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Da hat nun der Erhabene sich an den ehrwürdigen Anando gewandt:
«Es mag wohl sein, Anando, daß ihr etwa gedächtet: "Dahin ist die
Unterweisung des Meisters, wir haben keinen Meister mehr." Doch man darf
das, Anando nicht also ansehn. Was ich euch, Anando, als Lehre und als Zucht
aufgewiesen und angegeben habe, das ist nach meinem Verscheiden euer Meister.
Wie aber nun, Anando, die Mönche jetzt einer den anderen mit dem Worte Bruder
ansprechen, so soll es nicht mehr nach meinem Verscheiden von euch gehalten
sein. Von einem älteren Mönche, Anando, ist ein jüngerer Mönch mit dem Vornamen
oder dem Zunamen oder mit dem Bruderworte anzusprechen, von einem jüngeren
Mönche soll ein älterer Mönch als Herr oder als Ehrwürdiger angesprochen
werden. Wenn man es verlangt, Anando, soll die Jüngerschaft nach meinem
Verscheiden die minderen Verordnungen und was damit zusammenhängt aufheben. -
Aber Channo, Anando, den Mönch, ist nach meinem Verscheiden die geistliche
Strafe zu verhängen 47.»
«Was ist das aber, o Herr, die geistliche Strafe?»
«Channo, Anando, der Mönch, mag sagen was ihm beliebt und soll da von den
Mönchen weder angeredet noch ermahnt und zurechtgewiesen werden 48.»
Und nun wandte sich der Erhabene an die Mönche:
«Es mag wohl, ihr Mönche, wenn auch nur ein Mönch vielleicht in Zweifel oder
in Bedenken sein über den Erwachten oder über die Lehre oder über die
Jüngerschaft oder über den Weg oder über die Schritte; fragt nur, ihr Mönche,
auf daß ihr später nicht Reue empfindet: "Vor Augen gewesen war uns der
Meister, und wir vermochten nicht den Erhabenen von Angesicht zu fragen."»
Also gemahnt blieben jene Mönche still.
Aber ein zweites Mal, und ein drittes Mal wandte sich der Erhabene an die
Mönche:
«Es mag wohl, ihr Mönche, wenn auch nur ein Mönch vielleicht in Zweifel oder
in Bedenken sein über den Erwachten oder über die Lehre oder über die Jüngerschaft
oder über den Weg oder über die Schritte; fragt nur, ihr Mönche, auf daß ihr
später nicht Reue empfindet: "Vor Augen gewesen war uns der Meister, und
wir vermochten nicht den Erhabenen von Angesicht zu fragen."»
Zum drittenmal aber blieben jene Mönche still. Und der Erhabene wandte sich
nun an die Mönche:
«Es könnte wohl sein, ihr Mönche, daß ihr etwa aus Ehrfurcht vor dem Meister
nicht fragen möchtet; so soll es der Freund ihr Mönche dem Freunde vermelden.»
Also gemahnt blieben jene Mönche still. Da hat nun der ehrwürdige Anando zum
Erhabenen also gesprochen:
«Erstaunlich, o Herr, außerordentlich ist es, o Herr! Solchen Glauben hab'
ich, o Herr, zu dieser Jüngerschar: es gibt in dieser Jüngerschar auch nicht
einen Mönch, der in Zweifel oder in Bedenken wäre über den Erwachten oder über
die Lehre oder über die Jüngerschaft oder über den Weg oder über die Schritte.»
«Aus Glauben hast du, Anando, gesprochen: Wissen aber hat eben hier, Anando,
der Vollendete: es gibt in dieser Jüngerschar auch nicht einen Mönch, der in
Zweifel oder in Bedenken wäre über den Erwachten oder über die Lehre oder über
die Jüngerschaft oder über den Weg oder über die Schritte. Denn wer auch,
Anando, unter diesen fünfhundert Mönchen der geringste sei: er ist zur Hörerschaft
gelangt, dem Verderben entronnen, eilt zielbewußt der vollen Erwachung
entgegen.»
Dann hat nun der Erhabene sich an die Mönche gewandt:
«Wohlan denn, ihr Mönche, laßt euch gesagt sein: schwinden muß jede
Erscheinung, unermüdlich mögt ihr da kämpfen.»
