|
S.35.194 Durch Ausbrennen
Eine
Darlegung des Ausbrennens, ihr Mönche, eine Lehrdarlegung will Ich euch zeigen.
Das höret. Und was ist, ihr Mönche, diese Darlegung des Ausbrennens, die
Lehrdarlegung?
Ein
Gutes, ihr Mönche, hätte es, wenn mit einem glühenden Eisenpflock, einem
brennenden, lodernden, flammenden der Sehsinn zerstört wäre. Dann könnte man
jedenfalls nicht bei den durch das Auge ins Bewußtsein tretenden Formen bis in
die Assoziationen hinein nach den Vorstellungen greifen. An die Labsal der
Vorstellungen gebunden, ihr Mönche, kann das bestehende Bewußtsein
weiterbestehen, oder an die Labsal der Assaziationen gebunden. Sollte jemand zu
einer solchen Zeit das Zeitliche segnen, so könnte es der Fall sein, daß er
eine von zwei Fährten einschlägt; zur Hölle oder in tierischen Schoß. Weil ich
dieses Elend gesehen habe, ihr Mönche, deshalb sage ich das.
Ein
Gutes, ihr Mönche, hätte es, wenn mit einem glühenden Eisenstift, einem
brennenden, lodernden, flammenden der Hörsinn zerstört würde; wenn mit einer
scharfen Nagelschere, einer brennenden, lodernden, flammenden der Riechsinn
zerstört würde; wenn mit einem scharfen Rasiermesser, einem brennenden,
lodernden, flammenden der Schmecksinn zerstört würde; wenn mit einem scharfen
Schwert, einem brennenden, lodernden, flammenden der Tastsinn zerstört würde.
Dann könnte man jedenfalls nicht bei den durch das Ohr ins Bewußtsein tretenden
Tönen, bei den durch die Nase ins Bewußtsein tretenden Düften, bei den durch
die Zunge ins Bewußtsein tretenden Säften, bei den durch den Körper ins
Bewußtsein tretenden Tastungen bis in die Assoziationen hinein noch den
Vorstellungen greifen. An die Labsal der Vorstellungen gebunden, ihr Mönche,
kann das bestehende Bewußtsein weiterbestehen oder an die Labsal der
Assoziationen gebunden. Sollte jemand zu einer solchen Zeit das Zeitliche
segnen, so könnte es der Fall sein, daß er eine von zwei Fährten einschlägt:
zur Hölle oder in tierischen Schoß. Weil ich dieses Elend gesehen habe, ihr
Mönche, deshalb sage ich das.
Ein
Gutes, ihr Mönche, hätte der Schlaf. Den Schlaf nenne ich allerdings, ihr
Mönche, die unergiebige Lebenszeit, die fruchtlose Lebenszeit, die blinde
Lebenszeit. Immerhin aber kann man dabei gewiß nicht solche Gedanken denken,
unter deren Einfluß man den Orden spalten könnte. Diese unergiebige Lebenszeit,
ihr Mönche, habe ich als Elend gesehen, deshalb sage ich das.
Der
erfahrene edle Jünger aber, ihr Mönche, führt sich vor Augen: Sei es um den
glühenden Eisenpflock, den glühenden Eisenstift, die scharfe Nagelschere, das
scharfe Rasiermesser, das scharfe Schwert, die brennenden, lodernden,
flammenden, um damit den Sehsinn, den Hörsinn, den Riechsinn, den Schmecksinn,
den Tastsinn zu zerstören. Wohlan denn, ich will die Aufmerksamkeit auf
folgendes richten: Die 5 Innen- und Außengebiete, die 5 Arten des Bewußtseins,
die 5 Berührungen, die 15 Gefühle - sie alle sind unbeständig.
Sei
es um den Schlaf. Wohlan denn, ich will die Aufmerksamkeit auf folgendes
richten: Der Geist ist unbeständig, die Dinge sind unbeständig, das
Denkbewußtsein ist unbeständig, die Geistberührung ist unbeständig und was da
durch Geistberührung bedingt an Fühlbarem aufsteigt, sei es wohl oder oder
weder wehe noch wohl, alles das ist unbeständig.
Also
sehend, ihr Mönche, findet der erfahrene edle Jünger nichts bei alledem. Nichts
dabei findend, wird er reizlos. Durch Reizlosigkeit wird er erlöst. 'Im
Erlösten ist die Erlösung' erkennt er: 'Versiegt ist die Geburt, vollendet der
Brahma-Wandel, gewirkt das Werk, nichts Höheres gibt es über dieses hier',
versteht er da.
Das
ist, ihr Mönche, die Darlegung des Ausbrennens, eine Lehrdarlegung".
|