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S.22.86. Anuradha
(Auch in S.44.2; übers.
v. Dahlke, Buddha S. 760.)
1.
So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene zu Vesálí im Großen Walde, in der
Giebelhaus-Halle.
2.
Zu jener Zeit nun wohnte der Ehrwürdige Anuradha in einer Waldhütte, unweit vom
Erhabenen.
3.
Es begaben sich da zahlreiche andersfährtige Wandermönche zum Ehrwürdigen
Anuradha, und nach Austausch höflicher, freundlicher Begrüßung setzten sie sich
zur Seite nieder.
4.
Seitwärts sitzend sprachen jene andersfährtigen Wandermönche zum Ehrwürdigen
Anuradha also: "Der da, Freund Anuradha, der Vollendete ist, das höchste
Wesen, das edelste Wesen, der das höchste Ziel erreicht hat; soll ein solcher
Vollendeter bezeichnet werden, dann geschieht es durch eine dieser vier
Möglichkeiten: Der Vollendete besteht nach dem Tode - der Vollendete besteht
nicht nach dem Tode - der Vollendete besteht und besteht nicht nach dem Tode -
der Vollendete besteht weder noch besteht er nicht nach dem Tode."
5.
Auf diese Worte hin sprach der Ehrwürdige Anuradha zu den andersfährtigen
Wandermönchen also: "Der da, Freunde, der Vollendete ist, das höchste
Wesen, das edelste Wesen, der das höchste Ziel erreicht hat; soll ein solcher
Vollendeter bezeichnet werden, dann wird er es außerhalb dieser vier
Möglichkeiten: Der Vollendete besteht nach dem Tode - der Vollendete besteht
nicht nach dem Tode - der Vollendete besteht und besteht nicht nach dem Tode -
der Vollendete besteht weder noch besteht er nicht nach dem Tode."
6.
Nach diesen Worten sprachen jene andersfährtigen Wandermönche über den
Ehrwürdigen Anuradha: "Dies wird wohl ein neuer Mönch sein, der erst vor
kurzem hinausgezogen ist, oder ein Älterer, aber ein unwissender Tor."
7.
Nachdem jene andersfährtigen Wandermönche den Ehrwürdigen Anuradha mit der Rede
vom Neuling, mit der Rede vom Toren herabgesetzt hatten, standen sie auf und
entfernten sich.
8.
Der Ehrwürdige Anuradha nun, kurz nachdem sich jene andersfährtigen
Wandermönche entfernt hatten, dachte bei sich: 'Wenn mich jene andersfährtigen
Wandermönche wiederum befragen würden, mit welcher Erklärung würde ich wohl
diesen andersfährtigen Wandermönchen gegenüber dem Wort des Erhabenen gemäß
sprechen, nicht den Erhabenen fälschlich bezichtigen; wie würde ich der Lehre
gemäß erklären, damit die betreffende, auf die Lehre bezügliche Aussage keinen
Anlaß zu Tadel gibt?'
9.
Daraufhin begab sich der Ehrwürdige Anuradha zum Erhabenen, begrüßte ihn
ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder.
10.-14.
Seitwärts sitzend sprach der Ehrwürdige Anuradha zum Erhabenen also: "Ich
wohne, o Herr, in einer Waldhütte unweit vom Erhabenen. Es kamen da nun
zahlreiche andersfährtige Wandermönche zu mir... (vollständiger Bericht wie 3-8
bis:) ... wie würde ich der Lehre gemäß erklären, damit die betreffende, auf
die Lehre bezügliche Aussage keinen Anlaß zu Tadel gibt?'"
15.-17.
"Was meinst du, Anuradha, ist die Körperlichkeit unvergänglich oder vergänglich?...
(wie 59. 13-23)
18.
Was meinst du, Anuradha, betrachtest du die Körperlichkeit als den
Vollendeten?" - "Wahrlich nicht, o Herr." - "Betrachtest du
das Gefühl - die Wahrnehmung - die Gestaltungen - das Bewußtsein als den
Vollendeten?" - "Wahrlich nicht, o Herr."
19.
"Was meinst du, Anuradha: Betrachtest du den Vollendeten als in der
Körperlichkeit?" - "Wahrlich nicht, o Herr." - "Betrachtest
du den Vollendeten als außerhalb der Körperlichkeit?" - "Wahrlich
nicht, o Herr." - "Betrachtest du den Vollendeten als im Gefühl - in
der Wahrnehmung - in den Gestaltungen - im Bewußtsein?" - "Wahrlich
nicht, o Herr." - "Betrachtest du den Vollendeten als außerhalb von
Gefühl - als außerhalb von Wahrnehmung - von Gestaltungen - von
Bewußtsein?" - "Wahrlich nicht, o Herr."
20
. "Was meinst du, Anuradha: Betrachtest du Körperlichkeit, Gefühl,
Wahrnehmung, Gestaltungen, Bewußtsein (zusammen) als den Vollendeten?" -
"Wahrlich nicht, o Herr."
21.
"Was meinst du, Anuradha: Einen, der ohne Körperlichkeit ist, ohne Gefühl,
ohne Wahrnehmung, ohne Gestaltungen und ohne Bewußtsein, betrachtest du den als
den Vollendeten?" - "Wahrlich nicht, o Herr."
22.
"Da nun also von dir, o Anuradha, der Vollendete nicht einmal bei
Lebzeiten wirklich und wahrhaft aufgefunden werden kann, ist dann deine
Behauptung angebracht: 'Der da der Vollendete ist, das höchste Wesen, das
edelste Wesen, der das höchste Ziel erreicht hat; soll ein solcher Vollendeter
bezeichnet werden, dann wird er es außerhalb dieser vier Möglichkeiten: Der
Vollendete besteht nach dem Tode - der Vollendete besteht nicht nach dem Tode -
der Vollendete besteht und besteht nicht nach dem Tode - der Vollendete besteht
weder noch besteht er nicht nach dem Tode'?" - "Wahrlich nicht, o
Herr."
23.
"Gut, gut, Anuradha! Dies nur, o Anuradha, verkünde ich, früher wie heute:
das Leiden und des Leidens Aufhebung."
[ETML-N:/]
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