|
S.16.9. Die Versenkungen und
die Wunderkräfte
Zu den vier jhána,
den verschiedenen Stufen der meditativen Versenkung, in 2-5 ist zu vergleichen
Heiler, die buddhistische Versenkung S. 14 ff. Über die fünf Stufen des arúpajjhána,
der abstrakten Versenkung, in 6-10 s. ebenda S. 26ff.; über die abhiññá,
die Wunderkräfte des Arahant s. oben Einl. zu 12.70 (S. 165f.).
Allem Anschein nach
gehört das Sutta der letzten Lebenszeit des Buddha an. Sáriputta und Moggallána
sind dem Meister schon im Tod vorangegangen. Nun ist Kassapa der, auf den er
seine Hoffnung setzt, und in dem er seinen Nachfolger sieht. An unser Sutta
denkt auch Buddhaghosa in seiner Einleitung zum Dígha-Kommentar, wenn er unter
den Motiven, die den Mahákassapa nach dem Hinscheiden des Buddha zur
Einberufung des Konzils bestimmen, auch die Erwägung nennt, daß der Meister ihn
mit sich selber auf gleiche Stufe gestellt habe (S. Sumangalávilásiní, ed. Rhys
Davids and Carpenter I.3).
1.
Ort der Begebenheit: Sávatthí.
2.
"Ich, ihr Bhikkhus, trete, ganz nach Gefallen, abgesondert von den
sinnlichen Gelüsten, abgesondert vom Bösen, in die erste Versenkung ein, die
mit Gedanken und Er-wägungen verbunden ist, durch Absonderung erzeugt, die
Freude und Lustgefühl ist, und verharre darin *f74). - Und auch
Kassapa, ihr Bhikkhus, tritt, ganz nach Gefallen, abgesondert von den
sinnlichen Gelüsten, abgesondert vom Bösen *f75), in die erste
Versenkung ein, die mit Gedanken und Erwägungen verbunden ist, durch
Absonderung erzeugt, die Freude und Lustgefühl ist, und verharrt darin.
3.
Ich, ihr Bhikkhus, trete, ganz nach Gefallen, nach Stillung der Gedanken und
Erwägungen, in die zweite Versenkung ein, die innerer Frieden ist, Einswerden
des Denkens, frei von Gedanken und Erwägungen, durch geistige Sammlung erzeugt,
die Freude und Lustgefühl ist, und verharre darin. - Und auch Kassapa ihr
Bhikkhus, tritt, ganz nach Gefallen, nach Stillung der Gedanken und Erwägungen,
in die zweite Versenkung ein, die innerer Frieden ist, Einswerden des Denkens,
frei von Gedanken und Erwägungen, durch geistige Sammlung erzeugt, die Freude
und Lustgefühl ist, und verharrt darin.
4.
Ich, ihr Bhikkhus, verharre, ganz nach Gefallen, nach Verschwinden der Freude,
in Gleichmütigkeit, und besonnen und vollbewußt empfinde ich körperlich das Lustgefühl
und trete in die dritte Versenkung ein, welche die Edlen mit den Worten
'gleichmütig, besonnen, im Lustgefühle verharrend' bezeichnen, und verharre
darin. - Und auch Kassapa, ihr Bhikkhus, verharrt ganz nach Gefallen, nach
Verschwinden der Freude, in Gleichmütigkeit, und besonnen und vollbewußt
empfindet er körperlich das Lustgefühl und tritt in die dritte Versenkung ein,
welche die Edlen mit den Worten 'gleichmütig, besonnen, im Lustgefühl
verharrend' bezeichnen, und verharrt darin.
5.
