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Samyutta Nikáya

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  • 22. Khandha-Samyutta - Die Daseinsgruppen
      • S.22.3. Haliddikáni I
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S.22.3. Haliddikáni I

(Übers. v. Nyánaponika in Sutta-Nipáta S. 370.)

 

1. So habe ich gehört. Einst weilte der Ehrwürdige Mahá-Kaccána bei den Avantiern an einem Bergabhang in der Nähe von Kuraraghara *f53).

 

2. Da nun begab sich Haliddikáni, der Hausvater, zum Ehrwürdigen Mahá-Kaccána, begrüßte ihn ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder.

 

3. Seitwärts sitzend sprach Haliddikáni, der Hausvater, zum Ehrwürdigen Mahá-Kaccána also: "Gesagt wurde dies vom Erhabenen im 'Achter-Buche', in den 'Fragen Mágandiyas (Sn 844)':

 

'Das Haus verlassend, ohne Heimstatt wandernd,

vertrauten Umgang pflegt der Muni nicht im Dorfe.

Leer von Begierden, Künft'ges nicht ersehnend,

nicht mag er mit der Menge führen Streitgespräch.'

 

Wie nun, o Herr, ist in ausführlicher Weise der Sinn dieses kurzgefaßten Ausspruches des Erhabenen zu verstehen?"

 

4. "Das Element 'Körperlichkeit *f55)', o Hausvater, ist das Haus (oka) des Bewußtseins. Das durch Gier an das Köperlichkeits-Element gebundene Bewußtsein aber wird 'sich im Hause ergehend' (oka-sárí) genannt.

 

5.-7. Das Element 'Gefühl' - das Element 'Wahrnehmung' - das Element 'Gestaltungen' ist das Haus des Bewußtseins. Das durch Gier an das Gefühls-Element - das Wahrnehmungs-Element - das Gestaltungs-Element gebundene Bewußtsein aber wird 'sich im Hause ergehend' genannt *f56). So, o Hausvater, ergeht man sich im Hause.

 

8. Wie nun, o Hausvater, ergeht man sich nicht im Hause (anokasárí)?

 

9. Was da, o Hausvater, hinsichtlich des Elementes Körperlichkeit Wille, Gier, Ergötzen, Begehren ist, Sich-Anschließen und Anhangens *f57), das Sich-Festlegen, Eingewöhnen und Hinneigen des Geistes: das ist vom Vollendeten aufgegeben, einer entwurzelten Palmyra-Palme gleichgemacht, zum Nimmersein gebracht, unfähig gemacht, künftig wieder zu entstehen. Daher heißt es: der Vollendete ergeht sich nicht im Hause.

 

10.-13. Was da, o Hausvater, hinsichtlich des Elementes Gefühl - des Elementes Wahrnehmung - des Elementes Gestaltungen - des Elementes Bewußtsein Wille, Gier, Ergötzen, Begehren ist, Sich-Anschließen und Anhangen, das Sich-Festlegen, Eingewöhnen und Hinneigen des Geistes: das ist vom Vollendeten aufgegeben, einer entwurzelten Palmyra-Palme gleichgemacht, zum Nimmersein gebracht, unfähig gemacht, künftig wieder zu entstehen. Daher heißt es: der Vollendete ergeht sich nicht im Hause *f58).

 

14. So, o Hausvater, ergeht man sich nicht im Hause (anokasárí).

 

15. Wie nun, o Hausvater, 'ergeht man sich in der Heimstatt' (niketasárí)? - Wegen des Umherschweifens in der Heimstatt der Formvorstellungen - Tonvorstellungen - Duftvorstellungen - Geschmacksvorstellungen - Berührungsvorstellungen - der geistigen Vorstellungen, wegen des Sich-Bindens an sie *f59), deswegen spricht man von 'einem der sich in der Heimstatt ergeht'.

