf
Begriffe
zu
bringen
, das ist eine
Funktion
, die dem
Verstande
zukommt
, und
wodurch
er uns
allererst
die
Erkenntnis
in
eigentlicher
Bedeutung
verschafft
.
Die
reine
Synthesis
,
allgemein
vorgestellt
,
gibt
nun den
reinen
Verstandesbegriff
. Ich
verstehe
aber unter dieser
Synthesis
diejenige
,
welche
auf einem
Grunde
der
synthetischen
Einheit
a
priori
beruht
: so ist unser
Zählen
(
vornehmlich
ist es in
größeren
Zahlen
merklicher
) eine
Synthesis
nach
Begriffen
, weil sie nach einem
gemeinschaftlichen
Grunde
der
Einheit
geschieht
(
z
.
E
. der
Dekadik
). Unter diesem
Begriffe
wird also die
Einheit
in der
Synthesis
des
Mannigfaltigen
notwendig
.
Analytisch
werden
verschiedene
Vorstellungen
unter einen
Begriff
gebracht
, (ein
Geschäft
,
wovon
die
allgemeine
Logik
handelt
). Aber nicht die
Vorstellungen
,
sondern
die
reine
Synthesis
der
Vorstellungen
auf
Begriffe
zu
bringen
,
lehrt
die
transz
.
Logik
. Das
erste
, was uns zum
Behuf
der
Erkenntnis
aller
Gegenstände
a
priori
gegeben
sein
muß
, ist das
Mannigfaltige
der
reinen
Anschauung
; die
Synthesis
dieses
Mannigfaltigen
durch die
Einbildungskraft
ist das
zweite
,
gibt
aber noch keine
Erkenntnis
. Die
Begriffe
,
welche
dieser
reinen
Synthesis
Einheit
geben
, und
lediglich
in der
Vorstellung
dieser
notwendigen
synthetischen
Einheit
bestehen
, tun das
dritte
zum
Erkenntnisse
eines
vorkommenden
Gegenstandes
, und
beruhen
auf dem
Verstande
.
Dieselbe
Funktion
,
welche
den
verschiedenen
Vorstellungen
in einem
Urteile
Einheit
gibt
, die
gibt
auch der
bloßen
Synthesis
verschiedene
Vorstellungen
in einer
Anschauung
Einheit
,
welche
,
allgemein
ausgedrückt
, der
reine
Verstandesbegriff
heißt
.
Derselbe
Verstand
also, und zwar durch
eben
dieselben
Handlungen
,
wodurch
er in
Begriffen
,
vermittelst
der
analytischen
Einheit
, die
logische
Form
eines
Urteils
zustande
brachte
,
bringt
auch,
vermittelst
der
synthetischen
Einheit
des
Mannigfaltigen
in der
Anschauung
überhaupt
, in seine
Vorstellungen
einen
transzendentalen
Inhalt
,
weswegen
sie
reine
Verstandesbegriffe
heißen
, die
a
priori
auf
Objekte
gehen
,
welches
die
allgemeine
Logik
nicht
leisten
kann.
Auf solche
Weise
entspringen
gerade
so viel
reine
Verstandesbegriffe
,
welche
a
priori
auf
Gegenstände
der
Anschauung
überhaupt
gehen
, als es in der
vorigen
Tafel
logische
Funktionen
in
allen
möglichen
Urteilen
gab
:
denn
der
Verstand
ist durch
gedachte
Funktionen
völlig
erschöpft
, und
sein
Vermögen
dadurch
gänzlich
ausgemessen
. Wir
wollen
diese
Begriffe
, nach dem
Aristoteles
Kategorien
nennen
,
indem
unsere
Absicht
uranfänglich
mit der
seinigen
zwar
einerlei
ist, ob sie sich
gleich
davon in der
Ausführung
gar
sehr
entfernt
.
Tafel
der
Kategorien
l
.
Der
Quantität
:
Einheit
Vielheit
Allheit
.
2.
Der
Qualität
:
Realität
Negation
Limitation
.
3.
Der
Relation
:
der
Inhärenz
und
Subsistenz
(
substantia
et
accidens
)
der
Kausalität
und
Dependenz
(
Ursache
und
Wirkung
)
der
Gemeinschaft
(
Wechselwirkung
zwischen dem
Handelnden
und
Leidenden
).
4.
Der
Modalität
:
Möglichkeit
-
Unmöglichkeit
Dasein
-
Nichtsein
Notwendigkeit
-
Zufälligkeit
.
Dieses ist nun die
Verzeichnung
aller
ursprünglich
reinen
Begriffe
der
Synthesis
, die der
Verstand
a
priori
in sich
enthält
, und um
derentwillen
er auch nur ein
reiner
Verstand
ist;
indem
er durch sie allein etwas bei dem
Mannigfaltigen
der
Anschauung
verstehen
,
d.i.
ein
Objekt
derselben
denken
kann. Diese
Einteilung
ist
systematisch
aus einem
gemeinschaftlichen
Prinzip
,
nämlich
dem
Vermögen
zu
urteilen
, (
welches
ebensoviel
ist, als das
Vermögen
zu
denken
,)
erzeugt
, und nicht
rhapsodistisch
, aus einer auf
gut
Glück
unternommenen
Aufsuchung
reiner
Begriffe
entstanden
, deren
Vollzähligkeit
man
niemals
gewiß
sein
kann,
da
sie nur durch
Induktion
geschlossen
wird, ohne zu
gedenken
, daß man noch auf die
letztere
Art
niemals
einsieht
, warum
denn
gerade
diese und nicht
andere
Begriffe
dem
reinen
Verstande
beiwohnen
. Es war ein eines
scharfsinnigen
Mannes
würdiger
Anschlag
des
Aristoteles
, diese
Grundbegriffe
aufzusuchen
.