Das war des Vollendeten letztes Wort.
Da ist denn der Erhabene in die erste Schauung eingegangen aus der ersten
Schauung emporgekommen in die zweite Schauung eingegangen, aus der zweiten
Schauung emporgekommen in die dritte Schauung eingegangen, aus der dritten
Schauung emporgekommen in die vierte Schauung eingegangen, aus der vierten
Schauung emporgekommen in das Reich des unbegrenzten Raumes eingegangen, aus
dem Bereiche des unbegrenzten Raumes emporgekommen in das Reich des
unbegrenzten Bewußtseins eingegangen, aus dem Bereiche des unbegrenzten
Bewußtseins emporgekommen in das Reich des Nichtdaseins eingegangen, aus dem
Bereiche des Nichtdaseins emporgekommen in das Reich der Grenze möglicher
Wahrnehmung eingegangen, aus dem Bereiche der Grenzscheide möglicher
Wahrnehmung emporgekommen in die Auflösung der Wahrnehmbarkeit eingegangen.
Alsbald aber hat der ehrwürdige Anando zum ehrwürdigen Anuruddho gesagt:
«Zur Erlöschung gekommen, o Herr, ist der Erhabene!»
«Nicht, Bruder Anando, ist der Erhabene zur Erlöschung gekommen, ist in die
Auflösung der Wahrnehmbarkeit eingegangen.»
Da ist denn der Erhabene
aus
dem Bereiche der aufgelösten Wahrnehmbarkeit emporgekommen in das Reich
der Grenze möglicher Wahrnehmung eingegangen,
aus
dem Bereiche der Grenzscheide möglicher Wahrnehmung emporgekommen in das
Reich des Nichtdaseins eingegangen,
aus
dem Bereiche des Nichtdaseins emporgekommen in das Reich des unbegrenzten
Bewußtseins eingegangen,
aus
dem Bereiche des unbegrenzten Bewußtseins emporgekommen in das Reich des
unbegrenzten Raumes eingegangen,
aus
dem Bereiche des unbegrenzten Raumes emporgekommen in die vierte Schauung
eingegangen,
aus
der vierten Schauung emporgekommen in die dritte Schauung
eingegangen,
aus
der dritten Schauung emporgekommen in die zweite Schauung
eingegangen,
aus
der zweiten Schauung emporgekommen in die erste Schauung
eingegangen,
aus
der ersten Schauung emporgekommen in die zweite Schauung
eingegangen,
aus
der zweiten Schauung emporgekommen in die dritte Schauung
eingegangen,
aus
der dritten Schauung emporgekommen in die vierte Schauung
eingegangen,
aus
der vierten Schauung emporgekommen ist der Erhabene ganz unmittelbar
erloschen.
Als der Erhabene erloschen war, zugleich mit der Erlöschung, war ein gewaltiges
Zittern über die Erde gegangen, ein Erschauern und ein Erschaudern, und der
Wolken rollende Donner dröhnten dahin.
Als der Erhabene erloschen war, zugleich mit der Erlöschung, hat Brahmá der
Mächtige Herr diesen Sangspruch gesagt:
Als der Erhabene erloschen war, zugleich mit der Erlöschung, hat Sakko der
Götter König diesen Sangspruch gesagt:
Als der Erhabene erloschen war, zugleich mit der Erlöschung, hat der
ehrwürdige Anuruddho diese Sangsprüche gesagt:
Als der Erhabene erloschen war,
zugleich mit der Erlöschung, hat der ehrwürdige Anando diesen Sangspruch
gesagt:
Als der Erhabene erloschen war, haben da gar manche Mönche, von Verlangen
nicht genesen, die Hände klagend gerungen, sind wie gebrochenen Fußes
hingestürzt, herangeschwankt und hinweggeschwankt: "Allzu bald ist der
Erhabene zu erlöschen gekommen, allzu bald ist der Willkommene zu erlöschen
gekommen, allzu bald ist das Auge der Welt dahingeschwunden!" Die aber da
Mönche waren von Verlangen genesen, die haben hierbei klar bewußt ausgeharrt:
"Erscheinung vergeht - wie wär's auch anders möglich 51."
