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| Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden Weltkonferenz gegen Rassismus IntraText CT - Text |
Der Beitrag der Kirche: Verzeihung und Versöhnung
In diesem Kontext und Rahmen können wir uns auseinandersetzen mit dem spezifischen Beitrag, den die katholische Kirche nicht nur während der gesamten Konferenz von Durban, sondern ganz allgemein im Kampf gegen den Rassismus, die Rassendiskriminierung, die Fremdenfeindlichkeit und die Intoleranz zu leisten hat.
Die erste unumgängliche Antwort lautet, daß Mord, Bosheit, Neid, Hochmut und Unvernunft aus dem Herzen des Menschen kommen (Mk 7,2), und daher ist der Beitrag der katholischen Kirche mit ihren ständigen Aufrufen zur persönlichen Bekehrung von besonderer und unerläßlicher Bedeutung. In der Tat muß man die Aufmerksamkeit zuerst und vor allem auf die Herzen der Menschen richten, denn das Herz bedarf einer ständigen Läuterung, damit es nicht mehr von Angst und Herrschsucht, sondern von der Offenheit gegenüber den anderen, der Brüderlichkeit und der Solidarität erfüllt werde. Von daher kommt die grundlegende Bedeutung der Religionen und vor allem des christlichen Glaubens, der die Würde eines jeden Menschen und die Einheit des Menschengeschlechtes lehrt. Wenn Krieg oder andere schwierige Situationen den anderen Menschen zum Feind werden lassen, dann ist das erste und radikalste christliche Gebot eben jenes der Feindesliebe und der Aufforderung, Böses mit Gutem zu vergelten.
Dem Christen ist es nicht gestattet, rassistische oder diskriminierende Vorhaben oder Verhaltensweisen zu hegen, auch wenn dies in der Praxis leider nicht immer der Fall ist und in der Geschichte nicht immer der Fall war. In dieser Hinsicht wollte Papst Johannes Paul II. das Jubiläumsjahr 2000 besonders auszeichnen durch die Vergebungsbitten, die im Namen der Kirche wiederholt wurden, damit das Gedächtnis der Kirche gereinigt werde von allen Formen des »Gegenzeugnisses und Skandals«, die im Lauf des vergangenen Jahrtausends geschehen sind (Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Tertio millennio adveniente, 33). In gewissen Situationen passiert es, daß das Böse denjenigen, der es begangen hat, durch die Folgen dieses Verhaltens überdauert und daß diese Folgen zu einer schweren Last werden, die auf dem Gewissen und dem Gedächtnis der Nachkommen lasten. Daher wird eine Reinigung des Gedächtnisses erforderlich: »Reinigung des Gedächtnisses bedeutet, aus dem persönlichen und kollektiven Gewissen alle Formen von Ressentiments und Gewalt zu entfernen, die das Erbe der Vergangenheit hinterlassen hat, auf der Grundlage eines neuen und strengen historisch-theologischen Urteils, das ein konsequentes, erneuertes Verhalten begründet … im Hinblick auf eine zunehmende Versöhnung in der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe zwischen den Menschen und insbesondere zwischen der Kirche und den verschiedenen religiösen, kulturellen und zivilen Gemeinschaften, zu denen sie in Verbindung steht« (Internationale Theologenkommission, Erinnern und Versöhnen: die Kirche und die Schuld der Vergangenheit, Libreria Editrice Vaticana, 2000).
Die Bitte um Vergebung betrifft in erster Linie das Leben der Christen, die zur Kirche gehören; dennoch »darf man zu Recht hoffen, daß die politisch Verantwortlichen und die Völker – vor allem jene, die in dramatische, vom Haß und von der Erinnerung an alte Wunden genährte Konflikte verwickelt sind – sich von dem Geist der Vergebung und Versöhnung leiten lassen, den die Kirche bezeugt, und sich um eine Beilegung der Streitigkeiten durch einen aufrichtigen und offenen Dialog bemühen« (Ansprache von Johannes Paul II. an die Teilnehmer der Studientagung über die Inquisition vom 31.10.1998, in O.R. dt., 47, 20.11.1998«.