|
61-70 Mahávagga - Der Große Abschnitt
1.
Also habe ich vernommen.
Einstmals
weilte der Erhabene in Sávatthí, im Jetahaine, im Parke des Anáthapindika.
2.
"Ein ununterrichteter gewöhnlicher *f166) Mensch, ihr Bhikkhus,
mag wohl gegen diesen Körper, der aus den vier groben Elementen *f167)
gebildet ist, Widerwillen fassen, mag gegen ihn gleichgültig werden, mag von
ihm sich loslösen *f168).
3.
Warum das? Man sieht, ihr Bhikkhus, an diesem Körper, der aus den vier groben
Elementen gebildet ist, Mehrung (ácaya) und Minderung (apacaya),
Annahme (ádána) und Ablegung (nihkhepana). Darum mag wohl ein ununterrichteter
gewöhnlicher Mensch gegen ihn Widerwillen fassen, mag gegen ihn gleichgültig
werden, mag von ihm sich loslösen.
4.
Was aber da, ihr Bhikkhus, Denken heißt, und Geist und Bewußtsein, dagegen ist
ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch nicht im stande Widerwillen zu fassen,
nicht im stande dagegen gleichgültig zu werden, nicht im stande davon sich
loszulösen.
5.
Warum das? Lange Zeit hindurch, ihr Bhikkhus, ist das ja von dem
ununterrichteten gewöhnlichen Menschen angestrebt, begehrt, verlangt: das
gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst. Darum ist ein ununterrichteter
gewöhnlicher Mensch nicht im stande dagegen Widerwillen zu fassen, nicht im
stande dagegen gleichgültig zu werden, nicht im stande davon sich loszulösen.
6.
Es ist besser, ihr Bhikkhus, wenn ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch
diesen Körper, der aus den vier groben Elementen gebildet ist, als sein Selbst
annimmt *f170), nicht aber das Denken.
7.
Warum das? Man sieht, ihr Bhikkhus, wie dieser Körper, der aus den vier groben
Elementen gebildet ist, ein Jahr besteht, wie er zwei Jahre besteht, wie er
drei Jahre besteht, wie er vier Jahre besteht, wie er fünf Jahre besteht, wie
er zehn Jahre besteht, wie er zwanzig Jahre besteht, wie er dreißig Jahre besteht,
wie er vierzig Jahre besteht, wie er fünfzig Jahre besteht, wie er ein
Jahrhundert besteht, wie er noch länger besteht. Was aber da, ihr Bhikkhus,
Denken heißt und Geist und Bewußtsein da entsteht bei Nacht und bei Tag eines
und ein anderes wird aufgehoben *f171).
8.
Gerade so, ihr Bhikkhus, wie ein Affe, der in der Wildnis, im Walde sich
ergeht, einen Zweig ergreift, und wenn er ihn losgelassen, ergreift er einen
anderen (Zweig). Ebenso (ist es mit dem) was da, ihr Bhikkhus, Denken heißt und
Geist und Bewußtsein: da entsteht bei Nacht und bei Tag eines und ein anderes
wird aufgehoben.
9.
Ein unterrichteter frommer Jünger, ihr Bhikkhus, erwägt da gut und reiflich das
Gesetz von der ursächlichen Entstehung: wenn jenes ist, tritt dieses ein; aus
der Entstehung von jenem folgt die Entstehung von diesem; wenn jenes nicht ist,
tritt dieses nicht ein; aus der Aufhebung von jenem folgt die Aufhebung von
diesem. Das heißt: aus dem Nichtwissen als Ursache entstehen die Gestaltungen;
aus den Gestaltungen als Ursache entsteht das Bewußtsein usw. usw. (= 1. 3) . .
. Auf solche Art kommt der Ursprung der ganzen Masse des Leidens zu stande.
10.
Aus dem restlosen Verschwinden aber und der Aufhebung des Nichtwissens folgt
Aufhebung der Gestaltungen; aus der Aufhebung der Gestaltungen folgt Aufhebung
des Bewußtseins usw. usw. (= 1. 4) . . . Auf solche Art kommt die Aufhebung der
ganzen Masse des Leidens zu stande.
11.
Wenn ein unterrichteter frommer Jünger so sieht, dann faßt er Widerwillen gegen
die Form, faßt Widerwillen gegen die Empfindung, faßt Widerwillen gegen die
Wahrnehmung, faßt Widerwillen gegen die Gestaltungen, faßt Widerwillen gegen
das Bewußtsein (d.h. gegen khandha). Und wenn er Widerwillen faßt, wird
er gleichgültig, und infolge der Gleichgültigkeit löst er sich los. Wenn er
sich losgelöst hat, entsteht in ihm die Erkenntnis: ich habe mich losgelöst
*f173). Er erkennt: vernichtet ist die Geburt; gelebt der heilige
Wandel; vollbracht ist was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin
zu tun mit dem weltlichen Dasein.
|