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S.12.23. Voraussetzung
Der Ausdruck upanisá ist
ohne Zweifel etymologisch = skr. upanisad. Die Bedeutung aber ist eine
ganz andere. Ich übersetze das Wort mit "Voraussetzung". Der Komm.
II. 60.10 gibt es durch kárana, paccaya "Grund,
Ursache" wieder, und diese Bedeutung ist schon durch den V. 76 des
Dhammapada añña hi lábhupanisá aññá nibbánagámini "eine andere ist
die Voraussetzung materiellen Gewinnes, eine andere die, die zum Nirvana
führt" gesichert. Auch hier tritt im Komm. (The Commentary on the
Dhammapada ed. H. C. Norman II.102) kárana an seine Stelle. Vgl. auch
Anguttara I.198, IV. 351-2, Suttanipáta S. 135. - Das ganze Sutta ist eine sehr
beachtenswerte Fortsetzung des Paticcasamuppáda und will zeigen, wie
schließlich gerade das Leiden wieder zur Erlösung führt. Der Leidende wendet
sich in seiner Not vertrauensvoll (saddhá in 14) an einen Lehrer, wird
von ihm in die Heilslehre des Buddha eingeführt und gelangt, in dem
Läuterungsprozeß von Stufe zu Stufe fortschreitend, schließlich zur Vollendung
und zum Nirvana.
1.
Ort der Begebenheit: Sávatthí.
2.
"Bei dem Wissenden, behaupte ich, ihr Bhikkhus, bei dem Schauenden tritt
die Vernichtung der weltlichen Einflüsse *f63) ein, nicht bei dem
Nichtwissenden, Nichtschauenden.
3.
Was aber, ihr Bhikkhus, muß man wissen, was muß man schauen, damit Vernichtung
der weltlichen Einflüsse eintritt? - So ist Form, so der Form Ursprung, so der
Form Untergang; so ist Empfindung usw. -; so ist Wahrnehmung usw. -; so sind
die Gestaltungen usw. -; so ist Bewußtsein, so des Bewußtseins Ursprung, so des
Bewußtseins Untergang. Das, ihr Bhikkhus, muß man wissen, das muß man schauen,
damit Vernichtung der weltlichen Einflüsse eintritt.
4.
Das Wissen aber, ihr Bhikkhus, das man von der Vernichtung (der weltlichen
Einflüsse) besitzt; das hat, behaupte ich, seine Voraussetzung, es ist nicht
ohne Voraussetzung.
5.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für das Wissen von der Vernichtung (der
weltlichen Einflüsse) die Voraussetzung? Die Erlösung, muß man hierauf
erwidern. Aber auch die Erlösung, behaupte ich, ihr Bhikkhus, hat ihre
Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
6.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für die Erlösung die Voraussetzung? Das
Verschwinden, muß man hierauf erwidern. Aber auch das Verschwinden, behaupte
ich, ihr Bhikkhus, hat seine Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
7.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für das Verschwinden die Voraussetzung? Der
Widerwille *f64), muß man hierauf erwidern. Aber auch der Widerwille,
behaupte ich, ihr Bhikkhus, hat seine Voraussetzung, ist nicht ohne
Voraussetzung.
8.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für den Widerwillen die Voraussetzung? Das
Wissen und Schauen der (Dinge in ihrer) Wirklichkeit, muß man hierauf erwidern.
Aber auch das Wissen und Schauen der (Dinge in ihrer) Wirklichkeit, behaupte
ich, ihr Bhikkhus, hat seine Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
9.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für das Wissen und Schauen der (Dinge in ihrer)
Wirklichkeit die Voraussetzung? Die geistige Sammlung, muß man hierauf
erwidern. Aber auch die geistige Sammlung, behaupte ich, ihr Bhikkhus, hat ihre
Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
10.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für die geistige Sammlung die Voraussetzung?