Da hat nun der ehrwürdige Anuruddho sich an die Mönche gewandt:
«Genug, ihr Brüder, seid nicht traurig, lasset die Klage: hat denn das
nicht, ihr Brüder, der Erhabene vorher schon verkündet, daß eben alles, was
einem lieb und angenehm ist, verschieden werden, aus werden, anders werden muß?
Woher könnte das hier, ihr Brüder, erlangt werden, daß was geboren, geworden,
zusammengesetzt, dem Verfall unterworfen ist, da doch nicht verfallen sollte:
das gibt es nicht. Gottheiten, ihr Brüder, seufzen da auf.»
«Wie beschaffen aber, o Herr, sind die Gottheiten, die der ehrwürdige
Anuruddho im Geiste bemerkt?»
«Es sind Bruder Anando, Gottheiten im Raume mit irdischen Gedanken, die
raufen sich klagend das Haar, ringen klagend die Hände wie gebrochenen Fußes
stürzen sie nieder, schwanken heran und schwanken hinweg: "Allzu bald ist
der Erhabene zu erlöschen gekommen, allzubald ist der Willkommene zu erlöschen
gekommen, allzubald ist das Auge der Welt dahingeschwunden!" Es sind,
Bruder Anando, Gottheiten auf der Erde mit irdischen Gedanken, die raufen sich
klagend das Haar, ringen klagend die Hände, wie gebrochenen Fußes stürzen sie
nieder, schwanken heran und schwanken hinweg: "Allzu bald ist der Erhabene
zu erlöschen gekommen, allzu bald ist der Willkommene zu erlöschen gekommen,
allzu bald ist das Auge der Welt dahingeschwunden!" Die aber da Gottheiten
sind von Verlangen genesen, die harren hierbei klar bewußt aus:
"Erscheinung vergeht - wie wär's auch anders möglich."»
Dann hat nun der ehrwürdige Anuruddho mit dem ehrwürdigen Anando den Rest
dieser Nacht im Gespräche über die Lehre zugebracht. Daraufhin aber wandte sich
der ehrwürdige Anuruddho an den ehrwürdigen Anando:
«Geh' hin, Bruder Anando, nach Kusinárá steige hinauf, und bringe den
kusinárischen Mallern die Botschaft: "Zu erlöschen gekommen, Vásetther,
ist der Erhabene wie es euch nun belieben mag."»
«Wohl, o Herr», sagte da gehorsam der ehrwürdige Anando zum ehrwürdigen
Anuruddho. Und er rüstete sich frühmorgens, nahm Mantel und Schale und stieg
ohne Gefährten nach Kusinárá hinauf.
Zu der Zeit nun waren die kusinárischen Maller im Herrenhause versammelt, um
ebendieser Angelegenheit willen. Da begab sich denn der ehrwürdige Anando nach
dem Herrenhause der kusinárischen Maller hin. Dort angelangt brachte er den kusinárischen
Mallern die Botschaft:
«Zu erlöschen gekommen, Vásetther, ist der Erhabene: wie es euch nun
belieben mag.»
Auf diese Meldung des ehrwürdigen Anando wurden die Maller und die Söhne der
Maller, die mallischen Frauen und die mallischen Mütter betroffen, betrübt, von
geistigem Schmerze erfüllt: und manche rauften sich klagend das Haar, rangen
klagend die Hände, stürzten hin wie gebrochenen Fußes, schwankten heran und
schwankten hinweg: "Allzu bald ist der Erhabene zu erlöschen gekommen, allzu
bald ist der Willkommene zu erlöschen gekommen, allzu bald ist das Auge der
Welt dahingeschwunden!"
Alsbald nun haben die kusinárischen Maller ihren Leuten befohlen:
«So macht euch nur eilig auf und laßt in Kusinárá Blumen, Weihrauch und die
ganze festliche Ausrüstung herrichten.»
Da sind denn die kusinárischen Maller mit Blumen, Weihrauch und der ganzen
festlichen Ausrüstung, samt fünfhundert doppelten Tüchern, in die Landschaft
hinabgezogen, nach dem Kronwalde der Maller, wo des Erhabenen Leichnam war, haben
sie sich hinbegeben. Dort angelangt haben sie dem Leichnam des Erhabenen mit
Tanz und Gesang und Musikspiel, mit Weihrauch und Blumen gehuldigt,
Ergebenheit, Achtung und Verehrung bezeugt, haben Wimpel und flatternde Fahnen
aufgewunden, Gezelte und Baldachine errichtet und also diesen Tag zugebracht.
