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Die beiden Gleichnisse
in 8 und 17 beziehen sich nach dem Komm. (II. 146.10, 147.6) wieder darauf, daß
jede Daseinsform durch die samkhárá, durch das Kamma, bedingt und
bewirkt ist. In dem ersten Gleichnis wird das Kamma in dem Maler mit seinen
Farben dargestellt. Die Holztafel, die Wand, das Stück Stoff (dussapatta)
repräsentieren die Welt in ihren drei Stufen als Welt der Sinnlichkeit, der
Form und der Formlosigkeit (vgl. Kirfel, Kosmographie der Inder, S. 207). Wie
der Künstler nun auf Tafel, Wand oder Stoff ein Bildnis malt, so bringt das
Kamma in der Welt eine Existenz hervor. Ob diese Existenz glücklich oder
leidvoll wird, richtet sich ganz ebenso nach dem Charakter des Kamma, wie die
Schönheit oder Häßlichkeit des Bildnisses von der größeren oder geringeren
Kunstfertigkeit des Malers abhängt. - In dem zweiten Gleichnis sollen die
Sonnenstrahlen das Kamma sein, das in der Welt - man beachte wieder die
Dreizahl: Westwand des Hauses, Erdboden, Wasser - die Existenz hervorruft.
Weiter scheint aber dann der Gedanke der zu sein, daß die Existenz des
Erlösten, des khínásava, "bei dem die weltlichen Einflüsse vernichtet
sind, sich im Nichts verliert gleich den Sonnenstrahlen, wenn sie nicht auf
irgend etwas auftreffen, irgendwo einen Halt oder Widerstand (patitthá)
finden.
1
Ort der Begebenheit: Sávatthí.
2.
"Diese vier Nahrungsstoffe, ihr Bhikkhus, dienen den Wesen, die (schon)
geboren sind, zur Erhaltung, oder den Wesen, die nach Wiedergeburt suchen, zur
Förderung.
3.
Welche vier? Die eßbare Speise, grobe oder feine; die Berührung ist der zweite;
die Denktätigkeit des Geistes ist der dritte; das Bewußtsein ist der vierte.
Das also sind, ihr Bhikkhus, die vier Nahrungsstoffe, für die Wesen; die
(schon) geboren sind, zur Erhaltung, und für die Wesen, die nach Wiedergeburt
suchen, zur Förderung.
4.
Wenn nach dem Nahrungsstoff eßbare Speise, ihr Bhikkhus, Begierde vorhanden
ist, wenn Freude daran vorhanden ist, wenn Durst danach vorhanden ist, da hat
das Bewußtsein einen Halt gefunden und ist zu Wachstum gekommen *f187).
Wo das Bewußtsein einen Halt gefunden hat und zu Wachstum gekommen ist, da
tritt Name und Form in die Erscheinung *f188). Wo Name und Form
in die Erscheinung tritt, da findet Mehrung der Gestaltungen statt. Wo Mehrung
der Gestaltungen stattfindet, da tritt künftighin Wiedergeburt und Neuerstehung
ein. Wo künftighin Wiedergeburt und Neuerstehung eintritt, da gibt es
künftighin Geburt, Alter und Tod. Wo künftighin Geburt, Alter und Tod sind,
das, ihr Bhikkhus, behaupte ich, ist mit Schmerz verbunden, mit Angst
verbunden, mit Verzweiflung verbunden.
5.
Wenn nach dem Nahrungsstoff Berührung, ihr Bhikkhus, Begierde vorhanden ist,
usw. usw. (= 4) . . .
6.
Wenn nach dem Nahrungsstoff Denktätigkeit des Geistes, ihr Bhikkhus, Begierde
vorhanden ist, usw. usw. (= 4) . . .
7.
Wenn nach dem Nahrungsstoff Bewußtsein, ihr Bhikhkus, Begierde vorhanden ist,
wenn Freude daran vorhanden ist, wenn Durst danach vorhanden ist, da hat das
Bewußtsein einen Halt gefunden und ist zu Wachstum gekommen. Wo das Bewußtsein
einen Halt gefunden hat und zu Wachstum gekommen ist, da tritt Name und Form in
die Erscheinung. Wo Name und Form in die Erscheinung tritt, da findet Mehrung
der Gestaltungen statt. Wo Mehrung der Gestaltungen statt findet, da tritt
künftighin Wiedergeburt und Neuerstehung ein. Wo künftighin Wiedergeburt und
Neuerstehung eintritt, da gibt es künftighin Geburt, Alter und Tod. Wo
künftighin Geburt, Alter und Tod sind, das, ihr Bhikkhus, behaupte ich, ist mit
Schmerz verbunden, mit Angst verbunden, mit Verzweiflung verbunden.
8.
Gerade so, ihr Bhikkhus, wie wenn da ein Färber oder ein Maler, wenn Farbstoff
oder Lack vorhanden ist, Gelbwurz oder Indigo oder Krapp, (und wenn) eine wohl
geglättete Tafel oder Mauer oder ein Stück Zeug (vorhanden ist), die Gestalt
einer Frau oder die Gestalt eines Mannes abbildete mit allen Haupt- und
Nebengliedern:
9.
