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S.16.11. Das Gewand
1.
Einstmals weilte der ehrwürdige Mahákassapa in Rájagaha im Bambushaine, im
Kalandakanivápa.
2.
Zu dieser Zeit aber machte der ehrwürdige Ananda in Dakkhinágiri *f82)
seinen Rundgang mit einer großen Bhikkhugemeinde.
3.
Zu dieser Zeit aber hatten dreißig Bhikkhus, Zellgenossen des ehrwürdigen
Ananda, zumeist junge Leute, die Schulung aufgegeben und waren zum niedrigen
Leben zurückgekehrt.
4.
Nachdem nun der ehrwürdige Ananda in Dakkhinágiri nach Belieben seinen Rundgang
gemacht hatte, begab er sich nach Rájagaha in den Bambushain zum
Kalandakanivápa, dorthin, wo der ehrwürdige Mahákassapa sich befand. Nachdem er
sich dorthin begeben und den ehrwürdigen Mahákassapa ehrfurchtsvoll begrüßt
hatte, setzte er sich zur Seite nieder.
5.
Zu dem zur Seite sitzenden ehrwürdigen Ananda nun sprach der ehrwürdige
Mahákassapa also: "Unter wie vielen Umständen, verehrter Ananda, ist vom
Erhabenen das Essen zu dreien in den Familien genehmigt worden?"
6.
"Unter drei Umständen, Herr Kassapa, ist von dem Erhabenen das Essen zu
dreien in den Familien genehmigt worden: um übel geartete Persönlichkeiten im
Zaum zu halten; zum Wohlergehen der tüchtigen Bhikkhus, damit nicht Böswillige
durch Parteiung die Gemeinde uneins machen; und aus Erbarmen mit den Familien.
Unter diesen drei Umständen, Herr Kassapa, ist von dem Erhabenen das Essen zu
dreien in den Familien genehmigt worden *f83)."
7.
"Warum also dann, verehrter Ananda, machst du deinen Rundgang zusammen mit
diesen jungen Bhikkhus, bei denen die Pforten zu den Sinnen noch nicht behütet
sind, die im Essen nicht Maß zu halten wissen, die noch nicht auf Wachsamkeit
bedacht sind. Zerstörung der Feldfrucht, meine ich, begehst du; Verderb der
Familien, meine ich, begehst du. Es zerbröckelt, verehrter Ananda, deine
Gefolgschaft; es fallen ab, verehrter Ananda, deine zumeist jungen Leute. Noch
immer weiß dieser Knabe nicht Maß zu halten."
8.
"Nun sind mir doch, Herr Kassapa, auf dem Haupte graue Haare gewachsen,
und doch komme ich bei dem ehrwürdigen Kassapa von dem Wort 'Knabe' noch heute
nicht los. "
9.
"Du machst ja aber auch, verehrter Ananda, deinen Rundgang zusammen mit
diesen jungen Bhikkhus, bei denen die Pforten zu den Sinnen noch nicht behütet
sind, die im Essen nicht Maß zu halten wissen, die noch nicht auf Wachsamkeit
bedacht sind. Zerstörung der Feldfrucht, meine ich, begehst du; Verderb der
Familien, meine ich, begehst du. Es zerbröckelt, verehrter Ananda, deine
Gefolgschaft; es fallen ab, verehrter Ananda, deine zumeist jungen Leute. Noch
immer weiß dieser Knabe nicht Maß zu halten."
10.
Es hörte aber die Bhikkhuní Thullanandá: da ist von dem Herrn Mahákassapa der
Herr Ananda, der weise unter den Videhas, mit dem Wort 'Knabe' zurecht gewiesen
worden.
11.
Da nun äußerte die Bhikkhuní Thullanandá unzufriedenen Herzens das unzufriedene
Wort: "Glaubt denn der Herr Mahákassapa, der früher einer anderen Schule
angehört hat, den Herrn Ananda, den Weisen unter den Videhas, mit dem Wort
'Knabe' zurecht weisen zu müssen?"
12.
Es hörte aber der ehrwürdige Mahákassapa dieses Wort, das die Bhikkhuní
Thullanandá sprach.
13.
Da nun sprach der ehrwürdige Mahákassapa zu dem ehrwürdigen Ananda also
"Wahrlich, verehrter Ananda, das Wort der Bhikkhuní Thullanandá ist in
Übereilung und ohne Überlegung gesprochen, da ich doch, seit ich, Verehrter,
Haupthaar und Bart abnehmend und die gelben Gewänder anlegend aus dem
häuslichen in das hauslose Leben übergetreten bin, keinen anderen Meister
anerkenne, mich auf ihn zu berufen, als den Erhabenen, den Vollendeten, den
Allbuddha.
14.
Früher, Verehrter, da ich noch Hausbewohner war, kam mir der Gedanke: 'Enge ist
das häusliche Leben, ein staubiger Pfad; Freiluft ist die Weltabkehr. Nicht
leicht ist es für einen, der im Hause lebt, ein ganz vollkommenes, ganz
lauteres heiliges Leben zu führen, das einer geglätteten Muschel gleicht
*f84). Wie wäre es nun, wenn ich Haupthaar und Bart abnehmend und die
gelben Gewänder anlegend aus dem häuslichen in das hauslose Leben überträte?'
15.
Zu einer anderen Zeit nun, Verehrter, verfertigte ich mir ein Untergewand aus
Kleiderfetzen *f85), und gleich den Vollendeten *f86), die in
der Welt sind, Haupthaar und Bart abnehmend und die gelben Gewänder anlegend
trat ich aus dem häuslichen in das hauslose Leben über.
16.