So haben denn die kusinárischen Maller sich gesagt:
«Zu spät ist's heute geworden, den Leichnam des Erhabenen zu verbrennen:
morgen dann werden wir den Leichnam des Erhabenen verbrennen lassen.»
Nun haben da die kusinárischen Maller, dem Leichnam des Erhabenen mit Tanz
und Gesang und Musikspiel, mit Weihrauch und Blumen huldigend, Ergebenheit,
Achtung und Verehrung bezeugend, Wimpel und flatternde Fahnen aufwindend,
Gezelte und Baldachine errichtend, auch den zweiten Tag damit zugebracht; auch
den dritten, vierten und fünften Tag, auch den sechsten Tag damit zugebracht.
Am siebenten Tag aber haben sich die kusinárischen Maller dann gesagt:
«Wir haben dem Leichnam des Erhabenen mit Tanz und Gesang und Musikspiel,
mit Weihrauch und Blumen gehuldigt, Ergebenheit, Achtung und Verehrung bezeugt:
wir werden den Leichnam des Erhabenen von Süden durch die untere Seite der
Stadt führen und über die äußere Seite herum und gegen Süden der Stadt
verbrennen.»
Eben um diese Zeit nun waren acht Maller aus den ersten Geschlechtern über
den Scheitel gebadet worden, in ungebrauchte Gewänder gekleidet. Die sagten:
"Wir werden den Leichnam des Erhabenen empornehmen": aber sie
vermochten nicht anzuheben. Da haben denn die kusinárischen Maller den
ehrwürdigen Anuruddho gefragt:
«Was ist wohl, Herr Anuruddho, der Anlaß, was ist der Umstand, daß diese
acht Maller aus den ersten Geschlechtern, die über den Scheitel gebadet worden,
in ungebrauchte Gewänder gekleidet sind, wie sie da den Leichnam des Erhabenen
empornehmen wollen, nicht imstande sind anzuheben?»
«Anders ist, ihr Vásetther, bei euch die Absicht, anders die Absicht bei den
Gottheiten.»
«Wie aber ist, o Herr, bei den Gottheiten die Absicht?»
«Ihr habt, Vásetther, die Absicht: "Wir werden, nachdem wir dem
Leichnam des Erhabenen mit Tanz und Gesang und Musikspiel, mit Weihrauch und
Blumen gehuldigt, Ergebenheit, Achtung und Verehrung bezeugt haben von Süden
durch die untere Seite der Stadt den Leichnam des Erhabenen führen und über die
äußere Seite herumgelangt gegen Süden der Stadt verbrennen." Die
Gottheiten haben, Vásetther, die Absicht: "Wir werden nachdem wir dem
Leichnam des Erhabenen mit himmlischem Tanz und Gesang und Musikspiel, Weihrauch
und Blumen gehuldigt, Ergebenheit, Achtung und Verehrung bezeugt haben, von
Norden durch die obere Seite der Stadt den Leichnam des Erhabenen führen, durch
das nördliche Tor gelangt in der Mitte durch die mittlere Stadt führen, durch
das östliche Tor hinausziehn und gegen Osten der Stadt, am Giebeldamm, wie der
Ringwall dort heißt, verbrennen 52."»
«Wie es, o Herr, der Gottheiten Absicht ist, so soll es sein.»
Gerade zu der Zeit aber war Kusinárá bis an den Rinnstein samt Müll- und
Kehrichthaufen beinahe kniehoch mit Korallenbaumblüten überstreut worden. Da
haben denn die Gottheiten und die kusinárischen Maller dem Leichnam des
Erhabenen mit himmlischem und mit irdischem Tanz und Gesang und Musikspiel,
Weihrauch und Blumen gehuldigt, Ergebenheit, Achtung und Verehrung bezeugt, von
Norden durch die obere Seite der Stadt den Leichnam des Erhabenen geführt,
durch das nördliche Tor gelangt in der Mitte durch die mittlere Stadt geführt,
sind durch das östliche Tor hinausgezogen und haben gegen Osten der Stadt, am
Giebeldamm, wie der Ringwall dort heißt, den Leichnam des Erhabenen
niedergestellt. Alsbald haben nun die kusinárischen Maller an den ehrwürdigen
Anando die Frage gerichtet:
«Wie haben wir, Herr Anando, mit dem Leichnam des Vollendeten zu verfahren?»