Ganz ebenso hat, ihr Bhikkhus, wenn nach dem Nahrungsstoff eßbare Speise
Begierde vorhanden ist, wenn Freude daran vorhanden ist, wenn Durst darnach
vorhanden ist, das Bewußtsein da einen Halt gefunden und ist zu Wachtum
gekommen. Wo das Bewußtsein einen Halt gefunden hat und zu Wachstum gekommen
ist, da tritt Name und Form in die Erscheinung. Wo Name und Form in die
Erscheinung tritt, da findet Mehrung der Gestaltungen statt. Wo Mehrung der
Gestaltungen statt findet, da tritt künftighin Wiedergeburt und Neuerstehung
ein. Wo künftighin Wiedergeburt und Neuerstehung eintritt, da gibt es künftighin
Geburt, Alter und Tod. Wo künftighin Geburt, Alter und Tod sind, das, ihr
Bhikkhus, behaupte ich, ist mit Schmerz verbunden, mit Angst verbunden, mit
Verzweiflung verbunden.
10.
Wenn nach dem Nahrungsstoff Berührung, ihr Bhikkhus, Begierde vorhanden ist,
usw. usw (= 4) . . .
11.
Wenn nach dem Nahrungsstoff Denktätigkeit des Geistes, ihr Bhikkhus, Begierde
vorhanden ist, usw. usw. (= 4) . . .
12.
Wenn nach dem Nahrungsstoff Bewußtsein, ihr Bhikkhus, Begierde vorhanden ist,
wenn Freude daran vorhanden ist, wenn Durst danach vorhanden ist, da hat das
Bewußtsein einen Halt gefunden und ist zu Wachstum gekommen. Wo das Bewußtsein
einen Halt gefunden hat und zu Wachstum gekommen ist, da tritt Name und Form in
die Erscheinung. Wo Name und Form in die Erscheinung tritt, da findet Mehrung
der Gestaltungen statt. Wo Mehrung der Gestaltungen statt findet, da tritt
künftighin Wiedergeburt und Neuerstehung ein. Wo künftighin Wiedergeburt und
Neuerstehung eintritt, da gibt es künftighin Geburt, Alter und Tod. Wo
künftighin Geburt, Alter und Tod sind, das, ihr Bhikkhus, behaupte ich, ist mit
Schmerz verbunden, mit Angst verbunden, mit Verzweiflung verbunden.
17.
Gerade so, ihr Bhikkhus, wie wenn da ein Haus stünde oder eine Halle
*f189), und es wären da auf der Nordseite oder auf der Südseite oder
auf der Ostseite Fenster, und es dränge bei Aufgang der Sonne durchs Fenster
ein Strahl hinein, wo fände der einen Halt?" - "An derwestlichen
Wand, Herr!"
18.
"Wenn aber, ihr Bhikkhus, keine westliche Wand da wäre, wo fände er dann
einen Halt?" - "Auf dem Erdboden, Herr!"
19.
"Wenn aber, ihr Bhikkhus, kein Erdboden da wäre, wo fände er dann einen
Halt?" - "Im Wasser, Herr!"
20.
"Wenn aber, ihr Bhikkhus, kein Wasser da wäre, wo fände er dann einen Halt?"
- "Er fände überhaupt keinen Halt, Herr!"
21-24.
"Ganz ebenso, ihr Bhikkhus, wenn nach dem Nahrungsstoff eßbare Speise
keine Begierde vorhanden ist, wenn keine Freude daran vorhanden ist, wenn kein
Durst danach vorhanden ist usw. usw. ... Wenn nach dem Nahrungsstoff Berührung,
ihr Bhikkhus usw. usw. ... Wenn nach dem Nahrungsstoff Denktätigkeit des
Geistes, ihr Bhikkhus, usw. usw. ... Wenn nach dem Nahrungsstoff Bewußtsein,
ihr Bhikkhus, keine Begierde vorhanden ist, wenn keine Freude daran vorhanden
ist, wenn kein Durst danach vorhanden ist, dann hat das Bewußtsein keinen Halt
gefunden und ist nicht zu Wachstum gekommen. Wo aber das Bewußtsein keinen Halt
gefunden hat, und nicht zu Wachstum gekommen ist, da tritt auch Name und Form
nicht in die Erscheinung. Wo Name und Form nicht in die Erscheinung tritt, da
findet keine Mehrung der Gestaltungen statt. Wo keine Mehrung der Gestaltungen
statt findet, da tritt künftighin keine Wiedergeburt und Neuerstehung ein. Wo
künftighin keine Wiedergeburt und Neuerstehung eintritt, da gibt es künftighin
nicht Geburt, Alter und Tod. Wo es aber künftighin Geburt, Alter und Tod nicht
gibt, das, ihr Bhikkhus, behaupte ich, ist frei von Schmerz, frei von Angst,
frei von Verzweiflung."
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