|
S.11.4.
Vepacitti (oder Geduld)
1-3.
Der Erhabene weilte in Sávatthí, im Jetahaine, im Parke des Anáthapindika. Der
Erhabene sprach also: "In früherer Zeit einmal, ihr Bhikkhus, stand ein
Kampf bevor zwischen den Göttern und den Dämonen.
4.
Da nun sprach, ihr Bhikkhus, der Dämonenfürst Vepacitti (*1) zu den
Dämonen: 'Wenn, Verehrte, bei dem bevorstehenden Kampf der Götter mit den
Dämonen die Dämonen obsiegen und die Götter unterliegen, dann (*2)
sollt ihr Sakka, den Fürsten der Götter mit den Fesseln, von denen die fünfte
die um den Hals ist (*3), fesseln und vor mich in die Stadt der Asuras
bringen.'
5.
Und auch Sakka, ihr Bhikkhus, der Fürst der Götter, sprach zu den
Távatimsa-Göttern: 'Wenn, Verehrte, bei dem bevorstehenden Kampf der Götter mit
den Dämonen die Götter obsiegen und die Dämonen unterliegen, dann sollt ihr den
Dämonenfürsten Vepacitti mit den Fesseln, von denen die fünfte die um den Hals
ist, fesseln und ihn vor mich in die Versammlungshalle Sudhammá (*4)
bringen.'
6.
In jenem Kampfe nun, ihr Bhikkhus, obsiegten die Götter, die Dämonen
unterlagen.
7.
Da nun, ihr Bhikkhus, fesselten die Távatimsa-Götter den Dämonenfürsten
Vepacitti mit den Fesseln, von denen die fünfte die um den Hals ist, und
brachten ihn vor Sakka, den Fürsten der Götter, in die Versammlungshalle
Sudhammá.
8.
Da aber schmähte und verkleinerte, ihr Bhikkhus, der Dämonenfürst Vepacitti,
mit den Fesseln gefesselt, von denen die fünfte die um den Hals ist, Sakka, den
Fürsten der Götter, wenn er in die Versammlungshalle Sudhammá eintrat oder sie
verließ, mit gemeinen, rohen Worten.
9.
Da nun, ihr Bhikkhus, redete der Wagenlenker Mátali Sakka, den Fürsten der
Götter, mit der Strophe an:
'Erträgst
du es, erhabener (*5) Sakka, aus Furcht oder aus Schwäche (*6)
Die
rohen Worte aus Vepacitti's Mund anzuhören?'
10.
(Sakka:)
'Nicht
dulde ich das von Vepacitti aus Furcht, noch aus Schwäche.
Wie
soll denn ein Weiser meinesgleichen mit einem Toren sich einlassen?
11.
(Mátali:)
'Nur
noch mehr werden die Toren sich erzürnen,
wenn
niemand da ist, der sie abwehrt:
Darum
soll der Kraftvolle mit der härtesten Strafe den Toren abwehren.'
12.
(Sakka:)
'Dies
eben, meine ich, ist die Abwehr des Toren,
Wenn
einer, der den andern erzürnt sieht, besonnen in Ruhe verharrt.'
13.
(Mátali:)
'Darin,
daß du solches erträgst, sehe ich einen Fehler; o Vásava (*7)!
Wenn
der Tor denkt: aus Furcht erträgt er das von mir -
Wird
der Verblendete noch dreister,
wie
ein Rind es immer mehr wird gegen den, der davon läuft.'
14.
(Sakka:)
'Nach
Belieben mag er denken oder nicht: aus Furcht erträgt er das von mir -
Es
gibt nichts höheres als die Geduld, den Segen,
der
der höchste Segen für den Guten ist (*8).
Wahrlich,
wenn einer, der stark ist, von dem Schwachen (etwas) erträgt,
Das
nennt man die höchste Geduld; immer duldet (sonst) der Schwache.
Schwäche
nennt man die Stärke, wenn jemandes Stärke die Stärke der Torheit ist;
Für
die Stärke, die vom Recht geschützt ist, gibt es keinen Widersacher.
Es
ist für einen nur noch schlimmer, wenn man dem Erzürnten wieder zürnt;
Wer
aber dem Erzürnten nicht wieder zürnt, der siegt im Kampfe,
wo
schwer der Sieg zu erringen.
Für
beider Segen, für den eignen wie für den des andern, wirkt
Wer,
wenn er den andern erzürnt sieht, besonnen in Ruhe verharrt.
Ihn,
der beiden Heilung bringt, sich selber und dem andern,
Halten
für einen Toren nur die Leute, die unkundig sind der wahren Lehre
(*9).'
15-16.
Sakka, der Fürst der Götter, ihr Bhikkhus, wird ja freilich, den Lohn seines
eignen Verdienstes auslebend, unter den Távatimsa-Göttern die Obmacht, die
Herrschaft, die Königswürde ausübend, einer sein, der Geduld und Güte preist.
Hier (in unserem Orden), ihr Bhikkhus, werdet ihr glänzen, wenn ihr, die ihr in
der so wohl verkündeten Lehre und Regel der Zeremonie der Weltabkehr euch
unterzogen habt, geduldig seid und gütig."
(
|