«Wie man, Vásetther, mit dem Leichnam eines Kaiserkönigs umgeht, so hat man
mit dem Leichnam des Vollendeten zu verfahren.»
«Wie aber geht man, Herr Anando, mit dem Leichnam eines Kaiserkönigs um?»
«Den Leichnam, Vásetther, eines Kaiserkönigs umwindet man mit ungebrauchtem
Linnen; mit ungebrauchtem Linnen umwunden umwindet man ihn mit ausgefaserter
Baumwolle; mit ausgefaserter Baumwolle umwunden umwindet man ihn mit
ungebrauchtem Linnen: hat man auf diese Weise den Leichnam des Kaiserkönigs fünfhundertmal
doppelt umwunden, so versenkt man ihn in eine eherne Truhe mit Öl, verschließt
sie mit ehernem Deckel, schichtet einen Scheiterhaufen aus allen würzigen
Hölzern zusammen und läßt den Leichnam des Kaiserkönigs in Flammen aufgehn,
errichtet wo vier Straßen sich kreuzen dem Kaiserkönig ein Kuppelmal. Also geht
man, Vásetther, mit dem Leichnam eines Kaiserkönigs um. Wie man nun, Vásetther,
mit dem Leichnam eines Kaiserkönigs umgeht, so hat man mit dem Leichnam des
Vollendeten umzugehn, wo vier Straßen sich kreuzen dem Vollendeten ein
Kuppelmal zu errichten. Die aber etwa dort einen Kranz oder eine Blume oder
Sandel niederlegen, oder einen Gruß darbringen, oder das Herz heiter zuwenden
werden, denen wird das langehin zur Freude, zum Wohle gereichen 53.»
Da haben denn die kusinárischen Maller ihren Leuten befohlen:
«So macht euch nur eilig auf und schafft den Mallern ausgefaserte Baumwolle
herbei.»
Alsbald haben nun die kusinárischen Maller den Leichnam des Erhabenen mit
ungebrauchtem Linnen umwunden; mit ungebrauchtem Linnen umwunden sodann mit
ausgefaserter Baumwolle umwunden; mit ausgefaserter Baumwolle umwunden sodann
mit ungebrauchtem Linnen umwunden: haben auf diese Weise den Leichnam des
Erhabenen fünfhundertmal doppelt umwunden, alsogleich in eine eherne Truhe mit
Öl versenkt, diese mit ehernem Deckel verschlossen; haben einen Scheiterhaufen
aus allen würzigen Hölzern zusammengeschichtet und den Leichnam des Erhabenen
auf den Holzstoß gebracht.
Um diese Zeit aber war der ehrwürdige Mahákassapo von Pává nach Kusinárá
unterwegs und zog die Landstraße entlang, von einer zahlreichen Jüngerschaft
begleitet, mit etwa fünfhundert Mönchen. Da war denn der ehrwürdige Mahákassapo
vom Wege abgebogen und hatte sich unter einem der Bäume niedergesetzt. Damals
nun war ein gewisser Nackter Büßer, der in Kusinárá eine Korallenbaumblüte
aufgelesen hatte, auf der Wanderung nach Pává unterwegs. Es sah aber der
ehrwürdige Mahákassapo wie jener Nackte Büßer von ferne herankam, und sprach
dann also zu ihm:
«Hast du etwa, Bruder, von unserem Meister gehört?»
«Ja freilich, Bruder, hab' ich gehört: heute sind es sieben Tage, daß der
Asket Gotamo erloschen ist; von dorther hab' ich diese Korallenbaumblüte
mitgebracht.»
