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S.36.11 In die Einsamkeit
gegangen
Ein
gewisser Mönch begab sich zum Erhabenen, begrüßte ihn ehrfurchtsvoll und setzte
sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, wandte sich dieser Mönch also an den
Erhabenen:
"Als
ich, o Herr, in die Einsamkeit gegangen war, in der Zurückgezogenheit stieg mir
im Gemüte folgende Erwägung auf: 'Drei Gefühle hat der Erhabene genannt, Wohlgefühl,
Wehgefühl, Weder-weh-noch-wohl-Gefühl'. Diese drei Gefühle hat der Erhabene
genannt. Der Erhabene hat aber auch gesagt: 'Was irgend empfunden wird, das ist
Leiden. Worauf bezogen hat wohl der Erhabene dies geäußert: 'Was irgend
empfunden wird, das ist Leiden?"'
"Gut,
gut, o Mönch. Diese drei Gefühle habe ich genannt: Wohlgefühl, Wehegefühl,
Weder-weh-noch-wohl-Gefühl. Diese drei Gefühle habe ich genannt. Ich habe aber
auch gesagt, o Mönch: 'Was irgend auch empfunden wird, das ist Leiden'. Dies
nun aber habe ich geäußert im Hinblick auf die Unbeständigkeit der
Gestaltungen: 'Was irgend auch empfunden wird, das ist Leiden'. Dies nun aber
habe ich geäußert im Hinblick auf das Gesetz des Versiegens, Verschwindens,
Entreizens, Auflösens, Veränderns der Gestaltungen: 'Was irgend auch empfunden
wird, ist Leiden'.
Stufenweise
habe ich die Auflösung und das zur Ruhekommen der Gestaltungen erklärt:
Eingegangen in die erste Schauung ist die Sprache aufgelöst und zur Ruhe
gekommen. Eingegangen in die zweite Schauung sind Erwägen und Sinnen aufgelöst
und zur Ruhe gekommen. Eingegangen in die dritte Schauung ist Verzückung
aufgelöst und zur Ruhe gekommen. Eingegangen in die vierte Schauung ist Ein-
und Ausatmen aufgelöst und zur Ruhe gekommen. Eingegangen in die unbegrenzte
Raumsphäre ist die Formenwahrnehmung aufgelöst und zur Ruhe gekommen.
Eingegangen
in die unendliche Bewußtseinsphäre ist die Wahrnehmung der unbegrenzten
Raumsphäre aufgelöst und zur Ruhe gekommen. Eingegangen in die
Nicht-Daseins-Sphäre sind die Wahrnehmungen der unbegrenzten Bewußtseinssphäre
aufgelöst und zur Ruhe gekommen. Eingegangen in die Grenzscheide möglicher
Wahrnehmung sind die Wahrnehmungen der Nicht-Daseins-Sphäre aufgelöst und zur
Ruhe gekommen. Eingegangen in die Auflösung von Wahrnehmung und Fühlbarkeit,
sind Wahrnehmungen und Gefühle aufgelöst und zur Ruhe gekommen. Im
triebversiegten Mönch ist Reiz aufgelöst und zur Ruhe gekommen, ist Abwehr
aufgelöst und zur Ruhe gekommen, ist Verblendung aufgelöst und zur Ruhe
gekommen.
Es
gibt, o Mönch, diese sechs Gestilltheiten:
Eingegangen
in die erste Schauung ist die Sprache gestillt, eingegangen in die zweite
Schauung sind Erwägen und Sinnen gestillt, eingegangen in die dritte Schauung
ist Verzückung gestillt, eingegangen in die vierte Schauung ist Ein- und
Ausatmen gestillt, eingegangen in die Auflösung von Wahrnehmung und Fühlbarkeit
sind Wahrnehmungen und Gefühle gestillt, im triebversiegten Mönch ist Reiz
gestillt, ist Abwehr gestillt, ist Verblendung gestillt".
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