Ich, ihr Bhikkhus, trete, ganz nach Gefallen, nach Aufgabe der Lust und nach
Aufgabe des Leids, nach vorher erfolgtem Untergang der Empfindungen von
Wohlgefühl und Schmerzgefühl, in die vierte Versenkung ein, die leidlos ist und
lustlos, die eine Läuterung des Gleichmuts und der Besonnenheit ist, und
verharre darin. - Und auch Kassapa, ihr Bhikkhus, tritt, ganz nach Gefallen,
nach Aufgabe der Lust und nach Aufgabe des Leids, nach vorher erfolgtem
Untergang der Empfindungen von Wohlgefühl und Schmerzgefühl, in die vierte
Versenkung ein, die leidlos ist und lustlos, die eine Läuterung des Gleichmuts
und der Besonnenheit ist, und verharrt darin.
6.
Ich, ihr Bhikkhus, trete, ganz nach Gefallen, nach völliger Überwindung der
Formvorstellungen, nach Untergang der Vorstellungen inneren Wiederstrebens,
nach Unterdrückung der Vorstellungen der Verschiedenheit (mit dem Gedanken:)
'unendlich ist der Raum' in die Sphäre der Raumunendlichkeit ein und verharre
darin. - Und auch Kassapa, ihr Bhikkhus, tritt, ganz nach Gefallen, nach
völliger Überwindung der Formvorstellungen, nach Untergang der Vorstellungen
inneren Widerstrebens, nach Unterdrückung der Vorstellungen der Verschiedenheit
(mit dem Gedanken:) 'unendlich ist der Raum' in die Sphäre der
Raumunendlichkeit ein und verharrt darin.
7.
Ich, ihr Bhikkhus, trete, ganz nach Gefallen, nachdem ich die Sphäre der
Raumunendlichkeit völlig überwunden habe, (mit dem Gedanken:) 'unendlich ist
das Bewußtsein' in die Sphäre der Bewußtseinsunendlichkeit ein und verharre
darin. - Und auch Kassapa, ihr Bhikkhus, tritt, ganz nach Gefallen, nachdem er
die Sphäre der Raumunendlichkeit völlig überwunden hat, (mit dem Gedanken:)
'unendlich ist das Bewußtsein' in die Sphäre der Bewußtseinsunendlichkeit ein
und verharrt darin.
8.
Ich, ihr Bhikkhus, trete, ganz nach Gefallen, nachdem ich die Sphäre der
Bewußtseinsunendlichkeit völlig über wunden habe, (mit dem Gedanken:) 'es gibt
nichts' in die Sphäre der Nichtsheit ein und verharre darin. - Und auch
Kassapa, ihr Bhikkhus, tritt, ganz nach Gefallen, nachdem er die Sphäre der
Bewußtseinsunendlichkeit völlig überwunden hat, (mit dem Gedanken:) 'es gibt
nichts' in die Sphäre der Nichtsheit ein und verharrt darin.
9.
Ich, ihr Bhikkhus, trete, ganz nach Gefallen, nachdem ich die Sphäre der Nichtsheit
völlig überwunden habe, in die Sphäre, wo es weder Vorstellung noch
Nichtvorstellung gibt, ein und verharre darin. - Und auch Kassapa, ihr
Bhikkhus, tritt, ganz nach Gefallen, nachdem er die Sphäre der Nichtsheit
völlig überwunden hat, in die Sphäre, wo es weder Vorstellung noch
Nichtvorstellung gibt, ein und verharrt darin.
10.
Ich, ihr Bhikkhus, trete, ganz nach Gefallen, nachdem ich die Sphäre, wo es
weder Vorstellung noch Nichtvorstellung gibt, völlig überwunden habe, in die
Aufhebung von Vorstellung und Empfindung ein und verharre darin. - Und auch
Kassapa, ihr Bhikkhus, tritt, ganz nach Gefallen, nachdem er die Sphäre, wo es
weder Vorstellung noch Nichtvorstellung gibt, völlig überwunden hat, in die
Aufhebung von Vorstellung und Empfindung ein und verharrt darin.
11.
