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S.35.202 Überflutet
Zu
einer Zeit weilte der Erhabene bei den Sakyern von Kapilavatthu im
Feigenbaumkloster. Damals aber hatten die Sakyer von Kapilavatthu ein neues
Herrenhaus eben erst erbauen lassen, und niemand noch hatte darin gewohnt, kein
Asket und kein Brahmane noch irgendein menschliches Wesen. Da nun begaben sich
die Sakyer von Kapilavatthu zum Erhabenen, begrüßten ihn ehrfurchtsvoll und
setzten sich zur Seite nieder. Seitwärts sitzend, sprachen nun die Sakyer von
Kapilavatthu zum Erhabenen also:
Es
ist da, o Herr, von den Sakyern von Kapilavatthu ein neues Herrenhaus eben erst
erbaut worden, und niemand noch hat darin gewohnt, kein Asket und kein Brahmane
noch irgendein menschliches Wesen. Das möge, o Herr, der Erhabene zuerst
benutzen: vom Erhabenen zuerst benutzt, werden es dann die Sakyer von
Kapilavatthu benutzen. Dann wird es den Sakyern von Kapilavatthu lange zum
Wohle, zum Heile gereichen.
Schweigend
gewährte der Erhabene die Bitte.
Als
nun die Sakyer von Kapilavatthu der Zustimmung des Erhabenen sicher waren, standen
sie auf, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig, gingen rechts herum und begaben
sich nach dem Herrenhause. Dort ließen sie den Boden ganz mit Matten bedecken,
die Stühle bereit richten, einen Eimer mit Wasser aufstellen und eine Öllampe
zurecht machen. Dann kehrten sie wieder zum Erhabenen zurück und sprachen also:
Ganz
mit Matten bedeckt, o Herr, ist der Boden des Herrenhauses, die Stühle stehen
bereit, ein Eimer mit Wasser ist aufgestellt, eine Lampe zurechtgemacht: wie es
nun, o Herr, dem Erhabenen belieben mag". Da hat denn der Erhabene sich
gerüstet, Mantel und Schale genommen und ist in Begleitung der Jüngerschaft zum
Herrenhause hingeschritten. Dort angelangt, spülte der Erhabene die Füße ab,
trat in den Saal ein und setzte sich nahe dem mittleren Pfeiler, gegen Osten
gewendet, nieder. Und auch die begleitenden Mönche spülten die Füße ab, traten
in den Saal ein und setzten sich nahe der westlichen Wand, gegen Osten
gewendet, nieder, so daß der Erhabene ihnen voransaß. Und auch die Sakyer von
Kapilavatthu spülten die Füße ab, traten in den Saal ein und setzten sich nahe
der östlichen Wand, gegen Westen gewendet, nieder, so daß der Erhabene ihnen
voransaß. Alsbald nun hat der Erhabene die Sakyer von Kapilavatthu bis tief in
die Nacht in lehrreichem Gespräch ermuntert, ermutigt, erregt und erheitert,
dann aber gemahnt: "Vorgerückt ist, ihr Gotamiden, die Nacht: Wie es euch
nun belieben mag".
"Wohl,
o Herr," sagten da gehorsam die Sakyer von Kapilavatthu, standen von ihren
Sitzen auf, verneigten sich ehrerbietig vor dem Erhabenen, gingen rechts herum
und entfernten sich. Bald aber, nachdem die Sakyer von Kapilavatthu gegangen
waren, hat der Erhabene sich an den Ehrwürdigen Mahá-Moggalláno gewandt:
"Frei von matter Müde, Moggalláno, ist die Jüngerschaft: schicke dich an,
Moggalláno, zu lehrreicher Rede vor den Mönchen; der Rücken ist mir schwer
geworden: den will ich ausstrecken".
"Gern,
o Herr", sagte da der Ehrwürdige Mahá-Moggalláno, dem Erhabenen
gehorchend. Da hat nun der Erhabene den Mantel, vierfach gefaltet,
aufgespreitet und sich auf die rechte Seite wie der Löwe hingelegt, einen Fuß
über dem anderen, klar bewußt der Stunde des Aufstehens gewärtig.
Da
nun wandte sich der Ehrwürdige Mahá-Moggalláno an die Mönche: "Brüder, ihr
Mönche". "Bruder" erwiderten da die Mönche dem Ehrwürdigen
Mahá-Moggalláno gehorsam. Der Ehrwürdige Mahá-Moggalláno sprach also:
Eine
Darlegung des Überflutens will ich euch zeigen und wie man nicht überflutet
wird. Das höret und achtet wohl auf meine Rede, ich werde sprechen".
