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Udána

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Vorwort zum Udána
 

Die Bedeutung des Wortes Udána hält etwa die Mitte zwischen dem, was wir "Einfälle", "Aperçus" und "Aphorismen" nennen, also Sinnsprüche, die bei besonderen Gelegenheiten, Ereignissen, Erlebnissen oder Beobachtungen überraschend entstanden sind; meist, aber keineswegs immer, metrische. Buddhaghosa, der berühmte Schriftgelehrte, der im 5. Jahrhundert nach Chr., also rund tausend Jahre nach Buddha, lebte, erklärte Udana als "Verse, die Frohsinn und Erkenntnis ausdrücken". Diese Erklärung trifft jedoch nicht zu, worauf schon Seidenstücker in der Einleitung seines Werks "Udána, das Buch der feierlichen Worte des Erhabenen" (1920) hingewiesen hat, denn die Udánas sind nicht sämtlich metrische Texte und bei den meisten ist von besonderem Frohsinn nichts zu merken. Udánas sind aber auch nicht immer besonders feierlich, wovon sich der Leser leicht überzeugen kann. Darum halte ich auch Seidenstückers Verdeutschung "feierliche Worte" nicht für treffend, sondern ziehe "Aphorismen" vor.
 

Udánas finden sich zerstreut an vielen Stellen der älteren und ältesten Teile des Pali-Kanons, so in Mahávagga I.1, 2, 3, 20; V.13; VI.28; X.3, 4; Cullavagga VII.1, 3; IX.1; Dígha-Nikáya 14.3; 16.1, 3, 4; Anguttara-Nikáya VIII.70; Samyutta-Nikáya III.1; XXI.6; XLI, 5; LI, 10; Sutta-Nipáta 661. Manche finden sich im Dhammapada: 42, 131, 132, 185, 306; in Theragáthá: 180, 191, 447; in Itivuttaka: 43, 48.
 

Alle diese sind später gesammelt und mit den Prosa-Erzählungen, wo solche vorhanden waren, zu einem Buch, dem Udána, zusammengestellt worden. Der Sammler hat noch andere, ihm bekannte, Udánas, die sich in den älteren Schriften nicht finden, hinzugefügt, einige mit der dazu überlieferten Prosa-Erzählung. Die übrigen, zu denen es anscheinend keine Erzählung gab, hat er aus eigener Phantasie mit einleitenden Erzählungen versehen. So ist ein Buch von 80 Udánas mit Prosa-Erzählungen zustande gekommen, in 8 Gruppen zu je 10 geordnet. Die Entstehungszeit des Udana als Sammlung setzt Seidenstücker auf 440 bis 245 vor Chr. an.
 

Von den Erzählungen zu den Udánas, die nicht den älteren Schriften des Kanons entnommen sind, sondern nur im Udána vorliegen, sind als für die Lehre wichtig hervorzuheben: I, 10, Belehrung des Dárucíriya; VI, 4, Gleichnis von den Blindgeborenen, die einen Elefanten betasten (übersetzt in meinem Buch "Worte des Erwachten"); und VIII, 8, Gespräch Buddhas mit Visakha, die um ihren Enkel trauert (Übersetzung ebenda). Die übrigen sind höchstens von kulturgeschichtlichem Interesse.

 

Das Wesentliche und Wertvolle des Udána sind hiernach die Aphorismen Buddhas, von denen das Buch den Namen hat. Ich habe mich darauf beschränkt, die eigentlichen Udánas neu zu übersetzen, und zwar, soweit sie metrisch sind, metrisch. Im übrigen verweise ich die Leser auf Seidenstückers "Udána" (Augsburg 1920), eine philologisch sehr zuverlässige Übersetzung, bei der nur die metrischen Udánas durch allzu prosaische Wiedergabe etwas gelitten haben.

Bei der nun folgenden Übersetzung des Udána handelt es sich um einen Auszug aus dem Buch von Kurt Schmidt, "Sprüche und Lieder" - Buddhistische Handbibliothek / 4, Verlag Christiani Konstanz, 1954.

Copyright und neu aufgelegt bei dem buddhistischem Verlag Beyerlein-Steinschulte, ISBN 3-931095-17-7. DM 28




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