Die Wonne *f65) muß man hierauf erwidern. Aber auch die Wonne, behaupte
ich, ihr Bhikkhus, hat ihre Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
11.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für die Wonne die Voraussetzung? Der
Seelenfriede, muß man hierauf erwidern. Aber auch der Seelenfriede, behaupte
ich, ihr Bhikkhus, hat seine Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
12.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für den Seelenfrieden die Voraussetzung? Die
Freude, muß man hierauf erwidern. Aber auch die Freude, behaupte ich, ihr
Bhikkhus, hat ihre Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
13.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für die Freude die Voraussetzung? Das
Wohlgefallen, muß man hierauf erwidern. Aber auch das Wohlgefallen, behaupte
ich, ihr Bhikkhus, hat seine Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
14.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für das Wohlgefallen die Voraussetzung? Der
Glaube *f66) muß man hierauf erwidern. Aber auch der Glaube, behaupte
ich, ihr Bhikkhus, hat seine Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
15.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für den Glauben die Voraussetzung? Das Leiden,
muß man hierauf erwidern. Aber auch das Leiden, behaupte ich, ihr Bhikkhus, hat
seine Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
16.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für das Leiden die Voraussetzung? Die Geburt,
muß man hierauf erwidern. Aber auch die Geburt, behaupte ich, ihr Bhikkhus, hat
ihre Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
17.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für die Geburt die Voraussetzung? Das Werden,
muß man hierauf erwidern. Aber auch das Werden, behaupte ich, ihr Bhikkhus, hat
seine Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
18.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für das Werden die Voraussetzung? Das Erfassen,
muß man hierauf erwidern. Aber auch das Erfassen, behaupte ich, ihr Bhikkhus,
hat seine Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
19.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für das Erfassen die Voraussetzung? Der Durst,
muß man hierauf erwidern. Aber auch der Durst, behaupte ich, ihr Bhikkhus, hat
seine Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
20.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für den Durst die Voraussetzung? Die
Empfindung, muß man hierauf erwidern. Aber auch die Empfindung, behaupte ich,
ihr Bhikkhus, hat ihre Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
21.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für die Empfindung die Voraussetzung? Die Berührung,
muß man hierauf erwidern. Aber auch die Berührung, behaupte ich, ihr Bhikkhus,
hat ihre Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
22.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für die Berührung die Voraussetzung? Die sechs
Sinnesbereiche, muß man hierauf erwidern. Aber auch die sechs Sinnesbereiche,
behaupte ich, ihr Bhikkhus, haben ihre Voraussetzung, sind nicht ohne
Voraussetzung.
23.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für die sechs Sinnesbereiche die Voraussetzung?
Name und Form, muß man hierauf erwidern. Aber auch Name und Form, behaupte ich,
ihr Bhikkhus, haben ihre Voraussetzung, sind nicht ohne Voraussetzung.
24.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für Name und Form die Voraussetzung? Das
Bewußtsein, muß man hierauf erwidern. Aber auch das Bewußtsein, behaupte ich,
ihr Bhikkhus, hat seine Voraussetzung, ist nicht ohne Voraussetzung.
25.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für das Bewußtsein die Voraussetzung? Die
Gestaltungen, muß man hierauf erwidern. Aber auch die Gestaltungen, behaupte
ich, ihr Bhikkhus, haben ihre Voraussetzung, sind nicht ohne Voraussetzung.
26.
Welches ist aber, ihr Bhikkhus, für die Gestaltungen die Voraussetzung? Das
Nichtwissen, muß man hierauf erwidern.
27.
So also, ihr Bhikkhus, haben das Nichtwissen zur Voraussetzung die
Gestaltungen; die Gestaltungen zur Voraussetzung hat das Bewußtsein; das
Bewußtsein zur Voraussetzung haben Name und Form; Name und Form zur
Voraussetzung haben die sechs Sinnesbereiche; die sechs Sinnesbereiche zur
Voraussetzung hat die Berührung; die Berührung zur Voraussetzung hat die
Empfindung; die Empfindung zur Voraussetzung hat der Durst; den Durst zur
Voraussetzung hat das Erfassen; das Erfassen zur Voraussetzung hat das Werden;
das Werden zur Voraussetzung hat die Geburt; die Geburt zur Voraussetzung hat
das Leiden; das Leiden zur Voraussetzung hat der Glaube; den Glauben zur
Voraussetzung hat das Wohlgefallen; das Wohlgefallen zur Voraussetzung hat die
Freude; die Freude zur Voraussetzung hat der Seelenfriede; den Seelenfrieden
zur Voraussetzung hat die Wonne die Wonne zur Voraussetzung hat die geistige
Sammlung; die geistige Sammlung zur Voraussetzung hat das Wissen und Schauen
der (Dinge in ihrer) Wirklichkeit; das Wissen und Schauen der (Dinge in ihrer)
Wirklichkeit zur Voraussetzung hat der Widerwille; den Widerwillen zur
Voraussetzung hat das Verschwinden; das Verschwinden zur Voraussetzung hat die
Erlösung; die Erlösung zur Voraussetzung hat das Wissen von der Vernichtung
(der weltlichen Einflüsse).
28.
Gerade so wie wenn oben auf dem Gebirge Gott in schweren Tropfen regnen läßt
*f67), wie da das abwärts strömende Wasser die KIüfte, Spalten und
Rinnen im Gebirge ausfüllt. Wenn die Klüfte voll sind, füllen sich die kleinen
Tümpel; wenn die kleinen Tümpel voll sind, füllen sich die großen Tümpel; wenn
die großen Tümpel voll sind, füllen sich die kleinen Flüsse; wenn die kleinen
Flüsse voll sind, füllen sich die großen Ströme; wenn die großen Ströme voll
sind, füllen sie das große Meer, den Ozean.
29.
Ebenso haben, ihr Bhikkhus, das Nichtwissen zur Voraussetzung die Gestaltungen,
die Gestaltungen zur Voraussetzung hat das Bewußtsein usw. usw. = 27 . . . die
Erlösung zur Voraussetzung hat das Wissen von der Vernichtung (der weltlichen
Einflüsse)."
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