Da haben nun gar manche Mönche, von Verlangen nicht genesen, die Hände
klagend gerungen, sind wie gebrochenen Fußes hingestürzt, herangeschwankt und
hinweggeschwankt: "Allzu bald ist der Erhabene zu erlöschen gekommen,
allzu bald ist der Willkommene zu erlöschen gekommen, allzu bald ist das Auge
der Welt dahingeschwunden!" Die aber da Mönche waren von Verlangen
genesen, die haben hierbei klar bewußt ausgeharrt: "Erscheinung vergeht -
wie wär's auch anders möglich."
Damals ist aber ein greiser Pilger, Subhaddo mit Namen, in der Versammlung
dort mitgesessen. Da hat denn Subhaddo der greise Pilger zu jenen Mönchen also
gesprochen 54:
«Genug, ihr Brüder, seid nicht traurig, lasset die Klage: erlöst sind wir
endlich von jenem großen Asketen! Heimgesucht waren wir immer von 'Das geziemt
euch zu tun, das geziemt euch zu lassen': jetzt aber werden wir tun was uns
beliebt, und was uns nicht beliebt, das werden wir nicht tun.»
Darauf hat der ehrwürdige Mahákassapo sich an die Mönche gewandt:
«Genug ihr Brüder, seid nicht traurig, lasset die Klage: hat denn das nicht,
ihr Brüder, der Erhabene vorher schon verkündet, daß eben alles, was einem lieb
und angenehm ist, verschieden werden, aus werden, anders werden muß? Woher
könnte das hier, ihr Brüder, erlangt werden, daß was geboren, geworden,
zusammengesetzt, dem Verfall unterworfen ist, da doch nicht verfallen sollte:
das gibt es nicht.»
Um eben diese Zeit waren vier der mallischen Edelleute, über den Scheitel
gebadete, in ungebrauchte Gewänder gekleidete, damit beflissen: "Wir
werden den Scheiterhaufen des Erhabenen aufflammen lassen": aber sie
vermochten keine Flamme zu entzünden. Da haben denn die kusinárischen Maller
den ehrwürdigen Anuruddho gefragt:
«Was ist wohl, Herr Anuruddho, der Anlaß, was ist der Umstand, daß diese
vier Maller aus den ersten Geschlechtern, über den Scheitel gebadete, in
ungebrauchte Gewänder gekleidete, wie sie da den Scheiterhaufen des Erhabenen
entflammen wollen, nicht imstande sind Feuer zu entzünden?»
«Anders ist, ihr Vásetther, die Absicht bei den Gottheiten.»
«Wie aber ist, o Herr, bei den Gottheiten die Absicht?»
«Die Gottheiten haben, Vásetther, die Absicht: "Da ist der ehrwürdige
Mahákassapo von Pává nach Kusinárá unterwegs und zieht die Landstraße entlang,
von einer zahlreichen Jüngerschaft begleitet, mit etwa fünfhundert Mönchen:
nicht eher soll der Scheiterhaufen des Erhabenen emporflammen, bis nicht der
ehrwürdige Mahákassapo dem Erhabenen zu Füßen Gruß entbieten kann".»
«Wie es, o Herr, der Gottheiten Absicht ist, so soll es sein.»
Da ist denn der ehrwürdige Mahákassapo nach Kusinári, zum Giebeldamm am
Ringwall der Maller, wo der Scheiterhaufen des Erhabenen war, hingezogen. Dort
angelangt schlug er den Mantel um eine Schulter, faltete die Hände zur Stirn,
schritt rechts um den Scheiterhaufen dreimal herum und bot dem Erhabenen zu
Füßen den Gruß dar. Und auch jene fünfhundert Mönche schlugen den Mantel um die
eine Schulter, falteten die Hände zur Stirn, schritten rechts um den
Scheiterhaufen dreimal herum und boten dem Erhabenen zu Füßen den Gruß dar.
Nach dem Gruß aber vom ehrwürdigen Mahákassapo und von den fünfhundert
Mönchen ist der Scheiterhaufen des Erhabenen ganz von selbst emporgeflammt.