Nachdem ich *f87) so die Weltabkehr vollzogen, erblickte ich auf dem
Wege befindlich, den Erhabenen zwischen Rájagaha und Nálandá, wie er bei dem
Bahuputta-Cetiya saß. Als ich ihn erblickte, kam mir der Gedanke: 'Den Meister
wahrlich möchte ich sehen, den Erhabenen möchte ich sehen; den Führer auf dem
Heilspfad wahrlich möchte ich sehen, den Erhabenen möchte ich sehen; den
Allbuddha wahrlich möchte ich sehen, den Erhabenen möchte ich sehen.'
17.
Da warf ich mich, Verehrter, mit der Stirne zu Füßen des Erhabenen nieder und
sprach zu ihm also: 'Mein Meister, Herr, ist der Erhabene; ich bin der
Schüler.'
18.
Auf dieses Wort hin sprach der Erhabene zu mir also: 'Wer da, Kassapa, zu einem
so mit ganzem Herzen ausgestatteten Schüler, obwohl er nicht weiß, sagte: ich
weiß, und obwohl er nicht schaut, sagte: ich schaue - dem sollte der Kopf
zerspringen. Ich aber, Kassapa, sage als einer, der weiß: ich weiß, und als
einer, der schaut, sage ich: ich schaue.
19.
Darum, Kassapa, mußt du so dich schulen: peinliche Gewissenhaftigkeit und
Feinfühligkeit muß vorhanden sein bei den Alten, den Jungen und den Mittleren.
So also, Kassapa, mußt du dich schulen.
20.
Darum, Kassapa, mußt du so dich schulen: was immer für Lehren ich hören werde,
die das Gute enthalten, sie alle erfassend und erwägend und mit ganzem Herzen
in mich aufnehmend will ich achtsamen Ohres die Lehre hören. So also, Kassapa,
mußt du dich schulen.
21.
Darum, Kassapa, mußt du so dich schulen: die mit Freude verbundene auf den
Körper bezügliche Besonnenheit soll nie mir nachlassen. So also, Kassapa, mußt
du dich schulen.'
22.
Nachdem mich, Verehrter, der Erhabene mit dieser Ermahnung ermahnt hatte, stand
er vom Sitze auf und ging fort.
23.
Sieben Tage noch, Verehrter, genoß ich als Unvollkommener *f88) das
Almosen der Leute *f89); am achten erstand mir die höchste
Erkenntnis."
24.
"Einmal nun, Verehrter, begab sich der Erhabene, vom Wege abgehend, zum
Fuße eines Baumes.
25.
Da nun, Verehrter, breitete ich mein Untergewand aus Kleiderfetzen vierfach
zusammen gefaltet aus und sprach zu dem Erhabenen also: 'Hier möge der erhabene
Herr sich niedersetzen, was mir auf lange Zeit hinaus zu Heil und Glück
gereichen möge.'
26.
Es setzte sich aber, Verehrter, der Erhabene auf dem bereiteten Sitze nieder.
27.
Nachdem sich aber, Verehrter, der Erhabene niedergesetzt hatte, sprach er zu
mir also: 'Weich ist, Kassapa, dies dein Untergewand aus Kleiderfetzen.' -
'Wolle der erhabene Herr mein Untergewand entgegen nehmen aus Erbarmen.'
28.
'Wirst du aber, Kassapa, meine hänfenen abgenutzten Lumpenkleider tragen
*f90)?' - 'Ich werde die hänfenen abgenützten Lumpenkleider des
erhabenen Herrn tragen.'
29.
Ich gab also, Verehrter, das Untergewand aus Kleiderfetzen dem Erhabenen und nahm
dagegen die hänfenen abgenützten Lumpenkleider des Erhabenen.
30.
Wenn jemand, recht redend, von einem sagt: er ist ein leibhaftiger Sohn des
Erhabenen, aus seinem Munde geboren, aus der Wahrheit erzeugt, aus der Wahrheit
gebildet, ein Erbe der Wahrheit *f91), einer, der hänfene abgenutzte
Lumpenkleider entgegen nimmt *f92), - so wird er, recht redend, von mir
auch sagen: er ist ein leibhaftiger Sohn des Erhabenen, aus seinem Munde
geboren, aus der Wahrheit erzeugt, aus der Wahrheit gebildet, ein Erbe der
Wahrheit, einer, der hänfene abgenützte Lumpenkleider entgegen nimmt.
31.
Ich nun, Verehrter, trete, ganz nach Gefallen, abgesondert von den sinnlichen
Gelüsten, abgesondert vom Bösen, in die erste Versenkung ein, die mit Gedanken und
Erwägungen verbunden ist, durch Absonderung erzeugt, die Freude und Lustgefuhl
ist, und verharre darin.
32-44.
Ich aber, Verehrter, trete, ganz nach Gefallen, nach Stillung der Gedanken und
Erwägungen, in die zweite Versenkung ein usw. usw. (nach 9. 3-15 und 10.16-28)
. . .
Es werden nun wieder der
Reihe nach die verschiedenen übernatürlichen Fähigkeiten aufgezählt, deren
Mahákassapa sich rühmen darf.
45.
Ich aber, Verehrter, habe nach Vernichtung der weltlichen Einflusse die von
weltlichen Einflüssen freie Erlösung des Herzens und Erlösung der Erkenntnis
bei Lebzeiten schon durch eignesBegreifen undVerwirklichen erreicht und
verharre darin.
46.
Ein Elefant von sieben Ellen oder von sieben und ein halb Ellen (Größe), müßte
man meinen, sei mit einem kleinen Palmyrapalmblatt zu verhüllen, wenn man
meinte, mir seien die sechs Wunderkräfte zu verhüllen."
Es
schied aber die Bhikkhuní Thullanandá aus dem heiligen Wandel aus.
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