Ich, ihr Bhikkhus, genieße, ganz nach Gefallen, die verschiedenen Arten der
übernatürlichen Fähigkeiten. Aus einem werde ich viele, aus vielen werde ich
einer. Ich mache mich sichtbar und verschwinde; ich gehe ungehemmt durch Wände,
Mauern, Berge, wie in freiem Raum. Ich tauche in der Erde auf und unter, wie im
Wasser; ich gehe auf dem Wasser, ohne daß es sich zerteilt, wie auf festem
Erdboden. Ich bewege mich in sitzender Stellung in der Luft, wie ein
beschwingter Vogel. Ich berühre und liebkose mit der Hand die beiden so
wunderbaren, so mächtigen (Gestirne), Mond und Sonne. Selbst bis in die
Brahmawelt hinauf übe ich körperlichen Einfluß aus. - Und auch Kassapa, ihr
Bhikkhus, genießt, ganz nach Gefallen, die verschiedenen Arten der
übernatürlichen Fähigkeiten. Aus einem wird er viele usw. usw. . . . Selbst bis
in die Brahmawelt hinauf übt er körperlichen Einfluß aus.
12.
Ich, ihr Bhikkhus, vernehme, ganz nach Gefallen mit dem himmlischen Ohr, dem
geläuterten, übermenschlichen, beiderlei Töne, himmlische und irdische, solche,
die ferne und solche, die nahe sind. - Und auch Kassapa, ihr Bhikkhus,
vernimmt, ganz nach Gefallen, mit dem himmlischen Ohr usw. usw. . . . und
solche, die nahe sind.
13.
Ich, ihr Bhikkhus, erkenne, ganz nach Gefallen, das Herz anderer Wesen, anderer
Personen, indem ich mit dem eigenen Herzen es begreife. Ich erkenne ein von
Begierde erfülltes Denken als ein von Begierde erfülltes Denken, oder ich
erkenne ein von Begierde freies Denken als ein von Begierde freies Denken. Ich
erkenne ein von Haß erfülltes Denken als ein von Haß erfülltes Denken, oder ich
erkenne ein von Haß freies Denken als ein von Haß freies Denken. Ich erkenne
ein von Betörung erfülltes Denken als ein von Betörung erfülltes Denken, oder ich
erkenne ein von Betörung freies Denken als ein von Betörung freies Denken. Ich
erkenne ein zusammen gefaßtes Denken als ein zusammen gefaßtes Denken, oder ich
erkenne ein zerstreutes Denken als ein zerstreutes Denken. Ich erkenne ein
hochstrebendes Denken als ein hochstrebendes Denken, oder ich erkenne ein nicht
hochstrebendes Denken als ein nicht hochstrebendes Denken. Ich erkenne ein
Denken mit höheren Zielen als ein Denken mit höheren Zielen, oder ich erkenne
ein Denken ohne höhere Ziele als ein Denken ohne höhere Ziele. Ich erkenne ein
geistig gesammeltes Denken als ein geistig gesammeltes Denken, oder ich erkenne
ein geistig nicht gesammeltes Denken als ein geistig nicht gesammeltes Denken.
Ich erkenne ein erlöstes Denken als ein erlöstes Denken, oder ich erkenne ein
nicht erlöstes Denken als ein nicht erlöstes Denken. - Und auch Kassapa, ihr
Bhikkhus, erkennt, ganz nach Gefallen, das Herz anderer Wesen, anderer
Personen, indem er mit dem eigenen Herzen es begreift. Er erkennt ein von
Begierde erfülltes Denken als ein von Begierde erfülltes Denken usw. usw. . . .
oder er erkennt ein nicht erlöstes Denken als ein nicht erlöstes Denken.
14.
