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„Es gibt, ihr Mönche, einige Priester und Asketen, die Wohlbefinden bei
Lebzeiten behaupten des lebendigen Wesens vollkommenes Wohlbefinden bei
Lebzeiten ankünden, nach fünf Urständen. Diese ehrsamen Priester und Asketen
nun, worauf gründen sich die, worauf stützen sich die und behaupten
Wohlbefinden bei Lebzeiten, künden des lebendigen Wesens vollkommenes
Wohlbefinden bei Lebzeiten an, nach fünf Urständen?
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(1) „Da hat, ihr Mönche, irgend ein Asket oder Priester diese Meinung diese
Ansicht: Sobald eben dieses Selbst dem Gebrauch und Genuß der fünf Begehrungen
nachgehn kann, hat eben insofern dieses Selbst das vollkommene Wohlbefinden bei
Lebzeiten erreicht. Auf solche Weise künden die einen des lebendigen Wesens
vollkommenes Wohlbefinden bei Lebzeiten an.
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(2) „Einem solchen entgegnet nun ein anderer: Es ist wohl dieses Selbst so
beschaffen, wie du sagst; ich sage nicht, daß es das nicht gibt Aber dieses
Selbst hat nicht schon insofern das vollkommene Wohlbefinden bei Lebzeiten
erreicht. Und warum nicht? Die Genüsse sind ja vergänglich, leidig wandelbar:
weil sie sich umwandeln, in Veränderung übergehn, erzeugen sie Kummer, Jammer,
Schmerz, Gram und Verzweiflung. Sobald aber dieses Selbst gar fern von
Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener
seliger Verzückung weilt, in der Weihe der ersten Schauung hat eben insofern
dieses Selbst das vollkommene Wohlbefinden bei Lebzeiten erreicht. Auf solche
Weise künden die anderen des lebendigen Wesens vollkommenes Wohlbefinden bei
Lebzeiten an.
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(3) „Einem solchen entgegnet nun einer: Es ist wohl dieses Selbst so
beschaffen, wie du sagst; ich sage nicht, daß es das nicht gibt. Aber dieses
Selbst hat nicht schon insofern das vollkommene Wohlbefinden bei Lebzeiten
erreicht. Und warum nicht? Weil eben da gesonnen und gedacht wird, wird es
darum als grob geartet angesehn. Sobald aber dieses Selbst nach Vollendung des
Sinnens und Denkens die innere Meeresstille erreicht, die Einheit des Gemüts,
die von sinnen und denken freie, in der Einigung geborene selige Verzückung,
die Weihe der zweiten Schauung, hat eben insofern dieses Selbst das vollkommene
Wohlbefinden bei Lebzeiten erreicht. Auf solche Weise künden die einen des
lebendigen Wesens vollkommenes Wohlbefinden bei Lebzeiten an.
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(4) „Einem solchen entgegnet nun ein anderer: Es ist wohl diese Selbst so
beschaffen, wie du sagst; ich sage nicht, daß es das nicht gibt. Aber diese
Selbst hat nicht schon insofern das vollkommene Wohlbefinden bei Lebzeiten
erreicht. Und warum nicht? Weil man eben da eine Heiterkeit spürt, im Geiste
aufgetrieben wird, wird es darum als grob geartet angesehn. Sobald aber dieses
Selbst in heiterer Ruhe verweilt, gleichmütig, einsichtig klarbewußt, ein Glück
im Körper empfindet, von dem die Heiligen sagen: 'Der gleichmütig Einsichtige
lebt beglückt', und so die Weihe der dritten Schauung erreicht, hat eben
insofern dieses Selbst das vollkommene Wohlbefinden bei Lebzeiten erreicht. Auf
solche Weise künden die anderen des lebendigen Wesens vollkommenes Wohlbefinden
bei Lebzeiten an.
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(5) „Einem solchen entgegnet nun einer: Es ist wohl dieses Selbst so
beschaffen, wie du sagst; ich sage nicht, daß es das nicht gibt. Aber dieses
Selbst hat nicht schon insofern das vollkommene Wohlbefinden bei Lebzeiten
erreicht. Und warum nicht? Weil man eben da Glück bekennt, geistige Fülle, wird
es darum als grob geartet angesehn. Sobald aber dieses Selbst nach Verwerfung
der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns
die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmütig einsichtigen vollkommenen
Reine, die vierte Schauung erreicht, hat eben insofern dieses Selbst das
vollkommene Wohlbefinden bei Lebzeiten erreicht. Auf solche Weise künden die
einen des lebendigen Wesens vollkommenes Wohlbefinden bei Lebzeiten an.
„Danach, ihr Mönche, behaupten jene Asketen und Priester Wohlbefinden bei
Lebzeiten, künden des lebendigen Wesens vollkommenes Wohlbefinden bei Lebzeiten
an, nach den fünf Urständen. Denn wer da irgend, ihr Mönche, als ein Asket oder
Priester Wohlbefinden bei Lebzeiten behauptet, des lebendigen Wesens
vollkommenes Wohlbefinden bei Lebzeiten ankündet, ein jeder solche tut es nach
eben diesen fünf Urständen, nach dem einen oder dem anderen: es gibt keine
außerdem.
„Da erkennt denn, ihr Mönche, der Vollendete: 'Solche Ansichten, also
genommen, also beharrlich erworben, lassen dahin gelangen, lassen eine solche
Zukunft erwarten.' Das erkennt der Vollendete, und erkennt was darüber
hinausreicht. Bei dieser Erkenntnis beharrt er aber nicht, und weil er dabei
nicht beharrt findet er Einkehr eben in sich; und weil er der Gefühle Aufgang
und Untergang, Labsal und Elend und Überwindung wirklich verstanden hat, ist
ohne Anhangen abgelöst, ihr Mönche, der Vollendete.
Das sind, ihr Mönche, die Dinge, die tief sind, schwer zu entdecken, schwer
zu gewahren, stille, erlesene, unbekrittelbare, feine, Weisen erfindliche, die
der Vollendete selbst verstanden, sich offenbar gemacht hat und dann kennen
lehrt, um welche man über den Vollendeten nach Gebühr ein günstiges Urteil
richtig fällen mag.
„Danach, ihr Mönche, hängen jene Asketen und Priester der Zukunft an, sinnen
der Zukunft nach, bringen über die Zukunft mancherlei Glaubenslehren aus, nach
den vierundvierzig Urständen. Denn wer da irgend, ihr Mönche, als ein Asket
oder Priester der Zukunft anhängt, der Zukunft nachsinnt, über die Zukunft
mancherlei Glaubenslehren ausbringt, ein jeder solche tut es nach eben diesen
vierundvierzig Urständen, nach dem einen oder dem anderen: es gibt keine
außerdem.
„Danach, ihr Mönche, hängen jene Asketen und Priester der Vergangenheit an
und hängen der Zukunft an, hängen der Vergangenheit und der Zukunft an, sinnen
der Vergangenheit und der Zukunft nach, bringen über Vergangenheit und Zukunft
mancherlei Glaubenslehren aus, nach den zweiundsechzig Urständen 4.
Denn wer da irgend, ihr Mönche, als ein Asket oder Priester der Vergangenheit
anhängt, der Zukunft anhängt, der Vergangenheit oder der Zukunft anhängt, der
Vergangenheit oder der Zukunft nachsinnt, über Vergangenheit oder Zukunft
mancherlei Glaubenslehren ausbringt, ein jeder solche tut es nach eben diesen
zweiundsechzig Urständen, nach dem einen oder dem anderen: es gibt keine
außerdem.
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