 

16. Wie nun, o Hausvater, ergeht man sich nicht in der Heimstatt (aniketasárí *f60)? - Das Umherschweifen in der Heimstatt der Formvorstellungen - Tonvorstellungen - Duftvorstellungen - Geschmacksvorstellungen - Berührungsvorstellungen - der geistigen Vorstellungen, das Sich-Binden an sie, das ist vom Vollendeten aufgegeben, einer entwurzelten Palmyra-Palme gleichgemacht, zum Nimmersein gebracht, unfähig gemacht, künftig wieder zu entstehen. Daher heißt es: der Vollendete ergeht sich nicht in der Heimstatt.

 

17. So, o Hausvater, ergeht man sich nicht in der Heimstatt.

 

18. Und wie, o Hausvater, pflegt man im Dorfe vertrauten Umgang? Da weilt einer, o Hausvater, in Gesellschaft von Hausleuten, von Freude erfüllt, von Sorge erfüllt; froh unter Frohen, traurig unter Traurigen müht er sich gar selbst um mancherlei vorkommende Angelegenheiten. So, o Hausvater, pflegt man vertrauten Umgang im Dorfe.

 

19. Und wie, o Hausvater, pflegt man im Dorfe keinen vertrauten Umgang? - Da weilt einer, o Hausvater, nicht in Gesellschaft von Hausleuten, nicht ist er von Freude erfüllt, von Sorge erfüllt; nicht froh unter Frohen, nicht traurig unter Traurigen müht er sich nicht selbst um mancherlei vorkommende Angelegenheiten. So, o Hausvater, pflegt man im Dorfe keinen vertrauten Umgang.

 

20. Und wie, o Hausvater, ist man nicht leer von Begierden (kámehi aritto)? - Da ist einem, o Hausvater, bei den Sinnenobjekten (kámesu *f61) Gier nicht geschwunden, Wille, Zuneigung, Dürsten, Fiebern und Begehren nicht geschwunden. So, o Hausvater, ist man nicht leer von Begierden.

 

21. Und wie, o Hausvater, ist man leer von Begierden (kámehi ritto) ? Da ist einem, o Hausvater, bei den Sinnenobjekten Gier geschwunden, Wille, Zuneigung, Dürsten, Fiebern und Begehren geschwunden. So, o Hausvater, ist man leer von Begierden.

 

22. Und wie, o Hausvater, ersehnt man Künftiges (purakkharáno)? Da denkt einer, Hausvater, also: 'O daß mir doch künftig solche Körperlichkeit sei - solches Gefühl solche Wahrnehmung - solche Gestaltungen - solches Bewußtsein! - So, o Hausvater, ersehnt man Künftiges.

 

23. Und wie, o Hausvater, ersehnt man Künftiges nicht (apurakkharáno) ? - Da denkt einer, o Hausvater, nicht so: 'o daß mir doch künftig solche Körperlichkeit beschieden sei - solches Gefühl - solche Wahrnehmung - solche Gestaltungen - solches Bewußtsein.' - So, o Hausvater, ersehnt man Künftiges nicht.

 

24. Und wie, o Hausvater, führt einer mit der Menge Streitgespräch? Da ergeht sich einer in solcher Rede: 'Nicht verstehst du diese Lehre und Ordenszucht. Ich nur verstehe diese Lehre und Ordenszucht. Wie solltest du diese Lehre und Ordenszucht verstehen! Auf verkehrtem Wege bist du. Ich bin auf dem rechten Wege. Was vorher anzuführen ist, hast du später gesagt; was später anzuführen ist, hast du vorher gesagt. Meine Rede ist sinnvoll, deine ist unsinnig. Deine Überzeugung ist verkehrt *f62). Widerlegt ist deine Rede *f63). Geh und suche eine Lösung des Problems *f64). Unterlegen bist du; oder winde dich heraus, wenn du es vermagst!' - So, o Hausvater, führt einer mit der Menge Streitgespräch.

 

25. Und wie, o Hausvater, führt einer nicht Streitgespräch mit der Menge? Da ergeht sich einer nicht in solcher Rede: 'Nicht verstehst du diese Lehre und Ordenszucht... (wie oben) ... oder winde dich heraus, wenn du es vermagst!' - So, o Hausvater, führt einer nicht Streitgespräch mit der Menge.