Nachdem nun der Leichnam des Erhabenen in Flammen aufgegangen war, ist von
dem, was da Haut war oder Gewebe war oder Fleisch war oder Sehne war oder
Flüssigkeit war, keinerlei Asche zu bemerken gewesen oder Ruß: nur Knochenreste
sind übriggeblieben. Gleichwie etwa wenn Milchrahm oder Sesamöl in Flammen
aufgeht, keinerlei Asche zu bemerken ist oder Ruß: ebenso auch ist, nachdem der
Leichnam des Erhabenen in Flammen aufgegangen war, von dem, was da Haut war
oder Gewebe war oder Fleisch war oder Sehne war oder Flüssigkeit war, keinerlei
Asche zu bemerken gewesen oder Ruß, nur Knochenreste sind übriggeblieben.
Als dann der Leichnam des Erhabenen verbrannt war, hat aus den Wolken ein
Regenstrom sich ergossen und den Scheiterhaufen des Erhabenen zum Verlöschen
gebracht, und Wasser ist auch von den Bäumen hinzugeflossen und hat den
Scheiterhaufen des Erhabenen zum Verlöschen gebracht, und auch die
kusinárischen Maller haben mit allerhand wohlriechenden Wässern den
Scheiterhaufen des Erhabenen zum Verlöschen gebracht.
Dann aber haben die kusinárischen Maller den Überresten des Erhabenen eine Woche
lang im Herrenhause ein Gitterwerk von Speeren errichtet, einen Wall von Bogen
ringsum aufgepflanzt und mit Tanz und Gesang und Musikspiel, mit Kränzen und
Weihrauch gehuldigt, Ergebenheit, Achtung und Verehrung bezeugt 55.
Es vernahm nun der König von Magadhá, Ajátasattu, der Sohn der Videherin:
"Der Erhabene, heißt es, ist bei Kusinárá erloschen!" Da hat denn der
König von Magadhá, Ajátasattu, der Sohn der Videherin, an die kusinárischen
Maller einen Boten abgesandt: "Der Erhabene stammt von Kriegern ab, auch
ich stamme von Kriegern ab: auch mir gebührt ein Teil der Überreste vom
Erhabenen, auch ich werde den Überresten des Erhabenen ein Kuppelmal und eine
Feier bereiten."
Es vernahmen da die Licchavier von Vesálí: "Der Erhabene, heißt es, ist
bei Kusinárá erloschen!" Da haben denn die vesálischen Licchavier an die
kusinárischen Maller einen Boten abgesandt: "Der Erhabene stammt von
Kriegern ab, auch wir stammen von Kriegern ab: auch uns gebührt ein Teil der
Überreste vom Erhabenen, auch wir werden den Überresten des Erhabenen ein
Kuppelmal und eine Feier bereiten."
Es vernahmen da die Sakyer von Kapilavatthu: "Der Erhabene, heißt es,
ist bei Kusinárá erloschen!" Da haben denn die Sakyer von Kapilavatthu an
die kusinárischen Maller einen Boten abgesandt: Der Erhabene war der Höchste
unserer Verwandtschaft: auch uns gebührt ein Teil der Überreste vom Erhabenen,
auch wir werden den Überresten des Erhabenen ein Kuppelmal und eine Feier
bereiten."
Es vernahmen da die Thúlier von Allakappam: "Der Erhabene, heißt es,
ist bei Kusinárá erloschen!" Da haben denn die Thúlier von Allakappam an
die kusinárischen Maller einen Boten abgesandt: "Der Erhabene stammt von
Kriegern ab, auch wir stammen von Kriegern ab; auch uns gebührt ein Teil der Überreste
vom Erhabenen, auch wir werden den Überresten des Erhabenen ein Kuppelmal und
eine Feier bereiten."
Es vernahmen da die Koliyer von Rámagámo 56: "Der Erhabene,
heißt es, ist bei Kusinárá erloschen!" Da haben denn die Koliyer von
Rámagámo an die kusinárischen Maller einen Boten abgesandt: "Der Erhabene
stammt von Kriegern ab, auch wir stammen von Kriegern ab: auch uns gebührt ein
Teil der Überreste vom Erhabenen, auch wir werden den Überresten des Erhabenen
ein Kuppelmal und eine Feier bereiten."
Es vernahm da der Vethadíper Priester: "Der Erhabene, heißt es, ist bei
Kusinárá erloschen!" Da hat denn der Vethadíper Priester an die
kusinárischen Maller einen Boten abgesandt: "Der Erhabene stammt von
Kriegern ab, ich bin ein Priester: auch mir gebührt ein Teil der Überreste vom
Erhahenen, auch ich werde den Überresten des Erhabenen ein Kuppelmal und eine
Feier bereiten."
