|
S.22.82. Am Vollmond-Tage
(Identisch
mit M 109.)
1.
So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene bei Sávatthí, im östlichen
Klostergarten, in dem von der Mutter Migáras errichteten großen Gebäude,
zusammen mit einer großen Schar von Mönchen.
2.
Damals nun, es war am Uposatha, am fünfzehnten Tage des Monats, in einer
Vollmondnacht, da hatte sich der Erhabene, von der Mönchsgemeinde umgeben,
unter freiem Himmel niedergesetzt.
3.
Da erhob sich ein gewisser Mönch von seinem Sitz, ordnete das Obergewand über
eine Schulter, faltete zum Erhabenen gewandt verehrend die Hände und sprach:
"Befragen möchte ich, o Herr, den Erhabenen in einem gewissen Punkte, wenn
mir der Erhabene die Gunst erweist, die Frage zu beantworten." - "So
setze dich denn, Mönch, auf deinem Platze nieder und frage nach Belieben."
4.
"Ja, o Herr", antwortete jener Mönch dem Erhabenen, setzte sich auf
seinem Platze nieder und sprach zum Erhabenen also: "Sind dies, o Herr,
die fünf Gruppen des Anhangens: Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung,
Gestaltungen, Bewußtsein?" - "Das sind, o Mönch, die fünf Gruppen des
Anhangens: die Gruppe des Anhangens 'Körperlichkeit', 'Gefühl', 'Wahrnehmung',
'Gestaltungen' und 'Bewußtsein'. "
5.
"Vortrefflich, o Herr", antwortete jener Mönch, über das Wort des
Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: "Diese
fünf Gruppen des Anhangens nun, o Herr, worin haben sie ihre Wurzel?" -
"Diese fünf Gruppen des Anhangens, o Mönch, im Verlangen *f151)
haben sie ihre Wurzel."
6.
"Vortrefflich, o Herr", antwortete jener Mönch, über das Wort des
Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: "Ist
dieses Anhangen, o Herr, und die fünf Gruppen des Anhangens das Gleiche, oder
gibt es ein Anhangen außer an den fünf Gruppen des Anhangens?" -
"Nicht ist, o Mönch, das Anhangen und die fünf Gruppen des Anhangens das
Gleiche *f152), doch es gibt kein Anhangen außer an den fünf Gruppen
des Anhangens *f153): was da Willensgier *f154) zu den fünf
Gruppen des Anhangens ist, das ist dabei das Anhangen."
7.
"Vortrefflich, o Herr", antwortete jener Mönch, über das Wort des
Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: "Mag es
wohl, o Herr, eine Unterschiedlichkeit der Willensgier geben hinsichtlich der
fünf Gruppen des Anhangens?" - "Das mag sein, o Mönch",
erwiderte der Erhabene; "da, o Mönch, denkt einer also: 'Solche
Körperlichkeit möchte ich künftig besitzen, solches Gefühl - solche Wahrnehmung
- solche Gestaltungen solches Bewußtsein möchte ich künftig besitzen.' So, o
Mönch, mag es Unterschiedlichkeit der Willensgier geben hinsichtlich der fünf
Gruppen des Anhangens."
8.
"Vortrefflich, o Herr", antwortete jener Mönch, über das Wort des
Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: "
Inwiefern nun, o Herr, kommt den Gruppen die Bezeichnung 'Gruppen' zu?" -
"Was es irgend an Körperlichkeit gibt, o Mönch, vergangen, künftig oder
gegenwärtig, eigen oder fremd, grob oder fein, gewöhnlich oder edel, fern oder
nahe - dieses wird die Gruppe 'Körperlichkeit' genannt. Was es irgend an Gefühl
- Wahrnehmung - Gestaltungen - Bewußtsein gibt, vergangen, künftig,
gegenwärtig, eigen oder fremd, grob oder fein, gewöhnlich oder edel, fern oder
nahe - diese werden die Gruppen 'Gefühl', 'Wahrnehmung', 'Gestaltungen' und
'Bewußtsein' genannt. - Insofern, o Mönch, kommt den Gruppen die Bezeichnung
'Gruppen' zu."
9.