 

26. Dies ist es, o Hausvater, was der Erhabene im 'Achter-Buche', in den 'Fragen Mágandiyas' gesprochen hat:

 

'Das Haus verlassend, ohne Heimstatt wandernd,

vertrauten Umgang pflegt der Muni nicht im Dorfe.

Leer von Begierden, Künft'ges nicht ersehnend,

nicht mag er mit der Menge führen Streitgespräch. '

 

Und so, o Hausvater, ist in ausführlicher Weise der Sinn jenes kurzgefaßten Ausspruches des Erhabenen zu verstehen."

 

 




*f53) 'Adlershorst'; lt. Komm. Name einer Stadt.



*f55) rúpa-dhátu usw.; lt. Komm. gleichbedeutend mit rúpakkhandha usw., 'Gruppe des Anhangens an der Körperlichkeit' usw.



*f56) Komm.: "Warum wird hier nicht auch (die fünfte Daseinsgruppe:) das Bewußtsein angeführt? Um Verwirrung zu vermeiden. 'Haus' ist hier nämlich als 'Bedingung' zu verstehen. Wenn es nun heißen würde, daß das Bewußtseins-Element selber ein 'Haus', d.i. eine Bedingung für das Bewußtsein ist, so würde dies ohne nähere Erklärung unklar sein. Die verschiedenen Bewußtseinsarten können nämlich sehr wohl füreinander Bedingungen sein, z.B. früher entstandenes karmisches Bewußtsein für ein später entstandenes oder auch für ein Bewußtsein, das ein Karma-Ergebnis ist. Auch ein Karma-Ergebnis-Bewußtsein kann (in gewissem Sinne) eine Bedingung sein für karmisches Bewußtsein oder für ein anderes Karma-Ergebnis-Bewußtsein. Aus der Ungewißheit darüber, welches Bewußtsein hier gemeint ist, könnte Verwirrung entstehen. Um daher die Darstellung nicht zu komplizieren, wurde das Bewußtsein hier nicht erwähnt. Dies geschah auch deshalb, um damit die vier Grundlagen des karma-erzeugenden Bewußtseins (abhisankhára-viññána-tthitiyo) als Objekte (des Bewußtseins) deutlich zu machen (nämlich die vier anderen Daseinsgruppen)."



*f57) upáy'upádána; es gibt lt. Komm. zweierlei upáya: das Sich-Anschließen durch Begehren und durch Ansichten; viererlei upádána das Anhangen an Sinnlichkeit, Ansichten, Regeln und Riten und am Ich-Glauben. - Upáya zu up(a)-eti, nahe herangehen; d.h. sich verlangend dem Objekt des Begehrens nähern.



*f58) Komm: "Warum wird aber hier das 'Bewußtsein' erwähnt? Weil nämlich bei nur vier 'Gruppen des Anhangens' die Befleckungen noch nicht völlig aufgegeben wären. Nur wenn man sie bei allen fünf 'Gruppen' aufgegeben hat, schwinden sie."



*f59) rúpanimittaniketavisáravinibandha; die Formvorstellungen (rúpanimitta) sind lt. Komm. die 'Heimstatt' der Befleckungen; nimitta wird hier allerdings vom Komm. als paccaya, 'Bedingung' (für die Befleckungen) umschrieben.



*f60) Im obigen Vers wiedergegeben als 'ohne Heimstatt wandernd'.



*f61) kámesu; hier sind lt. Komm. die vatthu-káma gemeint, d.h. die Begierdenobjekte.



*f62) Lesart und genaue Bedeutung unsicher. Komm.: ácinnam te viparávattam, 'das dir lange Zeit Wohlvertraute (oder von dir Gelernte) ist verkehrt'. Andere Lesarten: 1) avicinnam, 'nicht (völlig) durchgedacht ist es von dir, es ist verkehrt'; 2) adhicinnam, 'deine Methode ist verkehrt'.



*f63) áropito te vádo; Komm. tuyham doso mayham áropito, 'dein Irrtum wurde von mir aufgezeigt (aufgedeckt oder widerlegt)'.



*f64) caravádapamokkháya; Komm.: 'Geh zu diesen oder jenen Lehrern und forsche weiter nach einer Lösung der Streitfrage'.






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