"Wohl, Bruder", stimmten die Mönche dem Ehrwürdigen Mahá-Moggalláno
zu. Der Ehrwürdige Mahá-Moggalláno sprach also:
"Wie,
Brüder, ist man überflutet? Hat da, Brüder, ein Mönch mit dem Auge eine Form
gesehen, mit der Zunge einen Saft geschmeckt, mit dem Geiste ein Ding gedacht,
dann ist er angezogen vom Lieben und abgestoßen vom Unlieben. Ohne die
Achtsamkeit auf den Körper gegenwärtig zu haben, verweilt er beschränkten
Gemütes, und nicht versteht er wirklichkeitsgemäß jene Gemütserlösung, Weisheitserlösung,
wo die aufgestiegenen bösen, unheilsamen Dinge restlos aufgelöst werden. Den
nennt man, Brüder, einen Mönch, der überflutet wird von den durch das Auge ins
Bewußtsein tretenden Formen, von durch durch die Zunge ins Bewußtsein tretenden
Säften, von den durch den Geist ins Bewußtsein tretenden Dingen. Ein Mönch, der
so verweilt, Brüder, dem nähert sich Máro über das Auge, die Zunge, den Geist
und findet einen Zugang und einen Ansatzpunkt. Gleichwie, Brüder, ein Haus aus
Schilfrohr oder Gras gebaut wäre, aus trockenem, saftlosem, lange abgelagertem,
und ein Mann käme herbei aus dem östlichen Gebiet mit einem lodernden
Feuerbrand, aus dem westlichen, nördlichen, südlichen, von unten oder oben oder
wo immer, da würde das Feuer einen Zugang und Anhaltspunkt haben. Ebenso
verweilend, Brüder, nähert sich Máro über das Auge, die Zunge, den Geist und
findet einen Zugang und Anhaltspunkt. So verweilend, Brüder, überwältigen die
Formen, die Säfte, die Gedanken den Mönch, und nicht überwältigt der Mönch sie.
Diesen, Brüder, nennt man einen Mönch, der von den Formen, Säften und Gedanken
überwältigt wird. Er wird überwältigt, nicht überwältigt er. Es überwältigen
ihn die Bösen, unheilsamen Dinge, die besuldenden, wiederdaseinsäenden,
entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Altern und Sterben erzeugenden. So
nun, Brüder, ist man überflutet.
Wie
wird nun, Brüder, einer nicht überflutet?
Hat
da, Brüder, ein Mönch, mit dem Auge eine Form gesehen, mit der Zunge einen Saft
geschmeckt, mit dem Geiste ein Ding erkannt, dann wird er vom Lieben nicht
angezogen und vom Unlieben nicht abgestoßen. Die Achtsamkeit auf den Körper
gewärtig habend, verweilt er unbeschränkten Gemütes, und er versteht
wirklichkeitsgemäß jene Gemüterlösung, Weisheitserlösung, wo die aufgestiegenen
bösen, unheilsamen Dinge restlos aufgelöst werden. Den nennt man, Brüder, einen
Mönch, der nicht überflutet wird von den durch das Auge ins Bewußtsein
tretenden Formen, von den durch die Zunge ins Bewußtsein tretenden Säften, von
den durch den Geist ins Bewußtsein tretenden Dingen. Ein Mönch, der so
verweilt, Brüder, wenn dem sich Máro über das Auge, die Zunge, den Geist
nähert, dann findet er keinen Zugang, keinen Anhaltspunkt.
Gleichwie,
Brüder, wenn da ein Haus oder eine Halle mit einem Giebel wäre, aus starkem
Lehm gebaut, neu gedeckt, und es käme ein Mann von Osten, Westen, Norden oder
Süden, von unten, von oben oder woher auch immer, mit einem lodernden
Feuerbrand aus Stroh - da würde das Feuer, das sich nähert, keinen Zugang
haben, keinen Ansatzpunkt. So verweilend, überwältigen die Formen, die Säfte,
die Gedanken nicht den Mönch, sondern er überwältigt sie. Diesen, Brüder, nennt
man einen Mönch, der die Formen, Säfte und Gedanken überwältigt. Er
überwältigt, nicht wird er überwältigt. Er überwältigt die Bösen, unheilsamen
Dinge, die besudelnden, wiederdaseinsäenden, entsetzlichen, Leiden
ausbrütenden, wiederum Altern und Sterben erzeugenden. So nun, Brüder, ist man
nicht überflutet".
Nachdem
sich der Erhabene dann erhoben hatte, wandte er sich an den Ehrwürdigen
Mahá-Moggalláno: "Vortrefflich, vortrefflich, Moggalláno, vortrefflich war
es, wie Du den Mönchen darlegtest, wie man überflutet wird und wie man nicht
überflutet wird". So hatte der Ehrwürdige Mahá-Moggalláno gesprochen, und
der Meister hatte es gutgeheißen. Zufrieden freuten sich die Mönche über die
Rede des ehrwürdigen Mahá-Moggalláno.
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