Es vernahmen da die Maller von Pává: "Der Erhabene, heißt es, ist bei
Kusinárá erloschen!" Da haben denn die Maller von Pává an die kusinárischen
Mallern einen Boten gesandt: "Der Erhabene stammt von Kriegern ab, auch
wir stammen von Kriegern ab: auch uns gebührt ein Teil der Überreste vom
Erhabenen, auch wir werden den Überresten des Erhabenen ein Kuppelmal und eine
Feier bereiten."
Auf diese Botschaften haben die kusinárischen Maller den versammelten
Abgesandten dort also Bescheid gesagt:
«Der Erhabene ist auf unserem Landgebiet erloschen: wir werden von den
Überresten des Erhabenen keinen Teil hergeben.»
Nach solchem Urteil hat der Priester Dono zu den versammelten Scharen dort
also gesprochen:
«Wohlan denn, Priester, so sollst du eben die Überreste des Erhabenen achtmal
nach gleichem Maße wohleingeteilt austeilen!»
«Gut, ihr Herren, gut, ihr Herren», sagte da gehorsam zu jenen versammelten
Scharen Dono der Priester. Und er teilte die Überreste des Erhabenen achtmal
nach gleichem Maße wohleingeteilt aus. Dann sprach er zu jenen versammelten
Scharen also:
«Diese Urne mögen die Herren mir überlassen und ich werde der Urne ein
Kuppelmal und eine Feier bereiten.»
So überließen sie Dondo dem Priester die Urne.
Es hörten nun die Morier von Pipphalivanam reden: "Der Erhabene, heißt
es, ist bei Kusinárá erloschen!" Da haben denn die Morier von
Pipphalivanam an die kusinárischen Maller einen Boten abgesandt: "Der
Erhabene stammt von Kriegern ab, auch wir stammen von Kriegern ab: auch uns
gebührt ein Teil der Überreste vom Erhabenen, auch wir werden den Überresten
des Erhabenen ein Kuppelmal und eine Feier bereiten 57.»
«Es gibt keine Überreste mehr vom Erhabenen, verteilt schon sind des
Erhabenen Überreste: aber nehmt von hier die Kohlenasche mit.»
Da haben denn diese die Kohlenasche übernommen.
Alsbald nun hat der König von Magadhá, Ajátasattu, der Sohn der Videherin,
den Überresten des Erhabenen bei Rájagaham ein Kuppelmal und eine Feier
bereitet 58.
Die Licchavier aber von Vesálí haben den Überresten des Erhabenen bei Vesálí
ein Kuppelmal und eine Feier bereitet 59.
Die Sakyer aber von Kapilavatthu haben den Überresten des Erhabenen bei
Kapilavatthu ein Kuppelmal und eine Feier bereitet 60.
Die Thúlier aber von Allakappam haben den Überresten des Erhabenen bei
Allakappam ein Kuppelmal und eine Feier bereitet.
Die Koliyer aber von Rámagámo haben den Überresten des Erhabenen bei
Rámagámo ein Kuppelmal und eine Feier bereitet 61.
Der Vethadíper Priester aber hat den Überresten des Erhabenen bei Vethadípam
ein Kuppelmal und eine Feier bereitet.
Die Maller aber von Pává haben den Überresten des Erhabenen bei Pává ein
Kuppelmal und eine Feier bereitet.
Die Maller aber von Kusinárá haben den Überresten des Erhabenen bei Kusinárá
ein Kuppelmal und eine Feier bereitet.
Dono aber der Priester hat der Urne ein Kuppelmal und eine Feier bereitet
62.
Die Morier aber von Pipphalivanam haben der Kohlenasche bei Pipphalivanam
ein Kuppelmal und eine Feier bereitet 63.
So sind es acht Kuppelmale der Überreste, ein neuntes Kuppelmal der Urne,
ein zehntes Kuppelmal der Kohlenasche.
Also ist es ehemals geschehn.
ENDE DES GROSSEN VERHÖRS ÜBER
DIE ERLÖSCHUNG
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