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S.1.35.
Die Ujjhánasaññins
Der Kommentar (I. 78.11) gibt an, daß die ujjhánasaññiká devatá nicht
etwa eine besondere Klasse göttlicher Wesen in einem besonderen Himmel seien.
Es würden darunter Devatás verstanden, die unwillig waren (ujjháyanti)
über den Widerspruch, den sie heraus zu finden glaubten zwischen den strengen
Anforderungen, die der Buddha an seine Anhänger und Schüler stellt, und dem
Leben, das er selber führt. Sie kommen zum Buddha, ihm Vorhalt zu machen,
werden aber von Ihm belehrt, daß der Erlöste von allen weltlichen Dingen
unberührt bleibt. - Das Wort ujjhánsaññin "reizbar, heftig"
begegnet uns mehrfach in der Páli-Literatur (vgl. das Wtb. von Rhys Davids und
Stede), ebenso (Dhammapadatthakathá III. 376.13) das davon abgeleitete
Abstraktum ujjhánasaññitá.
1. Einstmals weilte der
Erhabene in Sávatthí, im Jetahaine, im Parke des Anáthapindika.
2. Da nun begaben sich
zahlreiche Ujjhánasaññika-Devatás, mit ihrer herrlichen Schönheit den ganzen
Jetahain erhellend, dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem sie sich
dorthin begeben hatten, blieben sie in der Luft schweben.
3. In der Luft schwebend sprach dann eine Devatä zu dem Erhabenen die folgende
Strophe:
"Wer von sich
anders spricht, während er doch anders ist,
Wie durch die Täuschung *f96) eines Gauners
hat der durch Diebstahl (sich verschafft), was er genießt.
Was man tut, soll man reden, und was man nicht tut, soll man nicht reden,
Den, der spricht, ohne daß er (darnach) tut, erkennen die Weisen wohl."
4. (Der Erhabene:)
"Nicht durch Reden nur oder durch bloßes Hören
Ist es möglich, dem Wege zu folgen, der da der sichere ist,
Durch den die Weisen, die Versenkung üben,
erlöst werden von Mara's Banden.
Nicht handeln *f97) die Weisen, kennend den Wechsel der weltlichen
Dinge,
Die Weisen, die durch Erkenntnis erlöst sind,
haben überwunden das Hangen an der Welt."
5. Da ließen sich die
Devatás auf die Erde herab, warfen sich mit der Stirne zu Füßen des Erhabenen
nieder und sprachen zu dem Erhabenen also: "Eine Verfehlung, Herr, hat uns
übermannt wie Toren, wie Verblendete, wie Böse, da wir glaubten, an den
Erhabenen herantreten zu müssen. *f98) Möge der erhabene Herr dies
unser Bekenntnis der Verfehlung als einer Verfehlung entgegennehmen, damit wir
fürderhin davor uns hüten." *f99)
6. Da lächelte der
Erhabene. Da nun wurden die Devatás noch mehr unwillig und erhoben sich in die
Luft.
7. Eine Devatá sprach zu
dem Erhabenen die folgende Strophe:
"Wer von solchen,
die eine Verfehlung eingestehen,
(das Bekenntnis) nicht entgegen nimmt,
Hat Zorn im Herzen, ist auf Haß erpicht, der gürtet sich *f100) in
Feindseligkeit."
"Gäbe es keine Verfehlung und wäre hier kein Abirren (vom rechten Weg),
Und würden alle Feindseligkeiten beigelegt,
wie könnte man da ein Guter sein?" *f101)
"Bei wem kommen nicht Verfehlungen vor? bei wem gibt es kein Abirren?
Wer verfiel nicht in Betörung? Wer ist weise und immer besonnen?"
*f102)
8. (Der Erhabene:)
"Bei dem Tathágata,
dem Buddha, der aller Wesen sich erbarmt,
Kommen keine Verfehlungen vor, gibt es kein Abirren;
Er verfällt nicht in Betörung, er ist weise und immer besonnen.
Wer von solchen, die eine Verfehlung eingestehen,
(das Bekenntnis) nicht entgegennimmt,
Hat Zorn im Herzen, ist auf Haß erpicht:
die Feindseligkeit, in die er sich gürtet,
An der habe ich keine Freude.
Ich nehme das Bekenntnis eurer Verfehlung an."
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