Da
er aber kein
Prinzipium
hatte, so
raffte
er sie auf, wie sie
ihm
aufstießen
, und
trieb
deren
zuerst
zehn auf, die er
Kategorien
(
Prädikamente
)
nannte
. In der
Folge
glaubte
er noch ihrer
fünfe
aufgefunden
zu haben, die er unter dem
Namen
der
Postprädikamente
hinzufügte
. Allein seine
Tafel
blieb
noch immer
mangelhaft
.
Außerdem
finden
sich auch einige
modi
der
reinen
Sinnlichkeit
darunter, (
quando
,
ubi
,
situs
,
imgleichen
prius
,
simul
,) auch ein
empirischer
, (
motus
) die in dieses
Stammregister
des
Verstandes
gar
nicht
gehören
, oder es sind auch die
abgeleiteten
Begriffe
mit unter die
Urbegriffe
gezählt
, (
actio
,
passio
,) und an
einigen
der
letzteren
fehlt
es
gänzlich
.
Um der
letzteren
willen
ist also noch zu
bemerken
: daß die
Kategorien
, als die
wahren
Stammbegriffe
des
reinen
Verstandes
, auch ihre
ebenso
reinen
abgeleiteten
Begriffe
haben, die in einem
vollständigen
System
der
Transzendental-Philosophie
keineswegs
übergangen
werden
können
, mit deren
bloßer
Erwähnung
aber ich in einem
bloß
kritischen
Versuch
zufrieden
sein
kann.
Es
sei
mir
erlaubt
, diese
reinen
, aber
abgeleiteten
Verstandesbegriffe
die
Prädikabilien
des
reinen
Verstandes
(im
Gegensatz
der
Prädikamente
) zu
nennen
. Wenn man die
ursprünglichen
und
primitiven
Begriffe
hat, so
lassen
sich die
abgeleiteten
und
subalternen
leicht
hinzufügen
, und der
Stammbaum
des
reinen
Verstandes
völlig
ausmalen
.
Da
es mir hier nicht um die
Vollständigkeit
des
Systems
,
sondern
nur der
Prinzipien
zu einem
System
zu tun ist, so
verspare
ich diese
Ergänzung
auf eine
andere
Beschäftigung
. Man kann aber diese
Absicht
ziemlich
erreichen
, wenn man die
Ontologischen
Lehrbücher
zur
Hand
nimmt
, und
z
.
B
. der
Kategorie
der
Kausalität
die
Prädikabilien
der
Kraft
, der
Handlung
, des
Leidens
; der der
Gemeinschaft
die der
Gegenwart
, des
Widerstandes
; den
Prädikamenten
der
Modalität
die des
Entstehens
,
Vergehens
, der
Veränderung
usw
.
unterordnet
. Die
Kategorien
mit den
modis
der
reinen
Sinnlichkeit
oder auch
untereinander
verbunden
,
geben
eine
große
Menge
abgeleiteter
Begriffe
a
priori
, die zu
bemerken
, und wo
möglich
, bis zur
Vollständigkeit
zu
verzeichnen
, eine
nützliche
und nicht
unangenehme
, hier aber
entbehrliche
Bemühung
sein
würde
.
Der
Definitionen
dieser
Kategorien
überhebe
ich mir in dieser
Abhandlung
geflissentlich
, ob ich
gleich
im
Besitz
derselben
sein
möchte
. Ich
werde
diese
Begriffe
in der
Folge
bis auf den
Grad
zergliedern
,
welcher
in
Beziehung
auf die
Methodenlehre
, die ich
bearbeite
,
hinreichend
ist. In einem
System
der
reinen
Vernunft
würde
man sie mit
Recht
von mir
fordern
können
: aber hier
würden
sie nur den
Hauptpunkt
der
Untersuchung
aus den
Augen
bringen
,
indem
sie
Zweifel
und
Angriffe
erregten
, die man, ohne der
wesentlichen
Absicht
etwas zu
entziehen
,
gar
wohl
auf eine
andere
Beschäftigung
verweisen
kann.
Indessen
leuchtet
doch aus dem
wenigen
, was ich
hievon
angeführt
habe,
deutlich
hervor
, daß ein
vollständiges
Wörterbuch
mit
allen
dazu
erforderlichen
Erklärungen
nicht allein
möglich
,
sondern
auch
leicht
sei
zustande
zu
bringen
. Die
Fächer
sind
einmal
da
; es ist nur
nötig
, sie
auszufüllen
, und eine
systematische
Topik
, wie die
gegenwärtige
,
laßt
nicht
leicht
die
Stelle
verfehlen
,
dahin
ein jeder
Begriff
eigentümlich
gehört
, und
zugleich
diejenige
leicht
bemerken
, die noch
leer
ist.
zurück
-
vor
Index
|
Wörter
:
alphabetisch
-
Frequenz
-
rückläufig
-
Länge
-
Statistik
|
Hilfe
|
IntraText-Bibliothek
Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText®
(V89) - Some rights reserved by
EuloTech SRL
- 1996-2007. Content in this page is licensed under a
Creative Commons License