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Samyutta Nikáya

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  • 12. Nidána-Samyutta - Von den Ursachen
    • 61-70 Mahávagga - Der Große Abschnitt
      • S.12.61. Von dem Ununterrichteten
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61-70 Mahávagga - Der Große Abschnitt

 

S.12.61. Von dem Ununterrichteten

 

1. Also habe ich vernommen.

Einstmals weilte der Erhabene in Sávatthí, im Jetahaine, im Parke des Anáthapindika.

 

2. "Ein ununterrichteter gewöhnlicher *f166) Mensch, ihr Bhikkhus, mag wohl gegen diesen Körper, der aus den vier groben Elementen *f167) gebildet ist, Widerwillen fassen, mag gegen ihn gleichgültig werden, mag von ihm sich loslösen *f168).

 

3. Warum das? Man sieht, ihr Bhikkhus, an diesem Körper, der aus den vier groben Elementen gebildet ist, Mehrung (ácaya) und Minderung (apacaya), Annahme (ádána) und Ablegung (nihkhepana). Darum mag wohl ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch gegen ihn Widerwillen fassen, mag gegen ihn gleichgültig werden, mag von ihm sich loslösen.

 

4. Was aber da, ihr Bhikkhus, Denken heißt, und Geist und Bewußtsein, dagegen ist ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch nicht im stande Widerwillen zu fassen, nicht im stande dagegen gleichgültig zu werden, nicht im stande davon sich loszulösen.

 

5. Warum das? Lange Zeit hindurch, ihr Bhikkhus, ist das ja von dem ununterrichteten gewöhnlichen Menschen angestrebt, begehrt, verlangt: das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst. Darum ist ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch nicht im stande dagegen Widerwillen zu fassen, nicht im stande dagegen gleichgültig zu werden, nicht im stande davon sich loszulösen.

 

6. Es ist besser, ihr Bhikkhus, wenn ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch diesen Körper, der aus den vier groben Elementen gebildet ist, als sein Selbst annimmt *f170), nicht aber das Denken.

 

7. Warum das? Man sieht, ihr Bhikkhus, wie dieser Körper, der aus den vier groben Elementen gebildet ist, ein Jahr besteht, wie er zwei Jahre besteht, wie er drei Jahre besteht, wie er vier Jahre besteht, wie er fünf Jahre besteht, wie er zehn Jahre besteht, wie er zwanzig Jahre besteht, wie er dreißig Jahre besteht, wie er vierzig Jahre besteht, wie er fünfzig Jahre besteht, wie er ein Jahrhundert besteht, wie er noch länger besteht. Was aber da, ihr Bhikkhus, Denken heißt und Geist und Bewußtsein da entsteht bei Nacht und bei Tag eines und ein anderes wird aufgehoben *f171).

 

8. Gerade so, ihr Bhikkhus, wie ein Affe, der in der Wildnis, im Walde sich ergeht, einen Zweig ergreift, und wenn er ihn losgelassen, ergreift er einen anderen (Zweig). Ebenso (ist es mit dem) was da, ihr Bhikkhus, Denken heißt und Geist und Bewußtsein: da entsteht bei Nacht und bei Tag eines und ein anderes wird aufgehoben.

 

9. Ein unterrichteter frommer Jünger, ihr Bhikkhus, erwägt da gut und reiflich das Gesetz von der ursächlichen Entstehung: wenn jenes ist, tritt dieses ein; aus der Entstehung von jenem folgt die Entstehung von diesem; wenn jenes nicht ist, tritt dieses nicht ein; aus der Aufhebung von jenem folgt die Aufhebung von diesem. Das heißt: aus dem Nichtwissen als Ursache entstehen die Gestaltungen; aus den Gestaltungen als Ursache entsteht das Bewußtsein usw. usw. (= 1. 3) . . . Auf solche Art kommt der Ursprung der ganzen Masse des Leidens zu stande.

 

10. Aus dem restlosen Verschwinden aber und der Aufhebung des Nichtwissens folgt Aufhebung der Gestaltungen; aus der Aufhebung der Gestaltungen folgt Aufhebung des Bewußtseins usw. usw. (= 1. 4) . . . Auf solche Art kommt die Aufhebung der ganzen Masse des Leidens zu stande.

 

11. Wenn ein unterrichteter frommer Jünger so sieht, dann faßt er Widerwillen gegen die Form, faßt Widerwillen gegen die Empfindung, faßt Widerwillen gegen die Wahrnehmung, faßt Widerwillen gegen die Gestaltungen, faßt Widerwillen gegen das Bewußtsein (d.h. gegen khandha). Und wenn er Widerwillen faßt, wird er gleichgültig, und infolge der Gleichgültigkeit löst er sich los. Wenn er sich losgelöst hat, entsteht in ihm die Erkenntnis: ich habe mich losgelöst *f173). Er erkennt: vernichtet ist die Geburt; gelebt der heilige Wandel; vollbracht ist was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein




*f166) P. assutavá puthujjano. Ein puthujjana ist ein solcher, der noch nicht in den Strom der Erlösung eingetreten ist.



*f167) P. cátummahábhútika. Über die "vier groben Elemente" vgl. die Note zu 12, 2. 12. (*f12)



*f168) P. nibbindeyya, virajjeyya, vimucceyya. Das V. virajjati gehört zu virága. Über diesen Begriff vgl. die Vorbemerkungen zu Sutta 16s12_16.



*f170) P. attato upagaccheyya. Zu dieser Verwendung von upagam mit Abl. auf -to vgl. noch Majjhima III. 31.24, 64.18.



*f171) tam aññad eva uppajjati aññam nirujjhati. Der Gedanke ist offenbar der, daß das citta in steter Bewegung und steter Veränderung ist, daß ein Denkakt den anderen ablöst. Der Komm. II. 126.18 hat: "was bei Nacht entsteht und aufgehoben wird, ein anderes als dieses entsteht und wird aufgehoben bei Tage, ist der Sinn."



*f173) Ich lese vimuttasmim 'vimutt' amhíti' ñánam hoti. Diese Phrase leitet an vielen Stellen des Kanon (wie z. B. Samy. 3.21.14, 3.50.8 usw.; Anguttara IV. 179.6; Vinaya I. 14.30) die aññá Formel (vergl. Sutta 32. 7-15) ein. Dabei begegnet uns in der Regel die Variante vimuttasmim vimuttam iti ñ. h. In letzterer Fassung ist die Phrase wohl zu übersetzen "wenn er sich losgelöst hat, entsteht in ihm die Erkenntnis: Loslösung (ist eingetreten)".




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