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S.36.7 Krankheit I
Zu
einer Zeit weilte der Erhabene bei Vesáli im Großen Walde, in der Giebelhaus-Halle.
Gegen Abend, nach Aufhebung der Gedenkensruhe, begab sich der Erhabene zum
Krankenzimmer, setzte sich auf einen vorbereiteten Sitz und wandte sich also an
die Mönche:
"Achtsam
und klar bewußt, ihr Mönche, sollte der Mönch die Zeit erfüllen, das haltet als
unser Gebot.
Wie
aber, ihr Mönche, ist der Mönch achtsam? Da wacht der Mönch beim Körper über
den Körper, bei den Gefühlen über die Gefühle, beim Herz über das Herz, bei den
Dingen über die Dinge, unermüdlich, klar bewußt, achtsam, nach Verwindung
weltlichen Begehrens und Bekümmerns. So, ihr Mönche, ist der Mönch achtsam.
Und
wie, ihr Mönche, ist der Mönch klar bewußt? Da ist, Ihr Mönche, der Mönch klar
bewußt beim Kommen und Gehn, klar bewußt beim Hinblicken und Wegblicken, klar
bewußt beim Neigen und Erheben, klar bewußt beim Tragen des Gewandes und der
Almosenschale des Ordens, klar bewußt beim Essen und Trinken, Kauen und
Schmecken, klar bewußt beim Entleeren von Kot und Harn, klar bewußt beim Gehn
und Stehn und Sitzen, beim Einschlafen und Erwachen, beim Sprechen und
Schweigen. So ist, ihr Mönche, der Mönch klar bewußt.
Achtsam
und klar bewußt, ihr Mönche, sollte der Mönch die Zeit erfüllen, das haltet als
unser Gebot.
Steigt
einem Mönch, ihr Mönche, der also achtsam, klar bewußt, ernsten Sinnes,
unermüdlich, entschlossen verweilt, ein Wohlgefühl auf, so weiß er:
'Aufgestiegen ist mir dieses Wohlgefühl, und es ist bedingt, nicht ohne
Bedingung. Bedingt wodurch? Durch eben diesen Körper ist es bedingt. Dieser
Körper aber ist unbeständig, gestaltet, bedingt entstanden. Das Wohlgefühl
aber, das bedingt durch diesen unbeständigen, gestalteten, bedingt entstandenen
Körper aufgestiegen ist - wie könnte es beständig sein?' Sowohl beim Körper als
auch beim Wohlgefühl verweilt er in Betrachtung der Unbeständigkeit, weilt in
Betrachtung des Schwindens, weilt in Betrachtung der Entreizung, weilt in
Betrachtung der Auflösung, weilt in Betrachtung des Loslassens. Wer so
verweilt, der überwindet sowohl beim Körper als auch beim Wohlgefühl den Hang
zum Reiz.
Steigt
einem Mönch, ihr Mönche, der also achtsam, klar bewußt, ernsten Sinnes,
unermüdlich, entschlossen verweilt, ein Wehgefühl auf, so weiß er 'Aufgestiegen
ist mir dieses Wehgefühl, und es ist bedingt, nicht ohne Bedingung. Bedingt wodurch?
Durch eben diesen Körper ist es bedingt. Dieser Körper aber ist unbeständig,
gestaltet, bedingt entstanden. Das Wehgefühl aber, das, bedingt durch diesen
unbeständigen, gestalteten, bedingt entstandenen Körper aufgestiegen ist - wie
könnte es beständig sein?' Sowohl beim Körper als auch beim Wehgefühl verweilt
er in Betrachtung der Unbeständigkeit, weilt in Betrachtung des Schwindens,
weilt in Betrachtung der Entreizung, weilt in Betrachtung der Auflösung, weilt
in Betrachtung des Loslassens. Wer so verweilt, der überwindet sowohl beim
Körper als auch beim Wehgefühl den Hang zum Widerstand.
Steigt
einem Mönch, ihr Mönche, der also achtsam, klar bewußt, ernsten Sinnes,
unermüdlich, entschlossen verweilt, ein Weder-wehe-noch-wohl-Gefühl auf, so
weiß er: Aufgestiegen ist mir dieses Weder-wehe-noch-wohl-Gefühl und es ist
bedingt, nicht ohne Bedingung. Bedingt wodurch? Durch eben diesen Körper ist es
bedingt. Dieser Körper aber ist unbeständig, gestaltet, bedingt entstanden. Das
Weder-weh-noch-wohl-Gefühl aber, das bedingt durch diesen unbeständigen,
gestalteten, bedingt entstandenen Körper aufgestiegen ist - wie könnte es
beständig sein?' Sowohl beim Körper als auch beim Weder-weh-noch-wohl-Gefühl
verweilt er in Betrachtung der Unbeständigkeit, weilt in Betrachtung des
Schwindens, weilt in Betrachtung der Entreizung, weilt in Betrachtung der
Auflösung, weilt in Betrachtung des Loslassens. Wer so verweilt, der überwindet
sowohl beim Körper als auch beim Weder-weh-noch-wohl-Gefühl den Hang zum
Unwissen.
Fühlt
er nun ein Wohlgefühl, dann erkennt er es als unbeständig. Er erkennt es als
einer, der sich nicht daran bindet. Er erkennt es als einer, der kein Genügen
daran findet.
Empfindet
er nun ein Wehgefühl, dann erkennt er es als unbeständig. Er erkennt es als
einer, der sich nicht daran bindet. Er erkennt es als einer, der kein Genügen
daran findet.
Empfindet
er nun ein Weder-weh-noch-wohl-Gefühl, dann erkennt er es als unbeständig. Er erkennt
es als einer, der sich nicht daran bindet. Er erkennt es als einer, der kein
Genügen daran findet.
Empfindet
er ein Wohlgefühl, so empfindet er es als Entfesselter. Empfindet er ein
Wehgefühl, so empfindet er es als Entfesselter. Empfindet er ein
Weder-weh-noch-wohl-Gefühl, so empfindet er es als Entfesselter.
Empfindet
er ein körpergefährdendes Gefühl, so weiß er: 'Ein körpergefährdendes Gefühl
fühle ich'. Empfindet er ein lebensgefährdendes Gefühl, so weiß er: 'Ein
lebensgefährdendes Gefühl fühle ich'. Er weiß: 'Wenn der Körper zerfällt, bis
das Leben verbraucht ist, wird noch hienieden alles, was Fühlbarkeit heißt,
ohne Genügen, kühl geworden sein'.
Gleichwie
etwa, ihr Mönche, das Öl und der Docht eine Öllampe leuchten lassen; wenn aber
Öl und Docht verbraucht sind und neue Nahrung nicht zugeführt wird, sie ohne
Nahrung erlischt: ebenso nun auch, ihr Mönche, erkennt der Mönch, ein
körpergefährdendes Gefühl empfindend: 'Ein körpergefährdendes Gefühl empfind
ich', erkennt er, ein lebensgefährdendes Gefühl empfindend: 'Ein
lebensgefährdendes Gefühl empfind ich'. Er weiß: 'Wenn der Körper zerfällt, bis
das Leben verbraucht ist, wird noch hienieden alles, was Fühlbarkeit heißt,
ohne Genügen kühl geworden sein"'.
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