"Vortrefflich, o Herr", antwortete jener Mönch, über das Wort des
Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: "Was
nun, o Herr, ist die Ursache, was ist der Grund für das Kenntlichwerden der
Gruppe 'Körperlichkeit' - 'Gefühl' - 'Wahrnehmung' - 'Gestaltungen' -
'Bewußtsein'?" - "Die vier Grundstoffe, o Mönch, sind die Ursache,
die vier Grundstoffe sind der Grund für das Kenntlichwerden der Gruppe
'Körperlichkeit'. Sinnen-Eindruck ist die Ursache, Sinnen-Eindruck ist der
Grund für das Kenntlichwerden der Gruppen 'Gefühl', 'Wahrnehmung und
'Gestaltungen'. Geistigkeit und Körperlichkeit ist die Ursache, Geistigkeit und
Körperlichkeit ist der Grund für das Kenntlichwerden der Gruppe
'Bewußtsein'."
10.
"Vortrefflich, o Herr", antwortete jener Mönch, über das Wort des
Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: "Wie
nun, o Herr, besteht Persönlichkeits-Ansicht?" - "Es ist da, o Mönch,
ein unerfahrener Weltmensch... Der betrachtet die Körperlichkeit als das
Selbst... (wie in 55. 4) So, o Mönch, besteht Persönlichkeits-Ansicht."
11.
"Vortrefflich, o Herr", antwortete jener Mönch, über das Wort des
Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: "Wie
nun, o Herr, besteht keine Persönlichkeits-Ansicht?'' - "Es ist da, o
Mönch, ein erfahrener, edler Jünger... Nicht betrachtet der die Körperlichkeit
als das Selbst... (wie in 55. 10) So, o Mönch, besteht keine
Persönlichkeits-Ansicht."
12.
"Vortrefflich, o Herr", antwortete jener Mönch, über das Wort des
Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: "Was, o
Herr, ist bei der Körperlichkeit, beim Gefühl, bei der Wahrnehmung, bei den
Gestaltungen, beim Bewußtsein der Genuß, was ist das Elend, was ist das
Entrinnen?" - "Was da durch Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung,
Gestaltungen, Bewußtsein an Glücksgefühl und Freude entsteht, das ist der Genuß
bei der Körperlichkeit. . . " (Fortsetzung wie in 57. 11)
13.
"Vortrefflich, o Herr", antwortete jener Mönch, über das Wort des
Erhabenen erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage: "Wie
wissend, o Herr, wie verstehend gibt es bei diesem Körper samt dem Bewußtsein
und außerhalb bei allen Vorstellungen keine Dunkel-Neigungen des Ich und
Mein?" - "Was es irgend, o Mönch, an Körperlichkeit gibt, an Gefühl,
Wahrnehmung, Gestaltungen, an Bewußtsein, sei es vergangen, künftig oder
gegenwärtig, eigen oder fremd, grob oder fein, gewöhnlich oder edel, fern oder
nahe - von jeder Körperlichkeit, von jedem Gefühl, jeder Wahrnehmung, allen
Gestaltungen, jedem Bewußtsein gilt: 'Dies ist nicht mein, das bin ich nicht,
das ist nicht mein Selbst.' So betrachtet man dies der Wirklichkeit gemäß mit
rechter Weisheit. So wissend, o Mönch, so verstehend gibt es bei diesem Körper
samt dem Bewußtsein und außerhalb bei allen Vorstellungen keine
Dünkel-Neigungen des Ich und Mein."
14.
Daraufhin stieg nun im Geiste jenes Mönches diese Erwägung auf: 'So ist denn
also Körperlichkeit Nicht-Ich, sind Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen,
Bewußtsein Nicht-Ich. Die von einem Nicht-Ich getanen Taten nun - wie sollten
sie ein Ich treffen *f155)?'
15.
Der Erhabene nun, in seinem Geiste die Erwägung jenes Mönches erkennend, redete
die Mönche also an: "Es ist nun möglich, ihr Mönche, daß hier ein
törichter Mensch, ein unwissender, in Nichtwissen geratener, mit einem durch
Begehren beherrschten Geiste über die Lehre des Meisters hinausgehen zu müssen
meint (denkend): 'So ist denn also Körperlichkeit... Nicht-Ich. Die von einem
Nicht-Ich getanen Taten nun: wie sollten sie ein Ich treffen?' - Hierbei, ihr
Mönche, hinsichtlich dieser Lehren seid ihr ja von mir unterwiesen worden mit
(jener) Fragenfolge:
16.-21.
'Was meint ihr, o Mönche: Ist die Körperlichkeit unvergänglich oder
vergänglich?'... " (wie in 59. 13-23 *f156)
|