Ich, ihr Bhikkhus, erinnere mich, ganz nach Gefallen, an die verschiedenen
früheren Daseinsformen, wie etwa an eine Geburt und an zwei Geburten und an
drei Geburten und an vier Geburten und an fünf Geburten und an zehn Geburten
und an zwanzig Geburten und an dreißig Geburten und an vierzig Geburten und an
fünfzig Geburten und an hundert Geburten und an tausend Geburten und an
hunderttausend Geburten, an zahlreiche Zeitalter des Weltunterganges und an
zahlreiche Zeitalter der Welterneuerung und an zahlreiche Zeitalter des
Weltunterganges und der Welterneuerung. 'Damals trug ich den und den Namen, war
von der und der Sippe, von der und der Kaste, nährte mich so und so, empfand
dies und das an Lust und Leid, wurde so und so alt. Nachdem ich von dort
abgeschieden, wurde ich da und da wiedergeboren. Da trug ich dann wieder den
und den Namen, war von der und der Sippe, von der und der Kaste, nährte mich so
und so, empfand dies und das an Lust und Leid, wurde so und so alt. Nachdem ich
wieder von dort abgeschieden, bin ich hier wiedergeboren worden.' So erinnere
ich mich an die verschiedenen früheren Daseinsformen mit ihren besonderen
Vorkommnissen und Einzelheiten. - Und auch Kassapa, ihr Bhikkhus, erinnert
sich, ganz nach Gefallen, an die verschiedenen früheren Daseinsformen, wie etwa
an eine Geburt oder an zwei Geburten usw. usw. . . . So erinnert er sich an die
verschiedenen früheren Daseinsformen mit ihren besonderen Vorkommnissen und
Einzelheiten.
15.
Ich, ihr Bhikkhus, überschaue, ganz nach Gefallen, mit dem himmlischen Auge,
dem geläuterten, übermenschlichen, die Wesen und erkenne die Wesen, wie sie
abscheiden und wiedergeboren werden, niedrige und vornehme, schöne und
häßliche, glückliche und unglückliche, wie sie da kommen gemäß ihrem Kamma.
'Diese Wesen da waren begabt mit üblem Wandel im körperlichen Tun, waren begabt
mit üblem Wandel im Reden, waren begabt mit üblem Wandel im Denken; sie haben
die Edlen geschmäht, waren von falscher Anschauung und haben ihr Handeln nach
ihrer falschen Anschauung gestaltet: diese sind, nach der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode zu niedriger Daseinsform, leidvoller Existenz, Verdammnis
und Hölle wiedergeboren worden. Diese Wesen da aber waren begabt mit gutem
Wandel im körperlichen Tun, waren begabt mit gutem Wandel im Reden, waren
begabt mit gutem Wandel im Denken; sie haben die Edlen nicht geschmäht, waren
von rechter Anschauung und haben ihr Handeln nach ihrer rechten Anschauung
gestaltet: diese sind nach der Auflösung des Körpers, nach dem Tode zu
glücklicher Existenz, zur himmlischen Welt wiedergeboren worden. So überschaue
ich mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, übermenschlichen, die Wesen und
erkenne die Wesen, wie sie abscheiden und wiedergeboren werden, niedrige und
vornehme, schöne und häßliche, glückliche und unglückliche, wie sie da kommen
gemäß ihrem Kamma. - Und auch Kassapa, ihr Bhikkhus, überschaut, ganz nach
Gefallen, mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, übermenschlichen, die
Wesen usw. usw. . . . und erkennt die Wesen, wie sie abscheiden und
wiedergeboren werden, niedrige und vornehme, schöne und häßliche, glückliche
und unglückliche, wie sie da kommen gemäß ihrem Kamma.
16.
Und ich, ihr Bhikkhus, habe nach Vernichtung der weltlichen Einflüsse die von
weltlichen Einflüssen freie Erlösung des Herzens und Erlösung der Erkenntnis
bei Lebzeiten schon durch eigenes Begreifen und Verwirklichen erreicht und
verharre darin. - Und auch Kassapa, ihr Bhikkhus, hat nach Vernichtung der
weltlichen Einflüsse die von weltlichen Einflüssen freie Erlösung des Herzens
und Erlösung der Erkenntnis bei Lebzeiten schon durch eigenes Begreifen und
Verwirklichen erreicht und verharrt darin."
|